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Central-Verein-Zeitung · 1933-06-08 · 23 (8.6.1933) · p. Seite 215

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
23 (8.6.1933)
Date
1933-06-08
Page
Seite 215 (sequence 7)
Language
German
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215 li. Die mittleren Schuten Auch für die mittleren Schulen stammt das neueste amtliche Material mt§ dem Schuljahr 1926/27. Es waren danach an sämtlichen mittleren Schuten Deutschlands mir 2 8 17 j ü disch e S ch ü l e r beiderlei Geschlechts/ von denen 93 Prozent, nämlich 2677, preußische Mittelschulen besuchten. Am stärksten vertreten findet sich diese Schulkategorie in Berlin, wo 1109 jüdische Schulkinder in Mittelschulen gingen; das bedeutet 39 Prozent aller Mittelschüler im Reich bzw. 41 Prozent der preußischen Mittelschüler. In Berlin kamen aus 100 Mittelschüler 7,82 jüdische Binder, während der Reichsdurchschnitt nur 1.33 Prozent betrug. lieber dem Reichsdurchschnitt lag ferner die Ziffer für die Grenzmark, obwohl dort die absolute Zahl der jüdischen Schulkinder an Mittelschulen nur gering war. Mit 26 jüdischen Mittelschülern betrug der Anteil 2,13 Prozent, der Schultyp war dort also nur schwach vertreten. Gegenüber diesen Zahlen sind die Luvten der anderen preußischen Landesteile und deutschen Länder unerheblich. Tie vorstehende Ueberficht IV läßt nähere Einzelheiten erkennen. IH. Die Volksschulen rurv Privatschulcn mit VoLtsschulzrel Aufschlußreich ist das Material über die öffentlichen Volksschulen und die Prioatschulen mit Volksschulziel, dem Erhebungen aus dem Schuljahr 1931-32 zugrunde liegen. Tie Zahl der jüdischen Volksschüler ist höher als die der jüdischen Schüler in höheren Lehranstalten. Es wurden 2 8 6 3 9 im Reich, davon 2 0 8 7 9 in Preußen und hiervon allein 7489 in Berlin gezählt. Ter Anteil an der Gesamtheit mit 0,38 Prozent im Reich liegt weit unter dem jüdischen Anteil an der Bevölkerung und weiter unter dem Anteil der entsprechenden jüdischen Altersgruppen an denen der Gesamtheit. Eine höhere Quote wird lediglich in Berlin erreicht, nämlich 2.74 Prozerrt. Sonst liegt nur noch die Zahl für Hessen-Nassau, 0,86 Prozerrt, erheblich über dem Neichsdurchschnitt. Irr allen anderen Ländern und Larrdesteileu bewegen sich die Ziffern cliua in Höhe des Neichsdurchschnitt--, zum Teil sogar noch darunter. Tas gleiche Bild ergibt die Übersicht über die jüdischer; Volksschüler in den einzelnen preußischen Regierungsbezirkerr. * Demgegenüber sind die Zahl der jüdischen Schüler an P r i v a t s ch ulen m i t Dolkss ch ulzicl und ihr Anteil an den Schülern überhaupt recht erheblich. Es gab im Schuljahr 1931 32 3 8 6 8 derartige Schüler im Reich, davon gingen 4 49 1, d. h. etwa 75 Prozent a u f preußisch e, davon 225 1 auf Berliner Schulen dieser Gattung, d. h. etwa 38 Prozent aller jüdischen Schüler an derartigen Schulen im Reich, bzw. 51 Prozent alter jüdischen Schüler an Privatschulen mit Volksschulziel in Preußen. Ter Anteil der jüdischen Schüler dieses Schultyps an der Gesamtheit betrug im 'Reiche 12,08 Prozent; ganz wesentlich höher war er wieder in Hesien-Nassau, in Berlin und endlich auch in Riederschtesien. Ter Anteil in ganz Preußen schnellt dadurch auf eine Höhe von 22,98 Prozent. Taueberr derparkhotel Das renommierte Haus. 5e* liagL ruhige Ir.terkon/t, dient lediglich noch die bayerische Quote mit 18,40 Prozent besondere Erwähnung. In allen anderen Ländern und Landesteilen lag der Anteil unter dem Reichs-» durchschrritt; in einzelnen kleineren Ländern war der Schultyp überhaupt nicht vertreten bzw. keine jüdischen Schüler vor- Händen. K* LL V chLCSchSMNß E—n. Ein Kassierer der B. E. W. wurde jüngst in einer Familie gefragt, wie es komrnt, daß die Lichtrechnrrng jetzt höher sei, während die Tage doch immer länger werden, und er antwortete: ...Danach werde ich in vielen jüdischen Härrsern gefragt. Tas ist aber sehr einfach zu erklären, sie gehen jetzt weniger ans rnrd verbrauchen infolgedessen mehr Licht/ Ein seiner Psychologe, der die Lage richtig erfaßt hat! Es war zunächst Bestürzung rrnd Besorgnis, welche die Inden im Hanse zurückgehalten haben, aber was unter Zwang begonnen wurde, das müssen wir mit Bewußtsein und Willen sortsetzcn. Eine so schwere Leideuszeit, wie wir Inden jetzt durchleben, ist nur dann tragbar, wenn sie zur Sinngebung führt, wenn aus dem Leiden eine Willensänderung, ein Wechsel des Lebensstils hervorgeht. Aus der Rot muß eine Trrgend gemacht, muß gelernt werden, daß wir nicht hinaus aus die Straße, sondern in unsere Häuser gehören. Wir vertieren sehr wenig dabei, wenn wir die viel besuchten Vergnügungsstätten meiden, und können unendlich viel gewinnen, wenn wir uns auf das Haus zurückziehen, unser Familienleben wieder befestigen und veredeln. Gewiß braucht der Großstädter seine Ablenkung, bedarf er, namentlich in so sturmbewegten Zeiten, einer Entspannung, aber die muß nicht irr wertlosen Genüssen bestehen, welche Kaffeehaus, Kabarett, Kirro oder schlechtes Theater bieten, sie kann auch irn Hanse gewonnen roerden. Es ist noch gar nicht lange her, daß irr jüdischen Häusern edelste Musik gepflegt wurde, ernste und heitere, die ganze Geschlechter und weite Freundeskreise in ihrem Banne hielt. Warum soll diese grKe Ueberliefermrg nicht wieder aufleben'? Wo die Fertigkeit des Musizrerens ausgestorben ist, könnte durch das Radio, das ja die Kunst der ganzen Welt vermittelt, Ersatz geboten rmd eine ganze Gesellschaft gefesselt werden.- Tie Familie ist stets eine der Kraftquellen des Judentums gewesen, das jüdische Familienleben war noch irr der vorigen Generation w stark und innig, daß es selbst unieren Gegnern als Muster galt. Heute, wir wmen es alle, ist dieser Znsammenharrg gelockert — nicht zuletzt, weil wir unsere Unterhaltung und unsere Vergnügungen außer dem Hause Nichten. Aber nun ist die Zeit der Umkehr gekommen,, cs ist ein Gebot der Stunde, daß wir, was wir von unfern Vätern ererbt haben, wieder erwerben, um es zu besitzen, daß wir unsere Häuser wieder zu Stätten eines engen Familienzusammenschlusies machen. Sie würden mit dem Familienkreis auch andere Nahestehende versammeln, auch wieder Stätten der Freundschaft und der Geselligkeit werden können, wenn wir uns wieder aus unser Eigenleben bennnen. In unseren Häusern werden wir wirklichs seelische Erholung, wirksame Auffrischung unseres inneren Menschen finden. An llnterhaltuugs-, an Bildungsnütteln wird es nicht fehlen, so wenig wie sie rrnseren Großvätern und Großmüttern gefehlt haben, die weniger erlebt, aber mehr Innenleben besessen haben, die weniger? Bücher verschlungen, aber mehr gelesen^ die weniger abgenrteilt, aber mehr gedacht und verarbeitet haben. Wir Juden haben ja genug Unterhaltnngs- und Belehrungsfloss — aus den Klassikern aller Völker und aus eigenem Bestand, von der Bibel augesangen bis zürn jüngsten jüdischer; Erzähler und Dichter. Aber unser Unglück ist s, daß rvir neuerdings das Lesen verlernt haben, daß rvir vor lauter Unrast nicht zur 'Ruhe, vor lauter Ablenkung nicht zur Besinnung kommen. .Täuschen wir uns nicht, wir besitzen zwar viel mehr Kenntnisse als unsere Großeltern, aber weit weniger Bildung, viel mehr Zivilisation, aber weit weniger Kultur. Eine Urngestaltung innerer Lebensform aber eröffnet uns neue Möglichkeiten zur Selbstbesinnung, zur Selbstbildung, zur

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