Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 23 (8.6.1933)
- Date
- 1933-06-08
- Page
- Seite 212 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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eigene Mittel, d. h. ihm zugeführie Mittel der leiftungZfähigeren großen Gemeinden für die kleinen Gemeinden verwandt. Die Staatsbeihilfen für die leistungsschwachen Synagogengemeinden find nunmehr eingestellt. Wie schon errvahnt, find die Rabdinerstaatsbeihilsen scholl für 1932 nicht mehr ausgezahlt worden. Diese Beihilsen find vom Ministerium nach Prüfung der Verhaltnine selbst verteilt und daher immer erst gegen Ende des Etatsjahres arrsgeschüttet worden. Infolge des politischen Umschwungs ist die Auszahlung ßt 1932 unterblieben. Hier find also Nr e betroffenen Gerneinden Einnahmen sortgefallcn, mit denen fie nach Lage der Cache hatten rechnen dürfen. Für die Zukunft ist nach einer Mitteilung des preußischen Kultusministers mit Staatsbeihilfen nicht mehr zu rechnen. Die Staatsbeihilfen haben sehr wesentlich dazu bcigetragen, überall eine religiöse Versorgung unserer Gemeinden, besonders die religiöse Erziehung der Kinder, zu ermöglichen. Dieser Versorgung stehen bei uns besondere Schwierigkeiten entgegen. Unsere Menschen find vielfach in sehr kleinen Gemeinden aus die einzelnen Orte verteilt. Diese kleinen und kleinsten Gerneinden find naturgemäß nicht in der Lige^ selbst einen Beamten 311 besolden. Die Maatsbeihilfen hatten, ihnen geholfen, ihre Kinder religiös unterrichten zu lassen und ihnen eine religiöse Erziehung z^geoen, die gewiß auch im Interesse des Staates lag und liegt. Ten Gemeinden überhaupt wurde eine religiöse Führung gesichert. Ihr Einslutz vor allem ist dafür wichtig, daß in der Isolierung der kleinen Gemeinden nicht unsichere, innerlich halrlose oder nur mit den Dingen hadernde in Radikalismus abgleitcnde Menschen we^en. Dabei geht in den kleinen rabbinerlosen Gemeinden die Bedeutung des Lehrers weit über die des Jugendbildners hinaus.' Er mutz vielfach der geistige Halt der Gemeinde überhaupt fein. Die Durchführung dieser Ausgabe ist durch den Fortfall der StaaLsbeihilsen äußerst erschwert. Die Not steig: in allen unseren Gemeinden, auch in größeren und großen. Gleichzeitig fällt ein erheblicher Teil der Mittel fort, die den religiösen Halt der kleineren und kleinen Gemeinden sichern sollen. Es hat keinen Zweck, jetzt darüber zu klagen. Co unerfreulich der Vorgang ist und so schwer die Lage, so gibt es im Augenblick nur eins: A u s eigener Kraft das irgend Mögliche zu tun. Es wird vielfach nicht möglich sein, den Beamten mehr als das zum Leben Allernotwendigste zu geben. Tie Beihilfen für Witwen und Waisen mutzten auf ein Matz herabgesetzt werden, das gerade noch die Abwehr' äußersten Elends ermöglicht. Es ist aber die Pflicht der jüdischen Gesarntheit, wenn sie vor sich und der jüdischen Welt bestehen soll, aus eigenen Mitteln das Aeutzerste zu tun, um den Gemeinden ihre religiöse und geistige Führung, den Kindern den Unterricht, den Beamten ihren Wirkungskreis und ihre Stellungen zu erhalten. Die größeren Gemeinden nmnen sich dieser Ausgabe bewußt sein, die Gemeindemitglicder, wenn die Steuerforderung ihrer Gemeinde an sie herantritt, die Verpflichtung anerkennen, nicht nur für ihre eigene Gemeinde, sondern für die Gesarntheit Opfer zu brirrgen. . y. ßri r Nach achtjähriger Pause findet in Deutschland am 16. Juni 1933 eine Dolks- und Berufszählung statt, die die gesamte in Deutschland lebende Bevölkerung erfassen wird. In den nächsten Tagen schon werden die Haushaltungslisten bzw. die Land- und Forstwirtschafiskarten, die Gewerbekarken und die Grundstücksliften zur Verteilung gelangen. .Jeder Inhaber einer eigenen Wohnung ist verpflichtet, die Haushaltungsliste auszusüllen. Wir weisen besonders darauf hin, daß nicht nur die in der Haushaltung anwesenden Personen, sondern auch die nur vorübergehend Abwesenden einzutragen sind, ebenso übngens wie die vorübergehend Anwesenden. In Untermiete wohnende Familien haben dann eine Haushaltungsliste auszusüllen, wenn sie eine eigene, vom Hauptmiciet getrennte Hauswirtschaft führen. Es wird, wie bei jeder Volkszählung, auch die ReligronszugeHörigkeit jedes einzelnen Einzutragcnven erfragt; dabei ist die rechtliche Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft maßgebend. Zur Beantwortung der Drage nach der Religionszugehörigkeit ist jedermann verpflichtet. Als Juden haben sich demnach alle Persoucu cinzntragen, bei denen die rechtliche Zugehörigkeit zur jüdischen Religionsgemeinschaft gegeben ist. Wir weisen darauf hin, daß die genaue und voll ständige Ausf ü k l u n g der H a u s h a l t u n g s - listen bzw. der sonst oben bezeichn e t e n Fr a g e ka r t c n im Interesse des zur Ausfüllung Verpflichteten liegt, da er sonst Rückfragen zur Be'eitigung von Lücken und Unstimmigkeiten durch den ehrenamtlich bestellten Zähler gewärtigen muß. Mit der gesamten deutschen Bevölkerung sind audj die deutschen Juden an einer einwandfreien Durchführung der Volks- und Berufszählung inicrewert. Nur wenn die Angaben bei der Zählung aufs genaueste eingetragen werden, können wertvolle und wirklichkeitsnahe Ergebnisse erzielt werden. ZsiWsgsl lieber den Segclftug des österreichischen Juden Robert Kronfeld berichtet die nationalsozialistische „Rote Erde" irr ihrer Nummer vom 30. Mai unter der Ueberschrist „Legelslug über den flammenden Vesuv. Robert Kronfelds nene Bravourleistung": „Brr österreichische Rekordflieger Robert K r 0 n s e l d, der im Segelslug die Weltbestleistung mit einem Abstieg von 2339 Metern hält und als erster Legelflieger über den Aermclkanal und zurück geflogen ist. weilt jetzt aus Einladung des Königlich-italienischen Aero- Klubs in Italien. Mit seiner gestern vollbrach-cn Ueberfliegung des Vesuvs im Segelflugzeug hat Kronfeld in Italien allgemeine Bewunderung erregt. Bei glanzendem Wetter unternahm Krönseid vor einer vieltausendköpfigen Zu'chauerinenge seinen Flug, dessen Verlaus von d-er Erde aus "mit größter Spannung verfolgt wurde. Kronsclds Ruf als Segelflieger ist, wie überhaupt der seiner deutschen Kollegen, in Italien sehr groß und erklärt auch das besondere Jnlerkfst, das seinem Versuch in flugtechnischen Kreisen entgegengebracht wurde. Donnernder Beifall empfing ihn, als er wach seinem gelungenen Flug über den jetzt tätigen Vestiv hinweg wieder tri seinen Freunden inNeepel ein- Lras . . M In der „Frankfurter Zeitung" vorn 3t. Mai, Nr. 393-Lttl), schreibt K. 2t. Junge in eirrerrr Aussatz „Was ist arisch?": „. . . Seit einem Jahrzehnt werden in Deutschland die Bezeichnungen „Arier", „arisch", „nicht arisch" mit einer Häufigkeit und Geläufigkeit gebraucht, die noch vor einem Menschenalter völlig unbekannt war. Was wußte denn noch vor dreißig Jahren der Durcaschnittsdeut'che von „Ariern" und arischen Menschen? Man konnte auch fragen: „Was weiß er heute davon?"' Es ist ein Dort aus der Sr rache de; Gelehrten. und diese kennen es auch erst seit den Forschungen über die Sprache und T ichtung der Inder und Perser. Denn arüch kann man mit Recht nur die Sprache dir'er beiden Böller nennen. Arier ist d<r Name, den fie sich selbst gaben und den fie auch cn* ihr 2a:;b übertrugen. Der Namearja soll die „Ed len" oder die „Herren" bedeuten, aber ganz sister ist das nicht. Dementsprechend wurden die anderen Leute, die Unterworfenen, die nicht rdm arja gehörten, als minderwertig, als Knechte betrachtet und in die unteren Kasten der indischen Bevölkerung herabgedrückt. Dort wer aü'o dir Bezeichnung „Ariers und „Nichtarür" wirklich eine Bezeichnung der Abstammung und der Raste. Von dem Volksnamen leitete sich ohne weiteres der Landesname ^rsLna" ab. der sich in dem heutigen Iran, dem ö-auptgebiet Persiens, erhalten hak. Es ergab sich von selbst, das; die Wisienschast auch die Sprachen dieser beiden Völker als arische bc zeichnete. Es traj genau die Sache. Nun aber entstand aus der Wahrnehmung, daß die Kulturen jener bis zum En^e des achtzehnten Jahrhunderts nur wenig bekannten Völker in eine weit zurück liegende Vorzeit hin.' aufrcichten, und daß andrrfeiis die Sprachen fast aller europäischen Völler mit ollstn Sprachen eng verwandt sind, die etwas unbestimmte, heute verlassene Meinung. daß die st arischen Sprachen gewissermaßen die Urspraäe und das persische Hochland der Ursin der europäischen Völker sei. Die deutsche Srrachwifsew schaft hat diese Eemeirisamkeit der Sprachen. indem fie den südlichsten Zweig, die nst-stach. rmd den nördlichsten, die germanische, zu einer Benennung zusam,menfügte, mir dem nnstüfiendcn Namen „iudogermanisach benannt. aber der Name ari'ch schlich sich daneben ein und erhielt sich besonders dort, wo neben dem minem'cho.stkicl)en Jnterefie sich noch ein änderest inchr gefühlsmäßiges geltend mechie. dem der Name „Arier" auch gleichzeitig einen Wert tezeichnele. Man übersah dabei freilich, daß die Bcnen.mrnz arische Sprachen noch keineswegs rttvas über die Rasse der Völker, die diese Sprache redeten, anssagte. Wenn man als den Trp-uZ dieses indogermanischen ttrvolkcs nach Bildwerken und