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Central-Verein-Zeitung · 1933-05-26 · 21 (26.5.1933) · p. Seite 191

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
21 (26.5.1933)
Date
1933-05-26
Page
Seite 191 (sequence 7)
Language
German
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Ein' itzM-rkser fchrekbtr Es ist ein furchtbarer Kampf, den die jüdisct)e Jugcwd in den heutigen Tagen durch-' zu machen hat. Hier gilt es nicht allein, den Menschen m:d seine Fähigkeiten mir ernstem Be mich)! sein dem Eanzen .zur Versagung Z'n halten, sondern in der eigenen Seele einen Zwieftxrlt. seine Auf. faöung und seinen Glauben zu prüfen, sein Leben — uuh nichts weniger — in eine SSaag« schale zu werfen, um es neu zu wägen und zu richten. Es war nie die Lache wirklicher Jugend, das Leben in eine Form zu pressen und cs wrch vorgeschriebenen Buhnen zu lenken. Leben stellt in 'einer höchsten Form die Gestalt der Reife der. ist eine Frucht der Erfahrung und der Erkenntnis. Es will erlebt sein und erkannt, erfahren und — wie es ein Meister nannte — gelebt". Doch ein Leben kann nie erdacht werden und nicht durch eine Form Verwirklichung erführen; denn es muß frei sein und „gebildet". Es war der große Ernst jüdischer Jugend, ihre Eignungen und Kräfte, besonders die geistigen. aufzubaueu, sie in tiefem Studium zu stärken, nun schließlich hieraus als Gestalt, als hochwertiger Men-'ch in einem Beruf dort Platz und Aufgabe zu finden, wo Anforderungen und Erwartung sich westen und dem Individuum die Tauglichkeit stir Familie, Gesellschaft und Staat zuerkennen. Tie deun'chjüdi'che Jugend steh: heute innerhalb einer Blauer, die sie den ihrigen näherbringt und von der großen Welt abich-ießt. Ihr Leben, das sie bisher mit der Gesamtheit ge-! führt und entwiaeit, die Ausgaben, die Ziele, ' alle Jnteresten, die sie mit ihrer Umwelt hatte, i die Früchte: sie sollen plötzlich nicht mehr sein, j die Jahre nutzlos, die Menschen fremd, das! Streben verfehl: gewesen und vergessen? i .-.Waren wir zu wenig national?" fragte mich! kürzlich einer, .wder wußten wir es nur zu j wenig, da es uns selbstverständlich war?" .Lst! es das Blut, das den Menschen denr Lande ent-! fremden kann: w:s bin ich anderes, wenn nicht deutsch? — die Religion, meine Gesinnung also? Ist es der Men-'ch. der mich meidet?" — imd hier das große: ..Weshalb?" — Es ist keine An.u't. aber cs grenzt an Fasimigslosigleit, was sich den jungen Mensäwn heute «rufzwingt: .Dlenn wie soll ich der Welt benoeisen, wie ich bin?" „W:r tonnten dem ertrnnea Flügel der nationalen Gesinnung nicht angchören. Aber macht uns das geringer? — Wir waren liberal. Blaßten wir das nicht? — Wir lebten 3:1 wenig dem Körper. Heißt das undeutsch?" Es find Fragen, die nicht freimütig beantwortet werden können. Es sind die Bilder der Welt, in ihnen singt und fällt der i’ieivd). ' Es war allzu sehr das Feld des Geistes, auf dem sich die jüduche Jugend betätigt batte. Sic muß heute die fr-nie Stufenleiter, wie mau sie früher beurteilte, rückvoärts tun. aus wirtschaftlichem Gebiet di? Arbeit von neuem beginnen, die all die Jahrbuuderte die gleiche geblieben ist. Tenn man muß leben, und einen anderen Weg läßt das Gesetz nicht offen. Es ist eine 'choere Erkenntnis, die diese kurzen Worte für den jungen Juden enthalten. Tenn keimr weiß bester als er selbst, wie sehr seine geistigen Lüstlingen infolge der historischen Entwicklung des deutschen Judentums gegenüber dcn körperlichen abstehen. Es ist das Kernproblem. und doch wird cs zu wenig verstanden. Es wäre hier kaum am Platze, aus der jüdischen Stellung irgcudün Heldentum a:uzubauen. Tenn vichts weniger als das ist sie. Judent.wn: dieses Wort enthält haste für viele alten und neuen Klang. Mau müßte all die jungen Menschen nicht richtig sehen, würde man nicht mit ihnen gemeinsam hier einen Boden finden, der die letzte und höchste Zuflucht sein kann: die Religion. E. S., München. Leber Me WisHe SHrr!e Ein Lorirag von Martin Buber Wir verö'stntlichcn nachstehenden Bericht über einen Vertrag ves bekannten Frantst'.rter Vrofessors Martin Buber. ohne in alten Einzelbnten 'mit ihm übereinzuslimmen. Tie Lchri'üertur.g. Niemals seit Beginn der Emanzipation hat eine jildische Generation leidenschaftlicher um die Fragen der jüdischen Bildung gerungen als die unsrige. Heute, wo die materiellen Grundlagen des deutschen Judentums zu schwinden scheinen, ist es um so notwendiger, sich der geistigen Grundlagen des Judentums wieder zu erinnern, aus ihnen heraus die jüdische Bildungsarbeit neu zu gestalten. Aber nicht um Ideen allein geht es. die dazu angetan sind, uns den Feiertag zu verschonen, es geht um Verwirklichung. Es gilt, die junge Generation gegen alle Nöte und Schwicrigkeuen innerlich zu festigen. Ties war der innere Grund, ans dem die Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Lehrer am 21. Mai d. I. Professor Buber gebeten batte, im Rahmen einer Vereins- Veranstaltung vor einem größtenteils ans Lehrern bestehenden Auditorium über das Thema: „Tie jüdische Schule, ihr Bilduugszie! uud ihre Bildungsmerhoden" zu sprechen. Wir stehen — so führte Profeffor Buber aus — vor einem uiegeahrstm geschichtlichen Phänomen: dem Einbruch der Labilität in die Geschichte. Waren wir bisher gewohnt, den Ablauf des Geschehens als stetig anzuschen; konnten wir uns bisher „auf die Geschichte verlassen", so srehen wir heute vor der Tatsache eines beständigen unvorhergesehenen Wechsels. Um so mehr isr es notwendig, die Erziehung der jungen jüdischen Generation an Werten zu orientieren, die keinen Schwankungen ausgesetzt sind, die ewig dieselben bleiben. Tiefe unerschütterlichen Werte sind gegeben in den Urkräften unseres jüdischen Daseins. Ueberall in unserer Umwelt erkennen wir heute dcn Versuch, die Erziehung an Ideal- Synngooenfeonzerl in Hamliurg Am Montag, 29. Mai, abends 8V2 Uhr, findet im grossen Beisaal des neuen jüdischen Tempels in Hamburg, Oberstrasse, ein Wohltäligkeitskonzert für die jüdischen Künstler Hamburgs statt. Das Programm weist eine ganze Reihe der erlesensten Namen auf, u. a. Sabine Kalter und Julius Gutniann vom Hamburger Staditheater, Dr. Julius Sakom vom Philharmonischen Orchester, Oberkantor Karnitz er und Organist Piekerdi. Einleitend Ansprache von Rabbiner Dr. Italiener. Die künstlerische Leitung liegt in den Händen des Intendanten Leopold Sachse vom Hamburger Staditheater. Karten zu 1,10 Reichsmark einschliesslich Steuer an der Abendkurse im Tempel, von 7 Uhr ab. Ausserdem Vorverkauf im Büro des Tempels. 1$1 bildern des Menschen zu orientieren. - Auch ln Deutschland vollzieht sich im Augenblick eine derartige Rückwendung zu einem bestimmten Menschenbild als Erziehungsideal. Das darf das Judentum fliegt verleiten, nun seinerseits ein solchs partikuläres Bild als Erziehungsideal aufzurlchten. Tas jüdische Bildungszie! muß ein allgemein menschliches sein. Es muß den Juden befähigen, die ungeheuer schwierige Lage, der ein jüdischer Mensch in seiner Sonderstellung ausgesetzt ist. zu bewältigen. Wir sehen heute ganz deutlich, wie in vielen jüdischen Menschen, und besonders in den jüdischen Kindern, das Vertrauen zum Reben- Menschen, zum bisherigen Schulfreund oder Lehrer, zusammenbricht, wie sie innerlich ent* wurzelt werden, wie sie, oft unbewußt, den Glauben an den Sinn des Lebens verlieren. Tie jüdische Erziehung, die wir unfern Kindern angedeihen lasten wollen, muß ihnen die Verwurzelung im Leben unb die seelische Sicherheit wiedergeben. Ein jüdisches Erziehungswerk, das solä)2 Ausgaben erfüllen kann, muß vom Jüdischen her bestimmt sein. Tos gesprochene Dibelworr muß wieder vor und in den Kindern lebendig werden, ihre geistige Einstellung muß ans der besonderen jüdischen Betrachtung der Geschichte erwachsen, daß alles, w-as der jüdischen Gemeinschaft an gutem und bösem Geschehen widerfährt, als Zeichen verstanden und bejaht wird. Und weiter müsien die Kinder wieder zum Verständnis unserer Elaurensverbundenheit gebracht werden, zur Erkenntnis, daß das Judentum zwar immer unter Zwang die Thora annimmt, daß es aber dann ihren Zinn versteht und danach handelt. Tie jüdische Lehrerpersönlichkeit, die iw einer so bestimmten Schule jüdische Kinder zu erziehen hat, muß nicht nur ein charaktervoller T-lciv-cb, sondern auch ein jüdischw Charakter sein. Es wird deshalb allen Lehrern, die sich in das jüdische Schalwerk eingliedern, zur Pflicht gemacht werden, sich aus jüdischem Gebiet in Kursen uud Veranstaltungen weiter zu bilden. Tas gesamte Gestehen einer solchen Schule muß von jüdischem Geiste beseelt sein. Ties ist aber nicht so gemeint, als ob mm mit einer Verstärkung des Religionsunterrichts der Forderung Genüge getan wäre. Gerade auch der Unterricht in den anderen Fächern muß vorn Jüdischen her bestimmt sein. Ganz besonders ist den Kindern, der Altersstufe entsprechend, wieder ein Zugang zu den Quellen jüdischer Religion unb jüdi'chen Wesens zu eröffnen. So muß die Pflege der hebräischen Sprache als Sprache der Bibel, aber auch als Sprache des werdendem Palästina eine besonders wichtige Aufgabe der neuen jüdischen Schule sein. Es ist selbstverständlich und schon aus unserer unlösbaren Verbundenheit mir dem Deutschtum auch innerlich unerläßlich, daß deutsche Kultur insbesondere in ihren Gipfelpunkten eine bedeutende Stellung im Unterricht einer deutschen jüdischen Schule einnehnwn muß. Sie gehört zu den Kräften, mit denen sich der junge jüdische Mensch genau wie mit seinem Judentum, innerlich lebendig auscinanderzusetzen hat, um zum Verständnis seiner eigenen und der allgemein-jüdischen Lage zu gelangen. Schon aus dem letzteren Grunde wird eine Bcschistigung mit der Lage der Juden, eine jüdistche Wesenskuo.de. nicht fehlen dürfen. Was den Schulihp einer solchen jüdischen Schule aube tristst, so wird er nicht zum wenigsten von den Mächten bestimmt sein, denen das deutsc!)e Judentum auch iu anderer Beziehung unterworfen ist. Im Rahmen des uns Gelotcnen wird das deutsclje Judentum rermst-en müsien. seine Ingend zu aufrechten. wdstcl) selbstbewußten Menschen zu erziehen. H. C. i

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