Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 21 (26.5.1933)
- Date
- 1933-05-26
- Page
- Seite 192 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Mm In der dMHm Smigrs? Von Felix pinczowek' .< 9 %r t Soll man einen geschichtlichen Neberblick Mer die Betätigung der Juden im deutschen Sport gelten, so muß man die Anfänge im frühen ^Mittelalter suchen, und Zvvar dort, wo das Turnier und der Wettkampf die Sportdetätigung weiter Kreise war. Diese Spiele, deren Entstehung man im zehnten Jahrhundert vermutet, hatten im Laufe der Zeit derartiges Ausmaß angenommen, daß keine fürstliche Hochzeit, keine Reichs- oder Fürstenversammlung ohne sie denLvrr waren. Da- Turnierivesen blieb irn &nife der Zeit keineswegs auf den Adelsstand beschränlt, sondern ging nach und nach auf das Bol? und auch auf die in Deutschland lebenden Juden über. Bereits im zwölften Jahrhundert erfahren wir aus gelegentlichen Bemerkungen der Losafisrem daß die Jugend anläßlich von HochzciLsfeicrlichkeiLen turnierähnliche Spiele abhielt. Tiefer Sport fand keineswegs die Verurteilung der Nabbineu, weil er immer in Form leichter Scheinkämpfe betrieben wurde Und höchstens mit dem Verlust oder der Beschädigung eines Kleidungsstückes endete. Neben den jüdischen Quellen verdanken wir der Magdeburger Schöppenchronik einen Bericht von einem Jrrdeuturnier, das im Jahre-1334 in Weißensels abgehalten wurde, „wo die Juden stachen und Lornierten, da der Hof (Turnierhos) zertzingoE. Auch christliche Zufa>ruer waren bei diesem Turnier zugegen. Rabbi Meir aus Rothenbrrrg (13. Jahrhundert) berichtet in einem seiner Gutachten von einem jüdischen Fechtlehrer, der mit seinem Schüler Streitigkeiten wegen seines Honorars bekam. Der Rabbi wurde um Schlichtung dieses Streites ersucht und entschied zugunsten des Fechtlehrers, wobei er in der Begründung feines Urteils die Wichtigkeit der Fechtkunst ausdrücklich hervorhob. An von Sportkämpfcn zu Arrgsburg im Jahre U70, die aus einem Wettlaus über 370 Schritte, Steinstoßon 45 Psmrd und Weitjpruug bestanden, nahmen aich Juden teil. Der Einfluß ihrer Umgebung hat sich auf die in Deutschland lebenden Juden hinsichtlich ihrer sportlichen Betätigung stark ausgewirkt. obschon ihre Stellung durch alle möglichen Ausnahmebestimmungen immer mehr erschwert wurde. So wurden Juden nicht wehr als Zuschauer bei den Turnieren des Adels zugelaffen, jüdische Fechtl-ehrer durften ihre Kunst Christen nicht beiörmgeu. Tie Mög- Lichkeit, daß diese Bestimmungen nur zeitlich begrenzt rvaren und von einem den Juden wohlgesinnten Fürsten später aufgehoben wurden, läßt sich für bestimmte Epochen mit ziemlicher Sicherheit annehmen. Die Fechtlehrer verdienen besonderes Interesse, denn sie nahmen im Mittelalter ungefähr dieselbe Stellung ein wie der moderne Sportlehrer in der heutigen Zeit. Seine Betätigung blieb nicht nur auf das Fechten beschränkt: um so mehr muß man sich wundern, daß bereits am Ende des 15. Jahrhunderts einige Juden Lehrbücher über die Technik des Fechtens und Ringens verfaßten; diese Bücher fanden weit über ihre Zeit hinaus Beachtung und muffen als bahnbrechend in ihrer Art angesehen werden. Der Jude Ott Verfaßte ein Lehrbuch für den Ningkampf, das noch heute in einer Reihe von Handschriften cm den verschiedensten Bibliotheken erbeten ist. Sein Hauptverdienst war es. daß er das Ringen, welches früher als ein Teil der Fechtkunst angesehen wurde, aus dem bisherigen Rahmen herausnahm und als selbständige Sportart behandelte. Die Sporthistoriker dezeichnen sein System, das sich viele seiner Nachfolger zu eigen machten, als das '„Ost ticke Ringen*. Ott wurde auf Grund seiner hervorragenden Kenntniffe an den Hof Kaiser Friedrichs III. berufen, um die Ausbildung der Prinzen und Mitglieder des Hofes zu übernehmen. In einer Handschrift wird er als „der Herren von Oesterreich RingeM bezeichnet. Allerdings mußte er, um diese Stellung annehmen zu können, sein Judentum aufgeben. - Neben Ott sind noch die beiden Drüber Andreas und Jakob Liegnitzer, in einer Handschrift euch Lintzmger genannt, zu erwähnen. Der bedeutendere von beiden war zweiscllos Andreas, in den Handschriften „Andres Jud" genannt; er verfaßte ein Lehrbuch über das Fechten mit dem kurzen Schwert, das die Bibliothek Eorsini in Rom besitzt. Außerdem schrieb er eine Abhandlung über Ringkamps, von der nur ein Exemplar bekannt nt es befand sich lange Zeit im Privatbesitz und ging Vor drei Jahren für einen pbantanveichn Preis in den Besitz des amerikanischen Automobilkönigs Ford über. Im siebzehnten und achtzehnten Janrhundert hörte man wenig von Leibesübungen, denn damals ging das Sportintereffe in christlichen Kreisen stark Zurück. Hin und wieder ist von Ballspielen umd Wettlaufen die Rede. Erst nach dem Erstarken der deutschen Turnbewegung konnte sich eine systematische Sportbetätiguug durchsetzen. Ihr gehörten von Anfang an zahlreiche Juden an. So zeichneten sich im Hamburger Turnverein von 1316 viele Juden bei turnerischen Wettkämpfen aus. In den vierziger Jahren traten ans den unter Leitung Jchns stehenden Turntagungen viele Juden als Vertreter der einzelnen Landesverbände auf. Man schätzte die Zahl der im Jahre 1880 in der Deutscher Turucrschast vesindkichen Juden auf etwa 10 000, das errtspricht 5 v. L. des damaligen MiLgliedbeslarrdes. Der 1. deutschen Olympiamannschaft fllthen 1800) gehörten die beiden jüdischen Turner Alfred und F. F l a t o w an. Alfred Flatow konnte bei dieser Gelegenheit für Deutschland' am Barren einen ersten und am Reck einen Zweiten Platz erringen. 1833 wurde Fllttow auf dem 9. Deutschen Turnfest zu Hamburg erster Sieger. Richard Eenserowsky errang beim Olympia 1900 ebenfalls einen Preis, und ging später nach Amerika, wo er heute noch als Pionier der deutschen Turnbewegung auf weit vorgeschobenem Posten in dein am Stillen Ozean gelegenen Staate Oregon die technische Leitung eines deutschen Turnvereins imie hat; kürzlich konnte er sein 25jähr:ges Dienstsubiläum begehen. Mit dem außerordentlichen Ausstchoung der Sportbevxgung in den letzten Jahrzehnten, die gleichen Schritt mit der Bilduirg jüdischer Turn- und Sportvereine hielt, wuchs auch die Zahl der jüdischen Sportler, so daß unmöglich alle bedeutenden Leistungen im. Rahmen dieses Austatzes ausgezählt werden kennen. Es gibt wohl keine Sportart, in der Juden bei den deutschen Meisterschaften nicht mitgekämpst und die Farben ihres Landes auf internationalen Kämpfen siegreich vertreten hätten. Einer der besten Mehrkämpfer in der Dorlricg?-z.''t war Ater Abraham (Muts Reichstrainer in der Türkei). Im. Diskuswerstn wurde er 1907 deuncher Meister. Senft leben, Glaser, Simon waren in derselben Zeit erfolgreich. Bon jüdischen Leichtathleten sind dis Sprinter Kurz, L e w i n, Gerber und 6iir.menauer zu nennen, d'e in Einzelkämm'en und in der 4-mal-13>Me:er-S:affet des Dar Kochba (Berlin) oft in die Meistorschastsrundo kamen, ferner der Frankmrlec Reis. Mitglied der mrchr'achen t-euucheu Meisterftafml des „Eintracht"'(Frankfurt. Als Boxer sind bekannt die Meister -etil n, Friedmann. Seelig, dem jetz't Mittel- und Halb'chwergcwichtsmoifterch.ast mit der Mitgliedschaf: im B. d. F. genommen wurden, ferner die Amateure Fuchs, P r a i ß, Buch bäum. Branntwein, Malz und Stadt lau der, die sämtlich l>om Borklub Macmbi annehörcn. Der „Reichsbund jüdi'cher Frontsoldaten^ Berlin stellw im Jiu-Jitsu seit Jahren einige deuckche Meister, vor allem Ungar und Wolf, und errang 1329 d-en Ehrenschill) des Reich>prändenten von Hindvnburg. Im F-ußball wurden die Karlsruher Julius Hirsch und Gottfried Fuchs siebenmal' m die deuckche Aackonalekf gerufen. Femur sind der Münchener Bern st ein, Mantel (Frankfurt) und D o l l rv z i l e r (111:7.) zu nennen. Die Olympiasiegerin (1325im Jcchtcrr, Helene Mayer, hat einen jüdi'chm Tater. Sie konnte in Amsterdam für Teuckchlan.d eine Goldmedaille erfechten. Ihr Lrul-er Fritz Mayer war deutscher ßoch'chnlmeister, der Ossenbacher Hans Halberstadt mehrfacher deutscher Meister und der ebenfalls aus Offenbuch stammende Fritz Starck wurde deutscher Juniorenmeister. Ein vorzüglicher Fech'.er ist auch L. Fischer (Leipzig). Im Dennis war Oskar Kreuzer in der Vorkriegszeit mehrfach deutscher Meister. 1912 errang er zusammen nur Froitzheim die Welrmeisicrschast im Herrendoppel. Daniel Prenn war bereits 1327 deutscher Meister, stanck» im vergangenen Jahr an erster Swlle in der deuckchon Tennis ranglist- und sckstugtut Daoiseoup die besten Spieler Europas. Von den Damen wären in erster Linie Frau Friedleben und ihre Schwester Toni Weihermann-Richter sowie Frau H e m p p zu nennen, ferner Frau 2t e p p a ch, die vor wenigen Tagen ihrem Leben freiwillig ein Ende setzte. Frau Reppach und Frau Friedleben lagen vier Jahre lang an erster und zweiter Stelle der deutschen Tennisranaliste. Teut'che Kampsspielmeisterin im Trrrrnspringen wurde die Allromrd^Spoitterin Grete Adler, die sich auch im Skilauf gut Placieren ko::nLe- Jm Scgelflug hält Kronseld fas: sämtliche Lllltrekorde. Er erhiel: dieser Tage von Muffoliui eine ehrenvolle Bomfung. den italienischen Segelflugsport nach dc-uckschem Verbild zu organisieren. Sstitere berühmte jüdische Segelfli-cger sind L e d e r ma u n. R c b a u und Katzenste : n_ Bu'.'nlers groß ist die Zahl bedeutender jüdischer Flieger, Leattallcn- und Freiballonsthrer. Bst sonders erinnert sei an den deutstcheu pom-le-mörite- Flieger Frankl. Eine Reihe von jüdischrtt Kr'.chrakhtctinncn erwarb deutsche Meiüerullel. Uli H e u o ch wurd-e 1324 dreifache Meisterin (Diskus. KugA und Lstiisprung), eine Leistung, die so schnell nicht wieder erreicht werden wird, die Allround - Sportlerin Dcartel Ja lob wurde 1329 deutsche Meisterin im Speermersen. Im Nrrgby sind Reumann, Simon. David zu nennen. Unter d-en deutschen Hand«