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Central-Verein-Zeitung · 1933-05-26 · 21 (26.5.1933) · p. Seite 189

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
21 (26.5.1933)
Date
1933-05-26
Page
Seite 189 (sequence 5)
Language
German
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ff V liy.SI ,. \sr wv . d t] vj <y\ ^>'^u4 fM fi A AA(- QiWVW u"!iV'!^Ü Es ist feine Zeit zu Festseiern für die deutsche Judenheit. Was sonst in froher Feier begangen worden wäre, wird in dieser Notzeit nur auf einen Augenblick dis Sorge und die sieberhaste Tätigkeit unterbrechen. Aber gerade in solcher Zeit ist es doppelt geboten, einen Augenblick stillzuhalten, unr verdienter führender Persönlichkeiten in dankbarer Anerkennung zu gedenken. Nicht ihre Verdienste um die Eerneinschast gilt es zu rühmen, sondern Leistung und Persönlichkeit uns als beispielgebend zu verlebendigen, uns Willen und Kraft zu stählen und uns aus Not und Sorge durch das Vertrauen zu erheben, daß geistige Kraft und sittliche Stärke das deutsche Judentum auch über diese Prüfungszeit hinwegtragen wird. In solcher Gesinnung bringen wir Leo Daeck zu seinem sechzigsten Geburtstage Tank und Anerkennung, .Glückwunsch und Gruß. Es ist mir eine besondere Freude, . ihm diese Zeilen widmen zu dürfen, i Verbindet uns doch/ seil er vor l 42 Jahren als junger Student nach [ Breslau kam, ein festes Freund- ( schaftsband. Bei den öffentlichen k Promotiouen haben wir uns in der [ damals noch üblichen Weise gegenß fettig opponiert, er hat mich als t Oppelner Rabbiner abgelöst, und die Nachkriegszeit besonders hat uns! wiederum in zahlreichen Vestrebungen und Arbeiten zusammengenihrt.! Aber wie unsere Freundschaft niemals dadurch getrübt worden ist, daß wir bei aller Ueöereiustimmung der Grundhaltung uns unsere Selbständigkeit gewahrt haben und gelegen!- f lich auch in wichtigen Fragen ausl einandergingen, so weiß ich mich frei \ von freundschaftlicher llebertreibung. die auch ihm keineswegs genehm wäre. Ist es doch vielmehr gerade das gegenseitige Vertrauen zu der Stetigkeit und der Ueberzeugungstreue der Persönlichkeit, die die Studentensreundschaft bis in die Jahre des Atters erhalten hat. Heimat und Elternhaus haben nicht nur Daecks Jugend das Gepräge gegeben, sondern auf das ganze Leben bestinunend eingewirkt. Tas schlichte Rabbinerhaus in der altberühmten, damals noch sehr ansehnlichen Gemeinde Lissa in der früheren Provinz Posen, der gelehrte Vater und die feinsinnige Mutter, die beide, mitten in der Gemeinde stehend, fest mit ihr verwachsen waren, wird einem jeden, der einmal dort weilen durfte, in der Erinnerung bleiben. Dort, in den verhältnismäßig großen Gemeinden und kleinen Städten der deutschen Ostmark, pulsierte ebenso reges jüdisches Leben. wie deutsche Kultur hier heimisch war, beides eng und unlöslich miteinander ver- Lehrer usw. pädagogische Vorlesungen und Hebungen gehalten hat: immer sind es philosophische Fragen, denen sein Interesse galt. Aber daneben trat sehr bald ein anderes Arbeitsgebiet. In weiten Kreisen des deutschen Judentums ist der junge Lrpetner Rabbiner bekanntgeworderr durch seine eindringende Kritik von Harnacks bald nach der Jahrhundertwende großes Aussehen erregendem „Wesen des EhrißontumsA Aus dieser kritischen Arbeit wuchs sehr bald Vaecks eigene positive 1 Darstellung des „Wesens des Juden-'; tum§" heraus. Aus dem dünnen | Bändchen der ersten Auslage ist in i den späteren Auflagen ein nicht nur j an Umfang, sondern auch an gründf licher Vertiefung in der Bearbeitung \ der vielfachen Probleme weit größel res Werk geworden. So sind es die theologischen Fragen des Judentums und der Beziehungen von Judentum und Christentum, denen seine literarische wie seine'VorlesungstäLigkeit - gewidmet ist. Es sei hier nur an seine Mitarbeit an den „Lehren des! Judentums" erwähnt. 1 Darüber hinaus entfaltet er eine große, weitgreisende, praktische Tätigkeit. Als der Krieg ausbrach, j ging er als Armeerabbiner ins Feld, und seine Berichte, die der Berliner Eemeindevor stand im Gemeiudes blatt veröffentlichte, werden vielen - damaligen Lesern noch heute im Gedächtnis sein. In zahlreichen j Organisationen steht er an der j Spitze oder innerhalb des engsten j führenden Kollegiums. Nach Nobels j Tode ist er der Vorsitzende des Allgemeinen deutschen Raöbinerverbandes, seit Timendorsers Rücktritt Großpräsident des deutschen Distrikts des NOBD., er steht an der Spitze der Zentraluuhlfahrlsstelle der Deutschen Juden. gehört Tezeruentenkollegium des Preußi- Landesverbaudes Jüdischer Gedem Präsidium der Reichsvertretung der Deutschen Juden an und ist seit Jahren der Sachverständige des preußischen Kultusministeriums für jüdische Angelegenheiten. Er sitzt im Hauptvorstand des C.V.. ebeuw des Keren hajesscxl, ist Mitglied des Hauptvorstauds der World Union for Progressive Judaism und gehört als einer der führenden Männer der Vereinigung liberaler Rabbiner Deutschlands an. Tie Aufzählung kann und will nicht erschöpfend sein. Wiederholt hat Baeck, wenn er vom Judentum sprach, zwei Momente hervorgehoben, die übrigens in innerer Verbindung miteinander stehen. Die Juden sind stets die wenigen unter vielen gewesen, und knüpft mit jener Selbstverständlichkeit, die diese Synthese nicht als mühsam erarbeitete Lösung eines Problems erscheinen ließ. Das brachte Leo Baeck in seine Studienzeit an den Universitäten und den jüdisch-theologischen Hochschulen in Breslau und Berlin mit. 1897 bis 1907 war er Rabbiner in Oppeln, nach meiner kurzen dortigen Amtszeit der Nachfolger des greisen, gelehrten, aufrechten Adolf Wiener, besten Enkelin seine verständnisvolle, gleichstrei l Phot ffedi Schiff, BzrFn bende Gattin geworden ist. 1907 folgte er einem Rufe nach Tüsieldorf; seit 1912 wirkt er als Gemeinderabbiner und Dozent an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. Aber diese Diäten geben nur den äußeren Rahmen eines außerordentlich arbeitsreichen Lebens im Dienste des Judentums. Von Anfang an waren seine Studien der Philosophie zugewandt und sind es dauernd geblieben. Ob er 1895 über Spinozas erste Einwirkungen aus Deutschland promoviert oder 1952 dem Spinoza-Heft des „Morgen" einen wertvollen Beitrag geliefert oder in der dazwischenliegenden Zeit — ich sehe von einzelnen Veröffentlichungen ganz ab — in der Schule der Weisheit des Grasen Keyserling Gastvorträge oder an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums oder ^Fortbildungskursen für dem scheu mcinden und neugegrüudeten

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