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Central-Verein-Zeitung · 1933-05-26 · 21 (26.5.1933) · p. Seite 187

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
21 (26.5.1933)
Date
1933-05-26
Page
Seite 187 (sequence 3)
Language
German
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1S7 gäbe, so müßte gegen eine solche Aeutzerung ein Sturm der Entrüstung gerade von nichtjüdischer Seite losbrechen. Wenn wir jüdischen Aerzte einstweilen mit unserem schärfsten Protest allein stehen (mit Ausnahme eines Protestes in der „Deutschen Allgemeinen ° Zeitung" Nr. 240 vom 24. Mai), so wird uns das nur eine Bestätigung des Weges sein, den das aufrechte deutsche Judentum in diesen Tagen gehen mutz. Wir werden wieder zu der Haltung unserer Vätergenerationen zu rück lehren müssen, die sich ihre Würde als Menschen und als Juden von keinem Autzenstehenden bestätigen zu lassen brauchten, weil sie sie in sich selber trugen und sie in einer lebendigen Gemeinschaft immer aufs neue dargestellt fanden. Wir glauben gegen derartige Aeutzerungen um so mehr Einspruch erheben zu tonnen, weil wir aus den Aeutzerungen matzgebendster Führer der Negierung willen, daß man auch dort eine Diffamierung „Fremdstämmiger" nicht wünscht, wie es erst kürzlich in den Richtlinien des Reichsillnenministers Dr. Frick über den Unterricht in Nasiefragen hervorgehoben worden ist. Die nächsten Wochen sotten die Durchführung der ärztlichen Kassengesetzgebung bringen. Den ärztlichen Kasieuvereünguugen, denen die Durchführung der Bestimmungen übertragen worden ist, erwächst die gesteigerte Verantwortung. für die geregelte und ruhige Abwicklung zu sorgen. 'Daß sie sich dieser Verantwortung bewußt sind, beweisen die wiederholten Kundgebungen der Leitung der ärztlichen Spitzenverbände. Um so bedenklicher ist es, wenn zur selben Zeit in den amtlichen Aerzteorganen durch derartige Artikel eine Stimmung geschaffen wird, die die Gefahr ungewünschter Vorgänge heraufbeschwört. Das Aerzted e z e r n a t des G e n t r a l v e r e i n s hat sich daher an die Leitung de? H a r t m a n n - B u n d e s in Leipzig mit einer Darstellung der Tatbestände gewandt und hat auf die Gefahr dieser antijüdischen Publikationswellen hingewiesen. Es darf erwartet werden, datz der Hartmann-Bund, der der berufene Sachwalter der Interessen aller deutschen Aerzte ist, seine jüdischen Mitglieder gegen verächtliche Herabsetzung schützen wird. Die ganze Lage der jüdischen Aerzte und die Maßnahmen, denen sie zurzeit unterworfen werden, wird blitzartig beleuchtet durch eine Mitteilung. die wir in diesen Tagen aus Oberschlesien erhielten. Bor etwas mehr als einem 'Vierteljahr wurden in Kattowitz an die Aerzte Fragebogen verteilt, in denen auch die Nationalität angegeben werden mutzte. Die jüdischen Aerzte haben darauf ihre Nationalität mit „Deutsch" angegeben. Daraufhin wurde ihnen die Kassenpraris entzogen. Im abgetretenen polnischen Gebiet werden also jüdische Aerzte von ihrer Kasienpraris ausgeschlossen, weil sie sich auch jetzt noch mutig zu ihren: Deutschtum bekannt haben. Und bei uns? M nsu; MMrr fa EmWmÄ Id,' drm ä. M> In der ersten Nummer der „(L V.- Zeiiung"dieses Monars berichteten isir, daß seit Ansang März 654 neue Mitglieder dem Centralnerein in Berlin und dein Reiche beigeireten sind. Der Aufruf an unsere Freunds, nach Außenstehende der größten Organisation des deutschen Judentums zuzuführen, hatte erfreulicherweise vollen Erfolg. In Groß-Berlin sind al'o feit dem 1. Mai, seit der leßten Veröffentlichung der Reuan-neldungen, 104 neue Freunde in unsere Reihen getreten. Unseren Freunden und Freundinnen in Berlin und iin Reiche rufen wir zu: Laßt nicht locker! Bringt jeden, der uns noch fern steht, zu uns, damit er mithelfen kann, im Kampfe für die Gleichberechtigung als guter Jude im deutschen Vaterlande. Senf Wie aus der Tagespreise hervorgeht, sind beim Völkerbund in Gens Petitionen eines früher in Ober'-ch'esien ansässigen Juden und ausländischer jüdischer Verbände eingegangen, die sich auf Bestimmungen der deutsch-polnischen Konventionen vom Jahre 1922 stützen. Diese besagen, daß den Minderheiten sprachlicher, religiöser und völkischer Art gleiche Rechte zu gewähren sind, wie sie für das Mehrheitsvolk bestehen. Ter „Angriff" bringt in seiner Nummer vom 22. Mai d. I. unter der Ueberschrift: „Inda ruft den Völkerbund au" diesen Vorgang mit dem Zusatz: . . . „daß dieser Jude ... im Aufträge de? gesamten deutschen Judentums vorgeschoben wurde, ist klar ersichtlich." Wir stellen hiermit fest, datz das deutsche Judentum oder eine seiner Organisationen niemals einen solchen Auftrag erteilt, noch eine solche Aktion mittelbar oder unmittelbar angeregt hat. Kreisleitung gegen wilde Boykottmaßnahmen Wir schilderten in Nr. 20 der „E. D.» Zeitung" vorn 18. Ma: den wilden Donkott, der sich besonders in Franken gegen ^die jüdischen Geschäüe sowie gegen die christlichen hausier in jüdischen Geschäften richtete, und daran die Folgerung, datz diele Boykottmatzuahmen von den oberen stellen der NSDAP. sicherlich nich: gebilligt würden. Ter KreiAeiter der ATTAV. Würchurg bat in der Tat inzwischen eine scharfe ErAäruug^g: eea derartige Nebergrisse untergeordneter 'culien erlassen. Diese Erklärung, die in denn „Märzburger Gene ra!-An,zech: r" vom 18. ÜL'iai veröffentlicht ist, lautet: „Am Mittwoch, 10. Mar, erschien tm ^Würzburger General-Anzeiger^ ein Artikel der NSDO., Eauleitung llntersranken. Durch Uebergriss einer untergeordneten Stelle kam in diesen Artikel ein überscharfer Ton, wonach z. B. Käuferinnen in jüdischen Geschäften mit Namensnennung und Abschiebung nach Dachau bedroht wurden. Der Kampf der politischen Leitung, und damit geht auch die NSVO. einig, richtet sich vor allem gegen diejenigen jüdischen Geschäfte, die wir als Auswüchse und Schädlinge des Mittelstandes bezeichnen', also Warenhäuser. Einheitspreisgeschäfte usw. Auch die allgemeine Mahnung bleibt bestehen: Deutsche. kauft nicht bei Juden! Wir beabsichtigen aber mcht eine Vernich- :ung des in jüdischen Händen befindlichen Einzelhandels mit Rücksicht aus seine volkswirtschaftliche Bedeutung und auf die christlichen Angestellten. Der Kreisleiter." „Vollarisierung" im Sport Tie Deutsch? Turnerschaft hatte vor einige? Zeit d:e Ausschaltung der Turner jüdischer Absiauummg beschlossen, doch sollten, wie der Vorsitzende Tr. N e u e n d o r f f in einem Ausruf zrkläne, jüdische Frontkämpfer sowie Väter oder Kinder von Gefallenen „in allen Ehren in der Turnerschast verbleibend Ter Berliner Tnrugan forderte jedoch ..Vellarisiernug'. Nunmehr teilt die .,Vo"-Korreftondenz mit: „Tie Bestinuuung. datz bei der Durchführung der Arisierung der Deutschen Turnerschast jüdische Frontkämpfer, jüdische Söhne oder Töchter von im Weltkrieg gefallenen Vätern und jüdische Väter und Mütter von im Weltkrieg gefallenen Söhnen in der Deutschen Turnerschast bleiben könnten, hat zu einer großen Reihe von Zweifeln. Schwierigkeiten und Miß- Helligkeiten geführt. Der Führer der D. T., Direktor N e u e n d o r f f, hat daher — übrigens in vollkommenem Einverständnis mit den am stärksten von der Avisierung betroffenen Kreisen — die Ausnahmen aufgehoben und bestimmt. datz alle männlichen und weiblichen Mitglieder der Deutscher; Turnerschast, die jüdischer Abstammung sind, diese bis zn den Grotzcltern gerechnet, aus der Turnerschast ausscheidcn müssen. Die Dollarnsicrung ist spätestens bis zum Dculschcrr Turnfest durchzuführcn." der Gemeinschaft juch Musiker Montag, den 29. Mai, 8 Uhr Synagoge Berlin, Prinzregentenstrasse Leitung: Michael Taube (Orchest.) u.Dr. Kurt Singer (Chor) Solisten: Paula Lindberg (Alt), leonid Kreutzer (Klavier), Gertrud Wertheim (Cembalo) Programm: 1. Händel:Concerto grosso d-moü 2. Mozart: Klavierkonzert b-dur (Leonid Kreutzer) 3. Hände!: Chor aus ,Josua' mit Orchester 4. Schubert: Haiie!u}a für Chor und Orchester 5. Mozart: Sinfonie g-mo!I Preise der Plätze: RM. 1,—, 2,—, und 4,—. Verkaufsstellen und Bestellungen: Rosenstr.2—4 (Zimmer 15) » Oranienburger Strasse 31 (bei Dr Schwarz) Kantstrasse 153, 2 Treppen links Emser Strasse 42iV . Metne'r.es?rasse 10“ und am Abend des Konzerts in der Prlnzregentensfrasse

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