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Central-Verein-Zeitung · 1933-05-26 · 21 (26.5.1933) · p. Seite 186

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
21 (26.5.1933)
Date
1933-05-26
Page
Seite 186 (sequence 2)
Language
German
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w seits in cs glicht imb Ausgabe biefcr OrgammLionen. in viel größerem Umfange als bisher dieses Ziel dmw intensive^Pro paganda restlos zu erreicken. Ich finde' es nickt übermäßig tckriedigend, wenn der C. B. in Nr. stims Blattes einen Zuwachs von 654 Muglledern sestftcUt. Ttiz will dieses Resultat durchaus nicht imponieren, und ich glaube, wenn jede Unterorganisation dieser zentralen Instanzen angewiesen würde, jCfci. josort Versammlungen einzuberufen, um jeden noch außerhalb dieser Bünde stehenden Juden zu erfassen, so könnte die-es Ziel hundertprozentig mit größter Dahmcheinlichkeit erreicht werden. Es wird und mutz sich auch im kleinsten Ort ein jüdischer Mensch finden, der den etwa noch außenstehenden Juden den nutzeren Zwang und die innere moralische Pllicht zu diesem Anschluß lebendig ' vor Augen zu führen vermöchte. Das Ganze s a m m ein! mutz die Parole sein, damit jeder Jude in Stadt und Land' die Gewißheit mit nach Hause nehmen kann, nicht allem zu stehen, daß die Gesamtheit hinter ihm ist, daß er vertrauen darf auf Hilfe, soweit sie in menschlichen Graften steht. Aus dieser Gewißheit für jeden von uns ergibt sich aber weiter ein Zweites, sehr wichtiges Gebot für den einzelnen. Dieses Gebot heißt: „Opfer bringen". Opfern, nicht geben, wie man sonst einen Beitrag Zur Wohltätigkeit zeichnet. Dem Ganzen sich verpflichtet fühlen wie einer einzigen großen Familie., das ist der moralische Zwang der Stunde. Wer noch im Amt, im Beruf ist, wer . noch Arbeit hat und verdient, mutz sich zu dem Hilfs- und Ausbausonds verpflichten mit einer monatlichen Summe, die ich bei kleinem Verdienst mit ein Prozent seines Einkommens, bei größerem mit zwei Prozent als das mindeste ansehen mochte. Tie örtlichen und Bezirksorganifationen werden darüber zu wachen haben, daß sich keiner dieser Pflicht entzieht, wenn er sich nicht der Gefahr aussetzen will, auch rwn der Organisation, in deren Hand sich heute alle Hilfsquellen konzentrieren, als Außenseiter behandelt zu werden. Sie haben auch die Pflicht, über den monatlichen Eingang dieser Gelder pünktlich zu sorgen. Nun noch ein drittes. Es mutz eine Zentrale für Stellenvermittlung geschaffen, werden, die sich über das ganze Reich erstreckt. Von dort kann auch übemehen werden, wo sich Möglichkeiten zur Umstellung auf neue Lebensarbeit für diejenigen finden, die jetzt ans der Dahn ihres Berufes herausgeworfen wurden und sich wieder neu ein gliedern muffen. Erfreulich, sehr erfreulich ist der Wille der jungen jüdischen Generation, wie er in den verschiedenen jüdischen Zeitungen zum Ausdruck kommt, mit frischem, ungebrochenem Mut dein Leben wieder abzutrotzen, was ihnen das Schicksal genommen, mit eiserner Energie den Ausstieg aus dem Abgrund, in dem sie Zu versinken drohen, wieder durchzuführen. Aber der einzelne kann nicht übersehen, wohin der Weg geht und wo der Ausstieg fim leichtesten. Das scheint mip nur möglich, wenn von einer Zentrale alles planmäßig verwertet und in straffer Zusammenfassung geleitet werden kann. Wie eine solche Zentrale organisatorisch aufgebaut werden muß, ist Aufgabe der Führer. Hier kann nur auf die meines Erachtens dringliche, unaufschiebbare Notwendigkeit hingewiesen werden. So fasse ich die Antwort auf meine Frage: „Was tun?" dahin zusammen: In den letzten Nummern der ärztlichen Standesblatter ist eine Reihe von überaus scharfen Angriffen gegen Judentum und jüdische Aerzte enthalten. In den „A e r z t - Lichen Mitteilungen'', dem offiziellen Organ des Hartmann-Dundes vorn 20. Mai, steht an erster Stelle ein Artikel von Dr. Bell gut h über „gesetzliche Sterilisierung". Er bringt einen Entwurf einer gesetzlichen Regelung des eugenischen Problems, der u. a. folgende Bestimmung vorsieht: „Die Einsickerung sremdrasfigen Blutes irr den Organismus unseres Voltes wollen wir nach Möglichkeit verhindern. Juden, Neger, Mongolen und dergleichen Völker können also straffrei rnit ihrem Willen sterilisiert werden, ganz gleich, ob sic gesund sind oder krank." Um den so Betroffenen nach der Anschauung des Verfassers diesen Schritt zu erleichtern, schlägt er vor, daß „den Fremdrasngen der Entschluß zu einer Sterilisation durch eine nicht zu geringe Prämie leichter gemacht werden" könnte. Man könnte über diesen Artikel, der den großen eugenischen Gedanken in karikaturistischer Verzerrung zeigt, zur Tagesordnung übergehen, stünde er nicht in dem repräsentativsten Organ der deutschen Aerzte an sichtbarster Stelle und träte nicht der Wunsch zur Herabsetzung des Judentums deutlich zutage. Ebenso unerfreulich ist ein Aufsatz in der „Berliner Aerztekorrespondenz" vom 20. Mai d. I. von F. Dörbeck „Der Arzt im Tritten Reich." Hier wird u. a. gefordert, daß das deutsche Volk deu Glauben an die Eewissenhastigkeit der Aerzte wiedergewinnen müßte, „der ihm durch die geschäftigen Manipulationen der jüdischen Aerzte, denen leider auch manche deutschen Aerzte gefolgt sind, verloren gegangen ist." Der Höhepunkt der antijüdischen Aenßerungen wird jedoch in einem Auftnfe des Kommissars im Provinzialverband der Aerzte der Provinz Brandenburg und Grenzmark, Dr. Ruppin, M. d. R., erreicht, der von der „Berliner Aerztekorresponoenz" aus dem „Brandenburger AerzteblatR abgedruckt wird. Unter der Ueberschrift „Fort mit den jüdischen Aerzlenff wird im Untertitel gefordert „Tie 1. Organisatorisch auch den lehserd jüdischen Deutschen erfassen; 2. jedem, der es noch vermag, die hei-; lige Pflicht auferlegcn, für die Not seiner Glaubensgenossen bis an Die Grenze Des Möglichen Zn opfern; 8. eine Zentrale der Arbeitsvermittlung für das ganze Reich schassen. völlige Entfernung der Juden ans den akavenlifchen Berufen rwtwen? dig?" In ihm heißt es u. a.: „Durch die Ueberjudnng ist unstreitig d?6 frühere ideale Berufsauffassung in weiten Kreisen der freien Berufe dem jüdischen Geschäftsgeist bereits gewichen. Dieser Geist muß ans unserem AerzLestand ausgerilgt und jede Möglichkeit seiner Wiederkehr beseitigt werden. Mir schärfsten Mitteln iü die Korruption, soweit ne schon eingedrungen ist, auszurotten. Wir deutschen Aerzte fordern daher Ausschluß aller Juden von der ärztlichen Behandlung deutscher Dolksge* nossen, w £ i I b c r Jude die I n-i karnation der Lüge und des B e-s t r u g e s i ftck Es würde an sich genügen,, diese Sätze hier abzudrucken und sie damit dem Urteil der breitesten Oessentlichkeit zu übergeben. Wir halten es aber doch sür notwendig, aus diesem Anlaß etwas Grundsätzliches zu sagen. Wir deutschen Juden haben zu vielem, was in der letzten Zeit gesagt und geschrieben worden ist, freiwillig geschwiegen, weil wir als real denkende Menschen uns von nutzlosen Protesten nicht viel versprechen konnten. Manchen mag es vielleicht bisweilen so erschienen sein, als ob wir unser Schweigen öfters hätten unterbrechen sollen. Es ließe sich zu diesem Thema manches sagen, insbesondere über den schwierigen Ausgleich zwischen den Forderungen des einfachen empörten Gerechtigkeitsgefühls und den Notwendigkeiten ruhigen besonnenen Handelns. Aber wir glauben, datzes angesichts derartiger Aenßerungen von keinem Juden und keinem der unzähligen gerechtdenkenden Nichtjuden verstanden werden würde, wenn wir nicht gegen solche Worte, gesprochen von verantwortlicher Stelle, feierlichste Verwahrung im Namen des Judentums und im Namen der jüdischen Aerzteschaft ernlegen würden. Wir gestehen allerdings offen, daß cs uns manchmal leichter fallen würde, Forderungen, auch von nichtjüdischcr Seite, nach mehr „Haltung" zu genügen, wenn wir uni uns herum mehr Haltung seststelleu könnten. Gerade nur jüdischen Aerzte wissen, daß die vielen leidenden Menschen, die sich uns heute noch anvertrauen, in uns etwas ganz anderes sehen, als es Herr Dr. Ruppin zu Lun sür nötig findet. Wenn es etwas mehr Zivilcourage 4i'vVv/>s7'v3/

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