Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 20 (18.5.1933)
- Date
- 1933-05-18
- Page
- Seite 180 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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gen zu erinnern. Gerede weil nki* die Brrgcmgenhcit dcZ Reichsverbandes in die Ecaeurvart und ivahrschcinlich auch in die Zukuust \o harmonisch einmünden kann, darf nwn nicht vergessen, daß an der Wiege des Reichs- Verbandes der deui'chen Presse Paul Marr. e'.n Mann jüdischer Abstammung, g-Maudcn Und daß der Führung des BerbaudeZ ue:s ouch jüdische Persönlichkeiten mit wciwm warmem Herzen und weißer Weste augehrnt hirben. In enger und reibungsloGr tstampä- Hemeinschaft mit Persönlichkeiten wie Heinrich Ri pp!er, Paul Baecker und Wil helm Ackermar.n haben sie den deutschen Journalistenfrund z'.r einer sozialen Höhe emporgeführt, die in den wenigsten Ländern der Welt bisher erreicht worden ist,- sic haben deutsch gefühlt und deutsch geschrieen (ohne zn lügen'), ihre tr-abrk't schöpsarische Begabung und menichliäte Vornehmheit sind nicnmls Beitritten worden. Ich will die Namen Ve-n Lebenden, nicht mnzäblcu, um niemandes Empfi.Vlichkcit zu verleben. Ader auch diejenigen, die heute „unerbittliche Konsegnenzen aus prinzipiellen Erün.denE ziehen wollen, haben unter ihren bisherig.cn jüdischen Kollegen doch wohl Menschen getrossen, die sie für würdig befinden müßten, auch ferner zu ihren Kollegen zn zahlen. Man denke dabei einmal nicht an jene, d-ereu Gculrcicheleien nicht geistreich und deren Witzeleien vhne Witz, deren rbeit also alles andere als ouflxrnend war — denn solche Excutplare gibt es in allen Erdteilen, in allen Ländern und in ollen Religionen: sie verdienen eiugestautp'r zu werden wie das Papier, das sie beschrieben haben. Man möge icberzeugt sein, daß wiche Außenseiter den Kreisen, aus denen sie stammen, immer am unangenehmsten sind. Ter Reichsverband der deutschen Presse würde im neuen Teutschland auch in ideeller Beziehung nicht reicher, wenn er Kolleginnen rmd Kollegen von sich stieße, die gerade heute das tiefe Bewußtsein in sich tragen, zur deutschen Kultur zu gehören und, wie Generationen vor ihnen, deutsch zu fühlen. Tie große öffentliche Verantwortung — die eite und neue Mission der öffentlichen Meinung olso — möge den Journalisten nicht vergehn lasten, daß neben, ihm bisher „vollwertige" Kollegen gestanden haben, deren Zukunft mit in seiner Hand liegt. Es ist nicht entwürdigend oder entehrend, all das heute noch einmal c:t§* zusprechen. Würde und Ehre sind rrn Menschen selbst verwurzelt und können nur wachsin, wenn man verstecht, sie anzugrci'en oder zu bezweifeln. Ninnand kann einen deutsch, denkenden und deutsch - schreibenden Menschen herabwürdigen, wenn er ihm eine Gesinnung sbspricht, die er im Herzen trügt . . / Der Leitartikel der „Vossischen Zeitung" Nr. 229 vom U. Mai behandelt das neue deutsche Barrcrnrecht. In diesem Aussatz heißt cs: Tas germanische Recht soll nur Dlaatsdürgern deutschen Blutes zugute kommen, deshalb enthalt der Entwurf den Arier-Paragraphen in besonders ausgeprägter sstorm. Bauer im Tinne des Gesetzes könne nicht sein, ,^ver unter seinen Vorfahren im Mannesstamm oder wer unter seinen übrigen Vorjahren bis ins vierte Glied eine Person jüdither oder farbiger Herkunft hat. Temüchen Blutes im Oinne dieses Gesetzes ist aber selbstverständlich jeder Germane. Eine in Zukunst erfolgende Eheschließung mit einer Person nichtdeutschen Blutes macht die Nachkommen dauernd unfähig, als Besitzer eines Erbhofes Bauer zu sein/ Tiefe Formulierung stimmt nicht mit den übrigen Arier-Paragraphen der neueren Gesetzgebung überein, nicht nur, weil gefordert wird, daß im Manncsstamm niemals jüdisches Blut angetroffen werden dürfte, sondern weil hier nicht bis zu den Großeltern, sondern bis zu den Urahnen zurückgegangcn wird. Möglicherweise wird aber die Zählung erst vom Erben aus vorgenommcn. Ferner wcrden die nichtfarbigen und nichtjüdisch-cn Richtarier tZ'.nn Beispiel die Ungarn) vom Ausschluß ausgenommen, und endlich gilt jeder Germane, also auch jeder Taue und Holländer, als deutschen Blutes. Macht aber auch die Heirat eines Bauern mit einer Italienerin, also einer Nichtdeurjchen und Richtgermanin, die Nachkommen ,dauernd unfähig, . . . Bauer zu sein?' . . / In einem Aufsatz: „Volkslieder besiegen Vic Schlager" in der Zeitung „Der Montag" Nr. 19 vom 13. Mai lesen wir: .Gerade, wer von der Liebe hören will, kommt im Volkslied bestimmt nicht zu kurz. Es wird mehr als genug von ihr gesungen. Auch von Treue und Umreite ist unheimlich viel die Rede. Die bewegliche Klage Zerlassener Mägdlcin' finden wir häutig genug. Umgekehrt ist es schon seltener. Beklagt sich aber einmal ein Liebhaber über sein flatterhaftes .Schätzlem', so hat es fast immer — dunkle Augen! Das deutsche blonde Mägdlein w-ar eben nicht untreu. . / Unö ösnnoch süd-ckn! Tie „Ostdeutsche DauzeitungP Breslau, Nr. 19 vom 11. Mai d. I. beschäftigt sich mit de:n Ausiatz „Siedlung tut not!" in der «E.V.- Zeitung Rr. 59 vom 9. Dezember 19?ä. Eie findct es „komisch, daß den Juden erst jetzt der Gedanke kommt, sich aufs Land zitrückzuziehcn". Tiefe Am'saünng ist nur aus völliger Ilnkcnntnis der Verhält niste zu erklären. Eche:t wst Jahren ist die Notwendigkeit der Ber.üsumschichknnZ der deutschen Juden als unabweisbar erkannt und die ohne Dchuld der Juden berbeigesührte Znsammendrangung in einzelne stadsi» sche Berufe als verhängnisvoll angesehen worden. Daß der Plan, die Juden wieder zur Landwirtschan zu führen, nicht erst setz: gcmsit ist, ergibt sich daraus, daß der Reichsbund für jüdi'ä)e Diedlung in Deutschland und die Jüdische Landarbeit G. m. b. H. sich 'chon seit Jahren crwlgreich mit der Siedlung von Juden auf dem Lande be'aßt haben. Allerdings ist der gegenwärtige Zeitpunkt, in dem eine große Anzahl jüdistcher Deutscher ihren bisberigcn Beruf aufgebeil muß, mehr denn je dazu geschaffen, die längst' als notwendig eramtcie Berussumfchimtuug zu beschleunigen, und nur wiederholen, deshalb unseren Appel! an alle deutschen Juden, sich an diesim Bestrebungen zn beteiligen. Wer unserem Aufruf sisiacu will, wende sich an den Neichsburrd für jüdische Siedlung, Berlin W 13, Kursürsicndarum 200. Gm h§s DmisHÄrms Direktor Ephraim Eohn-iNeiß 20 Zähre alt 91m 22. Mai vollendet der frühere Direktor des Hilfsoereins-Schulwerks der deutschen Juden in Palästina, Ephraim phot. Hcdi Schiß, Berlin Eohn-Reiß, in Berlin sein 70. Lebensjahr. Ende des vorigen Jahrhunderts schnsen die politische Klugheit eines Paul Nathan, die Großzügigkeit eines James Simon, die Tüchtigkeit eines Bernhard Eahn, der praktische Sinn und die Energie eines Ephraim Eohn-Reiß das großartige Schulwerk des Hilssvereins der deutschen Inden inr Heiligen Lande. Ein planmäßiges Schnlwerk, beginnend vom Kindergarten bis zur Technischen Hochschule, wurde in harten Arbeitsjahren und unter schweren Kämpfen aufgerichtet. Es war ein Werk, das neben der nnnmganglichen Rücksichtnahme aus die Landcssitten und die Lebensnotwendigkeiten den Juden Palästinas deutsche Kultnrwerte hervorragend vermittelte. Mit ihm wurde auch dem jungen Hebräisch eine die Zeiten überdauernde Pflanzstätte geschahen, so daß auf der einen Seite Ben Jehuda als Sprachschöpfer und Dahnbereiter des neuen Hebräisch, andererseits, für damals wenigstens, die Hilfsvereinsfchulen als die erfolgreichsten Berbreitungsstätten der alten Sprache zu gelten haben. Diese Arbeit für deutsche Kultur und vor allem für detttsche Sprache hatten nicht ohne den praktischen Blick, die mwcrwüstliche Tatkraft und die unbeirrbare Zielstrebigkeit eines Ephraim Eolm-Reiß geleistet werden können. Ihm hat an seinem Ehrentage nicht nur das Palästinische Judentum, das sich seiner jetzt wieder erneut erinnert, herzlich zu danken. Unser deutsches Judentum und nicht minder das Tetttschtum überhaupt dürfen selbst in diesen Zeiten nicht vergessen, was ein Ephraim Eohn-Reiß für die deutsche Sache Vorbildliches geleistet hat. Viele deutsche Offiziere und Soldaten aber, die in den deutschen und türkischen Heeresabkeilnngen auf dem palästinischen Kriegsschauplatz dem Vaterlande dienten, werden sich Ephraim Cohn und den Seinen an seinem 70. Geburtstage verbunden fühlen. War doch stets da- Haus für jeden deutschen Soldaten, ob Jude oder Richtjude, geöffnet ttnd der Tisch gedeckt. Was in den Kriegsjahren Ephraim Cohn in Verbindung mit hohen deutschen