Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 20 (18.5.1933)
- Date
- 1933-05-18
- Page
- Seite 179 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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174 Ml, Soll das so VeÜergchen? Der Reichskanzler hat jüngst in einer Rede betont, wie dank der Disziplin der CA. der gegen die deutschen Juden cm 1. April verhängte Boykott schlagarng aushörte. Sicher gegen seinen Dillen, sicher gegen den Dillen der Führer der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei flackern trotzdem in verschiedenen CroßundKleinstäd-en des Reiches Boykottaktioncn aus und dauern teilweise noch heilte an, die geeignet sind, jüdische Eeschästsleute und Handwerker wirtschaftlich dem Ruin nahezubringen und darüber hinaus das wirtschaftliche Leben überhaupt in lnanchen Gegenden Teullchlands zu erschüttern. Diese wilden Boykottmaßnahmen und die wenig erfreulichen Fermen, in denen sie sich abspielen, werden — Nachrichten beweisen das — von allen rechtlich Denkenden im deutschen Volke, von vielen Nationalsozialisten abgelehnt. Waren diese Boykottmaßnahmen den führenden Stellen der NSDAP, hinreichend bekannt, so wäre sicher schon längst energisch durchgegrisfen worden. Wie die NSDAP, erfolgreich bemüht ist, Konjunkturpolitiker von sich abzuschütteln, nicht zu gestatten, daß mit ihren Symbolen betriebsame Geschäftemacher ihre Kassen füllen, so wird sie sicher dagegen sein, daß Unteroraane der Partei den Boykott jüdischer Geschäfte und von Juden überhaupt gewalttätig und milleidslos durchzusühren nicht Nachlaßen. Wir behaupten nichts, was wir nicht bis zum letzten I-Punkt beweisen können. Wir geben hier nur Kundgebungen wieder, die von den zuständigen Parteiinstanzen Es gibt immer roch Deutsche, dir nicht leben körnen, ohneJudenknechtsdiensie zu leisten. Za diesen gehört: * Ein einstcher Milcksthrer begreif? es, daß man dem Juden keine Handlangerdienste mehr leistrll Sie, Herr.. bringen es fertig, den Milchfahrer zu täuschen und ihm die Sachen rom Juden.. außerhalb des Dorfes aufzuladen. Zudenknechke fordern wir auf, sich dem Auszug des ,^userwahlten Volkes" anzuschließen. Aktwnsausschup zur Bekämpfung des Judentums. H33 EU-ä h I fpa fk^ EEzii i Es gibt immer noch deutsch e Frauen, die immer rach in dem Dahn leben, beim Zu den kaufen zu mchsen. Zu ihnen gehört: * die Frau des früheren ...Bürgermeisters. Aktionsausschuß zur Bekämpfung des Judentums. *) Dpt ZRüifif f caf dlr St:r;-;fenen pcrfena hLd» fcir ta Im Or.ginol cn;^:c:.ra Tfarner. ausgelassen. selbst herstammen und durch die Parkeipresse und die Ortszeitungen der in Frage kommenden Gegenden weithin verbreitet werden. So veröffentlicht eine GarrdelricbZzelle Nnterfrcrnkens in verschiedenen vielgelesenen Zeitungen: „ ... die Frauen, die öffentlich oder hintenherum von Juden kaufen, müssen als judenhörig gebrandmarkt werden ... Es wird ratsam fein und auch verwirklicht werden, daß man in Dachau (dem bekannten bayerischen Konzentrationslager. Tie Schriftl.) darangeht, eine Abteilung für werbliche Volksverräter zu schassen. Ebenso ist es ratsam, alle die Frauen, die jüdische Erzeugnisse kaufen, zu brandmarken, in der Zeitung zu veröffentlichen und zu bestrafen .. / Diese Anregungen sind schon vorher in einer fränkischen Kleinstadt durchgesührt worden- Die Ortszeitung veröffentlicht nebenstehende Anzeigen. Es wäre wichtig, daß die zuständige NSDAP.-Leitung feststellte, wer der „Aktionsausschuß zur Bekämpfung des Judentums" eigentlich ist. Solche Methoden wird sie mit Recht von sich weisen. Beklagenswert bleibt, daß im Stadtrat der gleichen Ortschaft — immer nach einwandssreien Zeitungsmeldungen — die NSTAP.-Fraktion, die die einflußreichste ist, Anträge einbringt, die Schaukasten vor Den Häusern aller jüdischen Geschäfte seien zu entfernen. Die städtischen Bader seien für Juden zu sperren, in Die Kleiukinderschule seien Juden nicht mehr aufzunehmen. Sind diese Anträge auch zurückgestellt worden, so ist ihre dem großen Zug der Zeit entgegengesetzte Tendenz ungemein bedauerlich. Wir verallgemeinern solche Kampfesweise gewiß nicht. Wir halten auch Zurück, die bitteren Gefühle zu offenbaren, die sie in uns ailslöst. Wir sind zuversichtlich, daß solche und ähnliche Methoden durch die Einücht und Energie der verantwortlichen obersten Parteistellen alsbald gründlich beseitigt werden. * Daß dieser Boykott nicht im Sinns der Parteileitung ist, scheint uns auch aus einer Bekanntmachung des Vorsitzenden der politischen Zentralkommission, Rudolf Heß, und des Staatsleiters der Reichskampfbundführung hervorzugehen. die sich gegen die Einführung von Schildern zur Bezeichnung deutscher Geschäfte wendet. Diese Bekanntmachung heißt: . . Bon geschäftstüchtiger Seite wird versucht, unter Berufung auf alle möglichen Parteiinstanzen Schilder zur Bezeichnung deutscher Geschäfte in den Handel Zu bringen. Es wird hiermit scstgestellt, daß die für alle Fragen des Handwerks, Handels und Gewerbes allein zuständige Stelle der NSTAP., die Reichsführung des Kampfbundes des gewerblichen Mittelstandes, den Vertrieb derartiger Schilder nicht genehmigt hat. Es kommt daher solchen Schildern kern parteiamtlicher Charakter Zu, und es wird hiermit allen Dienststellen der NSDAP, und ihren Untergliederungen untersagt, den Vertrieb zu unterstützen/ KMZLMsUs Wir bringen aus der Kanzlrrrcde vom 17. Mai einige 6runr'ägc, Ci* Cif Neichöregicrung für das Gcruciuschastslcberr der Dölkcr ausgestellt bat: „Es ist nicht weist, die wirtschaftlichem Lebensmöglichkeiten einem Volke zu entziehen ohne Rücksicht darauf, daß die davon abhängige Bevölkerung darauf angewiesen ist, in diesen: Gebiet weiterhin zu leben. * „Verträge, die zur Befriedung des Lebens der Völker untereinander abgeschlossen werden, haben nur dann einen inneren Sinn, wenn sie von einer wirklichen und aufrichtigen Gleichberechtigung aller ausgehen. *- daß gerade uns in diesem jungen Deutschland das tiefe Verständnis beseelt für die gleichen Gefühle und Gesinnungen sowie für die begründeten Leöensanstrüche der anderen Völker. „Denn es müßte das Ziel eines wirklich dauerhaften Dertragswerkes sein, nicht Wunden Zu reißen, oder vorhandene offen zu halten, sondern Wunden zu schließen und zu heilen. * „Es ist denkbar, daß man Deutschland gegen jedes Recht und gegen jede Moral vergewaltigt, aber es ist undenkbar und ausgeschlossen, daß ein solcher Akt von uns selbst durch eine Unterschrift Rechtsgültigkeit erhalten könnte/ In der „Brücke" des „Berliner Tageblatts" Nr. 20 vom 14. Mar d. I., die sich mit der Mission Der öffentlichen Meinung besagt, schreibt Hans Juda in einem Aufsatz: „Staudcsgemeinschast": . Daß Zukünftig deutsche Journalisten jüdischen Glaubens nicht mehr an hervorragender Stelle für die Interessen ihrer Berufskollegen kämpfen dürfen, scheint Leiden Teilen „im Zuge der Zeit' leider schon säst selbstverständlich. Daß sie aber nicht mehr in den Rcichsverband ausgenommen werden sollen, und baß diejenigen, die seit vielen Jahren und Jahrzehnten dein Reichsverband anaehören. sich bis Zum Erlaß des Presiegesttzes quasi einer Zuverlässigkeitsprüfung unterziehen müssen, geht weit über die Maßnahmen hinaus, die and-ere, nicht minder bedeutende Beru'sverbände ihren jüdischen Mitgliedern gegenüber ergriffen haben. Mit aller Zurückhaltung, aber auch mit dem notwendigen Nachdruck, ohne jedes Gefühl der Verbitterung oder des Zornes darf ich als deutscher Journalist jüdischer Konfession hier vielleicht das Folgende sagen: Ich bin überzeugt davon, daß es unangebracht rväre, im Zuge der noch nicht abgeschlossenen nationale!: Revolution etwa an wohlerworbene Rechte oder moralische Derpstichtun» Synasogsn&onzerf dar GemeSnssIiafi lOüiselier iuslei näheres Inserat Seite 121