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Central-Verein-Zeitung · 1933-05-11 · 19 (11.5.1933) · p. Seite 169

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
19 (11.5.1933)
Date
1933-05-11
Page
Seite 169 (sequence 5)
Language
German
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ttdn £öjtrcc20$')h$ Zur Uülfözn Jitispficgs Obwohl es verfrüht erscheint, jetzt an endgültige Lösungsvorschläge der deutschen Judensrage heranzugehen, geben wir im folgenden dis Ctelluugnähme, dis der deutschnationale Reickstagsabgeordnets von Freyta§h-Lorrughovcn in einer Unterredung mit einem Vertreter der „Wiener Neuesten Nachrichten" zu diesem Problem einnimmt, wieder. Wir möchten keinen Zweifel duran auskommen lauen, daß uns jeder Lösungsvorschlag, der auf „Fremdstämmigkeit" oder „völkischer Minorität" aufgebaut ist, unmöglich erscheint; denn wir rechnen uns nach wie vor zum deutschen Volke. Der bekannte deutschnatiouale Politiker äußerte sich in seinen: Interview (laut „Berliner Lokal-Anzeiger" Nr. 214 vom 7. Mai d. I.) also: „ . . . Ich möchte dabei betonen, daß ich das Judentum gerade als fremden Stamme ansehe, damit aber keineswegs ein Werturteil abgebe. Ob die Juden besser oder schlechter sind als wir, kann ganz dahingestellt bleiben. Tie sind anders als wir, fühlen und bei:fen anders, und wir können ihnen einfach aus diesem Grunde einen maßgebenden Einfluß aus unser öffentliches Leben nicht einräumen. Der unverhältnismäßig große Einfluß, den sie in den letzten vierzehn Jahren besaßen, hat tatsächlich zu einer Entdeutschung unseres Staates mib unserer Kultur geführt. Ich bin von vornherein der Meinung gewesen, daß die Judenfrage gelöst werden kann nur durch eine wohldurchdachte, umfassende Gesetzgebung. Abgesehen von den nun wohl erledigten Ernzelaktionen leiden auch die bisher ergangenen Gesetze an Mängeln und Lücken. Selbstverständlich muffen wir für uns das Recht in Anspruch nehmen, unsere inneren Angelegenheiten so zu regeln, wie es uns und nicht dem Ausland richtig erscheint. Meiner Ansicht nach gab und gibt es noch heute einen Weg, der den Gegnern die Waffe aus der Hand schlägt. Ich denke dabei an die Möglichkeit, den Juden Kulturautonomie zu gewähren. Das heißt mit anderen Worten, daß die Juden in vollem Einklänge mit völkischen Grundsätzen für ein Fremdvoll erklärt werden. Sie würden da.s Recht erhalten, selbstverständlich unter staatlicher Aussicht, ihre kulturellen Angelegenheiten, wie Kirche, Schule und Wohlfahrtswesen, aus dem Wege der Selbstverwaltung mit den entsprechenden staatlichen Zuschüssen zu verwalten. Anderseits aber würde sich daraus die natürliche Schlußfolgerung ergeben, daß sie d e m d e u t s ch e n Leben f e r n z u b l e i b e n hätten. Es wäre dann sogar ein weitgehendes Entgegenkommen, wenn ihnen eingeräumk würde, entspre- EKrrnprLflKmi %*Att v -v.. y iy öse preußischen . , V' 1 OßSenfe der Künste hat seinen Austritt aus der -Preußischen Akademie der Künste erklärt und sein Amt als Ehrenpräsidenk medergelegt. Damik scheidet der hervorragendste Vertreter des Impressionismus in der deutschen Malerei aus dem öffentlichen Kunstleben seiner Heimatstadt Berlin. Der sünfnndachlzigjährige Ehrendoktor der Berliner Unwei> sität, dessen künstlerische Kraft, wie hervor ragende Werke der letzten Monate bezeugen, ungebrochen ist, begründet seine Amtsniederlegung mit nachstehender Erklärung, die er der Tagespresse übergeben hat: „ZH habe während meines langen Lebens mik allen meinen Kräften der deutschen Kunst zu dienen gesucht. Nach meiner Aeberzeugung hat Kunst weder mil Politik noch mit Abstammung etwas zu tun, ich kann daher der Preußischen Akademie der Künste» deren ordentliches rNikglled ich seit mehr als dreißig Jahren, und deren Präsiden! ich durch zwölf Jahre gewesen bin, nicht langer angehören» ba dieser mein Stanbpnnfi feine Geltung mehr hat. Zugleich habeich das mir verliehene Ehrenpräsidium der Akademie niedergelsgtM chend dem Verhältnis ihrer Zahl zur deutschen Bevölkerung öffentliche Aemter zu bekleiden. Damit wäre eine unanfechtbare r e ch t l i ch e G r u n d! a g e für ihre Stellung geschaffen. Es ergäben sich da von selbst weitgehende Analogien zur Stellung der Minderheiten in gewissen Staaten, wenngleich wir an die einzelnen Bestimmungen der sogenannten Minderheitenschutzverträge nicht gebunden wären und auch der Kontrolle des Völkerbundes nicht unterstünden." Tie „Deutsche Allgemeine Zeitung" schreibt dazu (Nr. 243 vom 8. Via: d. I.): „Ein deutschnationaler Reichstagsabgeordneter hat jür die Judenfrage einen praktischen Vorschlag ausgearboitet, für einen Streitgegenstand, der wegen seiner moralischen Bedeutung im Jnlande und seiner Rückwirkungen in die Außen- und Wirtschaftspolitik Aufmerksamkeit beansprucht, solange keine den deutschen Interoffen vollkommen entsprechende Lösung gesunden ist. Er schlägt Kulturautonomie für die Juden Teiltschland? vor, wie andere Minderheiten in fremden Staaten sie, zumeist erfolglos, erstreben. Der Gedanke ist ein Fortschritt; nur übersieht er, daß die kulturelle Selbstverwaltung ausschließlich auf bewußte und geschloffene politische oder religiöse Gemeinschaften anwendbar ist. Im Falle der deutschen Juden also nur auf einen sehr kleinen Prozentsatz, während der Gesetzgeber sich vor allem mit der oft vor Jahrzehnten erfolgten E i n s ch m c 13 u n g der deutschen Juden auseinandersetzen muß . . / Mar Hildebcrt Böhm nnmnt m einem Aufsatz der Wochenschrift „Der Ring", betitelt „Minderheiten, Judenfraae und das neue Deutschland' ebenfalls zur Judenfrage Stellung. indem er n c. schreibt: . . Was die nationalen Juden anstreblerr, war eine Autonomie, um sich — im offenbaren Gegen''atz zum heute betroffenen Ammilalwusjudentum aller Lander Europas — cli besondere Volksgruppe erhalten zu können. Nie hat sich das Judemum im Reich um Rechie dieser Art beworben. Zu dieser Frage hat das neue Deutschland deshalb noch gar nicht Stellung genommen. . . . Wenn also uns vorgeworsen wird, die Ausnahmebehandlung, die u. a. auch die Juden im heutigen Deutschland trifft, machten uns unfähig, sür den Schutz bedrohten Bolksrums im Ausland einzutreten. dann richten wir an die deutschen Juden die Gegenfrage: Könnt und wollt ihr euch als eine Volksgruppe eigenen Stammes und eigener Ar! vom deutschen Volk trennen? Sucht ihr eurem Volkstum artgerecht und traditionstreu leben zu können? Tann. aber erst dann beginnt zwischen uns ein neues Gespräch, an dem auch unsere -deutschen Volksgruppen im Ausland beteiligt sind.- * In der „Jüdischen Rundschau" Ar. 35 vom 3. Mai nimmt Tr. Walter Breslauer Stellung zu den „Jüdischen Richtungen im neuen Deutschland^. Diesem Aussatz, der vom jüdischliberalen Standpunkt aus geschrieben ist. entnehmen wir nachstehende Ausführungen: . Die Untersuchung muß scharf trennen zwischen der Beurteilung des Problems sür Verganaenheit, Gegenwart und Zukunft. Mik Entschiedenheit sei hervorgehoben: wir wollen unsere Vergangenheit nicht verleugnen. Es wäre eine unwürdige Haltung, wenn wir heute Verletzern wollten, was wir noch vor kurzein mit Ernst und Eifer erstrebt. Rur dann wäre vielleicht Amlatz, unsere Hoffnung au? die Der-

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