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Central-Verein-Zeitung · 1933-05-04 · 18 (4.5.1933) · p. Seite 160

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
18 (4.5.1933)
Date
1933-05-04
Page
Seite 160 (sequence 8)
Language
German
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160 . . Dennoch und dennoch dräng! sich rmnbiveisbar die Erwägmig auf, was auf die Tauer an den Kern jüdischen Wesens inniger rührt: Verfolgung und Drangsalierung des jüdischen Menschen, dereinst im Atomen des rechtgläubigen Zaren geübt, oder Karikiernug und Zersetzung des jüdischen Glaubens, bewußt inspiriert und eingesegnet von Kar! Marx, diesem .Typ des" aus seiner jüdischen ^Stammes- und Religionsgemeinschaft loZgerinenen, entwur- Islten Radikalen st Wo ein konzentrischer Angriff gegen die Religion an sich geführt, wo ihre Verächtlichmachung und Ausrottung, Las allmähliche Verschwinden ihrer Lehren und Gebote, ihrer Vertreter und Anhänger zum Prinzip der Taktik erhoben wird, wäre es vollendete Torheit, mir einer Ausnahmebehandlung des Judentums zu rechnen . . . . . . Wer bedenkt, daß hier nicht mehr als eine Auswahl geboten wurde, eine Auswahl aus einer Darstellung. die ihrerseits ein ungeheures Material nur beispielhaft und stichwortartig verarbeiten konnte, für den wird kein Zusatz nötig sein, was die Sottlosenbewegung allgemein und im besonderen uns angeht. Ohne patheti'che Beschwörung, die von so viel Niedrigkeit, Schmutz und Lästerung sich herausgesordert oder angewidert fühlt, xujt die rücksichtslose Kriegserklärung wider Glaube und Litte einen jeden auf den Plan. Ungeachtet der zahllosen und xiuiiVuic^adyzn Sorgen, Die uns deutsche Juden von heut bedrängen, tritt hier eine neue Gefahr in unseren Gesichtskreis, die nicht Verkleinerung noch Vernachlässigung duldet. Unseren Lebensnerv tastet ihre vergiftende, ätzende Wirkung an, planmäßig verspritzt, -rings um uns her oder gar unter uns selbst verbreitet. Aus Israels Leidensgeschichte lernten wir gewiß Verständnis und Duldsamkeit, die jeden nach seiner Fasson selig machen. Hier aber handelt es sich um erzwungene Abwehr, um aufgedrängte Verteidigung der Seelenhaltung, die unsere Gemein'chaft seit je geprägt, der Geistes- und Herzensbildung, die alles Heilige, alles Ehrfurchtsvolle unseres Lebens erschafsen und geadelt hat. Glaube gegen Unglaube und Geist gegen Ungeist setzend, könnte hier zudem eine Einheitsfront erwachsen, die uns mit den Vesten unserer Mitbürger znsammenschließt, mit den wirklich ausbaufähigen Elementen unserer Umwelt . . Daß die Schriftleitung der „C. V.-Zeitung" diesen Aufsatz während eines Wahlkampfes nach der Reichstagsauflösung veröfr-ntlichte, mag Ihnen zeigen, wie entscheidende politische Bedeutung die Schristleitung ihm beilegte. Schließlich hat Dr. AlfredWiener in dem Allssatz „Rat uns C. D., Zur Reichstagswahl am 6. November^, in Nr. 43 der „E. D.-Zeitung" vom 31. Oktober 1932 folgende Ausführung über die Kommunistische Partei gemacht: . . Unsere Stellungnahme zum Kommunismus ist entscheidend beeirrslußt durch die Vorgänge, die sich vor den Arrgcrr der gesamten religiösen Welt in Nuglaud abspiclen. Die Kampfstellung des Kommunismus gegen jede Ncligiorr weift uns als Juden den Weg. Hinzu kommt, Vas; wir jeden politischen Terror, jede blutige Gewaltanwendung energisch bekämpfen, gleichgültig, ans welchem Lager sie herrührt." Dir hoffen, sehr geehrter Herr Doktor, daß Ihnen dieses Material für die von Ihnen angegebenen Zwecke genügt, llnd zeichnen in vorzüglicher Hochachtung V.-Zeitung". GÜMMM hsr MNVSA In Dev „Frankfurter Zeitung" Nr. 284—286 vom 16. April schreibt Pfarrer Rudolf Wintermann, Frankfurt a. M., in einem Aussatz: „Die Jnvenfrage und das Christentum": . Ganz gewiß wird kein vernünftiger Mensch di? Bedeutung des Nassegedanlens verkennen oder gar einer wahlckmen Promiskuität das Wort reden. Ebenso weiß jeder, der Geschichte kennt, daß die Judenfrage nicht erst seit heute, sondern bereits in Aegypten, Babylon und Rom ein schweres Problem war, daß aber zugleich jede Gewaltlösung dieser Frage, wie sie in den genannten drei Ländern versucht wnrde, zu keinem Ziel geführt hat. — Hier aber geht es um die Fixierung der christlichen Haltung. Zunächst kennt das fmic Testament feinen Nassenkan'pf. „Fleisch und Blut werden das Reich Gottes nicht ererben." Eine asketische Verachtung des Leibes liegt dem Neuen Testament fern: aber die gestaltende, schassende Kraft in der Welt ist ellemal der Geist. Er wohnt, wo er will. Durch ihn nur gibt es neues Leben, gibt es Wiedergeburt. „Gott kann dem' Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken." „Alles Fleisch aber ist wie Gras." Gott aber kann durch sein Wort, das an alle, an Juden und Griechen geht, Menschen zu seinem Dienst rufen, ihnen seinen Geist schenken. Er erwählt, er verwirft, nicht wir. — Man muß das neutestamentliche Erkenntnis vom creator Spiritus (Schöpfer Geist) einmal gauz ernst nehmen, und man wird erkennen, daß jeder Kamps gegen eine Rasse als Raste — nicht gegen einzelne Schlechte und Verbrecher im Sinne von Römer 13 — vor diesem Forum nicht bestehen kann. Dann a^er ein Zweites. . . . Gottes Wille ist, daß allen Menschen geholfen werde, daß alle zur Erkenntnis der Wahrheit kommen, daß alle die ihnen zugewiesene Ausgabe erfüllen können. Wo man das aber unmöglich macht, wo man Menschengruppen, die sich eingliedcrn wollen, daran hindert und sie zwangsweise zur Jrredenta macht, da muß sich vom Evangelium her der Widerspruch erheben. Tenn man tut wieder dasselbe, was das Mittelalter tat: man verurteilt den Juden zu rein geschäftlicher Arbeit, zwingt ihn also gerade das zu tun, was man ikun als größten Vorwurf macht, und läßt ihn als „ewigen Juden" nirgendwo heimisch werden. Wobei die Not besonders groß wird, nachdem mm das „zufällige" Schicksal der Kriegsteilnehmerschaft — nur ein kleiner Unterschied im Ellburtsjahr kann sich hier üchon auswirken — und der Nachweis rein arischer Abstammung bis zu den Großeltern Vorrechte geben, während im übrigen weder sittliche Qualitäten noch irgendwelche Leistungen auf einem Gebiet von der Aechtung befreien, wenn jemand jüdisches Blut hat. Ich weiß, daß jeder neue Anfang neue Not bringt. Wo gehobelt wird, fliegen Späne. Aber gerade weit diese neue Not nicht mir die trifsr, die getroffen werden sollen — Schieber, Wucherer, Konjunkturpolitiler —, sondern weil sie tausend und aber tausend Unschuldige trifft, ja schon das ungcborene Kind im Mutterleib, wenn es nicht ans rein arischem Blute stammt, darum scheint es mir Christenpflicht zu sein, hier warnend die Stimme der Menschlichkeit zu erheben. Was ich schon an anderer Stelle sagte, wiederhole ich hier: Die Judensragr wird zur Christenfrage, d. h. zu der Frage nach der Echtheit imd dem Ernst unseres Christentums . . . Nicht ächten, sondern eingliedern ist, wie in aller Pädagogik, so auch im Volksleben die eine große Kunst . . .* In Der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" vorn 28. April (Ar. 197) schreibt Uuivcrsitärsproscssor Dr. Wolfgang Köhler (Berlin) in eincnr Anssatz: „Gespräche in Deutschland": . . Die mächtigen Männer, die eben Deutschland regieren, haben mehr als einmal nach den anderen Deutschen gefragt, nach denen, die bisher abseits stehen und die zu gewinnen sicher lohnte. Wer sie gewinnen will, muß wißen, weshalb sie abseits stehen. Und wenn sie wirklich ekvas wert sind, wird offene Behandlung dieser Frage vaterländische Pflicht. Man kann leicht erfahren, was sie fernhält: denn eben tonnen sie von rüchts anderem sprechen. Dabei ist ihnen aller Kllusch zuwider, und ihre Sorge geht mit einem Ernst aus die Nation, der in keiner Parker überrrosten werden kann. Niemals sah ich schöneren Patriotismus als den ihren: Deutschste ist ihnen eine Aufoabe . . . . . . Wenn ich aber weiter frage, so zeigt sich daß noch eine andere Sorge vorliegt, die freilich ebenfalls aus dem. Prinz:o der Sachlichkeit um der Nation willen enttpringt. Sie betritt die Rasienpolirik der nationalsozialiü jschen Partei und des neuen dcnr'chen Staates. Keiner von den Deutschen, die ich meine, leugnet das Vorhandensein eines Juden arealem? in Deutschland,' die meisten von ihnen glauben, daß die Deutschen das Recht haben, die Zusammen» setzung ihres Volkskörpers zu kontrollieren und den zu groß gewordenen Anteil von Juden an der Führung aller wesenllichn Angelegenheiten des Volkes durch weise Mallung zu beschranken. Nur solche Maßnahmen ab-er können sie innerlich billigen, die nicht am Umwegen Deutschland schädigen, die nicht plötzlich die Existenz von ganz Unschuldigen zerstören und die nicht die bedeutenden, vornehmen Menschen unter den deutschen Inden schwer verletzen. Tenn meine Freunde wollen der These nicht zustirnmen, datz jeder Jude, als Jude, eine niedere, minder» wertige Form von Mcmchentum darstellt. Als ich fragte, griff einer nach den Psalmen und las: Ter Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln. Er weidet mich ans einer grünen Aue und führet mich zum sri'chen Wasser. — lind ob ich schon wrnverte im finstern Tal, fürchte ich kein Uallück; denn du bist bei mir. Auch den W. Psalm las er noch und sagte dann: Kaum hat je ein Deullcher Mcnschonherzen tiefer erschüttert und getröstet. die in Not sind. Und dies ist von den Juden zu uns gekommen. Ein anderer erinnerte mich, daß niemals ein Mensch reiner um Klärung feiner Welt gerungcn haben wird als N:r Jnd-e Spinoza, dessen Weisheit Goethe verehr:-. Er scheue sich nicht zu verehren, wo es Goeiae getan hat. Uebordies hatte Lcsfittgs saubere Feder gewiß Leu „Nalhan" nicht geschrieben, wenn rn.enschl-.cher Adel nicht unter Juden vor käme. Von den Deutschen, die jetzt abseits stelzen, sind viele Lehrer an dcat'cheu Hochschulen, und manche sind Natursorstck-er. Es scheint, daß keiner an das kurze Loben und das große Scha-'stn von Heinrich äartz denken kann, obne daß eine fast zärtliche Bewunderung in seine Augen kommt. In Herst aber war jüdisches Blut. Einer hat mir unterwegs am der Straße gesagt: „Der größte deutsche Erpcnmentalphysilec

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