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Central-Verein-Zeitung · 1933-05-04 · 18 (4.5.1933) · p. Seite 161

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
18 (4.5.1933)
Date
1933-05-04
Page
Seite 161 (sequence 9)
Language
German
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161 der Gegemoart Heist Franck; manche glauben, er sei der größte Erperimentator dieser Lisienschast. den clen die Melt besitzt. Dieser Franck ist Jude, ein gütiger Mensch, wenn je einer Ln Deutschland war. Bis vor wenigen Tagen war er Professor in (säum gm. ein Nuhm T-eut'chlands, um den undraußen die wissenschaftliche Löeit beneidete. Ein deutsche- Gesetz hat, nicht dem Wortlaut nach, wohl aber'durch seinen inneren Sinn diesen guten und großen Menächen so schwer geirossen, daß er ans unseren Leihen scheidet. Haben Sie gelestn, mit welchen Worten er seine Ltclluug au'gibl? Wenn es noch eines Luveises bedurft hätte, daß Inden vornehme Menschen sein können, dieser Mann hat ihn erbracht." Er nahm seinen Hut ab, und mir schien, ich sollte cs auch tun. Vielleicht ist hier der ernsteste Grund 5:: sehen, weshalb alle diese Leute beiseitestehen: sie fühlen den Grund und Veden ihrer moralischen Welt tangiert. Für sie gilt. daß nur die wirlluhe Tesche isenheit eines Menscheu über ihn zu entscheiden erlaubt, und daß geistige Bedeutung, Vornehmheit der Gesinnung und evidentes Verdienst um die deutsche Kultur bleiben, was ne sonst sind, wenn sie an einem Juden gefunden werden. Alles, was sie mit ihrer Kindheit lernten, und sicher noch riestr liegende Kräfte oervstichttn sie aus diele Haltung, von der sie schlechterdings nicht abgehen können. — Dazu aber kommt wiederum die Sorge um ihre Nation. Tie gegenwärtige geistige. Kultur Deutschlands ist ciu mächtiges Hans, gebaut aus Steinen von mancherlei Art. Manche Steine haben sich als minderwertig erwiesen. Kein Zweifel, daß man sie entfernen must. Indessen fürchten meine Freunde, dast die Steine nicht auf ihre wirkliche E achbcschasienheit geprü'r, sondern alle Sreine gerade nur einer Herkunft beanstandet, diese schnell herausgerm-n und dabei unversehens Teile des ganzen Baues gefährdet worden könnten. Denn nie crstßt der vom Zorn umwölkte Sinn klar seinen Gegenstand. Meine Freunde denken, dast es unentbehrliche Träger im Haus der deutschen Kultur gibst, welche von Juden fkauunen. Jeder Stoß, der eben durch dies Haus geht, macht sie für das Haus und seine Zukunft zittern . . / Posen 1919 In Nr. 15 der „G. V.-Zcitung" vom st3. April habe ich mit Interesse den Artikel „1922: Aus Posen geflüchtet" gelesen. Ich möchte zum gleichen Thema einen kleinen Beitrag liefern: Ich war bis Juni 1923 in einem kleinen (Städtchen der ehemaligen Provinz Posen fast 10 Jahre lang als praktischer Tierarzt tätig. Mitte 1919 trat ein polnischer Kollege, welcher infolge der Umwälzung Ende 1918 als Ministerialrat rür Beterinarsachen ins ^andwirtschaftsmiuisterium nach Warschau beritten worden war, an mich heran: er wolle sich mir als Mitschüler und Ctudiensreund erkenntlich zeigen. Er hätte dieserhalb bereits mit dem Minister gesprochen Dieser wäre bereit, mir eine Kreistierarttstelle in Nussisch-Polen zu übertragen, ich könnte mir bei Zusage Lodz oder Kalisch auswählen. Eine Kreistierarztstelle in Deutsch-Polen käme nicht in Frage — eine solche hätte ich angenommen. Denn die polnische Negierung betreibe Wesimarlcnpolitik, wie die deutsche Negierung seinerzeit Lstmarkenpolitik betrieben habe. Kurz gesagt, die Deutschen sollten sich polonisieren. Ich kämpfte lange Zeit mit mir. — Ich lehnte ab. da ich es nicht über mich gewinnen konnte, mein m m S.8.CWM! Seit Anfang März sind dein Centn a l v e r e i n 654 neue Mitglieder beigetreken. Das ist ein weithin sichtbarer Beweis des uneingeschränkten Vertrauens, das er in den Kreisen der deutschen Judsnkeit genießt. Es ist aber auch ein starkes Bekenntnis zu den Grundsätzen des Vereins, der Vaterland und Judentum als höchste Güter ansieht, für die er seit seinem Bestehen seine Knaste eingesetzt hat. Dieser außerordentliche Erfolg aber sollte ein Ansporn sein für die nach Zehmausenden zählenden Freunds und Freundinnen des Vereins, in Stadt und Land dem C. V. neue Mitglieder zuzuführen. Immer noch stehen manche abseits. Jetzt ist die Zeit gekommen, wo keiner in unseren Reihen fehlen darf. Wir erwarten daher ein weiteres starkes Anwachsen, und wir bitten alle, daheim und draußen bemüht zu sein, unsere berechtigten Erwartungen nicht nur zu erfüllen, sondern zu übertreten. Deutschtum prcr?;::gobon. Anfang 1920 optierte ich für Temschland. 1922 wurde mir die Fleischbeschau entzogen. Anmng 1023 wurde mir die Ausübung der Priratpraris untersagt, weil ich für Tenüchland optiert hatte. Kommentar überflüssig. E.M. Die ungarischen nationalen Verbänöe nehmen Juden auf Der „Frankfurter Zeitung« vom 29. April (Vr. 316—318) entnehmen wir nachstehende Meldung: Wie die bekannte hiesige Zeitung „Az Eft" vom 22. April meldet, wird der Landesverband der nationalen Vereinigungen in Ungarn neu gestaltet. Nach der neuen Verfassung können auch Einzelpersonen ohne Unterschied der Konfession und politischen Anschauung ausgenommen werden, wenn sie die nationalen Bestrebungen und Ziele des TEDz anerkennen und" sich zu eigen machen. Bisher waren Inden von der Ausnahme ausgeschloffen. Demnach also werden jetzt auch ungarische Staatsbürger jüdischen Glaubens als Mitglieder ausgenommen. Der künftige Landesführer des Verbandes ist Ministerpräsident Cömbös. Milltärpapiere Der „Schild", ras Lrgarr des Ncrchöbttndcö jüdischer Frovusoldatcrr, tcilr rnü: Soldaten des tlcir.'.l\c:n beu!>cf?ai £-:czci cp ballen Er sich für vedrrengcganecne Milstärväne bzw. Zlanch.steucmchüge für Truvvcntcile dcr bäuerischen Armeckorpun Zentralnnchwciscann für Ztricycrvcrluftc rrnd Kricgergräbcr, Zwcigstclle München» München, Lall.'st raste 17; für SnirKntcii? de- XIII. im> XIY. Armeekorps im 2»crä>üarchiv, Zweiastelle £tutic,üi:t tZcntralnachu^iscanr), Stuttgart, Gutcnoergftraße ICO; für Truppenteile ter sääisischcn XII. und XIX. Armeekorps im Neichsarchiv, Zweigstelle Dresden, Königsplatz; für Truppenteils aller arrderen Armeckerrs im ZentralnachweiscarnL für KriegcrvcrLuste unv KriLgcrgräbrr, Bcrir: SPavau, KnodcksdorssiStra be 1—10 llnträge sind zweckmäßigerweise dirckr vrm An^ tragsteLer auan V.z ernannten Stellen linier Beifügung von Nückpsrtr zu richten. Tie erst? ttusstrllgung ist tostcrllc die -Weste Ausstattung kostet 1,50 1‘iuL Zum 100. Geburtstage von Johannes Srahms Von Dr. Hugo Lcichtentritl Dm 7. Mai wird der 100. Geburtstag von Johannes Brahms gestiert. Tie Walt verehrt in der Brahinsschcn Musik den künstlerisch voll, endetften und tiefsten Ausdruck deutMsr Seele und deutschen Gemüts, den die zweite Hüllte des 19. Jahrhunderts herrorgcdrücht bat. Das Dagnerfcho Kunstwerk nimmt als euttchlleß eiche Bübnenkunst eme ganz andere, in sich souveräne Stellung ein und kann füglid) mit bei Brabmsschen reinen Konzertmusik nicht auf gemein^ samer Basis verglichen werden. In Hamttirg als Sohn eines urkrästigen uttderdeuttchen Musikanten von der hristeinnchen Waterkant zur Well gekommen, har Brahms zeitlebens sein tn.vstch norddeutsches Leben sich bewahrt. Es bildet den festen Grundstock seiner Kunst und zeigt sich in seiner ganzen geistigen Haltung, in dem durchaus männlichen, ernsten, herb verschossenen, zurückhaltenden Gepräge seiner Musik, sowohl in der krastigen thematischen Substanz der mit höchstem Kunstverstand durwgmrbeiieten Form, wie auch in seinem von dem Magrer'cherr so sehr verschiedenen Klanggemhl. Das veb-ensschicksa! führte den rllr-a dreistiasährigen Brahms von Aorddoutich'and in das sinnensrore, heitere Wien zu dauerndem Austnthallt und führte dadurch auch seiner Kunst neue befruchtende Züge zu. In der weichen Wiener Luft milderten sich die schroffen Kanten des männlich-herben sun.aen Brahms. Das völlig reife Brahms'ch? Kunstwerk entsproß erst der innigen Mischung seiner angeborenen norddeutschen und der neu erworbenen wiener sichen Züge. In diesen Blättern darf daran erinnerst werden, daß Brahms zeitlebens enge permnllche und geistige Beziehungen zu hervorragenden Künstlern jüdischen Geblüts pflegte. .Seine mehr als vierzigsährige enge Freundschaft mit Joseph Joachim hat zur harmonisichen Durchbildung seiner Persönlichkeit, ge ist-gen Kultur und Kunst vielleicht mehr beigetragen, als man im einzelnen Falle deutlich nachocistri kann. Brahms und Joachim sind in der Musikgeschichte untrennbar: ein wahrhaftes ..nodists pur fratrum*. Tie zwei umstangreichen Bünde, enthaltend den Lriesivechstl Brahms—Joachim, bezeugen diese persönliche, geistige. künstkeri'He Verbundenheit der beiden -Freunde mit einer Ucbsrfülle von Belegen. Zu Brahms begeistertsten Bewunderern und engeren Freunden gehört auch Hermann Levy, der berühmte Münchener Gcnerakmusiikbircftor, den Richard Magner sich als ersten Dirigenten seines ^Parsisal" erwählte. Wenn schließlich die persönlichen Beziehungen zmisihen Brahms und Levy sich lockerten, so liegt das an der wachsenden Zuneigung Levv.s zur Kumt Wagners. Brahms, in jenen Jahren Wagner mit kühler Bewunderung cntgegenstebeud od<r vielmehr fernstehend, konnte cs nicht vertragen, daß sein vertrauter Freund sich so stark der Gegenseite zuneigte. Auch den Brierveov^k Brahms—Levy hat dis von der Brahms-öKüll-. schaft herausgegel^ens Briessammlung allgemein Zugänglich gemacht, im siebenten Bande, der auch die Korrespondenz mit dem Berliner Komr-o. lüften §viedri$ Gernsheim enthült.,

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