Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 18 (4.5.1933)
- Date
- 1933-05-04
- Page
- Seite 157 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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157 rnetnschart wurzelnden derrtschen Inder: stehen. Das Erziehungsziel muß den Zielen der wirtschaftlichen Umschichtung des deutschen Judentums entbrechen. Der deutsche Jude wird in ein lebendigeres Verhältnis zur Handarbeit gebracht werden. Genau, wie unsere Vorfahren es als unerläßlich erachteten, neben ihrer wissenschaftlichen Beschäftigung zumindcft ein Handwerk zu lernen, meist auch es auszuüben (..Wer seinen Sohn keinen Handwerlerberuf lernen läßt, gleicht einem Vater, der seinen Sohn zum Rauberhandwerk erzieht"; Talmud Kidduschin 29 a), so muß es für die folgende Generation eme Selbsroerstand'ichkeit werden, Kopf und Hand gieichernraßen zu betätigen. Deshalb muß eine solche Schule zugleich AusbildungsansralL für Kops- und Handarbeit werden. Wenn die jetzt lebende Generation aus ihrer Notlage heraus dieses Werk in solchem Geiste ausbaut, wird sie damit zum Segen des Judentums und der Gesamtheit wirken. Heinz Oolm. MKMMhW Die Zulanungsbeschränkungon nir Irden bei den akademischen Berufen in Deutschland haben die jüdischen studierenden vor die Frage gestellt. ob ihr Leitcrstudium überbauet noch einen Zweck hat. Bevor sie diese Frage entscheiden konnten, erging das „GRetz gegen die jstberfüllung deutscher schulen und Hoch'chulen" dom 25. Avril 1953, das einen numerus clausus für die ..Reichsdeutschen nichtari'cher Abstnmvrung" austwllt. Zu dielen beiden Astaßnahmen kann, daß jüdische Studierende in Zukunft von sänrtlichen Vergünstigungen der Hom'chulen eusgeschlosien ru'.d und weder die bisherige Fah rpreisermmst igung auf 'den Verkehrsunternehrnungen, weder Freitische, Stipendien, noch — was cm schweißen ins Gew ich: fäll: — Gebührenerlaß erüalwn können. Toni kommt, daß eine große Anmbl jüdischer Ellern durch den Boykott und seine Folgen ihre Egistenzmöglichkeit verloren bat und daher nicht imstande ich ihren Kindern das Weiterstudrum, sofern sie zugelasien sind, finanziell zu ermöglichen. lim diesen Jugendlichen einheitlich Rat und Auskunft in ihrer schweren Lage zu erteilen, hak die neugegründete ..Zentralstelle für jüdische Lllirtschafishilfech Berlin X, Oranienburger Straße 31, eine t u b c n t e n 5 c r a t u u g' ins Leben gerufen, die nicht nur von Berlinern, sondern aus allen Teilen des Gleiches durch schriftliche Anfragen und Besuche in Anspruch gmvmmeu wird. Erfreuliche rwei'e ist es gelungen, die neue ..^tudenlenberaumg" wir der ,S t u d e n l e n hilf e~ der Jüdinnen Gemeinde za Berlin und wir dem ,.H i t f s o e r e i n für jüdische Studierende" personell (Rabbiner Tr. G a l {i n t r) und räumlich lRosenftraße 2—I) zu vereinen, so daß der jüdische Studierende in Berlin sich in Zukunft rur noch cn diese eine Stelle zu wenden bat. Zunächst werden die Studierenden dahin beraten. ob ihr BOeiterstudium rauam ist oder nicht. Tabei gelten folgende Richtlinien: Vorbehaltlich der Zulassung wird den im Gramen oder in den letzten Semestern siebenden Studierenden geraten, ihr Studium zu beenden, sofern ihre Befähigung die Gewähr für einen erfolgreichen Abschluß des Studiums bietet. Diesen Studierenden werten gegebenenfalls auch Stipendien in Foren von zinsfreien Tarsiben gewährt. Ten früheren Semestern und den für Gm späteren akademischen Beruf nicht jrnderlich ^eigneten Studierenden wird nahegel.'gü ihr Studium ain'zngeben und sich mi: der Berufsberatung zwecks Beruisuurßelluu.g in Verbindung fetzen. Sie erhallen grundlätzsich keine ^'ell)ilsen, wohl cber bis auf rveiwres, bis zur Umstellung, evtl. Freitische. Eine gröbere Zahl don Studierenden hat bereits die Aussichtslosigkeit des Weitcrstudiums eingewken nud sich Zch r D? r u f s u m st e l l u n g e n : s eh! o \ j e n. 0n anderer Teil hat sich dis heute innerlich wicht umstellen können und ist stst cnt'chlosien, euch ohne Hilfe der betreffenden Stellen weiter- Zustudieren. Sofern es sich hier um besonders Begabte w mittleren Semestern handelt, kann von Fall zu Fall ver'uchr werden. Private für sie zu interessieren. Die Studentenhilfe kann sie aus finanziellen Gründen leider nicht berücksichtigen. Vollwaisen oder Auswärtigen wird vereinzelt durch lliachweis von Freizimmern geholfen. Eine Anzahl jüdischer Studierender, zu denen die slichtzugelnsienen sowie diejenigen gehören, denen des Bseirersrudium in Deutschland unter den heutigen Zuständen seelisch nicht möglich iß. sicht die letzte Rettung im Auslandsstudium. -Sin Teil ist. wie unter einer Psychow, bereits ins Ausland gegangen, ohne die nötigen Wittel zum Weiterstudium zu haben. Es wird cbzmrurien sein, ob es ihnen gelingt, sich durchausenen. Ein weiterer Teil sucht die Beratungsstelle auf. um sieb über die Zweckmäßigkeit eines Auslandsstudiums zu beraten. ES kann diesen SLndiercnden nicht eindringlich genug klargemacht werden, dnß im benachbarte Ausland ebenfalls ciuellcbcrfnttung der akademischen Berufe herrscht nnd daher die Berufsaussichten dort nicht günstiger sind als in Deutschland. Tazu kommt, daß im Ausland die crtndiengänge wesentlich anders sind, Fachprüfunaen, gelegentlich auch Spramprüninaen oder sogar das Äbiturium des terreffenden, Landes nachgemccht werben rnünen. Zur Astederlasiurrgsmöglichkeit ist in verschiedenen Ländern auch die Einbürgerung erforderlich, die erst ncch^ mehreren Jahren erworben werden kann. So bedeutet das Auslandsstudium eine Verlängerung der Studiendauer und damit, neben den meist größeren Lebenshaltungskosten, eine Verteuerung. Es kann daher nur denen zum Auslandsstudium geraten werden, die Verwandte im Ausland haben. bei denen sie wohnen können, oder die genügend Mittel haben, um durchzuhalren. Immer wieder tauchen Gerüchte auß^ in einigen Ländern könnten deutsch-jüdische Studenten vellig kostenlos ausgenommen werden und studieren. Tiefen Gerüchten kann nicht stark genug cntgegenoetreten werden. Dagegen ist es ratsam, dm Studierenden nicht immer die Universität der Hauptstadt zu empfehlen, sondern kleinere Universitäten, sofern diest Städte eine jüdi'ste Gemeinde besitzen, damit die Betreffenden einen Anhalt haben und mir Hilfe der Gemeinde ihre Lebenshaltungstosten aus ein Minimum beschaänken können. Tie Studenten- Hilfe ist in der Lage, dste einschlägigen Bücher und Prospekte zur Einsicht zur Verfügung zu stellen, und hat zu diesem Zwecke ein vorläufiges Lesezimmer (Rosenstraße 2—i) eingerichtet. Tie vorstehend erwähnten ^Maßnahmen Wersen die Law der jüdischen studierenden }o 'daß treu starker Inanspruchnahme der StudenLen-Hilss- und -Beratungsstelle eine reibungslose Anwicklung der Arbeit ermöglicht wird. ' Dr, Adelheid LtTj% Eine lehrreiche Siaiistik: WM M-Mv M dmWM 8MNÄLA Es scheint uns bedeutsam, zur Darstellung der allgemeinen Auswirkungen, die das ..Gesetz gegen £:? Neberftillung deutscher Schulen und Hochschulen vom 25. April 1933' mit Rücksicht auf den Aichtarier-Parcgraphen haben wird, einiges Material zu geben, das aus den amtlichen statistischen Veröffentlichungen der Hochschulen dafür zur Verfügung sieht. Die neuesten amtlichen Zahlen beziehen sich auf das Sommersemester 1932, in dem die Zahl der inländischen Studierenden sämtlicher Hochschulen des Teutschen Reiches 123 043 betrug, darunter 103 353 Studenten männlichen Geschlechts und 19 095 snü)ierende Frauen. Tiefe Zahlen für das Sommersemester 1932 dürften für die Gegenwart eine Obergrenze darstellen. Sie liegen nämlich im Sommerfemester 1932 bereits niedriger als in dem Sommersemester 1931, und Mar um rund 6 Prozent: eine Erst wicklungsrichstmg, die sich voraussichtlich von 1932 zu 1933 mit Rücksicht auf die unverändert ungünstige Löirtscheftslcge noch verstärkt haben dürfte. T ie Zahl der inländischen Studie rennen an den deuu'chm Hochschulen erhöht sich uni die Zahl der "rmmatrikulierten Reichsausländer mit 6553, eine Ziistr, die gegenüber dem Sommersemester 1931 eine Verminderung um 8 Prozent erfahren hat: der Rückgang bei den reichsausländischen Studenien ist also noch stärker als bei den inländischen. Die Gesamtzahl der reich-* inländischen und r e i ch s a uZ l a n d i - scheu Studierenden an den deutfck^n Hochschulen betrug im Sommersemester 1932; 129 6 0 6. Don ihnen waren 5233 jüdischen Glaubens, d. h. 1,02 Prozent. Stellt man der Gesamtzahl der Studierenden männlichen und weiblichen Geschlechts die Zahl der darin enthaltenen jüdischen Studierenden gegenüber, so ergibt sich folgendes Bild: Von 100 immatrikulierten Studierenden (Neichsinländer und Ncichsauslandcr) männlichen Geschlechts waren 3,45 jüdischen Glaubens. Von 100 sittdicrcndcn Fs-rauen tNerchsinränderinNen und Rcichsausländerinnen) waren 7,14 jüdischen Glaubens. Diese Zahlen der Studenten und Studentinnen jüdischen Glaubens enthalten jedoch nur diejenigen, die ihre Zugehörigkeit zuin Judentum bei der statistisehen ll^rfasiung anaegeben haben. Es ist anzunehmen, daß in der Zahl der Studenten mit nnbekannteiu Religionsbekenntnis in einem genusien Umfang auch Juden und junge Leute jüdischer Abkunft enthalten sind, ebenso wie in gewifsern Umfang in den Zahlen der Studenten evangelischen oder katholischen Neligionsbekenntnisies die Abkömmlinge von jüdischu: Vätern oder Müttern bzw. Großvätern oder Großmüttern mitgezählt sind. Tie Gesa'.ntzrbl der Studenten mit unbekanntem Religionsbekenntnis beläuft sich im Deutschen Reich im Sommersemester 1932 auf rund 19<>9, d. h. auf etwa 1,5 Prozent der Gesamtzahl der Swdenten. Rechnet man ein Drittel hiervon unmittelbar oder mittelbar zum Judentmn. so ergibt sich ein Anteil von 0.5 Prozent, der zu dem vorgenannten Darchschnittsanteil von 4,02 Prozent der Studenten jlrdi'chen Glaubens zuzurcchnen wäre, also ein Gesamtantei! von rd. 4.5 Vrozent. Hierin sind jedoch die bereits vorerwähnten Gruppen derjenigen Studenten nicht enRzalten, die jüdischer Abkunft sind, aber V oi; R