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Central-Verein-Zeitung · 1933-05-04 · 18 (4.5.1933) · p. Seite 156

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
18 (4.5.1933)
Date
1933-05-04
Page
Seite 156 (sequence 4)
Language
German
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156 fjäli dadurch einen neuen Auftrieb, daß reale Fragen der beruflichen Uniftcllung 3u lösen sind. Die gerneinsame Situation erfordert mehr £tl§ ©cnieinfcnnfcit in der Ideologie, sie erfordert Gemeinsamkeit im Leben, sie erfordert, daß wir den Weg von Mensch zu Mensch zueinander finden.^ Damit ergibt sich auch eine neue Basis der Bünde^und Arbeitsgemeinschaften. Da die Fragen vielfach gemeinsame sind, so muß jede partilularistische Toppelarbeit nach Möglichkeit durch ein föderatives Zusammenwirken vermieden werden. Erfreulicherweise hat sich diese Erkenntnis bereits in'der praknschen Arbeit durchgesetzt. Es kommt aber nicht nur darauf an, die bereits Erfaßten zu führen, sondern die Vereinzelten zu erfassen. Viele sind erst durch die Ereignisie zum Lewntzrsein ihres Judeseins gekommen und aus ihrer bisherigen Ruhr jäh ansgescheucht worden. Eie müssen sehen lernen, daß ihnen kein privates'Mißgeschick widerfahren ist, sondern daß sie Objekte des jüdischen Schicksals sind und daß sie sich als Subjekte in die jüdische Gemeinschaft einzuordnen haben. Der Wunsch nach diesem Zusammenschluß ist gerade seht bei vielen erwacht, seine Erfüllung bringt eine große Reihe erzieherischer und organisatorischer Ausgaben mit sich. Die entscheidenden Möglichkeiten eröffnen sich aus dem Gebiete der jüdischen Kulturarbeit. In einer Zeit der Not wurde die Schule in Jalme gegründet, und auch wir wissen, daß wir die äußeren Schwierigkeiten in hohem Maße ausgleichen können, wenn wir unser inneres Gemeinschaftsleben mit den geistigen Inhalten eriüllen, die uns überkommen sind. Die Kinder, die jetzt in großer Zahl in jüdische Schulen kommen, sollen dies nicht als Notlösung empfinden, sie sollen sich nicht als Ausgestoßene, gewissermaßen als verhinderte Arier Vorkommen, sondern sie sollen unter jüdischen Menschen mit jüdischem Zulunftswillen frei ihre Kräfte entsalten. Außerhalb der Schulmauern aber werden sich auch immer größere Schichten zu gemeinsamer jüdischer Kulturarbeit zusammcnfinden. Die Beziehung zur Umwelt wird um so gesünder sein, je ehrlicher wir uns selbst gegenüber sind und je weniger wir zum Regulativ unseres Verhaltens die Stellungnahme der anderen machen. Sind wir echt, so wird man uns stets verstehen. Nicht der ist ghettvisiert, der sich zur festen jüdischen Gemeinschaft bekennt, sondern derjenige, der die jüdische Frage dadurch totzuschweigen sucht, daß er sie unter außerjüdischen Gesichtspunkten betrachtet. 3M)t denn je erhebt sich in diesen Tagen die Forderung, den Anschluß an die jüdische Geschichte und den Durchbruch Zur jüdischen Gesamtverantwortung zu finden. Die Not der Zeit wird bei all unserm Tun un'er Bernntwortungsbewußchein stärken und uns die Kraft geben, vor der jüdischen Geschichte zu bestehenl chNllmr fm Das von der Negierung erlassene Gesetz gegen die Ueberfüllung der Schulen und Hochschulen bat in weitesten Kressen des deutschen Volkes Zustimmung gesunden; ist es doch unumgänglich notwendig, den ungehemmten Zuibuß der höheren Schüler zu den Hochschulen einzudänunen und durch eine vernünftige Auslese zu ersetzen. Das deutsche Judentum hat diese Notwendigkeit für sich schon lange erkannt und entsprechende Versuche selbständig unternonnncn. Es kann also das Gcsttz im Grundsätzlichen durchaus bejahen; soweit es aber, wie es offensichtlich der Fall ist, sich lediglich gegen die jüdischen Scküler wendet, also ein Ausnahmegesetz für ne darstellt, müssen wir es trotz der grundsätzlichen Uebereinstimmung entschieden ablehnen. Die deutschen Inden fühlen sich besonders durch Z 3 des Gesetzes im Innersten getroffen. Tenn nach diesem Gesetz wird es einem großen Teil — wenn nicht der Mehrzahl der dcurschen jüdischen Jugend — von nun ab nicht mehr erlaubt sein, die höhere Schule zu besuchen und sich später einem akademischen Beruf zuzuwenden. Tie Anzahl der jüdischen höheren Schüler in Preußen beträgt zurzeit (nach dem BeAcht des „Deutschen Philologenblattes", Nr. 17, Jahrgang 1933) etwa 15 105, d. h. 4,1 v.H. der gesamten höheren Schüler Preußens. Rechnet man die Kinder der Kriegsieunchmer, die ja vom Cesttz nicht betroffen sind, mit etwa 3000 bis 4000 ab, so bleibt immer noch eine beträchtliche Zahl, auf die das Gesetz seine Anwendung findet. Man sollte nun meinen, daß diese restlos in den Schien bleiben könnten, da ihre Zahl ja die im'Gesetz zugelassenen 5 v. H. gar nicht erreicht. Diese Folgerung ist leider irrig. Bekanntlich wohnt die Mehrzahl der deutschen Iatden in Mittel- und Großstädten; infolgedessen wird in den Schulen dieser Städte die Zahl von 5 v. H. erheblich überschritten. So besuchten in Berlin etwa 7000 jüdische Schüler die höheren Schulen; sie bildeten demnach etwa 9.2 v. H. aller höheren Schüler Berlins. Ta nun nach dem Gesetz keinerlei Möglichkeit besteht, etwa Schulen mit nur 2 v. H. jüdischer Schüler zum Ausgleich für andere mit höherer Prozentzahl heranzuziehen, so müssen in der Tat weit mehr jüdische Schüler die Schulen verlassen. Da außerdem Neuaustmhmen jüdischer Kinder in die Serta erst erfolgen dürfen, wenn der Anteil der jüdischen Schüler an der Gesamtbesucherzahl der Schulen weniger als 1,5 v. H. beträgt, werden nicht nur im Jahre 1933, sondern auch in den folgenden Jahren verschwinden) wenig jüdisch? Kinder in die Seiten aufgenonnnen werden können. Fronllämpserkinder sind von dieser Beschränkung wiederum nicht getroffen. Richtig ist also, daß die Zahl der jüdischen höheren Schüler in den Großstädten den xrozentnalrn Anteil der Juden an der Bevölkerung der Städte überschreitet. T:o0 Erscheinung ist aber nicht spezifisch jüdisch,! sondern entspricht der soziologischen Sckichp tung jeder Großstadtbevölkerung. Auch die :!‘! Zahl der inchtzüdischen höheren Schüler in 1j den Grvßstädren ist, verglichen mit der Zahl der Croßstadteewohner, prozentual höher \}' als die Zahl der nichtjüdischen höheren : > Schüler Preußens verglichen mit der Gesamtöcvölkerung Preußens. Wahren) zum h Beispiel die Bevölkerung Berlins mit etwa ' 4 Millionen nicht ganz 10 v. H. der proußij schon Bevölkerung darstellt, ist die Zahl der | Berliner höheren Schüler fast doppelt w i groß, wie der Bevölkerung prozentual ent- | spricht, nämlich 18,2 v. H. jj Die ihrer Natur nach städtischen Benne erfordern cm größeres Maß von Schulbildung als die ländlichen Berufe. Es ist also kein Wunder, wenn auch die jüdi'cke Bevölkerung als spezifische Smdtbcvölkerung einen stärkeren Prozentsatz höherer Schüler aufweist. Wir müssen also mit der Tatsache rechnen, daß eine sehr beträchtliche Anzahl jüdischer höherer Schüler aus den östentlichen Schulen ausscheidet. Ein großer Teil von diesen hat noch keinen Abschluß, wie etwa das Zeugnis der mittleren Reife. Für diese aus ihrer Schullaufbahn herausgeworsenen Jugendlichen muß die Möglichkeit eines solchen Abschlusses, für die Jüngeren, die jetzt von der Neuaufnahme ausgeschlossen sind, eine entsprechende Bil- 8 dungsrnöglichkeit geschaffen werden. | In der Begründung des Schulgesetzes hat die Regierung besonders daraus hingewiesen. daß der Anteil der jüdischen Bevölkerung in Deutschland an den handwerklichen und gewerblichen Berufen nicht sehr groß ist. Das deutsche Judentum, versucht, wie schon oben angedeutet, seit Jahren, diesem Umstand durch die verschiedenartigsten Berussumschichtungsbestrebungen adznhelfen. Es braucht aber zu diesem Zwecke ein Dildungsiustitut, da? den jüdischen jungen Menschen eine angemessene jüdische Bildung vermittelt und ihn zugleich für einen handwerklichen, gewerblichen oder landwirtschaftlichen Be- ' ruf vorbereitet. Eine solche Bildungsanstalr braucht eine gewisse Selbständigkeit, -insbesondere in bezug auf die jüdisch? Bildung der jungen Menschen. Im Mittelpunkt muß die Erziehungrum bewußten in der geschichtlich gewordenen jüdischen Ge- ©ir©SS-BerIirii©r ilterei! Schickt Eure Kinder in die C. V. - Jugendgemeinschcsfh Programme werden auf schriftliche Anforderung durch das Büro, Berlin W V5, Einser Stresse 42, zugesandt,

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