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Central-Verein-Zeitung · 1933-05-04 · 18 (4.5.1933) · p. Seite 154

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
18 (4.5.1933)
Date
1933-05-04
Page
Seite 154 (sequence 2)
Language
German
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154 Wordene, durch blclctld goücten geformte Gruppe ignoriert. Ader gerade weil wir zum Kern unseres eigenen Sems vorgestoßen waren, so war es eret, wenn wir nus unseren Heimabenden und ^ayrten deutsche' Volkslieder sangen, und gar mancher unter uns fühlt sich durch das Vorspiel zu den „Meistersingern" innerlich Ebenso angesprochen wie durch d:e Lettlerhorrah aus dem ,PZchbuk". Nun glaubt inan das jüdisch-deutsche Problemen seiner ganzen Schwere dadurch zu lösen, daß rüan die Juden aus dem kulturellen Leben der Gesamtheit ausschalret. Statt die Grenzen dort zu ziehen, wo sie . von einer selbstbewußten jüdischen Gruppe anerkannt werden, zieht man sie so eng, daß sür das Leben einer wie immer gearteten jüdischen Gemeinschaft kein Raum bleibt. Und weiter: dem jüdischen Menschen Wird in Deutschland vor allem der wirtschaftliche Boden entzogen. Ter jüdische Angestellte ist mit Entlastung bedroht, der Zugang zu den akademischen Berufen wird in einem Maße erschwert daß er fast unmöglich wird. Damit erhebt sich aber die jüdische Not zu einer besonderen Not der jungen jüdischen Generation. Nicht daß wir die Tragödien und Schwierigkeiten der alten Generation verkennen wollen, aber;u nnjtfm A. W. Die aufwühlenden, gegen das deutsche Judentum gerichteten Eingriffe d-r letzten Wochen hatten zuerst einen Schrecken, eine dumpfe Benommenheit und eine tiefe, schmerzliche Niedergeschlagenheit hervorgorusen. Nun beginnt ein verständliches Nachsinnen über die ernste fiage. Ja — man staune! — die Kritik wagt sich hervor, die Kritik an Aufsätzen der „E. D.-Zeitung" und ihren Verfassern, sogar an Männern, die in der Leitung des E. B. in den schweren beiden Monaten dem ganzen deutschen Judentum hervorragende Dienste geleistet haben. Jede förderliche Kritik ist dankenswert. -Sie aber gerade in diesen Wochen mit persönlichen Seitenhieöen gespickt nieder- Zuschreiben und sie gar in die Setzmaschine Zu spedieren, ist eine sehr unerfreuliche Ueberheblichkeit, auf die mindestens 99*>io Prozent des deutschen Judentums herzlich gern verzichtet hätten. Uns scheint es recht müßig, „Welranschauungsfragen" zu diskutieren in einem Augenblick, wo Welrgeschichre vor sich geht, wo dazu alle deutschen Juden, gleich welcher Einstellung, von strengen Gesetzen und harten Verordnungen getroffen werden. Wir verzichten gern aus schriftliche, im Ton ungezogene Ermahnungen, wie deutsch oder wie jüdisch wir seil dem 5. März zu sein haben, so sehr wir jede Anregung, jede Kritik unserer Leser begrüßen. Deutsch sein ist kein Wein, dem man einmal mehr, einmal wmigerWastor beimischen kann. Wahre Liebe zum deutschen Vctterlande ist unerschütterlich, besteht jede Probe und überwindet auch die gewnlttge Beladung der jüngsten Zeir. Für meinen Willen zum Deutschtum ist cs unerheblich, ob man mich zum „Nichtarier" ernennt, ob nran mir mit dieser Begründung mein Stück Brot nehmen will. Tief erregt —wer sinder die Worte dafür, für das, was in unserer Seele jetzt vorgert? — bin ich über fcte demütigende Absicht, mich aus meinem deutschen Volke auszmroßen. Niemand aber vermag mir die Muttererde zu rauben. Das ist wahrhaftig keine „chauvinistische Proklamation", wie einer unserer vielen zehntausende Leser uns schrieb. Noch weniger ist cs eine „Liebedienerei mit deutlicher Geste nach oben". Wir sind überzeugt, die dem deutschen Jndentum Kamp' und Vernichtung geschworen haben, lassen sich dadurch sicher nicht in ihrem Fanatismus beirren. Es wird hier nur ausgesprochen, was ist. niemandem zuliebe und niemandem zuleide. Wer die Haltung dieser Blätter gerade seit dem großen Ilmschwung genau beobachtet, wird keine Stelle finden, die sich unwahrhastig und schmeichlerisch irgendwo Gunst oder Milde erkaufen will. Sind wir dem einen Freunde nicht deutsch genug, so zeiht uns ein zweiter mangelnden Derständnin-es für das Judentum und legt seiner Anklage sogleich ein Programm bei, welche jüdische Haltung wir in unserer Zeitung einnehmen sollen. Was wir aus den jüngsten Geschehnissen für das Judentum und auch für unsere Dereinszwecke zu lernen haben, darüber ist zu gelegenerer Zeit zu reden. Inter arma silent musae. Wo wir so scharf umkämpft werden, ist Wehren, ist Tat und nicht Programmdiskussion das Gebot der Stunde. Sollen wir etwa den Zankapfel in unsere Reihen werfen, indem wir eine veränderte Stellung von heute auf morgen zu irgendeiner, wenn auch noch so bedeutsamen, jüdischen Tagesförderung einnehmen? Gibt es wirklich noch jüdische Kreise, die den eisernen Sinn dieser Geschehnisse so mißverstehen, daß sie jetzt billige Auseinandersetzungen über innerjüdische ^Umstellungen" wünschen? Ach, wären wir erst so weit, daß wir uns diese Unterhaltungen wieder leisten könnten! Gewiß gestaltet die Entwicklung seit dem 30. Januar auch den Eentralverein gründlich um. Er wird seiner Arbeit und seiner Organisation nach, nicht zuletzt auch personell, grundsätzliche Aenderungen vornehmen müssen. Darin ist er schon auf dem Marsche. Unerschütterlich aber wurzeln im demschjüdischen Menschen selbst dieser Tage die Treue zum Deutschtum, die Anhänglichkeit an das Judentum als religiöse Tatsache, als Schicksalsgemeinschaft. Die Tiefe dieser Gefühle abzuloteu, wäre ein törichtes, bevormundendes Beginnen. Beide sind da. Dekennnen wir sie ehrlich und furchtlos. Diese Grundlagen des wahren deutschen Jrrdentums kann die bitterste Erfahrung nie erschüttern. da das Eros der jüdischen Angestellten aus jungen Menschen besteht und da die gesetzlichen Regelungen eine Ausschaltung der jungen Menschen zur Folge haben, so sind gerade der Jugend die Zukuuftsaussichten verschlossen. Je weiter die Bernst-ausbildung bereits fortgeschritten ist, desto schwieriger ist die Situation. Ties zeigt sich besonders bei dem Teil der jungen Akademiker, der bereits im Stadium der praktischen Ausbil-- dung steht, bei den Medizinalpraktikanten, den Gerichtsreferendaren und den Studienreferendaren. Diese Menschen sind insolge jahrelanger, oft unter großen Entbehrungen erworbener Derufsschulung bereits in einem bestimmten Sinne geprägt. So steht eine ganze Generation vor scheinbar unübersteigbaren Mauern, die den Weg in die Zukunft versperren. Was ist zu tun? Zunächst: Man hüte sich vor jedem unnötigen, lähmenden Defaitismus und vor unüberlegten, vorschnellen Entscheidungen. Aber auch ein gesunder Optimismus darf uns nicht hindern, die Dinge so m sehen, wie sie nun einmal liegen, und nach Auswegen zu sinnen. Ter Eentralverein und die Gemeinden sowie die anderen jüdischen Organisationen und Einrichtungen suchen Hilfe zu leisten, wo es nur angeht. Tie Berichte über die Arbeit der Beratungsstellen, die in diesen Blättern lausend gegeben werden, zeugen davon, wie geholfen wird, wo nur zu helfen ist. Ziel dieser Arbeit muß zunächst sein, die Positionen zu halten, die nicht mit zwingender Notwendigkeit ausgegeben werden müssen. Das bedeutet praktisch das Beschreiten aller Wege, die den jüdischen Angestellten ein Verbleiben in ihren Stellungen ermöglichen. Es bedeutet weiter eine Beratung und Zusammenfassung der anderen Berussgruppen, die mit Ausschaltung bedroht sind. Hinzu kommt die Beratung derjenigen Studierenden, die unter allen Umständen ihre Ausbildung beenden wollen. Daß hierbei die Beratung nur Sinn hat, wenn auch die wirtschaftlichen Voraussetzungen geschaffen worden können, versteht sich von selbst. Zu diesen akuten Hilfsmaßnahmen im Einzelsall tritt aber als entscheidende grundsätzliche Ausgabe die Durchprüfung der Möglichkeiten einer völligen beruslichen Umstellung der jungen Generation. Fern von verhängnisvollem Dilettantismus und weltferner Romantik müssen hierbei alle gangbaren Wege untersucht werden. Ter Beginn dieser verantwortungsvollen Arbeit ist bereits von den hierfür in Frage kommenden Organisationen unter besonders aktiver Mitwirkung der Jugend selbst gemacht worden. Schon jetzt zeigt sich, daß hierbei keine einseitigen, billigen Parolen, mögen sie sich auf eine bestimmte Art der Umstellung oder auf einen bestimmten neuen Standort beziehen, weiterhelsen, sondern . daß eine Reihe von Einzellösungen nckeneinander und doch im Zusammenhang miteinander geschahen werden muß. Jede Umstellung ist jedoch an bestimmt?

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