Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 17 (27.4.1933)
- Date
- 1933-04-27
- Page
- Seite 147 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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*47 i i i i i j il?! i beufunß kn der Unkerhaltrrng mit Patienten vermeidet, wird immer wieder von seinen Patienten darauf hingOviesen, wie sehr man seine jedem Leidenden gleichmäßig entgegengeörachte Hilfsbereftschast schätze. Nicht die Großen im Bereiche der LÄ^enfchaft allein find es, die.für eine Gruppe repräsentativ find. Ter einfache jüdische Kassenarzt, dcr mit PAichkbewußtfcxn und Hilfsbereitschaft feiner schweren Arbeit nachgegangen ist. wird im Gedächtnis feiner Patienten auch dann als ein Bwrreter besten Arztlnms bleiben, wenn er nur noch im verengten Kreise 31t arbeiten imstande ist. Mehr als je aber wird es notwendig sein, daß die jüdischen Aerzte einig und geschlossen zusammenstehen in der Abwehr der materiellen Not, die einen immer größeren -Kreis von jüdischen Aerzton bedroht. Bor allem muß es eine Ehrenpflicht sein, sich der jungen Aerzte anzunebnien, die von allen Aerztekategorien Wort am schwersten von der gegenwärtigen Entwicklung getroffen sind. MS GHz am die dM SAlrrr u»d §vtzW Xif I \rij lon W vt Am 25. April hat die Reichsregierung das in Aussicht gestellte „Gesetz gegen die lleeerfüünmj deutscher Schulen und Hochschnlen" erlassen. Das Gesetz sowie die Aussührungsbeftimmungen find im „Reichsgesetzblatt" Nr. 43 vom 26. April, S. 225/226, veröffentlicht. Das Gesetz gilt nur für die höheren Schulen, nicht aber für Volks- und PfiichtforLbildungsschulen. Es betrifft also lveder die Einschulung noch das Verbleiben der Kinder in der Volksschule. Grundsätzlich nicht betroffen von der Neuregelung find: „Reichsdeutsche nichtarischer Abftammung, deren Vater im Weltkriege an der Front für das deutsche Reich oder für seine Verbündeten gekämpft baden, sowie auch Abkömmlinge aus Ehen, die vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes geschloffen sind, wenn ein Elternteil oder zwei Großeltern arischer Abkunft sind. Sie bleiben auch bn Berechnung der Anteilszahl und der Verhältniszahl außer Ansatz." Das heißt, daß nicht nur die Kinder aus Mischehen, sondern auch Kinder jüdischer Eltern, sofern sie unter ihren vier Großeltern zwei nichtjüdische Großeltern batten, im Sinne dieses Gesetzes nicht als Mchtarior anpusehen sind. Ebenso sind die Kinder ran Frontkämpfern dem Pro- Zeutsatz der jüdischen Kinder nicht zu- Lurechnen. Für die nun übrig bleibenden reinjüdischen Kinder, deren Väter nicht Frontkämpfer waren, ist zu unterscheiden zwischen den Neuaufnahmen (Sextaner) und den Kindern, die schon in der höheren Schule sind. Mfsrs MW l 8 Der Aerrkrarausschuk; der deutschen Juden stellt rms den I nachfolgenden Aufruf zur Verfügung. | Schwere Stof geht um im deutschen Judentum. Wir deutschen Juden «haben unser Teil getragen an der allgemeinen deutschen Not. Wir haben unser k Kontingent gestellt zu dem großen Heer der Menschen, die ohne Arbeit f und ohne Verdienst vom sinnvollen Leben ausgeschlossen schienen. Neue SM!ist über uns gekommen. Jüdische Menschen wurden aus ihrer Arbeit herausgerisien: Sinn und Grundlage ihres Lebens ist ihnen zerstört worden. In Zeiten der Not wird der Sinn der Gemeinschaft offenbar. Wo der Einzelne, aus sich allein gestellt, einen Sinn seines Daseins nicht mehr sieht, zeigt die Gemeinschaft ihm Sinn und Ziel: wo er allein nichts mehr schaffen kann, muß die Kraft der Gemeinschaft eintreten. Aus der Zeit der Not muß neu die Gemeinschaft erwachsen, ein lebendiges Dasein gewinnen. Aus ihr muß der Einzelne die Kraft zum Leben und zum Wirken schöpfen. Groß ist die Aufgabe, die der Gemeinschaft der deutschen Juden heute gestellt ist. Die SM steht vor den Türen unserer Menschen, ihre Kraft droht zu zerbrechen. Von uns, von der Kraft der Gesamtheit muß die Rettung i kommen. Neue Ausgaben in ungekanntern Umfange treten an uns heran. Es genügt z nicht, denen, die nicht wissen, wovon sie die nächsten Tage fristen sollen, das tägliche Brot zu reichen. Gewiß ist es unsere erste Ausgabe, dafür zu sorgen, daß niemand der Unseren zu hungern braucht und des Daches über feinem ßKopf entbehrt. Gewiß müssen wir dafür sorgen, wie wir es gewohnt sind, ,8 daß die Anstalten erhalten bleiben, die wir errichtet haben für unsere Kinder, |j für unsere Alten und Kranken. iHie sind heute nötiger denn je. wenn die jj Not uns auch zwingen wird, die Änsprüche an die Ausstattung dieser Anstallen erheblich herabzuschrauben. Aber mit alledem ist es nicht getan. Wir 1 wollen, und wir dürfen uns nicht damit begnügen, unseren Brüdern und l Schwestern Almosen zu geben, für ihre einfachsten Bedürfnisse zu sorgen. Unz sere Pflicht ist es, ihnen zu Helsen, daß sie eine neue Grundlage ihrer Existenz 1 finden, eine Arbeit, mit der sie sich selbst erhallen, die ihnen wieder eins I Aufgabe, ihrem Leben, einen Inhalt gibt! Sinnlos allerdings wäre es, wenn unsere Menschen sich wahllos auf einzelne Berufe stürzen wollten, die ihnen irgendwie nahezuliegen scheinen. Ausgabe der dazu berufenen Stellen wird es sein, sorgfältig zu prüfen, wo Platz und Raum für Arbeit jüdischer Menschen ist, dann aber ihnen auch die Möglichkeit zu geben, sich auf diese Arbeit umzustellen. Großes wird verlangt werden von der Fähigkeit unserer Menschen, sich umzustellen, sich in neue Arbeiten und neue Verhältnisse zu finden. Großes muß aber auch verlangt werden von der Opferfähigkeit der anderen, denen eine solche Umstellung erspart bleibt. Wer das Glück hat, Arbeit und Einkommen zu haben, muß dem helfen, der alles verloren hat. Wer noch die Möglichkeit hat zu geben, muß bis zum äußersten seines Könnens opfern! Von jedem einzelnen muß das Höchste gefordert werden! Wer sich der Pflicht entzieht, ist ein Feind der Gemeinschaft. Jedes Opfer muß gebracht werden, jedes Opfer der Hilfe fiir die in Not Geratenen, jedes Opfer der Leistung aber auch an unsere Gemeinden, mit denen unzählige Existenzen verknüpft sind. Schande über den, der durch mangelnden Opferwillen, durch sträfliche Steuerscheu unsere Gemeinden zwingt, Beamte oder Angestellte zu entlasten. Keiner unserer Menschen darf durch uns brotlos und existenzlos werden! Stur in Einigkeit und Geschlossenheit können die Aufgaben, die unserer harren, erfüllt werden. Alle Meinungsverschiedenheiten zwischen uns, alles, ß was uns trennt, muß zurückgestellt werden. Die großen Organisationen und ß Hilfswerke des deutschen Judentums sind in dieser Richtung vorangegangcn. xSie haben sich zusammengeschlossen zu gemeinsamer Arbeit im „Zentralausschuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau". Ju ihm schweigen alle Sonderinteressen und eigensüchtigen Wünsche. Die Menschen, die in ihm zusammenwirken, arbeiten nur mit dem einen großen gemeinsamen Ziel vor Äugen: Dem Hilfswerk der deutschen Juden! Diese zentrale Stelle wird dafür sorgen, daß alles geschieht, was geschehen muß. Sie wird dafür sorgen, daß nicht nebeneinander und nicht gegeneinander, sondern miteinander gearbeitet wird. Ihr werden die einzelnen Organisationen und Stellen ihre finanziellen Mittel zur Verfügung stellen, so daß nickt der Zufall des Vermögensbesitzes und der Aufbringung entscheidet, welche Mittel für den einzelnen Zweck zur Verfügung stehen, sondern die