Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 16 (20.4.1933)
- Date
- 1933-04-20
- Page
- Seite 141 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2277379-2277993-2278009--07885-2288832- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
141 ilm Die Reichsvertreklmg der jüdischen Landesverbände hat bei sich einen „Zentralausschutz der deutschen Juden für Hilfe unb Aufbau'^ errichtet, der die Arbeit auf allen Gebieten der wirtschaftlichen und sozialen Hilfe verteilt und abstimmt, der ferner die einzige Saminelstelle für die Beschaffung und Verteilung aller Mittel ist. Dem Zeniralausschuß, in dem die maßgebenden jüdischen Organisationen Mitarbeiten, gehören an Rabbiner Dr. Daeck (Vorsitzender), Landgerichtsrat Dr. Lilienthal (Geschäftsführer), Alfred Derger, Dr. Georg Landauer, Dr. Karl Melchior, Direkior Skahl, Dr. Ludwig Tieh, Dr. Mark Mschnitzer und Dipl. - Ing. Bruno Woyda. Helfen, helfen, helfen A. H. Es feinen normalen Zicftand des jüdischen Lebens in Deutschland mehr. Niemand ist gesichert genug, als daß er sagen könnte: was geschieht, geht mich nichts an. Ohne neues Denken, ohne N e u b e g i n n des praktischen Tuns, ohne die Entschlossenheit jedes einzelnen, auch sich s e l b st ein.zubczichen in die Umstellung des Denkens und Tuns, wird cs keinen aussichtsvollen jüdischen Aeubeginn in Deutschland geben. Die vielen Hunderte von Menschen, die die Beratung des C. V. in den letzten Wochen in Anspruch nahmen, nehmen mit Genugtuung und Dank wahr, wie unsere Organisation sich mit der ganzen Kraft ihrer Menschen zum Helfer und Diener jedes einzelnen deutschen Inden und damit des deutschen Judentmns überhaupt gemacht hat. Die Skala der Nöte und Wünsche ist u n ü b e r f e I; b a r. Rechtsfragen sind meist nur noch historisches Material. Wir begnügen uns nicht, sestzustellen, was nicht mehr ist, sondern wir raten und Helsen auf dem Boden des Neuen, das ist. Ter Sturmwind der nationalen Revolution hat das Judentum in allen Tiefen aufgewühlt und durcheinandergewirbclt. In unseren Warte- und Beratungszimmern sitzt der hohe Beamte neben dem besorgten Lehrling, der Personalchef großer Unternehmungen neben der fristlos entlassenen Stenotypistin. Es wäre umvahr zn behaupten, daß allen oder auch nur vielen von Grund auf geholfen werden könnte. Aber es darf wohl gesagt werden, daß die meisten mit einem neuen Lebensgefühl von uns gehen. Ihre Vereinzelung und Vereinsamung ist durchbrochen, und mancher, der die eigene Welt in Trümmern sah und deshalb 311 uns kam, erlebte in der Berührung mit Leidensgefährten erst - m a I i q jüdisches Schicksal und fand darin neue Kraft. Während der Sprechzeit umd der anderen Tagesstunden — bei* Dienst bricht eigentlich nie mehr ab — wird das Material, das täglich neu Zum Vorschein kommt, gesichtet und eingestellt. Hervorragende Sachverständige werden zugezogen, Fachausschüße nehmen den Berufsgenossen viele Sorgen, viel Tank und Lausarbeit ab, mit maßgebenden Stellen wird verhandelt, neue Beziehungen werden äuge-' knüpft. . . Helfe n, h el f e n, h eI fe n! st e h t über jedem Arbeitsplatz in unsichtbarer Fla rn me n s chri ft. §riftlos eiitlaßskr AnZ Han-wcrkcrkrcisen wird uns geschrieben: Ich gehöre zu den jüdischen Handwerkern, die am 3. April ihrer Religion wegen fristlos entlaßen wurden. Ta hört und liest man, daß es bei einer so ungeheuren Umwälzung, wie sie jetzt in Deutschland vor sich geht, auf das Schicksal des einzelnen gar nicht ankommt. Sehr schön gesagt. Aber sehen wir uns doch einmal so ein Schicksal näher an. Ein Schriftsetzer, der etwa 20 Jahre bei einer jüdischen Firma tätig war, treu und brav gearbeitet hat, was auch von seiten der betreffenden Firma anerkannt wurde, bis ■— Zum Boykott. Von dem Tage an war mit dem Betreffenden nichts mehr los, er wurde fristlos entlaßen. Bis zum Tage der Entlastung bestrick der jüdische Handwerker seinen Lebensunterhalt, trotz Arbeitslosigkeit mehrerer Kinder, ohne jemandem zur Last Zu fallen. Jcstr. wo der Ernährer arbeitslos geworden, können die Kinder Anträge aus den Bezug der Arbeitslosen- bzw. Krisenuntersrühung stellen. Ist nun dem Staat damit geholfen, wenn jetzt die ganze Familie erwerbslos ijt? Der auf diese Art um fein Brot gebrachte Familienvater war vom 10. April 1915 bis zum 15. Dezember 191S im Felde. (Führung gut, Strafen keine.) Der Dank des Vaterlandes sei euch gewiß. Ein schönes Wort! — So, lieber Leser, das nennt man Schicksal . . . Ich möchte nicht diesen kurzen Bericht abschließen, ohne folgenden Appell an die jüdischen Arbeitgeber zu richten: „Die Not der fristlos entlassenen jüdischen Angestellten und Arbeiter (Handwerker) ist ungeheuer groß. Erfparnwe hat keiner machen können, weil in jeder Familie Arbeitslose zu unterhalten sind. Gebt diesen vom Schicksal so schwer Getroffenen Arbeit und damit Brot!" —er ST Elircn. Husten, ßsthma, Dlufnicht verzweifeln, die ärztlich empfohlenen Silphoscalln- Tablelten bähen Tankenden gfholfen. — 80 Tabletten liil. 2,1:3 Tn allen Apotheken, «on^t R< ‘enapotheke Mönchen. — Die illQ^iriene Aufklärungsschrift RIO von Dr. Vogel mit vielen Gutachten jedermann kostenlos und unverbindlich durch die Herstellerfirma. Carl Buhler, Konstana 2. WENDT & REDLICH U.d.Linden 29' BERLIN W Flora A2 5374 Herrenschneider Herrenwäsche nach Maass * Herren-Artikel Lj fvO ........ s#4 v v -i v-=» d» U> v S «darbaut, sucht Lr'chcistrgung, auch stunden» . «eise. BoUlanerkarte Ar. 0*2, Postamt Bcrlin-LUlmersöork S. r~j j y“S' STA Ht-MOOR-RADI UM Bayerisches Staafsbad bewährt bei: Blutarmut.Bleichsuchthsrz j Nerven, FrauenJeiden.üichtRiieurna.ischaxi Gefäss-u.öelenkerkrankunQen Bade-Tr inL- Uif* ’cjrzn- Uqc Par kV& id P<3 usdvi ur<3 Wjrzcit vofi Msi bis Oktober. Auskunft duxh jtecriu.durch <SeSebetu*3» x/il VL* v V i v>/ v V tf V* l$annoott, SiorMnannfltaüc 19 1^3 Telcpkrcn 20830 | Fleisch- und Dursiwaren unter Aussicht deö hannoverschen Mabbinarü rr<f'3 I Uif Notar, durch die Verhältnisse in N:t ac» raten, wünscht sich als 0'.lfea:5ri.rcr. Lüroleiter, Korrespondent rdcr dttglUchrn bei Anwatt oder in sonstigem tfntcrnc&mcn l'd fcfitätige«. (jul.^pridjicr-r-initic rorh.j ' 0v:l. Ausland. 0ffcr::n unter d. U. 15555 durch Rudols Izlolre, VcrUn SW 120. erdeten. Alleinige Inseraten-Annahma: Annoncen-Expedition Rudolf Mosse Berlin SW tOO, JcruEalenier Stmss« <6—49. und Bielefeld, Ereslaa, Chemnit?, Dresden. DSjseldorf, Frankfurt i. H., Hamburg H&nnovcr, Köln a. HIl, Leipzi-, Bagdebnrg, MÄimheiiö, München, Nürnberg, Btsttgart; Amsterdam, Bisel, Belgrad, Bern, Brbnn, Brüssel, Budapest, Buenos Aires, Bukarest, London, HaUani, New York, Paris, Frag, Tokio, Warschau, Wien, Zagreb, Zürich.