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Central-Verein-Zeitung · 1933-04-20 · 16 (20.4.1933) · p. Seite 140

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
16 (20.4.1933)
Date
1933-04-20
Page
Seite 140 (sequence 4)
Language
German
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140 <m?vcdi< haltenden Nachkommen gewaltiger Vorfahren an. nicht die lachenden Erben, welche eine große Vergangenheit wohlfeil cinstreichen. nicht der sprichwörrtiche Bauernstolz. der auf ein überliefertes Verdienst mit plumper Vornehmheit Pocht. Nein, hier sitzt der Stolz ans einer fortzcngende» .innerlichen Tüchtigkeit, die nicht verlottert, was die Ältvorderen ausgespeichc-rt haben, die nicht ans Borg nimmt, was vielleicht erst spät, was vielleicht niemals znrückgczahlt iverdcn kann. Ein gewisser linkischer Trotz Vielleicht ist dem Tithmarfcher eigen, eine derbe, rechthaberische Ader gehl durch ihn hindurch, nnd in fließenden Linien wallt sein Tun und fein Sprechen nicht dahin. Wo keine Bäume rauschen, keine Bäche sprudeln, Ivo nur die See brandet nnd nur das Rohr flüstert, da kann wohl die schlichte oder sinstere Erhabenheit, die schwermütige 'keusche Amnut. nicht aber die stille Größe, die einsaitige, holdselige Schönheit gedeihen. — Tieie Welt umgab den zum Jüngling heranreisenden Knaben, dnrchdrang unseren jungen Friedrich, ohne daß er sich dessen noch klar bewußt ivar. in Bildern der Natur nnd der Geschichte. Fniz Mauthner (Totengespräche): vismarck (spricht über öie Grünöe seines hanöelns) Kaiser Barbarossa und alle Burschenlicdersind keine zureichenden Gründe. Ich iveiß nicht, wann zuerst der Gedanke bewußt wurde. Vielleicht nie. Vielleicht erst nachher. Tor Gedanke an eine Ausgabe, die mir gestellt war . . . Meine Arbeit hat mir keine Aei! gelassen, über diese Tinge nachzudenken. Auch Kraft kann Ausgaben stellen. Das Ziel sahen viele. Ten Traum zur Wahrheit zu machen, den Traum des Kaisers Barbttro„a und unserer Burschcnlicder. Deutschland! Tie Professoren von lSsS waren Kinder. Nicht wegen des Wortes Republik. Worte sind immer dabei, aber sic kannten die Wirklichkeit nicht. Ein Werk der Wirklichkeit, so groß wie meine Kraft. Mein gnädiger Herr und ich waren auch durch ein Wort getrennt. Er sagte immer: „Preußen", und ich dachte immer'deutlicher nnd deutlicher: „DeutschlandWer Traum nuferer Burschcnlicder war hunderttausend Tote wert. Friedrich Gundolf (Shakespeare und der deutsche Geist): Sxrachschoxfer und Eprachmeisier Durch Goethe war die deutsche Sprache erst reich genug, Shakespeare auszudrücken, durch die romantische Bewegung frei genug, durch Schlegel entsagend genug. — In der Doppelnatur der Sprache löst sich auch das Rätsel, wie ein so kleiner Mensch (klein wenigstens im Vergleich zu Shakespeare nnd Goethe) fähig ist, das Erlebnis des Größten ädäguat nachzubilden. Die Sprache ist Zugleich Vergangenheit und Zukunft; sie ist zurrächst Träger der geistig gelebten Vergangenheit eines Volkes, und wer diese Sprache als lebendige Bewegung erlebt, wer das Sprach erleb nis hat, der erlebt durch ihr Medium den ganzen Umfang der in ihr ausdrückbaren Schicksale, ohne diese primär auf sich nehmen zu müssen. Die Sprache ist Zukunst: d. h. die Keime aller noch nicht von einem Volksgeist erlebten, aber noch erlebbaren Tinge liegen in ihr beschlossen. Diese Keime entwickeln, die dunkeln, noch unsichtbaren Geburten der Sprache ans Licht bringen, ihre Möglichkeiten verwirklichen kann aber nur der, welcher nicht die Sprache, sondern die Wirklichkeiten selbst erlebt, die vor ihm noch keiner erfuhr und sie in Sprache verwandelt. Rur der hebt Unausgedrücktes und bisher Unausdrückbares, weil noch nicht Erlebtes, heraus und macht es für alle ausdrückbar. Er erschafft für neue Seelenwerte neue Sprachäquivalente. Ties ist der eigentliche Dickster der SPrachschöpfer ~ Schlegel ist vor allem S Pra ch mci ft cr; die Sprache, mit der er 17 Shakespeare-Stücke übersetzte, ist die Anwendung der durch Goethes sprachgewordenes Erleben geschaffenen Eprachmöglichkciten auf Shakespeares Werk. Jakob Wassermann (Shirreganz): Deutschland nach 1750 Nach rmcr Weile suchte Uz das Gespräch durch die schüchterne Frage wieder in Gang zu bringen, ob Cturrcgau; an eine Entwicklung der deutschen Komödie über die ctioa von Ltranitzky-Bcrnadon geschaffenen Typen und Figuren hinaus ja einem höheren Stil glaube, an eine Forin. ebenbürtig der von Eoldoni und Moliäre. Es scheine ihm leider so zu liegen, daß man als Teuischer dieser Hossnung zu entsagen habe. Es sei kein gültiges Element da. auch kein tragendes, und wo immer eine Gestalt keimen wolle, verliere sie sich z» früh an eine Idee. Ruhelos werde der Deutsche zwischen vimmel und Erde ans- und nicdergerisscn. ruhelos auch zwischen Osten und Westen. Es wolle sich kein Wesen bilden, alles Geschaffene verkrieche sich, aller Kern faule in der Schale, und der Bruder werde am Bruder .zuschanden. Er seufzte. Siurreganzhatte sinnend zugehört, dann sagte er mit schwerer Stimme: „Teutsch... das ist etwas sehr Fernes. Sehr weit ist es, sehr weit. Deutsch :eiu das ist, wie wenn man in einem wilden, wirren Traum läge. Es hat keine Grenzen, es hat keinen Leib. Es ist wie Wasser in der Finsternis, rinnt und rinnt, und keiner weiß wohin, spricht und spricht, und keiner weiß was." Moritz Heimann (Nachgelassene Schriften): Lieber Gerhart Hauptmann Es sind fast dreißig Jahre i::r, das; ein nicht unbedeutender litcrarrrf;et Kritiker die Summe seiner Zeit zu ziehen mucrnahnl nnd bei dieser Gelegenheit den gerade erst etablierten Naturalismus „überwand". Damals glaubte er damit auch Hauptmann zu überwinden nnd hatte in dem betreffenden Kapitel feine* Buches die schönsten schlagendsten Einwände gegen ihn erhoben, dabei aber fast unversehens den Satz einfließen laffen, daß Hauprmann freilich die eine Gabe besitze: wohin seine Hand auch greife, dort entstehe Leben. Zu dieser. Stelle schrieb Hauptmann an den Rand seines Exemplars: „So ungefähr könnte man auch über Gott urteilen." Wer nickst so töricht ist, in einer solchen Marginalie eine Lästerung zu erblicken, denke dem Worte nach, und er tut einen Etick inä Herz der Hauptmannschen Idee. Emst Lissauer (Die ewigen Pfingsten): Lach '' Im Oberstock übt Christian am Klavier, Hans Christophs Geigenspiel dringt durch die Tür — Bach hört sie nicht, Cr sitzt am Tisch, die Hände vorm Gesicht, Cr hört fern innen Von rings ein selig summend Rinnen, Cr sitzt tief in sich selber eingewnkt. Gesammelt Kraft bei Kraft zu voller Macht; Arls fernem Haupte und Geblüt Goldstill ein Glanz atmet nnd glüht. Der saust die dumpfe Stube scheinend tränkt. Schon ist der Gottgeist in ihm ausgewacht. Mit Gottgeist ist er reich und reich beschenkt, — Die Rechte löst sich sacht und liegt bereit, Gesang haucht ausgegoffen. Wer taufgosch losten Sitzt er in feiner Seligkeit. Alfred Mombert Schlafend trägt man mich in mein Heimatland. Ferne komm ich her, über Gipfel, über Schlünde. ' über ein dunkles Meer in mein Heimatland. Julius Bab Deutschkonö 1014 Und liebst du Deutschland? Frage ohne Sinn! , . Kann ich mein Hrrar, mein Blut, mich selber lieben? Ist Liebe nicht noch Wagnis, noch Gewinn? s' ' .; ' Biel wahllos tiefer bin ich mir verschrieben und diesem Land, das ich, ich selber bin.

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