Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 16 (20.4.1933)
- Date
- 1933-04-20
- Page
- Seite 139 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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wild st, Am Donnerstag. den 13. April 1633, klebken an allen Litfaßsäulen Berlins rnekergroße Dlakake mit roker Schrift auf iveißom Grund. Sie waren gezeichnet «Die Deutsche Skudenkenschast" und enlhielken in 11 Thesen Forderungen über dis Ees.'c'tung des deutschen Geistes. In diesen Thesen heißt es u.a.: „4. ... Unser gefährlichster Widersacher ist der Jude und der, der ihm hörig ist. 5. Der Jude kann nur jüdisch denken. Schreibt er deutsch, dann lügt er . . . 7. . . . Wir fordern deshalb von der Zensur: Jüdische Werke erscheinen in hebräischer Sprache. Erscheinen sie in Deutsch» sind sie als Aebersehung zu kennzeichnen. Schärfstes Einschreiten gegen den Mißbrauch der deutschen Schrift. Deutsche Schrift steht nur Deutschen zur Verfügung! 10. Wir fordern von deutschen Studenten den Willen und die Fähigkeit zur Aeberwindung des jüdischen Intellekt tuallsmus und der damit verbundenen liberalen Verfallserscheinungen im deutschen Geistesleben . . .“ Stakt jeder Antwort bringen wir hier eine kleine, in jedem Sinne fragmentarische Auslese aus solchen Schriften, die im Lauf des letzten Jahrhunderts entstanden sind und die im Sinne dieses Aufrufs den Zusatz tragen müßten: Hexenwesen trieben, und sie hätten gern mit geweihter Axt, gleich dem heiligen Bonifncins, diese eilte Zaubereiche niedergefällt; die Neugläu.bigen, die Bekenner de?- Liberalismus, ärgerten sich im Gegenteil, daß man diesen Baum nicht zu einem Freihcitsbaum und am allerwenigsten zu einer Barrikade benutzen konnte. In der Tat, der Baum war zu hoch, mau konnte nicht ans seinen Wipfel eine rote Mütze stecken und darunter die Carmagnole tanzen. Das große Publikum verehrte Liefen Baum eben, weil er so lieblich die ganze Welt mit einem Wohldnft erfüllte, weil seine Zweige so prachtvoll bis in den Himmel ragten, so daß es aussah, als seien die Sterne nur die goldene» Früchte des Wunderbamnes. „Aus dem Hebräischen überseht". Heinrich Heine \ (Nachtgedanken): Deutschland nach 1$50! Toni ich an Deutschland in der Nacht,! Tann bin ich um den Schlaf gebracht. Ich imn nicht mehr die Augen schließen, Und meine heißen Tränen fließen. Dennchland hat ewigen Bestand, Fe ii ein kerngesundes Land, N.ü seinen Eichen, seinen Linden Word' ich es immer wieder finden. Nach Deutschland lechzt' ich nicht so sehr, We:m nicht die Mutter dorten war'; Das Vaterland wird nie verderben. Jedoch die alte Frau kann sterben. Ditz Lorelei Ich weiß nicht, was soll es bedeuten. Daß ich so traurig bin; Ein Märchen aus alten Zeiten Das kommt mir nicht aus dem Sinn. Dße Luft ist kühl, und es dunkelt. Und ruhig stießt der Rhein; Ter Gipfel des Berges funkelt Im Abendsonnenschein. Heinrich Heine (Die deutsche Romantik): j Lieber Goethe j Es fehlte, wie schon gesagt, nicht an j c-in:r Opposition, die gegen Goethe, diesen! großen Baum, mit Erbitterung eiferte. j Memmen von den entgegengesetztesten Mei- : § nnngen vereinigten sich zu solcher Oppo- I fnicn. Tie Altgläubigen, die Srthodvxen | ärgerten sich, daß im Stamme des großen | Baumes keine Nische mit einem Heiligen- || bildchea befindlich war, ja sogar, daß die! | uacteen Dryaden des Heidentums darin ihr Ludwig Börne (Denkrede auf Jean Paul): Hebet Jean Paul Ein Stern ist untergogangen, und das Auge dieses Jahrhunderts wird sich schließen, bevor er wieder erscheint; denn in weiten Bahnen zieht der leuchtende Genius, und erst späte Enkel heißen freudig willkommen, von dem trauernde Vater einst weinend geschieden. Und die Krone ist gefallen von dem Haupte eines Königs! Und ein Schwert ist gebrochen in der Hand eines Feldherrn! Und ein hoher Priester ist gestorben! Wohl mögen wir den beweinen, der uns Ersatz gewesen und uns nun unersetzlich geworden. Jedem Lande ward für jedes trübe Entbehren irgendeine freundliche Vergütung. Der Norden ohne Herz hat seine eiserne Krast, der kränkelnde Süden seine goldene Sonne, das finstere Spanien seinen Glauben, die darbenden Franzosen erquickt der spendende Witz, und Englands Nebel verklärt die Freiheit. Wir hatten Jean Paul, und nur haben ihn nicht mehr, und in ihm verloren wir, was wir nur in ihm besaßen: Kraft und Milde und Glauben und heiteren Scherz und entsesielte Rede. Emil Kuh (Biographie Friedrich Hebbels): Heber Hebbels Heimat Dieses im Dulden ausgewachsene und zum Herrschen geborene Geschlecht der Dithmarscher, in seiner Mischung von Phlegma und Leidenschaft, Naturkrast und Spelu- Intion, kann gar nicht verzeichnet werden, auch wenn es einem Dorf- und Winkelmaler zum Konterfei säße. Die mannigfaltigsten individuellen Züge, welche sich aus dem Stammcharakter herauslösen, sind doch so sehr in der Grundstiinmnng gebunden, lind diese Grundstimmung atmet in so lebendigen gönnen, daß das Wesen des Dithmarschers sofort erkannt wird, es mag noch so wunderlich gebrochen, eigensinnig verändert uns entgegentreten. Ob wir den starken Bauer vor uns haben, der allein gegen fünf seiner Knechte den sich stauenden Wagen ins Tor zwängt und dann mit niedergebeugtem Grimme an den Deich reitet! Ob den mathematischen Bauer, der von der Heuernte hinweg in seine Kammer eilt, um sein Lusterempe! zu entwirren! Ob den königlichen Bauer, der mit der Majestät wie mit seinesgleichen verkehrt: immer ist es die altsächsische Zähigkeit, die aus der Wurzel treibt, immer die markige Zucht, die. un Kampfe mit den Elementen und den fürstlichen Drängern erstarkt, der äußeren wie der inneren Herr geworden ist. Hier schell uns nicht die mürben oder doch nur zur Nor sich