Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 14 (6.4.1933)
- Date
- 1933-04-06
- Page
- Seite 125 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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125 G cfalir drolit Ihrer Haut durch. Leitnngswasser.. Denn Leitungswasser ist hart; es enthält erJalka-; ..J [(’ lische Salze* die Ihre Haut rr \ schädigen. Kaiser-Borax macht auch das härteste Wasser sofort weich, antiseptisch und der empfindlichsten Haut zuträglich. Grabsteine sind 311m Teil architektonisch bedeutsam, im allgemeinen aber kaum eine Form austvestond, die nicht auch sonst den jüdischen Grabsteinen in anderen Teilen des Reiches eigen wäre. Tie siebzehn dargesiellten Synagogen des 1$. Jahrhunderts — sie entstammen der Zeit von 1700 ( S 0 n t h e i m), 1720 (M affe n - d a d)), 1722 (F r e u d e n L h a l), 1791 (Berlich i n g e n und Edelsjugen), 1797 (E s ck) eiiaii), 1799 (Grämlingen) — zeigen das übliche Gepräge ländlicher Bauweise und sind ohne architektonische Bedeutung. Anderseits aber tveist jene zu L a u d e n b a di, die 3600 erstellt wurde, eine so vortreffliche Manenverteilung auf, daß man hier aus einen bedeutenden Architekten schließen kann. Eine graste Bedeutung des Werkes aber liegt in der Wiedergabe der Teden- und Wandmalerei der H 0 l z s y n a g 0 g e aus Unter- I i m bürg, die sich jetzt im historischen Meseum in Hall befindet. Bereits 1915 hat der Unterzeichnete in einem Aussatz: „Synagogentypen vom 12. bis 19. Jahrhundert" (Berlin 1915 und „Monatshefte füc .Kunstwissenschaft" XI, 5) auf die Bedeutung dieser süddeutschen Synagogen hingewicsen, die im Gepräge ostjüdischer Gotteshäuser erstellt und ansgemalt wurden. Tie Malereien in Beck) Hoven (1732), Kirch - heim und Horb (1735) hat Töplitz zum Teil unter Benutzung Fraubergerscher Forschung bei prochen, während Theo Harburger (München) Reste solcher Malereien in Colruber g bei A n s b a d) entdeckte. Tie hier aus Unter-Limburg gezeigten Malereien decken sid) vollständig mit jenen der vorgenannten Beispiele, wobei offenbar hier ein Irrtum unterlaufen ist; denn der Maler nennt sid) in Kirchheim selbst Elieser ben Schttomoh Susmann, währen.d er hier mit dem Vornamen Lazarus erscheint. Tag es sid) aber um den gleichen Meister handeln muß, geht audem Erbauungsjahr (1738/39) hervor. Ter Geburtsort B r 0 d dürfte wohl besser mit Brody auzunchmen sein. Zusammenfasiend haben wir es mit einem für die Geschichte der deutschen Juden hochbcnck)tliehen Werke zu tun, dessen Tendenz in hohem Grade nachahmenswert erscheint. Professor Dr.-Ing.. Alfred Grotte. Kleine Chronik Dru:-2 Hochheimer (Frankfurt a. M.) feierte c::\ l. Anril feinen CO. töcburt-Hcg. — Mnrtin Wolf in:5 5ccu iZürich), treue Freun.oe des C. Ä., feierten o:n 1. April die silberne Hoch-ci:. — Der lanig-ähr-ge Vorsir-eude der Ortsgruppe ^iaüer-Lurc; lOitpreu^eu), 'Ä.'sred L e^ro i n, feierte kürzlich mit i'ei'.'.cr Gattin das Tpit der silbernen Hochzeit. Wir gratulieren unfcrcu Freuuücn herzlich st. — Ende vorigen Monats starb inr Alter von £3 Jahren Rechtsanwalt Hermann Man» ^elfobn (Giestcu). gm 47. Lebensiabr zog Men» scl,ohn freimiftiQ in den W-Utriea. Anfang 1915 er. ryelt er schon das Eiserne Nreuz un.d wurde bald Zum Leutnant befördert. Die überaus große Beteiliaung vn seinem Leichenzuge zeugte von seiner abgenreinen Beliebtheit. — In Deutsch-Nrontc starb irn 66. Lebensworc das laugsahrige treue Mitglied des E. V. Kreis, tuerarzt ft. N., Veterinärrat Siegsried S a b a tz k n, oor sich innerhalb der Gemoiu.devcrwaltuug als Ncpräftnrantenvorstchrr betätigt hatte. Noössm MMr NÄss / von Dr.Margareie Stelnberg (Sreslau) Ucrcr moderne jüdische Maler sprechen, heißt nicht über moderne jüdi'che Malerei sprechen. Tie Vorfrage müstee een bear.i'oortet werden, ob es überhaupt eine jüdische Malerei, weiter gefaßt eine jüdische Huivi gib-h in dem Sinne, in dem es dent''che, italienisebe, französische Kunst gibt. Bl an sag! gelegentlich: das in ein jüdisches Bild, aber das bezieht sich immer auf den Bildinhalr, auf die Darstellung jüdischer Typen oder jüdischen Lebens. Damit wird der entscheidende Punkt nicht getroffen: von jüdischer Kunst könnte man nur sprechen, wenn cs hielänge, in formaler Beziehung eine spezifisch jüdische Rote nachzuweisen. Tie Frage nach dem Vorhandensein einer solcherart jüdischen Kunst ist annehmbar; denn Kunst, die aus dem Unbewußten schafft, ist ams engste verknüpft mit K. ul wir. Religion, Naturell, und gerade die stärksten Künstlerpersönlichkeucn offenbaren die gemeinsamen nationalen Eigentümlichkeiten am deutlichsten. Raisaels Bilder verkörpern den italienischen Schöubeitsbegrsts, Dürer ist der deutscheste Künstler, um das Rusientum zu desinieren: ziehen wir Tostojewsly heran, (eher gelingt es dem kleinen Künstler, ein fremdes Kleid anzulegen, ein internationales Gepräge anzunehmcn. Bei den Juden ist die Situation ganz anders. Alle Versuche, jüdische Kunst zu definieren, laufen darauf hinaus, Bilder zusammenzusiellen, die t h e m a t i f ch mit dem Judentum Zusammenhängen. Sder man weist auf allgemeine psyck)ische und geistige Eigmschaslen^der Juden hin, die sich natürlich auch in der künstlerischen Betätigung auswirlln, aber nicht das Entscheidende tresfen. Daher können wir nur von jüdvcherr Künstlern spreck)en, nicht von jüdischer Kunst, in unserem Falle von modernen jüdischen Malern, nicht von moderner jüdischer Malerei. Tabei soll keineswegs der Versud) gemachr werden. Vollständigkeit zu erzielen — es gibt unter den jüdischen Malern ebenso viele begabte aber belanglose Mitläufer, wie in anderen Kreisen —, wesentlich sind nur einige, die in der modernen europäischen Malerei eine Rolle gttpielt haben, die in die allgemeine Kunstgeschichte Angegangen sind. Wenn man einen historisichen lloberblick über die. Maler jüdischer Abstammung geben will, must man paradorerweise mit einer kirch- Iid):d)rifÜidjcn Kunst beginnen. Tie Folge der jüdischen Maler wird eröffnet mit einer Gruppe von Getauften. Tie Gründe für die Taufen waren zunächst äußerliche. Für den Inden, der eben erst aus dem Ghetto^ befreit war, gab es keine Möglichkeiten der Entwicklung, oft nicht einmal der Ausbildung; es war den Juden vielfach nicht gestattet, eine Akademie zu besudln. Tarmn liest Z. B. der alte Jsmacl Bl e n g s , ein geschickter Emaillemaler, seinen Sohn Laufen, und tatsächlich Hai dieser Anton Raffael M e n g L eine glän zende Karriere als Hofmaler, Akademie- und Galeriedirektor gemacht. Er hatte sich, wie seine Zeitgenosicn, völlig Italien verschrieben, sein idealisierend italienisierendcs Jngen.dbildnis bestätigt diese Einstellung. Stellt man daneben ein etwa hundert Jahre spsitter gemaltes Jngendporträt von Liebermann, das tvpisd) bürgerliche Porträt mir absoluter Ehrlichkeit, so sieht'mau nur das Trennende der Generationen, nichnaber, was aus die 6 e m einsamteit der jüdischen Abstammung hindeutet. Auf die Klassizistcn, hier durch Mengs vertreten, folgen die Roman.ttker, die sogcn.annten Razarener, für die Kunst untrennbar ist von dem Gefühlswert des mirtelalterlichen Katholizismus. Tie äußere Situation bleibt die gleiche: getaufte Juden sind Vertreter der „d)risilichon Knust". Allerdings ist hier weniger Spvortuuismus als inneres Bedürfnis der Anlast zur Taufe. Tie Anvasiung ist vollkommen: Philipp Beit, der Enlel von Äoses Mendelssohn, ist in keiner Weise von einem seiner nichstüdischen Freunde zu unterscheiden. In dem Kreise der Tüsseldor-str Historienmaler spielr der getaufte Jude -Serbe in a n 11 eine Rolle, der in seinem bekannten Bilde die „Trauernden Juden" versucht bat, das jüdischjS Schicksal aesühlsmäßig zu er Tauen und zu gcstalien; aber es ist bei dem Versuch gcblieben< Es sind nicht innerlich erlebte Bibelgestaltem sondern Theaterfiguren in kühl abgewogener, üb-erbetonler Komposition. In der glcid),zeitig auftretenden bürgerlicTjcii Genremalerei wird die jüdische Richrtung durch Moritz Op p e n h ei m vertreten, der durch seine Bilder aus dem jüdi'hchen Familienleben populär getvorden ist. Aber unbeeiuslustt von Ccsühlen der Pietät sicht man heute, daß cs nur glatte Idealisierungen sind, Defregger und Knaus ins Jüdische überfetzr. Wichtiger ist L p p e n h e i m als Porträtmaler — bekannt sind seine Bildnisse von Heine und Börne, neben ihm' gibt es viele gute jüd:sd)e Porträusten in dieser Zeit. Begründer ist diese Eignung zurri Porträtsaeh in einer psychischen Eigeusckmsr der Juden, in der Fähigkeit, sich einzufühle'', das Wesenhafte einer Versönlnh-'- keit zu errufen. Es ist der gleiche Instinkt, der aus vielen Juden gute Schauspieler machst. Eine Eencration weiter, und wir kommen zum Impressionismus, der Kunstrichtung, die, kurz gesagt, von dem Inhalt dos Bildes ganz abstrahiert und seine Bedeutung in dem „Wie^ der Vlalerei sieht. Zeitlid) an erster Stelle steht hier der Holläuder Israels, der, a^is kleinen Berhäktnissen stammend, ur'vrüuglich Rabbiner werden wollte und^nach Wau.derjahren wieder in der Indengasio von Amsterdam landete, die ihm cbenwoiel künstlerisdze Anregung bot wie zwei Jahrhunderte früher seinem großen Landsmann Rembrandt.- Jsraels wurzelt ganz in der Trad-üion der holländischen Malerei, die immer von der malerischen Erscheinung ausging und durch Licht und Farbe imponierte. Ta die Zeitströmung — der Impressionismus — extrem malerisch gesinnt war, gewann Israels als Begründer der modernen holländischen Schule einen entsdzeidenden Einfluß auf die drut'che llRalerei des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Israels ist aber nicht nur Augenmonsch. Liebermann hat von ihm gesagt: „Seine Malerei ist ein Farbe gewordenes Gedid)t, ein fchlichte-s Volkslied, kindlid), im brblisd)en Sinne einfältig, alles Gemüt, Empfindung und nock^mals Gemüt." Aus diesem Empfinden heraus trifft er den ridtioen Ton für alles Blensd)enturn, darum auch für das jüdische Wcstn — aber hat ihn der Protestant Nembrandr nicht auch getrosten? Aber sein Empfinden bliebe für uns stumm, wäre er uid)t der große Ataler, der für den Inhalt die adäquate Form gesunden hat. Unter den französischen Impressionisten ist der etwa fünfzehn Jahre jüngere Pissarro zu nennen. Er ivar kein Bahnbrecher, aber bedeutsam für die Entwicklung, ein sck)arser Intellekt, selbstkritisch und zieloewußt, der geborene Lehrer. Seine Bilder sind typisch französisch; stellt man sie einerseits neben Sislet) und Mone: und anderseits neben Liebermann, so sieht man, wer zusammengehört: der Franzose zum Tranzoseil und nicht der Jude zunr Juden. L'.ebermann ist ganz Te:tt''cher, ohne daß er dabei aufhört, Jude zu^ sein. Sein Judentum tvar ihm in gewipom ^inne förderlich, er hatte dadurck) in der Situation, in der sich damals die deutsaje Kunst befand, weniger Hemmungen zu übcruiindcn. Thomas Bcann hat gesagt: „In Liebermann bewundere ick) Berlin, sein Berlinertutn wird dura) das Jüdische sublimiert, raffiniert und europäisiert." Er ist eine starke Persönlia^keit und ein klarer Kops, sachlich ohne Bersticgcuheit, was ebenso dem Berlilier wie dem Juden eigen ist und sich daher in glücklichjer Weise bei ihnr