Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 14 (6.4.1933)
- Date
- 1933-04-06
- Page
- Seite 120 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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EPrsss© ©© po Gj®S ÜseHs Die „frankfurter Zeitung vom 1. April Nr. 245—247 schlicht ihren Leitartikel „GeDanken zum 1. 2lpr;L" mit Den Aussülzruugen: . . Gerade wer sich mit Betonung national nennt und wer das Recht zu eigen ge sch licher Lhnamik aus dem Glauben an die Marion hcrleitet: gerade der mich sich an die Erunchatze halten, die nicht durch Parteilaune, sondern kraft einer tief eingewurzelten moralischen Nederzeugung in die Verfassungen des Gleiches und der Länder geschrieben wurden, seit cs Vcrsaflungen gibt. Ille Teutschen find vor dem Gesetz gleich. Tlas war nicht die Erfindung marxistischer Teufel in einer Weimarer Walpurgisnacht, sondern dieser Grundsatz stand mit den gleichen Worten in der „Versagung? urkunde für den preußischen Staat" vom 31. Januar 18-^b Ille Preußen sind vor dem Gesetze gleicht heißt es dort zu Beginn des langen Abschnitts, der ,von den Rechten der Preußen* handelt. Die persönliche Freiheit ist gewährleistet, ,die Wohnung ist unverletzlich, — ja sogar: ,?er Genuß der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Recht e^ist unabhängig von denr religiösen Baken nt nin-e? Tas haben keine jüdischen Rechtsanwälte formnliert oder unterschrieben, sondern das war die selbstversründiiche Uellerzeugung der preußischen Monarchie, die nicht nur jenen derben Stock Friedrich Wilhelms I. und nicht nur das Bedürfnis droinzusahren, wo ihr etwas nicht gefällt, geerbt hat. sondern zugleich Da? sittliche Gefühl für die Rechte des Mitmenschen und Staatsbürgers. — sei er auch ein Jude. Auf den Mann, an dessen Grab kürzlich der Reichspräsident unter dem ehrfürchtigen Schweigen der ganzen Nation einen Kranz niederlegte, wird man sich jedenfalls nicht berufen dürfen, wenn man sich anfchickt, eine antisemitische Aktion in Gang zu setzen, deren Anfang man sehr deutlich vor sich hat. deren Ende und letzte Wirkungen ober auch nicht annähernd vorauszusehen sind. Sicherlich wären es Folgen, die vom Reichspräsidenten ebenso beklagt würden wie von Millionen von Menschen, die zwar entschlafen sind, das Werk der Regierung zu fördern, die aber nicht wollen, daß die Stimme der Menschlichkeit, der Gerechtigkeit und der vielgescholtenen Bernunst zum Verstummen komme. Zweifellos sind diele Hundertkansende von Nationalsozialisten, wenn nicht Millionen nationalsozialistischer Wähler der gleichen Meinung, ganz zu schweigen von den Regierung-Partnern der NSTÄP., die durch den Bund vom 30. Januar zu loyaler Zusammenarbeit verpflichtet und berechtigt sind. Auch wüßten wir nicht, daß der Generalseldrrrarschall jemals einen Soldaten aus der Front zurückgeschickt habe, weil er ein Jude sei. Ter Platz der Juden wird im neuen Staat nicht genau dein Platz im Weimarer Staat gleichen. Wer die? nicht billigt, wird sich mindestens mit der Tatsache ebfiuden muffen. Aber im Recht des Staates kann es mrr Gleichheit geben/ „Zum Boykott des 1. April" ist der Brief eines Lesers Der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" überschriebcn, in dem es fjdftt („D. A. Z." Nr. 137 vom 2. April): - Ter Boykott ist mrd bleibt also eine Maßregel von Teutschen gegen Teullche und kann, wo er Werte vernähtet, nur deutsche Werte vernichten. Hat denn Emil Rathenau eine alljüdische oder eine deutsche Etckirizitätsgefellschast zum Deltmllernehmen gemacht, ist Albert WA- Vm als Jude oder als Deutscher an die Spitze der Weltsaiiffahrt getreten, hat Grindels deutsche Geistesgesllichte geschrieben oder jüdi'che? Hat das deutsche Volk das Blut von zrr ölfrausend jüdischen Männern angenommen, um es jetzt gegen die Schiebungen einiger Betrüger aözugetten, von denen eine amtliche Begründung allein zu reden weiß? Seit wann ist es in Teutschland üblich, nicht die starken, wrtwirkenden, charalleristi'chen Leistungen zrrlammen mit der Maffe des durchschnittlich Tüchigen, sondern eine Anzahl von Einzllsällen zur Grundlage eines so weittragenden Urteils zu machen? Und nehmen wir nur die Halnmg der deurschen Inden im Krieg: Walther Rarhenau dürste nicht Rechtsanwalt bleiben, wenn er es heute wäre, weil er nicht im Schützengraben lag, sondern durch die vorher versäumte Organ:'ation der Kriegsw isteuschaft, die Stinncs eine der genialsten Lcistungeu des Krieges nannte, sein Vaterland vor vorzeitigem Erliegen bewahrte? Hat Teutschland solche Ueberfülle an Begebung, daß man auf die Generationen bedeutender Juristen, berühmter Aerzte leichthin und ohne Abfchiedsfchnwrz verzichten, die mit deutschen Methoden und Gedanken eusgebildcte jüdische R ach krieg sgeneration einfach zum Teufel schicken kann? Soll geformtes Leben seinen Si:m verlieren, weil ein Geschlechr junger Teutscher aus den uferlosen Wirren der Kriegs- und Rachkriegszeit die eigene Form noch nicht fand . . / Die „Frankfurter Zeitung" stellt in ihrem Aufsatz „Stützen und Innen" in Nr. 248-50 vom 2. April fest: .Wird man an diesem Tag einer tiefen inneren Erregung geneigt sein, uns zu felgen, wenn wir versuchen, die Gedanken unserer Leser herauszureißen aus der Atmosphäre Za Greuelhetze und des Abwehrboykotts, in dessen Zeichen dieser 16. April steht r Tas soll nich geschehen, um diejenigen über die Bitternis hüuregzureden, die heute die schwerste Stunde erleben, die man einem Menschen bereiten kann: die stunde einer bewußten und ungewollten Erniedrigung und einer unverdienten Schmach. Sie bedürfen keines Trostes, denn sie können gewiß sein, daß die überwältigende Mehrheit des Volkes zwar jedes andere Nuttel gutheißt und mit Ungestüm fordert, das der Abwehr der Greuelhetze dient, daß sie aber diesen Akt unbestreitbarer Ungerechtigkeit ehrlich, wenn auch vielleicht wortlos bedauert . - , Wer die Reden liest, die uu englischen Oberhaus auf eine sehr würdevolle und dadurch wirksame Weise gehalten wurden, der weiß, daß es fürwahr nicht bloß Juden sind, die im Ausland mit ErsclMterung die Sprache der Boykottenre vernommen haben. Täuschen wir uns nicht über die Gedanken des Auslands — des gesamten Auslands, auch Italiens, ganz besonders Italiens? Mit Recht wehren wir mos gegen jede Einmischung in deutsche Angelegenheilen. Sie kann die Entwicklung in Teutschland selbst nur stören. Sie würde die nationalistische Leidenschaft nur vervielfältigen. Aber gleichwohl bleibt zu bedenken: wenn wir mit dem Ausland zu tun haben — mit Regierungen oder mit Wirtschastsleuten — so kommt sehr viel aus das an, was dieses Ausland denkt. Gerade deshalb setzte man sich in Teutschland mit solcher Heftigkeit gegen die Gefahr einer internationalen Brunnenvergistung durch gewissenlose Verleumder zur Wehr. Tie NSTÄP. als Hauptträgerin der Macht und Berantwortuug konnte an dieser Gefahr selrstversrändlich nicht achtlos vorübergchen, — und war die Attache im Ausland auch antinationalwzialistisch gemeint, so betraf sie trotzdem nicht bloß die Partei, sondern ganz Teutschland. E<mz Teutschland forderte deshalb die Abwehr — aber nicht Liesen Boykott *, ' Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" schreibt in ihrem Leitartikel „Ter Erfolg" am Montag, Dem 3. April (Nr. 138): „. . . Heute, nachdem das erstrebte Ergebnis sich somit eingestellt hat, kann man deutlicher als im Perlaufe des Boykotllullerr-ehmens sagen, daß das deutsche Bock im Grunde seines Wesens geringe Sympathie für solch Gewaltmaßregeln empfindet. Sein feiner Sinn für Gerechigkeii und Gesetzlichkeit übersieht die unausbleibliche Einseitigkeit nicht, die mit ihnen verbunden ist. .. . Wir find zu stark und mächtig, als daß es notwendig wäre, aus dem einen Extrem, das an dieser Sielle immer mit Offenheit bekämpft worden ist, in das andere zu verfallen. Die Reichsrcgierung hall die gesamte Gewalt in der Hand im) kann aus Grund des Ermächügungsgesetzes alle gesetzlichen Vorkehrungen tressen. die ein weiteres Ueeerwuchern undcutschcr Einslüffe und Gesinnungen verhindern sollen. Wir muffen ober unterscheiden lernen, und können, gerade aus Selbllb.-oußtsein und in Wahrung der nationalen Würde, daraus verzichten, auch diejenigen in ein moralisches Ghetto zu stoßen, die das nach Rain' und Art als bitteres Unrecht empfinden infrm . . / Fn dem Sclfarfifcl Der „Vofsischen Zeitung" Nr. 130 vom 4. StpriL „Abwehr nnD Boykott" heitzt cs: „. .. Auch wepm der Boykott am Sonnabend zu Ende gegangen ist, hat er Spuren hinkerlaffen, die den Tag überdauern. Tie irr Bausch und Bogen erfolgte Venveisung jübrischer Anwälte von den Gerichten und ähnliche Maßnahmen stellen Tarnende von Intelligenzen vor den Ruin. Es handelt sich hier vielfach um Männer, die ein Leben lang das Derrrauen ihrer Dütbürger genossen und verdient haben, um wohlerworbene Kenntnisse und Leistungen, die allen Kreisen zugute kamen. Tas kann nicht so bleib-en. Ter Leiter des Boykottkom.itees, Julius Sneicher, hat nach naiwnalsozialiüischen Quellen erklärt: daß er durch den Boykott den tiefuen Eirrdruck von der „internationalen Derfrlzung des Judentruns" gewonnen habe. Wenn der Boykott wochenlang durchgesührt werden müßte, so würden eben infolge dieser „jüdischen Verfilzung" ungeahnte wirtschaftliche Folgen zu erwarten sein. Was damit gesagt sein soll, ist doch wohl dies: daß es unmöglich sei. aus einem lebendigen wirtschastkichen Organismus umfangreiche Bestandteile ohne schverstcn Blut- und Kräfteverlust auszumerzen. Wir sind weit davon entfernt, leugnen zu wollen, daß es ein jüdisches Problem in Teutschland gibt. Aber es bedeutet Leinen gesunden Zustand, wenn jetzt dieses Problem zum Angelpunkt des deutschen politischen Lebens gemach! wird. Es gibt zahllose andere Höcht dringliche Fragen, deren Losung einen Aufschub nichi verträgt. Tie Atmosphäre ist bereits wohltuend entspannt. Ein jeder wünscht nichts sehnlicher. 3ioeckl-iH.andschu.he 1 ■’l eigene Filialen r- \ 1 ör allen grösseren Stadien des Reiches