Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 14 (6.4.1933)
- Date
- 1933-04-06
- Page
- Seite 119 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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AAA f ^0 &y>i[ iW\\ ■ vy w MKK Der E. V. fehl gleich den anderen deutschen jüdischen und nrchkjüdischen Organisakionen den Kampf, gegen die Greuelpropaganda im Auslande, die wie die Regierung zugibk, fast ganz zum Schweigen gekommen ist, nach Notwendigkeit fori. Der Stellvertreter des Vorsitzenden des Cenkralverems. Dr. Ludwig Tieh, hak feine Arbeit in London erfolgreich fortgesetzt und der Syndikus des Cenlralvereins, Dr. Alfred Wiener, begab sich Ende der kehlen Woche zu diesem Zweck nach Amsterdam. Dr. Alfred Wiener gab am 2. Axril einem Vertreter des Amsterdamer Blattes „De Telegraaf" ein Interview, das in der Nummer dieses Wellblalkes vom 3. April erschienen ist. Wir geben es nachstehend in deutscher Übersetzung wieder: „De Telegraaf" schreibt: Das Schicksal Der Deutschen Juden — (sine Unterhaltung mit Dr. 2t. Wiener — Leine Eindrücke in Holland — Wie soll sich Der Instand entwickeln? — Ruhiges Abwarten und Vertrauen auf den jüdischen Patriotismus Amsterdam, 2. April 1933. Was soll aus den Juden in Deutschland werden? Diese ernste- Frage wird andauernd in jüdischen, aber ebensosehr in mchrjüdischen Kreisen Hollands erörtert. Es .ist wichtig zu hören, wie die Betroffenen selbst, namentlich die deutschen Juden, über diese Frage denken. Wir hatten Gelegenheit, mit dem Syndikus des CentraloerKns deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Tr. Alfred Wiener aus Berlin, über diese Frage zu sprechen. Ter EenLratverein ist die grösste Organisation der vaterländisch und religiös gesinnten deutschen Juden. Der Vorsitzende des Centralvereins, Justizrat Dr. Brodnitz, und Dr. W i e n e r sind vor wenigen Wochen vom Reichskommissar für das preußische Ministerium des Innern, Reichsminister Gdring, einer Besprechung empfangen worden. Wir stellten zunächst Herrn Dr. Wiener vor die Frage: „Ist Ihnen in Holland irgendwelche CZrcuclpropaganva gegen Deutschland oder irgendwelche Agitation gegen Einfuhr aus Deutschland ausgefallen?" Tr. Wiener antwortete: „Soweit ich Unterrichtet bin, haben maßgebende holländische Tageszeitungen sich von der Greuelpropaganda ferngehalren. Sie haben sich hierbei an die gute Tradition der holländischen Presse gehalten. durchzwetzm auch k ü n f L i g i m m c r 0) elegenHeit habe n werden. Wir lehnen -- noch dazu aus Mefcm Gebiet — a n f d a v s eh ä r f st e alles a b, was irgendwie mit R a b a it?( n t i f c nt i t i sin it s et:oas zu Lun hat oder alv solcher bezeichnet werden könnte. Wir wissen zur Genüge, daß es sich hier um die ernsteste Frage unseres völkischen Lebens überhaupt handelt. Denken Sie bitte daran, was Alfred Kcrr. Emil Ludwig-Cohn. Lion Fenchtwanger, Ignaz Wrobel und ähnliche Lireraten in Deutschland und jetzt außerhalb der Grenzen uns angetan haben." Eine so gewaltige Umgestaltung alles Bestehenden, wie sie Deutschland gegenwärtig erlebt, kann sich nicht ohne Reibungen, Ungerechtigkeiten und Ausschreitungen vollziehen. Es sind auch gegenüber Juden Vorfälle passiert. Die Negierung war jedoch von Anfang an bemüht, so schnell wie möglich Ruhe und Ordnung zu gewährleisten. Daß Ruhe und Ordnung bestehen, daß das gesellschaftliche Leben nickst leidet, davon kann sich jeder Holländer überzeugen, wenn er eine Reise durch Deutschland macht. Ich habe von Botstottprop-aganda in Amsterdam nichts Besonderes gemerkt. Einige nicht Unterzeichnete geloe Plakate waren ausgestellt, um deutsche Waren zu boykottieren. Man beachtete das kaum. Sie gingen ganz deittlich nicht von jüdischer Seite aus. Man kann es keinem Land übelnehmen, wenn es in seinen eigenen Kreisen sür seine inländischen Produkte Reklame macht. Deshalb braucht cs jedoch ausländische Waren nicht ganz abzuweisen. Jeder derartige Boykott ist eine Art Kreisel, der, wenn er zurückspringt, diejenigen trifft, die ihn gedreht haben." ,,Wrc soll sich Das Schicksal Der Juden in Deutschland gestatten, selbst wenn Der Boykott gegen sie aufgehoben wird?" „Diese Frage", erklärte Dr. Wiener, „beantworte ich sehr ungern. Sie betrifft die Lage der Inden in Deutschland und geht darum allein Deutschland und das deutsche Judentum an. Wir deutschen Juden mü'-'eu versuchen und sollen alles daran setzen, um diese Frage in unserem deutschen Vaterland zu einer hoffentlich befriedigenden Lösung zu bringen. Wie diese Lösung aussatten und wann sie eintrclen wird, kann niemand voraussehen. Es ist jedoch fatsch, in gewissen Maßregeln gegen die Juden die endgültige Lösung der Judenfrage zu erblicken. Wir nehnten absonderliche Aktionen wahr. Die Reichsrcgierung und die Länderregierungen haben ihre Haltung gegenüber der jüngsten Entwicklung noch nicht zum Ansdruck gebracht. Man kann nicht übersehen, daß der gewaltige Umschwung in Deutschland auch in der Bchandltmg der Jlwenfrage stark wahrzunehmen ist. Hier gilt es: ruhig abzuwarteu und auf den Patriotismus des deutschen Judentums zu vertrauen, das stets für sein deutsches Vaterland Gttt und Blut geopfert hat. Jüdische Vereinigungen im Auslands zu denen wir nur oberflächliche Beziehungen unterhalten, täten gut daran, bei der Behandlung dieser Fragen außerordentlich vorsichtig zu sein. Glücklicherweise geschieht in Holland nichts Unüberlegtes. Auch die große Versammlung des jüdischen Komitees in Amsterdam ist, soweit ich unterrichtet bin, ruhig und ohne irgendwelche Ausfälle gegen Deutschland verlaufen." Auf die letzte Frage: „Gibt es auch nickztjüDische Verteidiger Der Rechte Der Juden in DeutschtanD?" antwortete Tr. Wiener: „Natürlich gibt es solche; aber, wenn ich richtig sehe, warten sie ab, bis die gegenwärtige Lage geklärter ist. Der Reichskanzler har sich dieser Tage dahin ausgelassen, daß die deutschen Juden gemäß ihrer Haltung gegenüber der nationalen Regierung behandelt werden würden. Weil ein Jude schon aus Grund seiner Religion die Obrigkeit zu achten hat, und er es auf der anderen Seite mit jedem anderen Deutschen, was Vaterlandsliebe und Opferfreudigkeit angeht, aufnehmen kann, wird die Lage der Juden in Deutschland schließlich keine schlechten Aussichten haben." * In diesen Tagen wandten sich in einer direkten Aktion die Z i o n i - ftische Vereinigung für Deutschland, das Ra b b i n a i Königsberg (0 ft p r e u f$ e n), der Nordo st deutsche Rabbinerverband,dieSyuagogeng e m e i n d e Königsberg (O st - preuße n) und der C e n t r a l v e r - ein deuts cher Staatsbürger jüdischen Glaubens in Telegrammen und Telephouaten gegen Kundgebungen, die in Kowno (Litauen) geplant wurden. Im Telegramm des Centralvereins heißt es: „Landesverband Ostpreußen und Ortsgruppe Königsberg des Eenrrel- Vereins deulsther Siaaksbirrger jüdischen Glaubens erheben schärfsten Einspruch gegen beabsichtigte Protestkundgebungen» für deren Abhaltung keinerlei Grund besteht, da Boykott schon Sonnabend beendet und völlige Ruhe und Ordnung für alle Staatsbürger herrschen. Eure Einmischung in innerdeutsche Augelegenheiien bedeutet schwere Eefätzrdüng für politische und wirtschaftliche Sicherheit der deutschen Juden?