Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 13 (30.3.1933)
- Date
- 1933-03-30
- Page
- Seite 111 (sequence 7)
- Language
- German
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m Zu HlsmcMs üctctQ om 1. Wril Uorn ritanenLrnn zur Humanität Gs ft ba-5 Atemijeüben uud < er vccrt der K'e'u'ivf: a.rifmi ^uimicv der 221::. mecr::, de.-; sie iUer rränhe, -Olafen Uttd Par-Gen kinanswa-.hicn und ,y,i einem 2iüulülu des moltmanym lmbcn, y.t einem Spiegel, in dem dm %vAzi\ iyr cißcned 'meicu crfeimt. £ r t o v o :i B i * m a r cf, bimea Gcbe.ristag fiel) am 1. Aeril rviederunc jaijrt, «mimet zu jenen emujen ^mc'CvmähliCii der £ £ cl t e ^.15 i dj t c. (fr, der afi konservativer V^avtc;m*m;;? feine politische Laufbahn begann, stand am ende seiner Grdentage als der Reichsgründer dar, nieder eiiijiijrtTtiCjC Verein im r des fä.cinbar Um vereiuoare:!, als der Mami. der keiner Partei oder Parte icu gruppe, sondern dem panzen den!scheu Volle gehörte. Gr, der das Schicksal der Nation in die Hände nahm, halte sich alle Deutschen, die guten Willens waren, zu deinem Taute verpflichtest. Tenn indenn er den Tem'cheu die Gestalt ihres ftnatiidicn eo;ci:i-S de'cherte, dienle er nicht den Belangen einer einzelnen Bevötker-un-a-ychchichr, sondern den An gehör igen aller Schichten, Hlo.Wn, Stände und Verbände gal! seine nie rastende Sorge. Und deshalb, weil er alle Mimlieder der don schon Lebensgemeinschaft in die llü all trug seines Geistes zwang, haben wir dout'chcn Inden nicht nur ein Recht, sondern die Pslicht, der Be- Zichnngeu Visum ras zu .unseren Verfahren zu gedenken. Bekanntlich ist der grösste denl'ch.e Staatsmann in seiner titanischen Früh zeit von jenen .Urüsten staatlichen Wvllev.s gen.älper worden, die wir unter dem Vegriss der politischen Romantik Ausammensasscn. Jene Geistesrichrnng. die den Grundakkord des Zeitalters der europäischen Restauration bildet, stand gegen die voreugegangene Wellanschannng der Aufklärung in Frorst. Sie septe dem weü-ich-liberaten Versammgsstaat der Aufklärung den christlich-feudalen Ständestaat entgegen. Ta der aufklärerische Sraat den Grnndsab der Gleicher recht igung der Juden vertrat — LSI2 Ijarie Hardenberg die Gmanzip-ukion der prenstischeu Inden dnrchgeführt —, bekämpften die Vsorissthrer des ständifachn Staues die Gleichstellung der jüdischen Mitbürger. Im Banne dieser rolitischen Ucber.',cugung ist Bismarck znm crftcrr Male an die Iudenrnagc bermigetre-err. So hat cr sich im Vereinigten preußischen Landtag des Jahres 1H47 gegen die Judeneiuari.zipation ausgesprochen. Gr u.rLeüte v'ohlbemerk! unter dem Gindrnck einer übertonnnenen und stich! selbst geschasseucu politischen Theorie. Nicht eigene Wahruehrnmrg bestimmte ^seine Dleimmg, denn Juden und jüdisllws Dasein kannte er damals nur flüchtig. freilich dürfte eine hvehbedeuNo.me Fest- Lellurrg seinem scharfen Blicke nicht entgangen eiist Ter Schörfer jener romantischen Staatslehre, der cr bechsiichtete, roar ein Jude: F r ie dx i ch I n! jus S k a h l. llnd einer der maßgebenden Führer der ihm en.tgegen'tehenden bnraer!ich-d<molratischen Partei Preußenwar ebenfalls ein Jude: I o h a n n I a c o b 1). Schon daraus konnte er die Tatsache entnehmen, daß der deutsche Jude keineswegs ein vom deutschen Lebeo.sstrome adgetreuntes Dasein fuhrt, sondern in die unendliche Vlannigsaltigk-.it und Gegensä st lühfeit der deutschen Gnbrrcklung hineinverilochten ist. Gs wächst der Mensch mit seinen größeren Zwecken. 'Aus dem Schüler der Rouwmik n-nrde der große Vstüster der politischen WicklichbRen. Nicht mehr aus der Gulferuung romaali'cher Vornrlene n.stnn Bismarck den deutschen Inden wahr, sondern in lebensvoller Wirklichkeitsnahe enchatselte 'ich ihm sein Bild. Statt dm Scheines beslinume nunmehr die Tatsächlichlei: sein Urteil, llud ein reizvoller Zufall fügt es. daß der große Men'sthenkc-mer durch die persönliche Bekanntschaft mit einem kongenialen jüdischen Zeitgenossen sein- -Urteil zu revidieren vernnig. ö c r d i n a n d' ch a {falle kreuch Bismarcks // Gin langjähriges Mitglied und treuer Frcinw rmscrcr Bckvegung, der rrrch? als 2l) Jahre im Dienste der Stadr Berlin erneu lcitcud-cu ärrtlichen Posten inne-. statkc, reUro r:ns in citwr Nnrcrrcdung, um die w»ir ihn baten, seine (Lcfü.stl'e bei seiner Benrlnnbnng ans dcm 2lrnr-: mit. chIir missen, dnst viele unserer- I-rcnndc diese Lstctnn:^aewcgt:ug teilen, und geben diese Slin-ntnug als charakteristisch für die Gmgsindrutg einer ganzen Mcuschengrnppe wieder. „Ich laste", so sagte c:nwr IrclUtd, „das VcatmiZle ganz außer acht. Was mich bemcat, ist, daß man mich an die Wurzeln meiner Ehre packt, ohne daß ich mich wehren kann. Ich glaubte deettsch zu sein, meine Sprache ist deutsch, mein Empfinden ist deutsch, Kultur. Tradition und Wille sind deutsch. Und dieses deutsche G.c'ithl ist starker als alles andere. Daß mau mir mein Teiilschtum absprecheu rvill, ist für niiah unerträglich. Mau sagt und schreibt, mau wolle die Verwaltung „säubern". Nun, ich suhle mich nicht als etlvas, was die Verwaltung beschninht. Ich habe mein ganzes Leben an die mir gettellre Aufgabe gesetzt, um der Allgemeinheit zu dienen. Sich ploplich ohne Schuld aus einem derartigen Lebenskreis herausgerifsen zu sehen, packt den Menschen im Tiesslen. Ich kann es nicht überwinden, daß mau Menschen, deren Väter aus ruarlischer Erde geboren, in den Kriegen und Idhg mit Auözeichtluug gekämoft und» geblutet haben, die selber Soldareu gewesen, akriv gedient, als Reservisten ins Feld gezogen sind, heute nichr mehr als Deutsche anerkennen rvill. Es ist für mich ein unerträglicher Gedanke, daß dis Fahnen der alreu Regimenter, unter denen ich selbst und meine Väter gedient haben, womöglich nicht mehr Tymool für: mich selbst sein sollen. Daß wir Aer.zte seelisch bis zur äußersten Verzroeislung durch alle Dtaßnahmcn getroffen werten, die uns an der Ausübung unseres Berufes hindern, hangt mit unserer ärznichen und rueniastichetr Lerussausfasstmg zusaunnen. Ein guter Arzt kann nur min, wer nicht nur dem einzelnen Patienten Helsen, sondern dem gesamten Volke ^dienen rvill. Uns diese Möglichkeit ranlwu, heißt unseren Lebensnerv zer störe nck Bahn, und stwohl i:n Leben des einen wie des anderen hirnerläßt die Begegnung eine unverlöschbare Saar. Wenn der konstrvative Junker und der jüdische Bolisiribun sich zu finden rermoeMeu, so gesckah es deshalb, weil sowohl Bismarck als auch Lassalle niemals Giu'eirnwrmeu, sondern stets das Wohl des gesamten Vaterlandes im Auge harten. Der patriotische Grundzug ihres politischen WiUens vereinfachte die GeaenÜche. Lastalle verehrte in Bismarck den Blann des Schicksals, der berufen war, die Sehnsucht der Vaterlandsumnde zu befriedigen. Gr roollre Bismarck die 'Arreiterücharen zu iuh rem denn in der Gewinnung des deutschen Arbeiters für dm nationalen Senat und in der Bepvingung des 4io'.nmmiisnm.s iah Lastalle seine Lebensanigube. Nock) 167» — in der Zeit der Neichseagsverhandlungen über das Sozialistengejoy — Hai Bismarck wie folgt über La stalle geuneiN: „Gr '.rar einer der gwüreichsten und liebe:esroürdigstcn Menschen/ mit denen ich je verkehr: habe, ein Alaun, der ehrgeizig im großen Süll war." — Immer höher muß ich steigen, immer weiter muß ich schauen. Sokrates wurste von dem delphisciren Lratet für den tveisesten Alewfchen erklärt, rveil er eiw'ah, daß er nichts nstüe. Tamit nv.r die Gelernttuis genwunen, daß stas Geststidnis des Nicht-Wineu.s aller llsteisheit Anfang fei. Als Bismarck ein sah, daß er von der rvirllichen Wschaifenheit des deutschen Juden nichts tviste, wurde er ein Weiser in der Indensrage. Sachliche Uuvvreiiuz-enommenheil bestimmte nun-uehr fein Verhältnis zu den deutschen Juden. Unooreiugcuouuncn ivürdigl er Heines Ti-ehtergröße. Unvoreingenommen vertrau: er Bleichröder die Iührung gem'äillicher Augelegeulwiten an. Teutsche Poliuller jüdischen Glaubens konnten .ztvar strellernreise seine politischen v'-eg'.ier toerden, nien-.als bekämpfte er sie jedoch um ihrer jüdistcheu Abstammung »viklen. Im Borjo.bre haken nur das Andenken des größten deuüc-su Ti.öters gefeiert. Wie Gocihe ist auch Bismarck auf einem langen Lebeusivege vom Titancutum zur framomtät foc-geschritt-en. Tenn nichts anderes als echte oZoethenche Humanität ist es geweien, tvenn Bismarck in feinem Versasrilngsvvert die Gleichberechliaaug aller Temschen — auch der jüdischen — festlegw. Iu> zweideutig hm cr sich hierüber ausguorochenk „Ich mißbillige ganz ontschiedcu diesen Kampf givu die Juden, fei es, daß er sich ans konfessioneller- oder gar auf der Grundlage der Abstammung b-eivege. . . % Ich werde niemals darauf eingeben, daß den Juden dis ihnen verfanungsmäßig zustehenden Rechte in irgendeiner Weise verkümmerL werden" link Gespräch mit Behrend. Begründer der Barziner Papierfabrik, November 15äö).- Wie Schließen auf dem Skerbeberte die Sora» um das Gelingen feines Feldzngsplans, so hat Bismarck auf dem rlleroebette die Sorg-e um den Bestand des Beillus gequält. Gr kannte die Zrviespälrigf-eit deatstchen Taseins und d'e Noswendigkeit gegenseitiger Toleranz. Gr nmme, daß nur der soziale und religiöse Friede im Innern gegen die austvärtigen Gefahren stark mache, d-rmit das Dichterneor: zu Recht bestünde: Nimmer wird das Reich zerstörest. Wenn ihr einig seid und treu. Dr. Fritz Frieillämler. Unsre 2. V. wächst weiter! Täglich mehren sich die Neuamneldungen zum Centralverein. Klar er-- kennen Kreise, die bisher aus Unkenntnis oder Lauheit nicht den Weg zu uns sanken, was auf dem Spiel steht. Wir können etwas erreichen, wenn wir stark und geschlossen dasiehen in Sturm und Wetter. Keiner, der Vaterland und Judentum in sich trägt, darf der gröstten Organisalion des deutscheil Judeiitums fernbleiben. Freunde und Freundinnen! Werbt für unsere große Idee! Stärk: die Reihen des Centralvereins und ihr stärkt euch! Auf zur Werbearbeit für Deutschtrini und Judeittum!