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Central-Verein-Zeitung · 1933-03-30 · 13 (30.3.1933) · p. Seite 110

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
13 (30.3.1933)
Date
1933-03-30
Page
Seite 110 (sequence 6)
Language
German
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110 DlH'iib bi: politische Situation, 311 deren Abtucl}r Mc na t i oua I s ozia l i st ische Parteileitung ihre Anordnungen cvloffc« hat, sich antu'i-5 Nu= ^teilen ivirb al* am Dieustaga.lvnd. . Wir Ijaitni für selbstverstäiidlich, daß national» jostalnrisihe Parteileitung und Reichsregicrnug vor dein tatsächlichen Beginn de-5 Vohkous die Lage noch einmal vom Ttandpuntt des GemmtiMcrcjses der deunchen Nation ans überprüfen werden, und bitten sie dabei, auch etwaige Rücknstrk.ntgeu für 1- Vlillienen Deutscher in Rechnung zu stellen, che außerhalb der Reichsgreuzen in fremden Staaten Europas leben. Das „Tempo" von: 2N. Mär; schreibt;u Dem Boykottausrns Der RLDAP.: . ..Wem: der Boykott tatsächlich zur Dnrchsührmng gelangen sollte, so ist nur allzu'ehr zu desürchwn, daß es die schuldigen an der antideutschen Hetze. die durch den Boulett abgewehrt werden soll, viel weniger trifft, als hnnderttauiendc Unschuldige, die an dieser Öetze keinerlei Anteil haben und sic ebenso verdammen und unter ihr leiden wie diejenigen, die ans diese Weise glauben Vergeltung üben zu müssen. Tie wahrhaft Tchuldigen an der Verbreitung unsinniger Greuelmüechen sitzen fern vom Dchuß. Es isi -ivenelhan, ob nicht die Absichten, die sic verfolgen, die feindselige Ttimmung im Auslande gegen Teutfchland zu Verliesen, durch . solche Ntaßnabinen durchkreuzt würden. Zur Beruhigung und Aufklärung haben nicht nur die verschiedenen Kundgebungen der Reichsregwruug. sondern in hohem Maße auch die zahlreichen entschiedenen und von politischem Erfühl getragenen austläreudeu Kundgebungen deutscher jüdischer Persönlichkeiten m:d Organisationen bcigctragem Es ist 'überflüssig zu sagen, daß sich unter den Lausenden deutscher Juden, die die Dpfer dieser Voykottbewegung lverden sollen, nur allzuviele bcjinden würden, die ihre Pflichten gegen das deutsche Vaterland im Kriege und im,Frieden erfüllt und ihm ihre Löhne und Brüder geopfert haben. Tie wurden von d-er Rot des Krieges und des Nachkrieges ebenso betrossen lvie alle anderen Deutschen. Ihre Ausstoßung aus der Lollsgcmciuschast, die Vernichtung ihrer Existenz wäre ein nie wieder gutzumacheudes Unrecht." Die „Vossische Zeitung" veröffentlicht in ihrer Nr. 150 vom 29. März einen Leitartikel „Unlösbar verbun- Dcrr". In ihm heißt es: ... . . Wir lassen in diesem Moment bewußt die Ttimme der Gerechtigkeit schweige n. Wir wollen nur daran erinnern, daß der Boykott sich gegen die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens richtet, die es mit der Erfüllung ihrer staatsbürgerlichen Pflichten in Krieg und Frieden sehr g e n a u genommen haben, und daß die Drahtzieher der unverantwortlichen Hetze gegen 'Deutschland, die an der Erfindung und Verbreitung von Tchandmarchen beteiligt waren, u n - geschoren bleiben. Wir wollen ferner daran erinnern, daß ein Boykott der jüdischen Geschäfte auch unabsehbare Folgen für sehr breite Kreise der gesamten deutschen Wirtschaft haben muß. Denn cs wäre ein Irrtum zu glauben, daß man die jüdischen Firmen ohne ernste Tchädeu für das Ganze aus dem Gefüge der Gesamtwirtsthast herausschälen und durch Boykott vernichten könnte. Bisher hat cs n 11t eine dent? d) e Wirtschaft gcgcbon. und jedes einzelne Glied ist mit der Gesamtheit durch unzählige Fäden aufs engste verknüpft. Tie überwiegende Mehrzahl der Angestellten in den Geschäftshäusern, die jüdisch sind oder als jüdisch gelten, ist nichtjüdisch. Wer will sic weiter beschäftigen, wenn der Betrieb, der ihnen bisher Arbeit und Brot gab, erliegt^ Unzählige Liefe r u n g s k 0 n t r a f t c und F 0 r - berung e u nichijüd sicher Li eie rauten müsieu notleidend werden, wenn mau den jüdischen Geschäftsinhabern die A b s a tz m ö g! i eb feiten v c r s pe r r t. Unterbricht mau den sich täglich erneuernden Ttrom der Güterverforgung lvi! lkür lich an einer Tteile, so 'müssen Ttocknugen und ernste Reibungen auch an an.deren Ttellen ciutreteu. Kein Zweig der 'Wirtschaft könnte davon unberührt bleiben, wenn am Tennabend die augekündigte Boytonaktion in. der geplanten Form zur Wahrheit ivürde. Primär träfe man die jüdischen Geschäfte, aber die Auswirkungen strahlen weiter aus und schädigen die Teile der Bevölkerung, die man gar nicht gemeint hat. Gerade in einem Zeitpunkt, da sich nach jahrelanger, tiefster Depression die ersten H 0 s i - nun gen zu regen beginnen, sollte man jede vermeidbare Erschütterung des Wirt'chaits- und Kreditgesüges. sede erzwungene Umfchichrung und Verlagerung in Erzeugung und Verbrauch, m AnsteUungsverhältnisseu und Vertrieb von der Wirtschaft sernhalten. Je tiefer man in ihre Geheimnisse eindringt, desto deutlicher erkennt man die unlösbare Verflechtung der jüdischen Geschäfte mit dem Geschästsleben überhaupt, eine Verflechtung, die ebenso im nationalen. im geistigen und im kulturellen Tinne dw deutschen Juden mit dem deutschen Vaterland verbindet." In dem Leitartikel des „Berliner Tageblatts" vom 29. Mär; hciszt es: . . . Teil Tagen hat die Deutsche Presse, hat auch unsere Zeitung immer wieder sich bemüht, dem Ausland in jeder Form die Berichtigungen der bösartigen Kampagne eutgegenzuhalwu. die eine Hetze gegen Deutschland war und lediglich den Feinden Deutschlands, niemals aber auch mir einem einzigen deutschen Juden nützen konnte, der im Lande geblieben ist und als anständiger Staatsbürger sein Leben in Erfüllung der staatsbürgerlichen Pflichten sortznführen entschlossen mar. ,Das habt ihr augerichtetll so muß man immer wieder diejenigen anreden, die nicht wisse:: wollten, wie es in Deutschland steht, die nicht hören wollten, was ihnen darüber gesagt wurde, die leichtfertig oder auch niederträchtig die Lrgaue der öffentlichen Meinung des Auslandes dazu verleiteten, Lügen statt Tatsachen, Verdrehungen statt sauberer Nachrichten, ziellose und politisch blödsinnige Tctlamatiouen statt vernünftiger Auf. klärunaeu zu verbreiten . . . ,Tas habt ihr angerichtet'si das mar schon diesem Ausland zu sagen anläßlich der Schließung jüdischer Geschäfte im Westen und Osten Deutschlands, auch im chuhrgebiet. Wenn etwa in Mannheim an den Tchan fenstern solcher Geschäfte Plakate zu lesen sind: ,Antwort auf die jüdische Hetze', daun richtet sich auch dieser Ruf au das Ausland ... Es ist eine Abwehraktion, die das Ausland in ihrer ganzen Wucht erkennen muß, und die gerade diejenigen trifft, welche eine gewisse Propaganda angeblich oder auch wirklich zu schützen vor gab. Aber ,die deutschen Inden lehnen es ab, sich auf solche Weise schützen zn lasstnsi so schrieben wir gestern, als der Boykottausruf noch nicht vorlag. Und mir können heute hinzu fügen, daß die deutschen Inden es ablehnon, sich von den Leuten schützen zu lassen, die nicht nur ihre mangelnde Kenntnis der Lage Deutschlands durch Hetze ausgleichen, sondern auch überhaupt mit der Wirklichkeit aus gespanntem Fuß zu stehen scheinen. Tie nicht von vornherein erkannten, daß sie die deutschen Juden schädigten. Wenn diese Leute im Ausland aber gewusst haben M unsere LessH P In diesen Tagen ist jeder de ui- [ sehe Jude verpflichtet, seine Kenntins von den wahren Vorgängen in? Deutschland, die ihm diese Zeitung I j vermittelt, nicht für sieh zu belud- ’ 1 ten, sondern, soweit er nur kann.; im Freundes- und Bekanntenkreise, \ besonders ausländischen, woiterzuj geben. In Gesprächen, Briefen, ° Telephonaten bitten wir, auf die! Darstellung Bezug zu nehmen, die wir über eine verlogene Greuelpropaganda und über deutschfeindliche Boykottaktionen geben. Jeder, der das tut. erhöht das deutsche Ansehen. Lfolltni, uv.-5 sic tun und anrichwm dann haben sie in Verbrecher inner Weise mit dem Schicksal der deutschen Irden gespielt und sie eingeschlossen in den Haß gegen Denuchland, dessen Mobilisierung offenbar der wirkliche Zweck der llebimg war . . . Eines Kommentars in den einzelnen Punkten bedarf dieser Aun:n nicht. Lest ihn, ihr, die ihr ihn verschuldet habt, lest ihn Punkt für Punkt, de-nn .Das habt ihr angerichtet' . s / Deutschland wäre ärmer... Unter der Unuchchrist „Ein Bllck nnück" der» ösicnUich: die ..Bmmche ZcitumK Nr. 1.Z0 vom ±K Mar; die dirdrr’it eines Lcsirs. die beweist, -daß auch aus Krcistu, die dinier den Aeaierungspui allen stehen, Verständnis für die Wern heftet t, die das deuu-ne Judentum der deutschen Rcehtswisicnswast ameben hat. „Dann hätte, um nur Verstorbener zn gedenken, Hermann Tlaub seinen weUberühm-- ten Kommentar znm Handelsgesetzbuch und Levin G 0 l d s ch \n idt seine an-lln henke noch unerreichte Universalgeschichte des Handelsrechts nicht schreiben können. Uns fehlten die Kommentare von Albert Pinne r zum Aktienrecht. von Ttranz zur Wechselordnung und von Ernst He in ist zum Ttempelgesttz. Eugen Fuchs hätte nicht sein Grnndbuchrech: geschrieben und Hermann D b e r 11 c cf nicht die S>inert» schaft des deutschen Notariats begründet. Kein Thldeut hätte jemals die Pandekten oder das Preußische Privatrecht aus Heinrich Jene bnrgs Lehrbüchern lernen können. und Otto Lenel hatte niemals das Ediduln perpetuum des römischen Prätars ergründen In dev Wissenschaft des dentsisten Ttnatsrcchts wurden sowohl Paul L a b a n 0 s wie Georg I e l l i - n e k s Nteisterioerke fehlen,- und die Kunst der Rechtsan-oendnug bätte nie durch Ernst Fuchs' tem;>erameutvolle Kritik gefördert werden können. Die Wissenschaft des Prozeßrechts hätte ebenso'.vcuig von. Friedrich T tei n entscheidende Anregungen erfahren, nlle die des Versichernnasrechts durch Viktor Ehrenberg. Die Geschichte der deutschen Rechts'.oissensllpsL hätte in JSrnfi Landsberg nicht ihren Historiler gefunden. Rstru verkleinert die sonstrgen LeisLmtgen der drut'chen RechLstvistenschaft nicht nn gerrngstett, wenn man sagt, daß diese Werke zu^ihrem unentbehrlichen Bestand gehören, und daß ihre Liste durch allen Juristen geläufige Werke Lobender amsthnlich erweitert iverden können. Daß es Eduard Laste r war, der durch seinen Antrag im Reichstag den entscheidenden Anstoß zur Schaffung eines cinheitlichen Bürgerlichen Gesitzönchs gab, sollte auch der jüngeren Generelliou 311 denken geben. Hub locmi Bismarck das RancPrinzip gebilligt hatte, so hätte er nicht.zum ersten Präsidenten des Deut sicht n Reichsgerichts Eduard 2 i m f 0 n ernennen und dabei dem Wunsche Ausdruck ge beit lönncn, ,daß Gott Ihnen für larrge Zeit Gcsnnd5-it verleibe, um Ihre langjährige Arbeit an der Herst e l l u n g u n d B e f e ft iguttgdcs R eichs auch in der Ttcllrmg eines ersten Richters nn Reich fortzusetzen.-

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