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Central-Verein-Zeitung · 1933-03-30 · 13 (30.3.1933) · p. Seite 109

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
13 (30.3.1933)
Date
1933-03-30
Page
Seite 109 (sequence 5)
Language
German
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die NelchZinimsier und den PolizeiPräsiSenterr von Berlin: „Die DeuLscherr Auderr sind Lief erschüttert von Dem Boytottausrnf Der Natiorralsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei. Wegen der Verfehlung einiger weniger, für Die wir nie und nimmer Verantwortung tragen, soll uns deutschen Anden, Die sich mit allen Fasern ihres Herzens Der Deutschen Heimat verbunden fühlen, wirtschaftlicher Untergang bereitet werden. An allen vaterländischen Kriegen haben deutsche Anden in dieser Verbundenheit BLulopfer gebracht. Im großen Kriege haben von 500 600 deutschen Juden 12 000 ihr geben hingegeben. Auf dem Gebiete friedlicher Arbeit haben wir mit allen unseren Kräften unsere Pflicht getan. Den Greuel- und Bohkottfelvzug im Auslande haben die jüdischen QrZanisatioucn Deutschlands mit äußerster Anstrengung und er- Die „Frankfurter Zeitung" schreibt in einem Aufsatz „Notwendige Feststellung" am A3. Marz: . . Wenn somit der Antisemitismus als ein innerdeutsches Problem gekennzeichnet werden muß, so ist deshalb die Tragweite des Problern« keineswegs eingeengt. Wir streifen hier nur die Tatsache, daß man durch Truck auf die Aerzte- und Lnroallschaft und auf die Justiz die Bernfs^reihen der Juden einzuengen versucht. und daß man ruf diese Weise in deren private Sphäre dorstößt, d. h. einen Teil des Judentums in noch gar nicht absehbare materielle Schwierigkeiten bringt. Wir wollen ferner nur er.rc.jiien, wie man augenscheinlich glaubt, die gar nicht zu bestreitende Erfahrung der Juden in Finanz und Wirtschaft so gering veranschlagen zu dürfen, daß man auch in dielen Gebieten auf hochoerdünte Männer 311 verzichten dorhat. Jedoch wird vor allein eines deutliche Man gedenkt der zweifellosen starten antisemitischen Gefüslswelle dadurch Rechnung zu tragen, daß man die Inden ans allen öffentlichen Stollen und Aemtern herausdrängt. Eier erst wird de? eigentliche innerdeutsche Problem des Antisemitismus deutlich. Wir weigern uns auch heute noch, zu glauben, es sei die Bewahrung des Tentschtums, das Sichrbarmachen der besonderen nationalen Eigenart nur dadurch möglich, oder auch nur in irgendeiner Weife davon abhängig, daß hierfür ein Kamps mit dem Judentum vorancchen müsse (ein sehr ungleicher Kamps übrigens, wenn er sich lediglich als ein brutaler Machtkau'.ps entwickeln würde). Tie Celbstbestnnnng Teutschlands auf sich, eine Aufgabe, an der die Besten der Nation seit Jahrhunderten arbeiten, ist das grundlegende deutsche Erziebnnzsprrslem, ein Problem innerlichster Art ... Es handelt sich lediglich um das Erziehungsproblem, um das ehier geht. Tiefes Problem wird durch den Antisemitismus eingeengt. GcKtzft cs wäre wirklich, wie diese umstrittenste aller Rasftncheorien behmch^L, den solgreich bekämpft. Sie haben hierfür alles getan, was in ihrer Kraft steht, und werden es weiter tun. Trotzdem sollen jetzt Die Deutschen Juven, als Die angeblich Schuldigen, Zugrunde gerichtet werden. Wir rufen Dem Deutschen Volk, Dem Gerechtigkeit stets höchste Tugenwar, zu: Der Vorwurf, unser Volk geschädigt Zn haben, berührt aufs tiefste unsere Ehre. Mm Der Wahrheit willen und nur unserer Ehre willen erheben wir feierlichst Verwahrung gegen diese Anklagen. Wir vertrauen ans Den Herrn Reichspräsidenten und ans Die Reichsregiernng, Das; sie uns Recht und Lcbcnsruögtichteit in nnserern Deutschen Baterlande nicht nehmen lasten werden. Wir wiederholen in Dieser Stunde Das Bekenntnis unserer Zugehörigkeit zum deutschen Volk, an Dosten Erneuerung und Ausstieg mitznaröeiten unsere heiligste Pflicht, unser Recht und unser sehnlichster Wunsch ist." m örr MsM rassigen Gegebenheiten eine solche Realität boizumessen, wie das rein gefühlsmäßig geschieht, so darf niemals vergesten werden, daß die Zugehörigkeit zu einer Rwsie ja kein persönliches Verdienst, sondern ein Schicksal bedeutet. Ter meiste Antisemitismus aber, der so billig in Deutschland auf den Straßen zu haben ist, leitet^ aus der Rastenzugehörigieit höchstens ein Recht." aber keine Pllicht her, weshalb aus dieser Fragestellung für L:e wenigsten der Ansporn kommt, an sich selber höhere Forderungen zu stellen. Tie große deutsche Erziehungsaufgade besieht aber darin, daß die Masse des Voltes das Ziel begreift, das der Reichskanzler selber vor kurzem noch ausstellte. als er von dem Wert der Persönlichkeitsbildung gesprochen hat. Emo solche Bildung erwächst nicht aus dem Haß aus Andersgläubige. Sie wird nur erfüllt, wenn der einzelne bcgrifter: hat. daß er selber ein starker und guter Mensch werden muß. Tie Erfahrung lehrt, es sei bis jetzt aus dem Antisemitismus kein Antrieb, sär den einzelnen gekommen, bester zu werden. Im Gegenteil, dieses Gefühl hat den Blick verstellt und die wahrhaft menschlichen Aufgaben, die jeder einzelne erfüllen kann, verschleiert. Tie wahrhaft menschlichen Aufgaben sind aber immer noch die echten nationalen Ausgaben gewesen; denn das Nationale und das Menschliche sind niemals ein Gegensatz. So ist der Nation zu wünschen, sie möge die große innere Erschütterung, die sie jetzt durchrutielt, fruchtbar machen und in Kürze über das gefährlich ablenlende, weil unfruchtbare Problem des Antisemitismus zur Tagesordnung übergehen." An der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" vom 26. März legt Dr. Paul Rosenthal das „Bekenntnis eines jüdischen Frontsoldaten" ab. Er schreibt: „...Als ich — im Anfang zu Fuß, später hoch zu Roß — auf unseren Märschen das Herrliche Lied vom „Deutschland hoch in Ehren" mitsang, da gab es bestimmt nichts Undeutsches in mir; hätte es dies gegeben, es wäre verbrannt in der heißen Liebe zum Baterland und in der täglich neu zu beweisenden Selbstverleugnung vor Granatsplittern und Fliegerbomben. Wenn wir aber sangen: „Es lebt die alle Treue noch*, dann glaubte ich, daß auch ich und meinesgleichen einbezogm seien in diesen Kreis der Gemeinschaft, jetzt und immerdar. Und wenn wir sangen: „Hattet aus im Sturmgebrausst dann dachte ich mit felsenfestem Herzen: Ja, halte aus? Wenn eines Tages der Feind am Boden liegt, dann wird auch jene bittere Zeit vergesten sein, da ein Deutscher den andern nach dem Zufall der Geburt bewertet hatte. Fast Jahre war ich Soldat. gehörte nur der Fronttruppe an, war in Flandern und Frankreich, erlitt zuletzt einen schweren Znsammenbruch, lag im Lazarett und verlor den einzigen Bruder an der Westfront. Denn ich heute höre und lese, daß die Juden insgesamt als undeutsch bezeichnet werden, dann empfinde ich das als bitterste Ungerechtigkeit. Tann schlage ich meinen Militärpaß aus und überfliege die große Zahl der Schlachten und Gefechte, an denen ich keitnahm, und finde die Prädikate „sehr gut" nrw „vorzüglich". Tas schlichte Eiserne Kreuz liegt daneben. Tie Männer aber, die diese Zeugniste für mich ablegten, sind es nicht dieselben, in denen das nationale Deutschland mit Rocht seine besten und beispielhaften Vertreter sieht? Und nun soll dies alles nicht wahr, soll dies alles vergesten sein? In der Heimat meiner Eltern und Voreltern soll ich, der für sie gekämpft und gelitten wie die anderen, von mm an als Deklassierter leben wüsten? Von der Welt meiner Freunde soll ich gewaltsam getrennt werden, weil ich jüdischer Herkunft bin? Tas kann nicht sein und darf nicht sein. Es darf nicht sein im Jntereste der vielen, denen es geht wie mir, es darf aber auf keinen Fall sein im Interesse Deutschlands, das Treue geschworen hat seinen gefallenen Söhnen, unter denen allein 12 0O0 gleicher Herkunft waren wie ich. Darum rufe ich allen Kriegskameraden zu: Vergeht auch uns nicht in diesen Tagen, verlaßt uns nicht, schützt uns vor erniedrigenden Verallgcmeinerimgen . . " Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" schreibt in ihrer Nrrmmer 149 vom 20. März: „Tie Nationalsozialistische Partei verfährt nach dem Rezept: stuf einen groben Klotz gehört ein grober Keil, und ist sich sicher bewußt. daß eine solche generelle Abwehraltion Schuldige und Unschuldige ohne Unterschied treffen nmß. Aus dem.Aufruf heben wir die wiederholten Hinweise hervor, daß es sich um eine cmfgezmungene Abwehr handelt, und daß dieser gesamte Kampf „in vollster Ruhe und größter Disziplin" durchgeführt werden muß. Wie bekannt, haben alle führenden jüdischen Organisationen Deutschlands, darüber hinaus viele Einzelpersonen und Firmen, die in Verbindung mit dem Ansland stehen, in Ansllärungstelegrammen und Entschließungen bereits in den letzten Tagen der ausländischen Greuelhetze entgegenzuwirken versucht. Tarauf ist es mit zurückzusühren, daß zum Beispiel die Massenversammlung, die am Montagabend in New Dort statrfand, verhältnismäßig ruhig verlaufen ist, daß überhaupt auch in der ausländischen Presse die Greuelhetze sich einigermaßen beruhigt hat. Bor allem die scharjen Erttä* rungen der Mitglieder der Reichsregiernng haben ihren Eindruck nirgends verfehlt. So kann man vielleicht hoffen, was aufs dringendste zu wünschen wäre, daß am Freitag»

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