Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 13 (30.3.1933)
- Date
- 1933-03-30
- Page
- Seite 108 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Erklärungen von Negierung und Verbänden Im Rahmen der RegienmgsakLion gegen die deutschfeindliche Greuelpropaganda im Auslände hat Vizekanzler von Papen auf eine telegraphische Anfrage der deutsch-amerikanischen Handelskammer in New Jork in einem ausführlichen Kabel geantwortet, daß die Nachrichten von Unruhen und Ausschreitungen in Deutschland jeder Begründung entbehren. Gewiß seien einige beklagenswerte Aebergrisfe vorgekommen, die aber nach der scharfen Erklärung des Reichskanzlers vom 12. März unterblieben seien. Hunderttausende von Juden lebten in Deutschland völlig unbehelligt, und der Betrieb in zahlreichen jüdischen Geschäften und Verlags- Häusern verlause normal und ungestört. Die in Amerika verbreiteten gegenteiligen Nachrichten stammten offenbar aus Quellen, die ein starkes Interesse daran haben, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika zu vergiften und die nationale Regierung, obwohl sie sich auf die Mehrheit des deutschen Volkes stütze, bei dem amerikanischen Volke systematisch zu diskreditieren. Im Aufträge Des Reichskanzlers gab der Auslandspreneches der NSDAP.,Hansstängcl, in einem Telephoninterview über den Ozean mit dem Generaldirektor des International News Service Erklärungen zu den Ereuelmeldungen ab, die ausführlich in der gesamten Tagespreise wiedergegeben worden sind. In diesem Interview wurde u. a. mitgeteilt, daß es „irgendwelche unterschiedliche Behandlungen zwischen Juden und Nichtjnden nicht gegeben habe". Der kommissarische preußische Innenminister Gbring erklärte bei einem Empfang vor der gesamten ausländischen Presse u. a.: Wo Uebergrisfe vorgekommen seien, habe die Regierung alles getan, um diese Vorgänge abzustellen. Es habe auch Fälle gegeben, wo Juden fcstgenommen und geschlagen worden seien. Er könne aber versichern, daß bereits eine ganze Reihe Angehöriger nationaler- Verbände, die sich Uebergrisfe hätten zuschulden kommen layen. bestraft und entlassen worden seiem Neben diesen und anderen Erklärungen der Regierung sind zahlreiche Aktionen von Behörden und Verbänden erfolgt. So haben die Spitzen der evangelischen Sioeckl-^Kandsclmhe n Uw st i .ndf». U 17: 27 eigene Filialen in allen grösseren Stadien des Reiches und katholischen Kirchen in Deutschland, SLndentettverbände, Der Präsident Des Deutschen JnDustrie- und HanDelstagcs, Dr. G-rrrrrD, Der.Präsident Der Deutschen Larrdesgrrrppe Der Internationalen HauDelskanrrner, Frowein, Die Deutsch-rumänische Handelskammer, Die Deutsche Heilsarmee n. a. m. nach Amerika und England Protesterklärungen gegen die Verbreitung hetzerischer deutschfeindlicher Gerüchte gesandt. Zahlreiche Einzelpersönlichkeiten, wie Alfrev Tictz, Köln, und die Inhaber der Firma Hermann Lietz, Berlin, haben ihre Geschäftsfreunde im Auslände telegraphisch ersucht, den „Hetzartikeln und Lügenmeldungen über Ereueltaten, insbesondere gegen Juden in Deutschland" au'klärend entgegenzutreten. Kronprinz Wilhelm hat in einem Brief au den amerikanischen Schriftsteller George S i l v e st e r D i e r e ck u. a. geschrieben: „Jeder, der Deutschland, den deu-iclr-n Charakter und die Kultur des bcuffcCjcn Volkes kennt, wird ja ohne weiteres füb len, daß die heute verbreiteten Nachrichten über ausgestochene Augen, verstümmelte Leichen, Versengen von Gliedmaßen usw. eben solche Lügen sein münen wie die seinerzeitigcu Schauermärchen von den verstümmelten belgischen Kindern, den gekreuzigten Kanadiern und den Fabriken, welche aus Leichen seit Seife herstellren. Immerhin gibt es vielleicht unter dem größeren, mit Deutschland nicht vertrauten Publikum noch Menschen, dre dieser böswilligen und absurden Lügenpropaganda verfallen ... Ich möchte hinzufügen, daß ich hiermit nicht einen offiziellen oder emen parteipolitischen deutschen Standpunkt vertrete, sondern daß die oben genannten Auffassungen so aut wie einstimmig vom gesamten deutschen Volk geteilt werden. Selbst jüdische Organisarionen, von denen ich hier mir den Ver- * band nationaldeinicher Inden und den Eentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens . . . nenne, haben sich dahin ausgesprochen, daß dis im Ausland gegen das nationale Deutschland betriebene Hetz- und Lügenpropaganda unverantwortlich und aufs schwerste zu verurteilen sowie gcnrz gewiß nicht geeignet sei, irgendeinem guten Zweck zu dienen. Auch der "Kanzler hat ja m seiner gestrige:: Rede ausdrücklich erklärt, daß in Deutschland niemand wegen seiner Religion Unbill zu erleiden habe. Jeder wird beurteilt nach seiner Stellungnahme zum nationalen Gedanken . . . Ten Weg des anderen mit Lügen, Verleumdungen und Schmutz zu bewerfen, ist nicht fair. Wohm das führen muB, haben wir ja als Ergebnis des Weltkrieges und seines .Hetzgeistes nur allzu deutlich erfahren . . Ter Verein zur Abwehr Des Antisemitismus erläßt eine Erklärung, in der es u. a. heißt: J£ie leichtfertige oder gewissenlose Verbreitung unwahrer Ereuelpropaaanda schädigt das deutsche Volk und nicht zuletzt die deutschen Juden. Wer antisemitische Hetze veruAeilt, muß aus dem gleichen Ethos der Gereästigkeit und Wahrheit auch die blinde Hetze gegen Deutsch, laud verdamu'.eu." Der ReichsbunD jüDischer FrontsolDaten hat an die Botschaft der Bereinigten Staaten von Amerika in Berlin ein Schreiben gerichtet, in dem es heißt: „Es ist aber auch unseres Ermessens an der Zeit, von der unverantwwrtllchcn Heus nbzurücken, die von sogenannten jüdischen Intellektuellen im Auslande gegen Deutschland unternommen wird. Diese Männer, die sich ,zuin überwiegenden Teil nie als Ten!'che bekannten, ihre Glaubensgenossen im eigenen Lande, für die sie Verkümpser zu sein vorgaben, im kritischen Augenblick im Such ließen und ins Ausland flüchteten, haben das Recht verwirkt, in dn:t sch-bübischen Angelegenheiten mitzureden. Ihre ans sicherem Versteck abgejchossenen Pstile schaden sowohl Deutschland und den deutschen Juden, aber sie dienen dem Schützen selbst gewiß nicht zur Ehre..." An den für die zu vergangenen Montag in New Jork angesetzte Proteswersammlung gegen die angeblicheil Greuel in Deutschland als Redner genannten Bischof Manning erging von bekannten Berliner Rabbinern namens Der Deutschen Rabbiner eine telegraphische Verwahrung gegen die Greuelmärchm und übertreibenden Gerüchte von Verfolgungen der deutschen Juden. Der Rai DcS Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden hat eine Erklärung an den kommissarischen Ministerpräsidenten von Bayern, General von Epp gerichtet, in der es n. a. heißt: „... Unsere Religion gebietet uns, Achtung und Ehrfurcht der Regierung zu erweisen und dem Staate zu dienen. Wir werden diese religiöse Berns! ich! ung auch weiter mit vollem Herzen erfüllen. . . . Wir glauben, daß Deutschlands Erneuerung eine so schwere und heilige Aufgabe ist, daß sie die Mitarbeit aller Kräfte erfordert, die willens sind, sich voll einzusetzen für die Größe des Reiches. Darum gebietet es uns unsere vaterländische Pslicht. Ihnen, Herr Ministerpräpdenr. von unserem Wunsch und festen Willen Kenntnis zu geben, dem großen Werk des deutschen uusbaus zu dienen und zu unserem bescheidenen Teile mikzuhelfen. die deutsche Zukunft in Ehren zu gestalten.. ' Mehrere bekannte Persönlichkeiten aus Stuttgarter jüdischen Kreisen, unter ihnen Vorstandsmitglieder und Freunde des Centralvereins, haben im Hinblick auf eine zu Mittwoch abend in Paris einLerusenr Protestversammlung gegen die angeblichen Judenverfolgungen in Deutschland in einem Telegramm an Len Ervßrabbiner in Frankreich dringend gebeten, von der beabsichtigten Protestversammlung im großen Wagram-Saal Abstand zu nehmen. Die NerchSverLretrmg Der Deutschen Juden schließlich und Der Vorstand Der Jüdischen (Lsrneinde zu Berlin gaben nachstehende Erklärungen an den Reichspräsidenten, dm Neich-lanzler-