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Central-Verein-Zeitung · 1933-03-30 · 13 (30.3.1933) · p. Seite 107

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
13 (30.3.1933)
Date
1933-03-30
Page
Seite 107 (sequence 3)
Language
German
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107 Wich VlrischWH Sein Gedanken des C. V., dem Bedürfnis des deutschen Judentums durch die Errichtung der juristischwiruchaftlichen Beratungsstelle entegenzukommen, sind Maßnahmen anercr jüdischer Organisationen gefolgt. Der Wirlschaslöauöschns; dc^' Prcns;ischcn Larir>r^vcrl>a»V:s judischc,' ttciucii:- den wemir'rnttcre atu 2on:uan, 2». SJuir:, unter -oiuzuzicbnug der in Betracht keuumenden jüdischen Organisationen eine eingehende Beratung über die gegenwärtig die deutsche Iudenheit bewegenden röirtscchftlichen und sozialen morgen. Iu-öcstudcre wurde die Lcwe der freien Berufe <Aer>e. Acchts.mwälte, Schriftsteller) und der verschiedenen Be-nmtengrnpren behandelt, Ginhellirj wurde der Meinung Ausdruckgegeben, daß die drohende irtfa>ifrife der deutschen Judechell nur durch ein einheitlicheZ und wlidariw.is chZusanu.uenwirken und durch eine die Bcdüisiiine der verschiedenen Berufe berücksickg.igende wirrsch-aftliche Selbfthckfe gemildert werdin rann.. T-'r Wirtschallsans'chu ß hält ei für wichtig und neNoendig. daß alle Juden, die sich in ihrer wirr'Wurlichen Erißenz durch ungc setzt icho ü^ndiuugen geschädigt fühlen, ihre Ansprüche ans dem durch die deutschen Gesetze gegebenen ^echstweg wahren. Der Wirsichafn-ansschuß ftc'n hierbei für Rechrsberatnug und Wirst kchafrsoilfe zur Verfügung. Ter Wirtschaftsanr-wnü. wird bestrebt sein, bei unminelbaren stoisstuden nach Vlöglichlcll Hilfe zu. gewähret^; er wird in Zusammenarbeit mit den in Betracht kon-m-nden Lteilen l^mnhr sein. Wege 51t finden. die wirtschaftliche Grisrenz der deu.tschen Zu.den zu erhalten. (rewurde einstimmig beschlossen, den Wirtschaftsausschuß als Z e n t r a l ft t (1 e f ü x i ü 6 i f d) c W i r L s ch a f t s l; i l j e — für wirtschafrliche und soziale Beratung — zrr loustitnierern Ter Vorsitzende wurde ermächtigt, sofort Borkesrungen zu treffen, um eine einheitliche Tnrch'ührnng der sich ergebenden Aufgaben inner bald aller jüdischen Gemeinden Preußens sicher>:ftet!eu. Tie Zusammenarbeit mit den cnßer^renß'uchen Landesverbänden soll angesrrebr werden. -rlie Schasiimg eines Hilfsfonds, der von Gemeinden. Trganiüttionen nud Einzelpersonen aufgebracht werden soll, ick in die Wege geleitet. Tie Zentralstelle für jüdische Wirtschaftshilfe bat irren Till in Berlin, kharlotienburg 2, Kanfcaöe 158.' Die Arbeit der junftisch-niirkschafilicheu Derakungsskelle des C. Dgeht daneben selbiwcrständlich weiter. Anläßlich der Beratungen des Wirisch a s t s a u s s ch u s s e s d e s preußischen Landesverbandes konnten die praktischen Erfahrungen der Beratungsstelle des C. V. vorgetragen und den Bemühungen um den Ausbau der Zentralstelle für jüdische Wirtschaftshilfe zugrunde gelegt werden. Die Notwendigkeit der vom C. V. geschaffenen Einrichtung hat sich in ' W & D ft ftl ft diesen Tagen immer stärker erwiesen. Die Zahl der Besucher wächst fast täglich. Die Auskünfte werden von uns in engster freundschaftlichster Zusammenarbeit mit den maßgeblichen Stellen der Jüdischen Gemeinde und deren Wohlfahrtseinrichtungen erteilt. Jrn Vordergrund stehen die Fragen, bei. denen sich der C. V. auf seine langjährigen politisch - wirtschaftlichen Erfahrungen stützen kann. Damit zusammen hängen die juristischen Fragen. Die Fragen der Ratsuchenden geben uns ein Bild davon, wie das deutsche Judentum in allen Berufs.zweigen von der Bewegung erfaßt wird, welche die einzelnen jüdischen Menschen aus der Bahn zu werfen droht. Wir haben in der vorigen Nummer bereits auf die einzelnen Fragengebiete hingewiesen, welche an die Mitarbeiter der Beratungsstelle herantreren. In der entsprechenden Richtung erfolgt der Ausbau, der sich im Lause der letzten Woche als besonders notwendig erwiesen hat. Wir wissen, daß wir in vielen Fällen eine letzte Hilfe nicht geben können; wir stellen aber mit einer gewissen Befriedigung fest, daß häufig schon die Möglichkeit der Aussprache unseren Freunden — wir werden von Mitgliedern und NichtnnLliedern ausgesucht — inneren Rückalt gibt. Es hat sich als besonders notwendig erwiesen, die sachlichen Fragen der verschiedensten Berufsruppen einheitlich zu bearbeiten. Desalb haben wir unsere Arbeit auch auf die zulässigen Möglichkeiten eingestellt, die den deutschen Juden verschiedener Berufsgruppen gegeben sind, um bei den Staatsbehörden und den jeweiligen amtlichen und privaten Standesvertretungen vorstellig zu werden. Wir stellen auch weiterhin unsere Erfahrungen in den Dienst der deutsche!: Juden, die um ihres Judentums willen in eine Notlage gekommen sind, und verweisen auf die Sprechstunde der juriskisch-wirlschaftlichen Verakungsstelle Montags bis Ireikcrgs von 12 bis 2 Ahr in der Hauptgeschäftsstelle des Cenkralvereins, Berlin W 15, Lmfer Straße 42. In besonders dringenden Fällen können Rücksprachen durch telephonische Anfragen zu anderen Zeiten vereinbart werden. Greuelpropaganda nur Kulisse für die Durchsetzung außenpolitischer oder wirtjchastspolitischer deutsch Kindlicher Absichten ist. Mit Menschen, die aus einem echten Ethos heraus, aber falsch unterrichtet. gegen Teutschland Stellung nehmen, kann man aus sittlicher Grundlage und auf dem Boden der Wahrheit Verständigung und Sinneswandlung erreichen. Bei Interessengruppe u aber, für die andere Werte auf dem Spiele stehen als zehn- oder hunderttausend deutsche Juden oder jüdische Gristenzeu in Deutschland, ist mit diesen Mitteln nichts 311 erreichen. Hier enden die Möglichkeiten des deutschen Judentums. Und nun verlangt man von uns deutschen Inden, daß wir starker als diese Mächte sein, daß 'wir eine antideutsche Propaganda, die sie 11m ihrer Interessen wegen fördern, unterbinden sollen. Mau stellt also die Fiktion auf. als ob die Hintermänner und Nutznießer dreier deutschfeindlichen Feldzüge Juden seien und als ob eine solche Zu-ammengehvrigleit und Abhängigkeit der Juden der ganzen Welt voneinander bestände, das: auf einen Wink des Judentums irgendeines Laude? die Juden aller Länder etwas täten oder unterließen, was diesem einen Lande nützlich oder abträglich wäre. Diese ..jüdische WellinternationaleT "gibt es eben u i ch t. Aber mau vergleiche — Es ist letzt fast zwanzig Jahre her: da brachst der Beginn des Weltkrieges eine unerhörte Hetze und Greuelpropaganda gegen das deutsche Volk, keine Gemeinheit, keine Schändlichkeit war gemein und schändlich genug, als daß sie uicht der Welt als deutsche Gharaktereigenichast vorgestellt worden wäre. ' Tie deutsche Gegenpropaganda gab Millionen und Millionen aus, um dieser Propaganda den Boden abzugraben- Dutzende von Agenten der deutschen Regierung bemühten sich an Lrt und Stelle, gründeten Zeitungen, versandten Millionen von Ftuafchriüen und Flugzettekn über die Wahrheit in Teutschland. Ter Griolg war gering, denn die Interessen der kriegführenden Smaten verlangten, das; mau an die Greuel glaubte. Es ist jetzt wohl schon vergeben, daß auch nach .Kriegsende noch Jahre vergingen, ehe der britische Außenminister im Uuterhause zugestaud, daß die Behauptung von der sog. Kadaververwertung in Teutschland eine Kriegslüge sei. Und hier bandelte es sich um das deutsche Volk, eine Gemeinschall von 65 Millionen mit allen erdenklichen Aufklärung?- und Propagandamvglichkeiten, mit eineru riesigen diplomatischen und Prcsjeapparat. Jahrelang mußte dieses ungeheure Aufgebot an krall, an Geist und Geld verwandt werden, uw. die Haßatmosphäre um Teutschland zu zerstreuen. Und da erklärt man. daß die 000 deutschen Juden, von denen mindestens 95 Prozent sicherlich keinerlei „Auslaudsverbindunßcm". haben, kerne fremden Sprachen kennen und keine ausländischen Zeitungen lesen, böswillig handeln, lvenn sie nicht innerhalb von acht Tagen das erreichen, was das gesamte deutsche Volk kaum iu coeusroiel Jahren vollbrachte. Hier liegt eine so offenbare Fehlbeurteilung und Ungerechtigkeit vor, daß wir überzeugt sind, es müsse genügen, sie erneut klar ausznsprechen, um dieses Argument ans der judenfeindlichen Agitation zu entfernen. * Tie Dokumente unserer Auslandsmaßnahmeu sind iu einer Denkschrift zufammengesaßt. die wir aist Wunsch unseren Mitgliedern gern zur Verfügung stellen.

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