Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 13 (30.3.1933)
- Date
- 1933-03-30
- Page
- Seite 106 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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4 k dis Grskstp i) vmv fl e? i <x> 0 tfsis^ V> <>ö o I0 V WNSMMöa {551 ANSlSKö AA <- L H. Tie Spalten einer gewissen Auslandsprefse füllten sich mit-Meldungen über angebliche Greuel,der deutschen nationalen Erhebung auch gegen deutsche Juden. Tie deutsche nationalsozialistische Presse brachte die Meldungen in zugespitzten Auszügen mit den Hinweisen darauf, daß alle diese Teutschland herabsetzenden und'kränkenden Veröffentlichungen Judenwerk seien. In verhängnisvoller Wechselwirkung folgten immer drohendere Proteste der deutschen Presse und entsprechend schauerlichere Nachrichten der Ausland-Presse auseinander. In einer Zuspitzung von höchster Dramatik schürzte sich der Knoten für Deutschlands Außenpolitik und für das deutsche Judentum. Ein offenes menschliches Wort, von führenden Persönlichkeiten der fremden Negierungen jenseits der Grenzen gesprochen, hatte den ganzen Spuk in Kürze vertrieben und damit die Weltmeinung über Deutschland ändern, hätte den Druck, der auf dem deutschen Juden deswegen lastet, mildern oder ausheben können. Bemühungen von überaus großem Ausmaß haben die deutschen Juden in dieser Lage unternommen. Erst langsam wurde uns infolge unzureichender Unterrichtung bewußt, in welchem Ausmaß die Creuelrrachrichten die öffentliche Meinung der Welt beeindruckt hatten: wir Juden sind leider gewohnt, daß die judengegnerische Presse Tatsachen in einer dem Judentum ungünstigen Form darsrellt; als aber aus namhaften Zeitungen erkennbar wurde, daß ernsthafte jüdische Persönlichkeiten und Organisationen des Auslandes an die Greuel glaubten und deshalb zu Aktionen gegen Deutschland schritten, erkannte der Centralverein, daß das deutsche Judentum diese Sache, die auch diesmal, wie so oft, aufs engste mit der deutschen nationalen Sache verbunden ist, in die Hand zu nehmen hatte. So übergab der Eentralverein bereits am 24. März der deutschen und der Weltpresse folgende Erklärung: „Der Eenlralverem deutscher Skaaksbürger jüdischen Glaubens, der die größte Organisation der 565 G00 deutschen Inden ist und der auf vaterländischem Boden siehk, erklär! zu den Vorgängen der kehlen Tage folgendes: Nach Mitteilungen deutscher Blatter werden von verschiedenen ausländischen Zeitungen Meldungen verbreitet, etwa, daß regelmäßig verstümmelte Judenleichen vor dem Eingang des jüdischen Friedhofes Berlin - Weißensee lagen, daß jüdische Mädchen auf öffentlichen Platzen gewaltsam zusammengekrieben worden seren, dag Hunderte deutscher Juden in Genf einlräfen, von denen neun Zehnteldarunter zahlreiche Kinder, schwer mißhandelt seien. Alle derartigen Behauptungen sind frei erfunden. Der Eenkralvercin stellt mit allem Nachdruck fest, daß das deutsche Iudenkum für solche unverantwortlichen Entstellungen, die aufs schwerste zu verurteilen sind, nicht verantwortlich gemacht werden kann. Das deutsche Volk befindet sich seit Wochen in einem politischen Amschwung gewaltigen Ausmaßes. Hierbei ist es zu politischen Racheakten und Ausschreitungen auch gegen Iuden gekommen. Die Reichsregierung wie die Länderregierungen haben sich mit Erfolg bemüht, möglichst schnell Ruhe und Ordnung wieder herzusiellen. Der Befehl des Reichskanzlers, Einzel- Mionen zu unterlassen, hat seine Wirkung getan. Gewiß erfüllen uns gerade in letzter Zeit deutlich erkennbare antisemitische Zielsetzungen auf Len verschiedensten Wirtschaft- und Lebensgebieken mit schwerer Sorge. Ihre Bekämpfung sieht, der Centralverem nach wie vor als eine innerdeutsche Angelegenheit an. Wir sind aber überzeugt, daß die Slrichbsrechligung der deutschen Iuden, die sie sich in Krieg und Frieden durch hergabe von Blut und Gut auch innerlich verdient haben, nicht wieder aufgehoben wird, und daß sie wie bisher, unlösbar verbunden mit dem deutschen Vakerlande, mit allen anderen Deutschen guten Willens am Ausstieg des Vaterlandes werden Mitarbeiten könnend Stunden später war diese Erklärung in Hunderten von deutschen und ausländischen Zeitungen, besonders auch in England und Amerika abgedruckt. Tamit war gegen die Erenelslut zu Deutschlands Ehre der erste Tamm errichtet. Tie ausländischen Interessenten der Greuelpropaganda fühlten eine gefährliche Gegenwehr und verstärkten für kurze Zeit ihren Feldzug gegen Deutschland. Eine konzentrierte Aktion des deutschen Judentums setzte darauf ein. Tie Zusammenstellung der Erklärungen, die wir an anderer Stelle unseres Blattes geben, gibt davon ein schwaches Bild. Aber wirkungsvoller als diele Erklärungen war eine Reihe direkter Maßnahmen, die der Eentralverein leiüuetfc in Gemeinschaft mit anderen jüdischen Organisationen in England und Amerika begann. Persönlichkeiten von überparteilicher Einsicht im englischen und amerikanischen Judentum und Führer der Publizistik' dieser Länder wurden von dem Eentralverein direkt unterrichtet. Irr erster Linie richtete der Eentralverein seine Bemühungen darauf, die für den 27. März vorgesehenen Massenrueetings in New Jork zur Aushebung zu bringen. Ta dies der Kürze der Zeit wegen nicht mehr gelang, wurde versucht, die Tendenz der Reden und Redner von jeder Gehässigkeit gegen Teutschland frei zu machen. So wurden die meisten von ihnen nur zu Bekundungen eines Eerneinschastsgefilhts, wie ne Menschen der verschiedensten Religionen, Parteien und Weltanschauungen zu a llen Zeiten und in allen Ländern in Augenblicken abgelegt haben, in denen sie irgendwo Gesirmuugs- und Claubensbrüder in der freien Entfaltung ihrer Anschauungen gehemmt glaubten. Es muß als ein glücklicher Umstand bezeichnet werden, daß sich Ernst Wal-! lach, einer der Stellvertreter des Vorsitzenden des Eentralvereins, in diesen ' Tagen in Nerv-Jork befand. Er, den deut- - schon offiziellen Kreisen Amerikas aufs | beste bekannt, fetzte sich mit höchster Energie gegen die Greuelpropaganda ein. Im engsten Einvernehmen mit den deutschen; offiziellen Persönlichkeiten unternahm er zunächst aus eigenem Antrieb, dann! noch durch Kabeltelegramme und Telephongespräche über den- Ozean genau' unterrichtet, eine Reihe von Schritten, j deren Ergebnis eine starke Entlastung! der öffentlichen Meinung vom Truck entstehender Gefahren für das deutsche Judentum brachte. Interviews, die er in $lm Dort den großen . amerikanischen Zeitungen gab, wurden in zahlreichen deutschen Blättern nachgedruckt und bildeten am Montag <27.) sozusagen die ersten Lichtblicke in einer sonst sehr düsteren Atmosphäre. Und mit aufatmender Genugtuung entnahm die deutsche Oessentlichkeit der Dienstag-Presse und dem Dienstag-Rundsunk, daß der vom Eentralverein und seinen. Freunden bei seiner Aktion erstrebte Erfolg in diesem einen und zunächst dringendsten Falle erzielt worden war. Auch jetzt setzt Ernst Wallach seine Bemühungen, die amerikanische Oessentlichkeit in dem Denken über Teutschland zu entgiften, fort. Um die gleiche Zeit arbeitete ein anderer Stellvertreter des Vorsitzenden des Eentralvereins, Tr. Ludwig Tietz, mit Billigung maßgebender deutscher Stellen in England. Es ist erregend, zu beobachten, wie sich die englische Presto infolge wahrheitsgetreuer Informationen von Tag zu Tag Deutschland gegenüber günstiger verhält. Aber dis Grenzen der L ei st u n g s m ö g l i ch keit für das deutsche Judentum und aller Kämpfer für die Wahrheit Deutschlandim Auslande liegen dort, wo durch die aus angeblicher Judenfreundlichkeit geboren^