Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 12 (23.3.1933)
- Date
- 1933-03-23
- Page
- Seite 100 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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•iöO Menschen, die Immer mit aller Kraft für die Volksgesamtheit eingetreten sind, nunwehr'der schlimmsten Verbrechen zeihem Wir wollen hier nicht weiter darauf eingehen, daß die vom „Völkischen Beobachter" angedeutete Stellungnahme des Talmuds völlig falsch ist. Ebenso schlimm ist der an anderer Stelle vom „Völkischen Beobachter" erhobene Vorwurf, wir seien von jüdischen Lumpen abgerückt, um „hintenrum rn i t i h n e n n i e d i e e n g st e E e m e i n - schuft zu verlieren, da sie doch eben d-i e Interessen des I ude n - tums verträten". Auch diese Behauptung enthält wieder die gleiche Beschuldigung der Unwahrhasligkeit, die wir ebenso scharf zurückgewiesen haben. Ihr gegenüber beteuern wir nicht und katzbuckeln wir nicht, aber wir treten unbedingt für unsere menschliche Ehre ein. - Man komme uns hier rridjt mit dem Einwand, daß es sich hier nicht nur um Angehörige der Religionsgemeinschaft, sondern um Rassegeuossen handelt. Sst genug ist hier aus den Unsinn hingewiesen worden, der die Juden der ganzen Welt zu einer Rasie stempeln will. Es ist schlimm, sehr schlinnn für unsere Zeit, daß wirtlich unerhörte Angriffe im Auslaude gegen Deutschland erfolgen, ebenso schlimm aber ist die Suche nach einem Sündeubock, der als einzige Kampfmittel seine anständige Gesinnung, sein Gottvertrauen besitzt, das ihn auf den Sieg der Wahrheit gegen alle diese Angriffe hoffen läßt. Möge sich der „Völkische Beobachter" an einem Mann wie Mussolini ein Muster nehmen, der in den Jahren seiner Regierungszeit häufig Gelegenheit genommen hat, sein vorurteilsloses Urteil über die Juden zum Ausdruck zu bringen. Uuansweichbar ist jedem \ py **■ \ > h i.;y Von uns -AA- -:Ar W V* V'' V' V v; V deutschen Juden die Begegnung mit einer Umwelt, die uns gegenüber bestenfalls zuschauend teilnahmsvoll, in stärkerem Maste ablehnend, ja sogar feindselig gestimmt ist. Es ist uns keine Flucht mehr in Gruppen möglich, für die unsere Sache — die des Rechtes und der Ehre und der Lebensmöglichkeit der deutschen Inden —■ auch die eigene wäre. Die- Frage nach unserem Schicksal ist ungcmildert immer und überall da. besonders verschärft bei dem Vergleich mit anderem, nicht jüdischem Schicksal. Denn jeder Nichtjude kann durch Verbrennung seiner alten politischen Anschauung die Anerkennung, zu windest die Duldung der herrschenden Kreise erreichen. Unser Judesein dagegen ist eine unzerstörbare Eigenschaft, die uns bequeme Kompromisse verbietet. Für uns kautet die Frage, ob im Nannte eines Fünfundsechzig-Millionen-Volkes. das sich mit jugendlicher Energie anschickt, sein bolkliches und Politisches Schicksal neu zu formen, kein Platz sein kann für etwas wehr als eine halbe Million Menschen, die in ihrer überwältigenden Mehrzahl unpolitisch, loyal, arbcitssam sind; ob die Kraft einer Bewegung, die jahrhunderte alte mächtige staatsrechtliche Bindung Mühelos sprengte, sich ganz besonders an dieser kleinen, in die fünsundsechzig Millionen versprengten Zahl deutscher Juden erweisen will, um sich zu legitimieren!? Unsere Auseinandersetzung mit der Gegenwartsgeschichte ist 'nicht nur ein geistig-sittliches Problem: wie bewahre ich menschliche Würde, Selbst' achtung, innere Ehre? Sie ist zugleich auch eine Primi tiv-praktische Aufgabe: Wie bleibe ich stark und jüdisch sür den Augenblick, in dem die Entwicklung der deutschen Umwelt zu dem Punkte gekommen ist, an dem sie sich selbst entschließen wird, unsere jüdischen Notwendigkeiten ihrer wahren Größe entsprechend und nicht in propagandistischer Vergrößerung in den Nahmen der großen Ausbauplane einznfügen. Wir meiden, indem wir uns beim Stellen dieser Frage aufmerksam betrachtend umsehcn, in wie instinktsicherer Weise die wertvollen Teile des deutschen Judentums ihre Antwort gewählt haben. Sie folgten der Macchiv e l l s ch e n Forderung, in Zeiten der Gefahr m üssejedeGe m einschast s i ch a u f ihre 11 r s p r ü n g e b e s i n - n c n. Wir müssen aus dem widerstandsschwachen Gemenge unserer Eemeinschastsformen zum unzerstörbaren Kern unserer jüdischen Existenz zurnckgelangen: der sittlich-religiös gestimmten jüdischen Familie. In ihr können wir gelockerte Wurzeln wieder festigen. In ihr nach dem häßlichen Erleben, das uns täglich, stündlich zustoßen kann, reine Lust finden. In ihr an Stelle des oberflächlich-flachen Eenießens in Kaffeehäusern und Vergnügungsstätten geistigere Geselligkeit pflegen. Man hat uns Juden als Individuen alles erdenklich Schlechte nachgesagt. Unsere jüdische Familie war aber immer vorbildlich, und nur selten wagte sich die Herabsetzung an sie heran, um ihre positiven Merkmale: Opfersähigkeit, Treue, Zusammenhalt ins Negative umzubiegen. Gewiß, was kennzeichnendes Merkmal der jüdischen Familie war, ist vielfach nicht mehr anzutrefsen gewesen, weil die Gestaltung unseres Lebens sie ihrer zentralen Bedeutung entkleidet hatte. Die Not zwingt uns zur Rückkehr — wir sollten darum gern zurücklehren. Jeder Staat, autoritär oder total oder demokratisch, muß Volkszellen — Familien — haben. An der Eltern-'Kind-Beziehung, an der Mann-Frau- Beziehung endet die Allmacht jedes Regimes — und kein Regime drängt sich in sie hinein. In der jüdischen Familie haben wir den geschützten Bereich einer menschlichen Autonomie, in dem wir alte Werte neu erwecken, Schlacken der Zeit beseitigen 7-nd vor-allem unseren WermnUchkeiisstol; wiedersind en und erhalten können. Ties alles brauchen iviv, um als Menschen Krisen zu überdauern und zugleich als Bürger lebendig der Zeiteutwicktuug verbunden zu bleiben. Kg. . / Ela vsrbmllsL' <r //C, * c v v' Cinc erii'iiticinbc Tragödie?-! sich in R o \ c n- 1} c i :n cl\:c’ruit. Ter lauchönr'gc Vertrauenswenn des" Ecntralvacins, de: auge'edene ktawwnnu Lcenel> :U1 ß i c i:;i Awr, veu 73 Fahren auf cin-.m ^paznrgang van t’incin S-ciyäilaa ßciridicn. Als er mehrere stunden nietn nach Haust gckommen war. machte seine Ganin, van böser Ahnung ge Ui eben, ibrcni Leben ein End.'. Tie Trruev um die beiden Cumn. die 45 Fi ah re in treu, frei (a,c aelUn bauen, sü aUgeuuin. An d.r Tiaun'eier in Vd.ineben nlluncn Vertretungen wirtschan.icher Verbände der T:adt Rostnheim. der istaelllochrn KnAusgcweiudc, des vAmdesrerbandes Bayern des Centralvereins und zabUuiä'er anderer Trparustsierun teil. Tie b.ryeri'men Leitungen widmen den ..verdienten Vliirürger'' lange 'lluchrust. Ta stbreibl der „Av'evchelirier Anzeiger" vorn 14. Btärz: ... Leopold Maier hat sich w-ästrend eines ganzen Menschenalters um das Wirüchastsleben unserer Stadt und die Belange des bayerischen Einzelhandels außerordentliche Verdienste, erworben. Mit einer für seine Glaubensgenossen und sür die christlichen Bekenntnisse beiipieihasten Selbftlosigtcit setzte er nck für die Bc'ange der All gerne in heit ein. llnrergesfen sind die großen Verdienste, die er sich in der Vorkriegszeit und im Kriege selbst um den Gewerbe verein erworben hat. Das Rcchnnugsioestm dieser Organisation wurde viele Jaa.re von ilnn in selbstloser Weist besorgt. In der Zeit schlimmster wirtschaftlicher Bedrängnis gründete er die . siel rb e i rs g e in c i n; ch a ft s e l bs: ä r.d i g e r E r \ v e v bs» gruppen von Rosenheim und Umgebung" Äsern), deren tatkräftiger Führer er bis zu seinem Lebensende war. Tie Organisation des bayerischen Einzelhandels machte sich die organisatorischen Fähigkeiten Leopold Maiers ebenfalls zunutze und stellte ihn an ihre Spitze, um* bei er weit über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt und geachtet wurde. Aber auch andere Schöpfungen des Gemeinsinns, Feuerwehr, Wasierwehr, Rabattsparverein. C-lasver sicherung und Dirtschafllicher Verband, zählten Leopold Maier zu ihren ireresten und eifrigsten Mitgliedern. In den letzten Jahren hat er sich als Kassenverwalter des Wirtschaftlichen Verbandes noch um die Organisierung der alljährlichen H.erbstfeste große Verdienste erworben. Vlanchem kleinen Geschäftsmann stand Leopold Maier als Berater zur Seite. Im Kriege wurde ihm ein Sohn durch den Heldentod entrigen. ... lieber allen Partei- und Religionshader hinweg wird inan Leerold Maier, der für jeden Mitbürger ein Muster des Gemein sin ns nrar. in eine hoffentlich bald bessere Zukunft ein freundliches Andenken fjimiber* kragen." * Der Eentralverein wird den. treuen Mitkämpfer nicht vergessen. Tr. Ludwig Fracnkcl (Hamburg) gestorben, Zm blühenden Dstmnesaltcr verschied plätzäch an Herzschlag unser treuer Freund Rechtsanwalt - Tr. L u d w : g F r a e n i e I in H a in r* n r p. icin vornehmes, gütiges Wcsi'N. feine ausgstichende, iters verständigungsbcreite Ar!, seine :rvy großer Nenntrsisie und b-.währtcr FöhigkGlcn. Säü.chllnit und EinstchheU gewannen n-,rn viele Herz-'N und zahlreiche Freunde, xyxacv.id bcüclleie in bei* Hamburger TelNsch-Fsracliü'chcn G-.rrnnde verschiedene Ehr.'nänUcr — zuletzt u. a. das Amt des Vorsitzenden des Repräsentantenkolstgin:::- — und war auch in den Ltreisin der Anwaltschasi. in indischen und chrisisichen, beliebt und bochgeach'.Lt. Für den (5 e in trclöercin imb feine große Austabe halte er jte:§ Zeit zur Verfügung Er rat sinn in schwierige IßcrtjcnMunöcn wertvolle Ticusie gestiftet. Cr hat in Wort und Zuschrift Eine Arbeit pesörderi. wo cr nur vermochte, llnür herziichstcr Tank für Treue und Eifer 'ei ihm bler cusgcsprochen. Er wird in unseren Reiben all der Besten einer weiter'ebcn. — Ter Eattin und dem Sohne des so früh Entschlafenen gilt unser wärmstes Veisttd.