Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 12 (23.3.1933)
- Date
- 1933-03-23
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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handelt nfcbrtg. Wir niftffen cZ un§ aber grundsätzlich verbitten, für Aeufterimgen irgendeines Juden oder gar eines zum Juden ernannten Nichtjuden irgendwie haftbar gemacht zu werden. Wer die Gesinnung der deutschen Juden und ihre Stellungnahme zu den brennenden Fragen des Tages kennenlernen will, der lese diese Blätter. Allen deutschen Juden sei schließlich gesagt: Seid mutig und aufrecht! Niemand kann uns die deutsche Heimaterde streitig machen, ans der Ee schlechter aus Geschlechter unseres Stammes seit Jahrhunderten Frendentage und Trauertage. Glück und Unglück, 'Abstieg und Ausstieg erlebt haben. Unser Judentum laßt uns §Lr gegenstiLlgr Achtung! Km 17. März fand iit Bros!,-'.: Anlaß das Tages, an fcem im Jahre 1813 König Wilhelm III. von Svcilan ans seinen „Ausruf an Mein Polt" erlaßen harte, eine große vaterländische Kund-geonng statt. Vizekanzler v. Paper» hielt dabei eine Rede, die in der Tagespreise ausführlich wiedergegeben wurde. In ihr führte er rr.cr. aus: .. Ter tiesste Grund zu der inneren Revolution, in der wir stehen, ist doch die Auflehnung des Volkes gegen Sinn und Geist des Versailler Diktats. In diesem Augenblick innerer Einkehr wollen wir uns die Frage vorlegen: wohin geht der Weg? Es wäre falsch, den Vorgang der Selbstreinigung, der sich heute vollzieht, als einen VergelLungsakt gegen den inner-politischen Gegner aufzufasien. Wir wollen die Volksgenossen von der Reinheit unseres Wollens EU überzeugen suchen. Rache ist ein Gefühl, das weder eines vornehmen Menschen, noch eines wahren Staatsmannes würdig ist. Art ganz besonderem Ernst möchte ich an alle Mitkämpfer der nationalen Bewegung die Bitte richten, bei jedem notwendigen KampfakL zu prüfen, ob nicht persönliche Gefühle, die jenseits der Polirik liegen, die Klarheit des Blickes oder die Reinheit des Wollens etwa trüben könnten. Tie Revolution ist uns Herzenssache, auf die kein Schatten irgendeiner Würdelosigkeit fallen darf. Ter Kanzler selbst hat es euch zur Pflicht gemacht, und er, der die höchste Autorität des Staates heute verkörpert, wird drese Autorität unter allen und jeden Umständen aufrechterhalten. Es gilt deshalb, nicht nur Disziplin, sondern auch Selbstzucht zu wahren. Nichts ehrt den Sieger mehr, als Großmut gegenüber dem Besiegten. Niemand soll glauben, daß wir die echten Volksrcchte antasten werden, die Achtung vor dem Nächsten darf in revolutionären Zeiten nicht leiden. Ter Gedanke, daß wir ein rechtsschöpserisches Volk sind, soll nicht nur nicht verlorengehen, sondern unsere Kräfte anspornen, möghochhalten! Beide Güter halten wir mit eiserner Faust und werden sie in zähem Kampfe verteidigen. Wird unsere Gleichberechtigung als Deutsche im eigenen Vaterlaude angegriffen, so wollen wir dieses edle Gut mit heißen: Herzen und festem Mut und mit all den Kräften, die wir in uns tragen, schützen. Indem wir diesen Kampf durchfechten, führen wir einen deutschen, keinen egoistisch - jüdischen Kamps. Ist die Gleichberechtigung ausgehoben, so kann sich diese Tatsache heute gegen diesen, morgen gegen jenen nichtjüdischen Volksgenossen auswirken, ohne Rücksicht auf die Partei. Ter Große Friedrich, an desien Gruft der Reichspräsident den Ehrenkranz niederlegte, dieser in langen' Kriegsjahren leidgestählte preußische König, schrieb dem von Sorgen gebeugten Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau: ,Lch rathe Euer Liebden aufrichtig an, daß dieselben sich bestens fassen, in Erucgung, daß wir nicht Meisters von denen Evenements (Ereignissen) seynd und einmahl geschehen» Zachen nicht ändern können, noch Wir deshalb succnmdiren (unterliegen) müssen, vielmehr, daß uns eigenrlich die Vernunft dazu dienen müsse, uns in Widerwärtigen Fällen finden und ausrichten können." Wir wollen den Mut und die Vernunft mehr denn je wachhalten. Wir lassen uns nicht abdrängen von der Arbeit, die die höchste ist: der Arbeit für den Aufstieg des Vaterlandes. lrchst bald der lebendigen Schn nicht nach einer neuen, gerechten Votksordnung die große Rechtsreform Nachfolgen zu lasten. Tie wahre geistige Freiheit ist eine notwendige Voraussetzung jeden wahren Lebens . . / §res!au Seit fast zwei Wochen stellen die Vorgänge an den Breslauer Gerichten einen erheblichen Teil des Inhalts der Tageszeitungen dar. Tas Hin und Her hat schließlich eine Zwischenregelung erfahren, die entsprechend einem Rundschreiben des Sberlandesgerichtsprasidenten vom 16. März folgendermaßen lautet: „Unter allen jüdischen Breslauer Anwälten werden 17 ausgewählt, welche an den Breslauer Gerichten austreten. Diese Herren erhalten zu ihrer Legitimation besondere polizeiliche Ausweise. Alle anderen jüdischen Rechtsanwälte halten sich vom Auftreten vor Gericht fern. Im übrigen sind sie in ihrer Berufstätigkeit unbeschränkt. Wegen der Ausweise wird an die Herren, auf welche die Wahl gefallen. ist, besondere Mitteilung ergehen. Die in der Anlage ausgesprochene dringende Bitte an die jüdischen Rechtsanwälte, sich im Rahmen dieser Richtlinien zu halten, wiederhole ich hiermit. Ich verspreche mir davon eine Beruhigung der Bevölkerung und eine Entspannung der allgemeinen Lage. Insofern aber dürste diese Regelung auch im eigenen Interesse der davon Betrogenen liegen." Es ist ausdrücklich festzustellen, daß es sich hierbei lediglich um eine ordnungspolizeiliche Augeublicksregelung handeln kann, die mit dem Wiedereintritt der allgemeinen Beruhigung der Bevölkerung ihre Grundlage verlieren müßte. ifttt die Fast im gesamten Reichsgebiet besieht zurzeit keine Möglichkeit mehr, frisches Koschersleisch zu beziehen. Eine allgemeine Rechtsgrundlage für regionale Schacht- Verbote und -behinderrmgen ist nicht vorhanden. Sie ist im Verlaus der gesetzgeberischen Maßnahmen der nächsten Zeit wohl zu erwarten. Es darf die Hoffnung ausgesprochen werden, daß die Regierurig sich vor der Entscheidung hierüber wissenschaftliche Gutachten vorlegen lastenwird, da es sich hier um ein religiöses Gebot handelt. Wir hoffen, daß bei der Abwägung des vermeintlichen Tierschutzes und des sicheren Gewissenszwanges eine Lösung gefunden wird, die aus beides gleichmäßig Rücksicht nimmt. Christian Nußöaum ist nicht Jude. Ter „Angrüsi und andere naüoncüscziaUstische Zeitungen meldeten, daß der badische sozialdemokratische Amdiagsabgeordnete Nußbaum in Freiburg (Breisgau), der einen Hauptwachtmeister und einen KriirnnalsekreLär erscho?wn hot, als sie bei ihm eine Haussuchung vornehmen wollten, Jude sei. Wie wir sofort feststellcn und der Presse mitteilen konnten, ist Nutzbaum, der den Vornamen Christian trägt, weder Jude, noch stammt er von Juden ab. Er iji ein geborener Eljäper, wohnt seit 1927 in Freiburg und ist von Berus Holzbildhauer. fln öie ösutschsn Iuösn Eine Erklärung dssRadbmerverbanöss „Es widerstrebt uns, gegenüber Angriffen, die Versicherung desien abzugebew was unser Judentum ist. Ter wahre Geist unserer Religion spricht zu jedem, der hören will. Unsere Geschichte zeugt von dem, was wahrhaft in uns lebt. Wir wisien um das, was unser deutsches Vaterland uns ist. Seit altem lehrt uns unsere Religion in Treue dem Staate zu dienen. Unseren Gtaubensbrüdern rufen wir znk Haltet die Treue und die Zuversicht fest! Bewahrt den Stolz und die aufrechte Kraftl Bleibt der Väter wert! Ter Allgemeine Rabbiner-Verband, in Deutschland/-