Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 11 (16.3.1933)
- Date
- 1933-03-16
- Page
- Seite 91 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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«1 MM WM! In diesen ernsten Tagen bewährt sich die Treue. Wir legen Dankesbrisfe beiseite, weil sie nur eine Pslichterfüllimg bestätigen. Wahrhaft freuen UNS Dutzende von NeuanmelduNgen solcher, die bisher abseits standen. Wer will jetzt fehlen? Keiner, der das Herz auf dem rechten Fleck hat. Nach Maßgabe unserer Möglichkeiten haben wir ollen Lenen, die sich deswegen an uns wandten, weil sie infolge ihrer Zugehörigkeit zum Judentuin einer Hilfe benötigten, zu helfen gesucht, und damit den Dienst am deutschen Judentum geleistet, den es zu erwarten berechtigt ist. Gerade in dieser Zeit bringe jeder alte Mitstreiter uns ein neues Mitglied. Das ist Dienst am deutschen Judentum! <%• bm ' .'/• cv fc-^sasr rtrty Die Umwälzung der letzten vierzehn Tage hat auch jüdische Deutsche aus ihren Berufen geworfen und wird voraussichtlich noch manche andere zu ernster Erörterung der mit ihrer Berussausübung verbundenen Fragen zwingen. Sie alle werden die juristischen und wirtschaftlichen Folgen und Voraussetzungen dieser Vorgänge gründlich durchprüfcn müssen. Der Centralverein wird sich bemüben, für alle die, die lediglich aus Gründen ihres Judentums, nicht etwa aus parteipolitischen Gründen, zu solchen Uebcrlegungen gezwungen sind, zweckmäßige Maßnahmen zu unternehmen und sie, soweit es in seinen Kräften sieht, zu beraten. Hierfür errichtet der Ceniralverein eine jurisiLsch-VirLschüsilichs Beraiungsstekls fn dsr HcwyL- QScrHfi SB *15/ Emser Straße 42, Sie allen Mitgliedern zur Verfügung steht. (SprechflunSs täglich, außer Sonnabends, von 40 % bis 2 Uhr oder nach Lslefonifchsr Vereinbarung.) L.J Die Beschwerden von Mitgliedern wegen unregelmässiger Zustellung der ^C.-V.-Zeitung“ haben sieb in letzter Zeit auffallend vermehrt. Reklamationen über etwaiges Ausbleiben der Zeitung sind zunächst bei dem zuständigen Postamt geltend zu machen. Erst wenn dieser Weg ohne Erfolg bleibt, erbitten wir Mitteilung an den Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Berlin W15, Emser Strasse 42. 2Tm Gnbe der letzten Woche haben auch innerhalb der jüdischen Gemeinden ktt allen Teilen Deutschlands Heldengedc-nkseiern stattgefunden, bei denen Rabbiner und Prediger nicht nur der 12 000 jüdischen Gefallenen, sondern der zwei Millionen denkscher Helden, die für das Vaterland im Weltkriege ihr Leben gelaffen haben, g> dachten. Es ist uns nicht möglich, die zahlreichen Reden hier im einzelnen wieder» zugeben. Gesinnung und Grundgedanke waren bei allen, im Norden und Süden, im Osten und Westen des Reiches, die gleichen. Lediglich aus drei besonders eindrucksvollen Reden geben wir nachstehend kurze Auszüge wieder. Bei dem Gottesdienst, der am Freitag, den 3. Marz, in der Synagoge Berlin- Wilmersdorf, Prinzregenlenstraße, stattfand. führte Rabbiner Dr. Manfred Swarscnstrz am Schluß seiner Gefallenengedenkrede aus: „Es gibt gewiß in der Welt Tinge, die selbstverständlich find, über die man nicht im besonderen reden sollte. Tie Liebe von Kindern zu ihren Ettern und die Liebe oon Ettern zu ihren Kindern ist so etwas 8cfbftuerfrändttches. Ebenso selbstverständlich. ebenso naturgegeben ist die Liebe eines Menschen zu seiner Heimat, in der feine Wiege stand, in dessen Erde seine Vorjahren im ewigen Frieden ruhen, dessen Landschuft er liebt, besten geistige Lust er atmet, besten Rot seine Rot. dessen Freude seine Freude, besten Schicksal das seine ist. Hier in dieser Sphäre des Selogeerständliehen gibt es den Begriff Dankbarkeit nicht. Eltern verlangen nie von ihren Kindern Tankbarfeit, und Kinder können und dürfen nie Dankbarkeit seitens der Eltern erwarten für das. was sie an ihnen tun. So hat niemand ein Recht. Dankbarkeit zu beanspruchen. wenn er seinem Vaterlande dient, denn auch das ist nur etwas Selbstverständliches. Niemals würde es rms daher in den Sinn kommen, ivenn aus unserer kleinen Gemeinschaft, die noch nicht ein Hundertstel der C-esamtberölkeruug betragt. 12 0:0 Männer ihr Leben im Kriege hingegeben haben, dies als etwas Besonderes hinzustellen, was Anerkennung oder gar T-ank beanspruchte. Tenn nur von etwas Selbstverständlichem kündet diese Zahl. Ja, es ist unser sehnlichster Wunsch, daß diese Tage des Gedenkens wirklich zu Tagen des Nachdenkens und der Besinnung werden, daß wir doch dessen einmal alle inne würden, daß es in dieser Welt immer n'.rr ein Leid gibt, das alle Menschen trifft, nur eine Liebe, die alle Menschen tröstet, damit auch wir die Gewißheit einmal traben könnten, daß die Toten dieses Krieges doch nicht umsonst gestorben sind, daß ste Wegbereiter geworden sind zu einem neuen Morgenrot. Bauleute an dem großen Heiligtum der Zukunft, nach dessen Frieden wir uns alle mit so heißem Herzen sehnen, da das Wort vom Frieden, der doch kein Frieden ist. sich wandelt in das prophetische Wort vom Kommen der Zeit, da die Erde einmal voll sein wird der Erkenntnis Gottes, wie des Wassers Fälle die Tiefen des Moores bedeckt!" Dr. Martin Salomonski, früher Feldrabbiner bei dem Armee-L.berkonimando 2. sagte in seiner Ansprache in der Neuen Synagoge zu Berlin am 11. März u. a.: ,^..Wir sind nicht nur versammelt, um als Kämpfer des t-eukschen Heeres das Andenken unserer Gefallenen pietätvoll zu feiern, wir grüßen neben den glorre:cl)en Fahnen unserer Kriegskameraden auch die ruhmvollen Standarten unserer Alten ehrfurchtsvoll, unter denen sich noch Greise finden, die im Kriege von 1570 und 71 die Einheit des Reiches schmieden hatten. Unsere Gedanken gehen noch weiter hinaus zu allen Freuen und Kindern und Müttern, die dm Verlust der Gauen. Väter und Söhne nie werden verschmerzen können. Die Lebenden zu trösten, da dre gefallenen Helden ihre Ruhe und ihren Lohn in der Seligkeit empfangen haben, das ist die eigentliche und erhebende Aufg-abe dieser Andacht . . . Ter heutige Tag ist ein Sabbat tag, und darum behalte er in unserer Betrachtung auch den Vorrang. Seine große Lehre ist nichts anderes als das Wort aus den Zehn Geboten: Erinnere dich! Tie große Errungenschaft des Judentums, den wöchentlichen Ruhetag zu begehen, von aller Welt freudig und zu unserer Genugtuung übernommen, sie wirke auch an erster Stelle hier auf unsere Seelen ein... Ter Gedanke: Erinnere dich'., hat unseren Ahnen und uns durch d:e Jahrtausende die Auszeichnung, die Würde verliehen, er bewährt sich in detr schweren Zeiten der Wirtschaftsnot und drückenden Arbeitslosigkeit, er läßt uns der großen und ruhmvollen Zeit dos Weltkrieges inne werden und lehrt uns und alle, wie einig, wie unzertrennlich wir mit dem Vaterland und seinem Geschick verbunden sind. In einein letzten und höchsten Sinne ruft rms der heutige Tag, als ein Auftakt des Volkstrauertages. zu: Erinnere dich! Und das soll heißen: Vergiß nicht, sei dankbar! Vergiß wohl das Böse und reiß es aus deinem Sinn» aber erinnere dich des Guten und der schonen Zetten. d:e bestimmt wiederkehren werden und unserem Volle unb der gesamten Menschheit Frieden und Versöhnung bringen. Arbeiter und Kämpfer für dieses Jd^eal zu sein, das von allen Schichten und Kreisen ersehnt wird, das ist auch unsere Aufgabe . . Bei einer Heldengedenkseier, dir der Krieger- und Landwehrverein Berlin-Wilmersdorf und der Kriegerverein „Kameradschaft". Berlin-Wilmersdorf, am 12. Marz, im Viktoria-Garten in Berlin-Wilmersdorf veranstalteten, sprachen Pfarrer Lunde für die Evangelische Kirchengemeinde. Kaplan Klar für die Katholische Kirchengemeinde und Rabbiner Dr. Max Wiener für die Jüdische Gemeinde" Berlin. Dr. Max Wiener führte aus: .Ln dieser Stunde, da wir des gewaltigsten Maffentodcs gedenken, ben die Weltgeschichte kennt, steht uns ein Wort vor der Seele, in dem z.ttiesst Menschliches mit Göttlichem sich eint, das Wort: Stark wie der Tod ist die Liebe. Zweierlei ist in ihm geprägt: eine Tatsache und eine Forderung. Die Tatsache, die gewisseste von allen, die wir Menschen erleben, daß der Tod die gewaltigste aller Mächte ist. der Sieger in der letzten Schlacht, die den Krieg entscheidet. Die Forderung: Menschen, denkt daran, erzeiget einander Liebe, solange ihr lebet! Das dauert nicht gar langedenn ihr werdet alle