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Central-Verein-Zeitung · 1933-03-16 · 11 (16.3.1933) · p. Seite 90

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
11 (16.3.1933)
Date
1933-03-16
Page
Seite 90 (sequence 2)
Language
German
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Parteiorganisation werden: denn er wolle Len Staat und nicht die Partei. Ter Friedens-Vertrag von Versailles wurde geschlossen. Wir schrieben dazu: Jim 29. Juni ist im Spicgelsaal Zu Dersrrilles der Vortrag des sogenannte n Friedens von den beiden deutschen Delegierten unterzeichnet worden"' und führten aus, welch haltlose und Zürn Teil niederdrückende Verhandlungen der Unterzeichnung des Friedensvertrages vorausgegangen waren. Wir erwähnten, daß damals das jüdische sozialdemokratische Mitglied des Ministeriums, Tr. Landsberg, das Amt niederlegte, w e i! e r v e r - gebens für die Ablehnung des »unerträglichen und entehrende n V e r t r a g e s" e i n g e t r e t e n w a r. II. Am Volkstrauertag mußten wir aller dieser Tinge gedenken in Erinnerung an alle diejenigen, die für Demschlands Größe gefallen waren. Wenn die „DAZ/ in ihrer Sonntagsausgabe schrieb, daß, wie die Gefallenen allen Stämmen und Ständen der Nation entstaminten, auch ihr Andenken heute der ganzen Nation und nicht einer einzelnen Gruppe gehören dürfe, stieg in uns der Wunsch aus: Möchte es so sein. Und wir stinnnen d-em Dichter zu, der in derselben Ausgabe der „DAZA den Volkstrauertag besinnlich betrachtet: Wo der große Mäher Seine Sense schlug. Prüfte er nicht näher. Was die Garbe trug. Forscht' nicht nach dem Sarnen,. Welcher Art er sei. Nicht nach Rang und Namen, Meinung und Partei. III. Wir stehen neuen Verhältnissen gegenüber. Wir wißen, daß Deutschland sich heute in großer Bedrängnis befindet. Tie außenpolitische Lage ist besonders schwer. Darüber berichtet die Tagespresie. Die neue Regierung wird alles tun, um Deutschlands Stellung zum Auslande in würdiger Weise zu vertreten. Tawissen wir. Um so.mehr bedrückt uns der gegen uns erhobene Vorwurf, daß wir unwahre Nachrichten über Deutschland im Auslande verbreitet hätten. Wir haben bereits in der Nummer der lohten Woche dazu Stellung genonnnen. Wir wissen, daß die maßgebenden Kreise der Regierung dieses Unrecht mißbilligen. Wir wißen auch, daß in einer revolutionären Zeit vieles vorkommt, was — so traurig es sein mag — in normalen Verhältnissen unmöglich wäre. Vergröberungen. Ueberlreibungen und sogar freie Erfindungen find in solchen Augenblicken möglich. Hier setzt unsere Pflicht ein. Gerade, wenn wir unsere Haltung im Kriege rückschauend betrachten, so ergibt sich für uns die Ueberzeugung, daß unsere Vereinigung alles tun muß, um die Stimmung zu beruhigen, Uebertreibungen abzuwehren Nro in dem Fall wirklicher Ausschrei- Ltngen mit den Behörden in .Verbindung zu bleiben. Diese Ausgaben haben wir erkannt und danach gehandelt. Die neue Regierung übernimmt ihr Amt in einer außerordentlich schweren Zeit. Ihre Aufgaben find ungeheuer. Das Volk hat gesprochen. Eine neue Entwicklung der Verhältnisse beginne Schärfen werden sich abschleifen. Verantwortung führt notwendigerweise zur Besinnlichkeit. Tis Vegierung;n werden den wertvollen Kern kennenlernen. den die dru-fch? Jndenheit in ihren'. Lestreben. dem Vaterlande zu dienen, in sich birgt. Je mehr die innere Würde und der wahrhaft fistliche Kern des Judentums anerkamü werden, desto mehr werden die Juden zum nationalen Ausbau unseres Reiches beitragen können. \ pp v' v v n*/-" \J V V -J v ’ v;' Das thüringische Ministerium des Innern hat in seiner in der „C. V.-Zeitung* Nr. 10 vom 9. März wiedergegebenen Verlautbarung von Fremdrassigen und Fremdstämmigen gesprochen. Wir deutschen Juden hätten uns durch diese Aeußerungen nicht getroffen zu suhlen brauchen, wenn sie nicht im engsten Zusammenhang mit gewissen, im Auslande verbreiteten Pogromgerüchten und der vermeintlichen Schuld des E. V. an ihnen gefallen wären. Deshalb halten wir uns für berechtigt und verpflichtet, unsere Sn arme zu erheben und uns dagegen zu wehren, daß man uns zum erstenmal von amtlicher Stelle aus als „fremdrassig und sremdstmnnug" bezeichnet. Nicht, daß wir nicht alter jüdischer Geschichte eingedenk um unsere Stammesart wüßten oder sie in diesen Stunden der Gefahr abzuleugnen gedächten, sondern weil wir uns als unseres jüdischen Stammes bewußte Deutsche mit aller Kraft dagegen sträuben müssen, in Deutschland als chfrernd" betrachtet zu werden. Das deutsche Volk ist aus unzähligen Rassen und Stämmen zulammengewachsen, die heute kaum mehr nach Namen und Ursprung festzustellen sind. Niemand wird daraus den Schluß ziehen, einen einheitlichen Dolkscharaktev zu bestreiten. Alle ernsthaften Kulrurkritiker, die in liebendem Erfassen die Vielgestalt deutscher Art aus sich wirken ließen, sind sich vielmehr darüber einig, daß die Größe deutscher Leistung gerade durch die Vielfältigkeit der tragenden Blutströme entscheidend mit bestimmt ist. Wer hätte da den Mut, zwischen heimisch und fremd zu unterscheiden, wer will gewaltsame Trennungslinien zwischen zugehörig und unzugehörig ziehen, wo Elemente von verschiedenster Herkunft und Beschaffenheit Jahrhunderte voll Kampf und Zerripenheit hindurch letzlich doch zu einer nationalen Gemeinschaft geworden sind? Juden sitzen seit mehr als tausend Jahren auf deutschem Boden. Seit dem frühen Mittelalter sind sie auch in Thüringen beurkundet. Zu einer Zeit, als die Wenden noch bis zur Saale den Grundstock der Bevölkerung ausmachten und der Thüringer Wald noch Slawenwald hieß, waren Juden dort schon beheimatet. Ter „Erfurter Judeneid",eine aus dem 12. Jahrhundert stammende Eidesformel, die im Provinzialarchiv in Magdeburg als eines der ältesten abgefaßten Dokumente deutscher Prosa aufbewahrt wird, ist das älteste deutsche Denkmal der Stadt Erfurt überhaupt. Zahlreiche andere lolalgeschichtliche und literarhistorische Urkunden, die für die uralte Eingesessenheit und Kultur- Verbundenheit der Juden in Thüringen Zeugnis ablegen, Ließen sich ansühren. Mt welchem Recht also zieht mau einen Trennungsstrich zwischen Deutschen und „FremdstammigerA im Sinne von Juden? Längst ist bewiesen, daß die verschiedenadligsten Smmme und Nassen, die sich aus deutschem Loden trafen und zum Teil miteinander rangen, zur deutschen Einheit gewachsen sind. Schicksal und Wille, die großen Kräfte, die sie zueinander sühnen, schmiedeten mit gleicher Nt acht auch die deutschen Juden in das Gefüge des deutschen Lölkes hinein. CP** fl«>?.**** *'.*!{**'* &**■-> -uu*' i,w;£ %iUV|u;e;«;*$ir Die Tagespresie berichtet über di; vielen Eirnelfülle. in denen deutschen Juden durch angebliche Angehörige der S. A. schwere Unbill zuteil geworden ist. Eine Aufzählung der Fälle erübrigt sich, sie sind bekannt. Schwerste Körperverletzungen neben Verschleppungen sind leider vorgekommem Wir haben in den« jenigen Fällen, in denen ein grundscchliches Einschreiten seitens der Hauptstelle notwendig war, das Erforderliche veranlaßt und bei den Behörden volles Verständnis gefunden. Zeiten revolutionärer Erhebung bringen notwendigerweise Spannungen und Wallungen ungezügelter Elemente mit sich, die sich zu Taten Hinreißen lassen, welche die verantwortlichen Stellen scharf verwerfen. Gewiß, und dessen sind wir vollkommen bewußt, ist diese Erklärung ebensowenig für die Betroffenen wie für uns alle Trost oder Genugtuung. Aber da niemand, der sich in maßgeblicher Stellung beundet, diese Ausschreitungen irgendwie wünscht, so müssen wir sie, wie die Geschichte aller Revolutionen zeigt, als betrübliche, tiesbedauerliche Folgeerscheinung einer Um- Wälzung ansehen. Ter Erlaß des Reichskanzlers vom leb' ten Sonntag wird, wenn er sich überall durchgesetzt hat, hojfentlich alle Ausschren Lungen verhüten und so der traurigen Lage, über die uns aus Breslau, au? Köln, aus Königsberg und anderen ostpreußischen Städten, aus München und aus vielen hessischen Orten berichtet wurde, ein Ende bereiten. In München wurde die Geschäftsstelle des Centralrereins durch eine Schar von Männern, die unter Mißbrauch der S.-A.- Uniform eindrangen, verwüstet und beraubt. Manche Mißhandlung wird von den Behörden verfolgt werden können, weil man die Üebeltäter kennt, in vielen anderen Fällen sind sie natürlich unbekannt. So traung die Ereignisse sind, so zeigt das bereits erfolgte Abklingen, daß der Wunsckj und die Befehle der maßgeblichen Stellen in Erfüllung geherv,

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