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Central-Verein-Zeitung · 1933-03-16 · 11 (16.3.1933) · p. Seite 89

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
11 (16.3.1933)
Date
1933-03-16
Page
Seite 89 (sequence 1)
Language
German
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Herl!n» IS. MZsz XU. Jahrgang » Nr» II Einzelnummer SO pfr^MZ f>t? K^f6fr?^f>., MW^LL^L , . * j 7 .: ,, f_j T_> V l-.'^^Tf l|j -- - r.~rr Vvvvv^<^> || V<)w^{V^vOv» kMS WS2AMW. BierteliaLrsLöonnernent 8,25 NM. (Z'c-:2Ll. LrstLÜLeld). Allgemeine Zeifun§ des Judentums Bankkonto: Dresdner Dank, Deposttenkosse Oirksg rrnö Cchrrltlertunz: Berlin V 15, EmferLtr.4L Fernsprecher: 5 2 Oliva M74. .:. PosischLckkonio: Berlin &A72 . Berlin-Wilmersdorf I, Ho^enrr'acrndamm ISS. Ulelnige Anze:genannc:5.77.e: Bnnoneen.E^xedition Nndolf Masse. Barlin W100, ur.ö deren Filialen. Bnzeigenpreiss: v,9>) StJL für dir 76-spaltenL Feile noch Rudolf Mossrs ■zli:iltnnuritz Rr. 4, FalN'.l'.enan^eigen und Stelle.".gesuchr (nicht SlrllLiianZebote) für MrtL-Uedee des Lenrrarvrreins 0,4ö £Ji. die 62 min breite RMa^ezeile 3,50 |?Ui'Vvwv>3 u.v-J d AA fv.^A?, .A,*A Der Reichskanzler hat in den letzten Lagen verschiedene Male Aufrufe erlassen. in denen er von seinen Parteifreunden um des Ansehen? der nationalen Revolution willen streng ne Disziplin und Ordnikng verlangt. To hat er am Freitag. den 10. Marz. Terrorakte und Störungen des Geschällslebens, wie sie durch Emzelaknonen in Essen, Berlin und anderen Städten vorgekommen waren, grundsätzlich untersagt. Da diese Boykottaktioncn — zum Teil Wohl durch Provokateure erzwungen — noch nicht unterblieben, hat der Reichskanzler am Sonntag im Rundfunk in einer Erklärung zu dem Flaggenerlaß des Reichspräsidenten nochmals gut: Ruhe gemahnt: „Ich befehle Euch daher von jetzt ab strengste und blindeste Disziplin. * Alle Einzelaktionen haben von jetzt ab zu unterbleiben . . . - . . Im übrigen aber ist es nun unsere Ausgabe, dem ganzen deutschen Volke und vor allem auch unserer Wirtschaft das Gefühl der unbedingten Sicherheit zu geben. Wer es von jetzt - ab versucht, durch Einzelaktionen Störungen unserer Verwaltung oder des C>eschästslebens herbei.znsühren, handelt bewußt gegen die nationale Negierung/ Aehnliche Erklärungen haben auch die kteichsbeauftragten in den verschiedenen Aäuderu abgegeben. Die Staatskommissare von Lei kling er (Dresden) und Müller in Hessen haben in Aufrufen der SA. und CT. jedes eigenmächtige Umgreifen in Angelegenheiten, die nur die Regierung zu entscheiden hat, verboten, lnld der Kommissarische Polizeipräsident dmr München, Himmler, erklärte in eu'.er Unterredung mit Vertretern der Vuesie, daß er bereit sei, alle Staatsbürger w schützen. Er erklärte ausdrücklich, daß für ihn der Staatsbürger jüdischen Glaubens genau so Staatsbürger sei dore der nichtjüdischen Glaubens, und sei;? Leben und Eigentum genau l* ju schützen seien» v L L. H. Der Dolkstrauertag gibt den deutschen Juden gerade in diesem Jahre der Neugestaltung aller politischen Verhältnisse in Deutschland Anlaß 31t tiefernster Betrachtung, und die Vorwürfe von „Volkssremdheit" oder gar „undeutschem Verhalte!/veranlassen uns, eine Rückschau ans die Haltung des Eentralvereins in allgemeindeutschen Fragen anzustellen. Wir blättern in den alten Jahrgängen unserer Zeitschrist „Im deutschen Reich" und lesen im Septemberhest des Jahres 1914 den Aufruf, den der Verband der deutschen Juden und der Eentralverein am L August 1914 gemeinsam erlassen haben. Dieser Ausruf ist denkwürdig, weil er von jedem die Widmung seiner letzten Kraft über das M a ß d e r P f l i ch t hinaus verlangte. Man hat gefragt: wieso über das Maß der Pflicht? Damals richtete sich, wie immer in solchen Lagen, der Blick aus die Geschichte: sie zeigte uns, daß wir Juden noch als Stiefkinder in deutschen Landen behandelt wurden; Stiefkinder müssen und müßten eben nach dem alten Wahlspruch doppelt artig sein. Wir sprachen im „Deutschen Reich" von der neuen Mcorgenröte Deutschlands, von der wir annahmen, daß sie mit einem erlösenden Schlage für alle deutschen Bürger den Cottessrieden bringen werde. In einer gewaltigen Kundgebung des Eentralvereins im Beethoven-Saal zu Berlin am 23. November 1914 haben Horwitz, Fuchs und Holländer die Bedeutnng der Zeit gerade in bezug auf die Herausstellung der Begriffe Psloge der Ehre und der Würde des Judentums im Verein mit unserer inneren Empfindung als deutsche Patrioten eingehend gewürdigt. Wir waren uns unserer Lage bewußt, und wir kämpften damals wie heute für ein Reich der Größe und des inneren Friedens, der Kultur und der Sittlichkeit« Vor Fehlern warnten wir. Einer Anregung des Auswärtigen Amtes, uns über die Zweckmäßigkeit eines Aufrufes an dis Juden in Polen zu äußern, entsprachen wir, indem wir auf die erheblichen Bedenken auftnerksam machten, die sich später als stichhaltig erwiesen. Jahre vergingen, der Krieg erforderte auch Abertausende jüdischer Opfer. Die Lage für Deutschland wurde immer bedrohlicher. Als wenige Tage vor dem tatsächlichen Kriegsende allen Patrioten von der Regierung vorgesreüt wurde, daß nur der letzter lEinsatz noch retten und Helsen könne, erfolgte jene Entschließung für Kaiser und Reich, die kurzsichtigen Kritikern nachher ein billiges Lächeln entlockte, obwohl gerade in diesem Augenblicke die Erhaltung deutscher Würde und deutscher Kraft auch uns besonders am Herzen liegen mußte. Der Niederschlag beider waren Kaiser und Reich. Und wenn wir dem Wunsch nach einer Sammlung unserer Freunde unter diesem Gesichtspunkt Kaiser und Reich Folge leisteten, so handelten wir in einem Sinne, der unsere Haltung während des. ganzen Krieges bedingt hatt?. Es zeigten sich überall sehr böse Gr* scheimmgen. Wir denken an den Spartakisrnus. Wir denken an die Kriegsgewinner in allen Teilen der Gesellschaft. Sie fehlten auch in unseren Reihen nicht. Schon früher hatte Rabbiner Prof. Tr. Werner in einem großen Bortrage, den er im Nahmen des Eentralvereins über „Innere Mission" hielt, unseren Freunden die Verantwortung gezeigt, die gerade den Juden in einer Zeit der Auslösung obliegt. Denn, so hatte er nachdrücklich erklärt, leicht wird gerade in solcher Lage jede Tat eines Juden vergröbert und der Allgemeinheit zur Last gelegt. Er mahnte zur Einkehr. Unser Vorkämpfer, der damalige Vor;- sitzende des Eentralvereins, Geheimrai Fuchs, betonte die unbedingte politische Unparteilichkeit des Eentralvereins-. Ter. Eentralverein dürfe niemals eine»

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