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Central-Verein-Zeitung · 1933-03-09 · 10 (9.3.1933) · p. Seite 82

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
10 (9.3.1933)
Date
1933-03-09
Page
Seite 82 (sequence 6)
Language
German
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§2 Juden lernLZÄ DlerDel den Stellvertreter dcZ Dorschenden dcZ L-V^ Tr Ludwig T i e tz aus Berlin, kennen, der im Aufträge der Zentrale den Blick seiner Hörer auf die bevorstehenden Ereignisse lenkte. In Oppeln füllten 140, in Glei w itz über 400 Zuhörer, darunter viele Luswäitige aus Hin den bürg, Kosel, Peiskretscham, Tost, Grottkau, die Sale bis auf den letzten vorhandenen Platz. Tr. Tietz, Arzt von Berns, bewerkte einleitend, dich er cs ^qew'öhnt sei, Prognosen nur auf Grund sicherer Eyrndtome zu stellen, und daß es deshalb nicht seine Aufgabe sein könne, Zukunftsbilder auszumalen. Lr. Tietz schilderte dann die polnische Lage und die besondere Stellung des Judentums, wie sie sich kurz vor der Wahl" dar st elfte und bezeichn nete es als oberstes Gebet der Si.mde, den tatsächlichen Verhältnissen mit schonungsloser Klarheit ins Auge zu blicken, um gefährliche Illusionen zu vermeiden. Die nächsten Wochen Würden, wahrscheinlich eine Entwicklung bringen. die den deutschen Juden eine cvwisie Distanzierung von der bürgerlichen Politik au'crlegen werde/ Im übrigen wüste die Zurückhaltung im ösfcntlichcnLeben, diegowellt odernngewollt eintreten rvcrde. zu eineur stärkeren Zusammenschluß noch innen führen. Jüdische Verwurzclung werde uns Halt und Würde geben, um auch diesen Abschnitt jüdischer Geschichte in irrnerer Sicherheit und äußerem Bchaupnmgskantpse zu bestchem Die Versammlungsleiter, Sanftätsro.i Dr. Echlesinge rchn Glciwitz und Lehrer 2 P i e r in Oppeln. schlc-wn na cf) ernsten Worten einiger Diskussionsredner die W-ftammftmg mit der Blahnnng zu innerem Frieden, P'lichtcrsälluug und Disziplin. Die Versammlungen ringen auseinander im Bewußtsein, manches Nene und manches Gewandelte gehört zu haben. Tie verantwortungsvollen, einsichtigen Ausführungen Dr. Tietz' Huden bei den Hörern tiefen Eindruck hinterlasten und das Vertrauen zur Leinmg gefördert. Mus WirifchsflsKisraivr Edward C. Btrrmberg: „Am Krankenbett der Wirtschaft." Erich Lichtcnstcrri- Derlag, Weimar» — Leo HauslcUer: „Revolution der Wirtschaft." Verlag Knorr rr. Hirth, München. — Hermann Schäfer: „Zwischen den Fronten." Hans Bott Verlag, Berlin. Die Wirvchastsliteraiur wächst ins Unübersehbare. Fast täglich erscheinen mehr oder minder umfangreiche Darstellungen historischen, diagnostischen und prognostischen Charakters am Büchermarkt. Fast alle haben einen Zug miteinander gemeinsam: den Ampiuch ans die Ausschließlichkeit ihrer Ausfapung. Es gibt hier — ebenso wie in weiten politischen Be- Zirken des deutschen Lebens — immer nur ein „entweder — oder", selten schwingt sich ein - Autor zur dialektischen Ncife des „sowohl — als ai’i)J auf. Das Buch von Vlu:nbcrg bildet eine erfreuliche Ausnahme von dieser Regel. Er kommt in feiner Darstellung des Krankheits- Prozesscs. der die Weltwirtschaft be'allen^ hat, zu dem Schluß: „Tie kapitalistische Wirtschaft ist nicht tot. Aber sie ist schwer krank, und sie ist durchaus nicht unsterblich. Auch sür sie könnte oie letzte Stunde schlagen, wenn nicht endlich das Richtige geschieht." Dem wird man Zustimmen rmmen. Aber was mutz geschehen, .um die Wirtschaft zu retten? Blumberg sieht das Heilmittel in der Aufhebung der Zollgrenzen und in der Schaffung internationaler Wahrungsunioncn mit dem Ziel der Weltwährung. Er ist der Meinung, ein WelthajidAsickstommech das die Grundlage sür die Verwirklichung dieser Forderungen zu bilden hätte, müsse leichter durchführbar sein, als es seinerzeit der Weltpostverein war. Lorzubereiten wäre ein solches Welthandelsabkommen durch eine Velthandelskonferenz, deren wichtigster Beschluß einfach dahingehend zu lauten hätte, daß sür keine Ware ein höherer Zollsatz Zulässig sei als 20 Prozent vom Faknirenwert. -Mir scheint, als ob Blumberg die schwierigkerten einer solchen Vereinbarung sehr stark Unterschätzt. Er begeht einen großen Fehler, er ist der Meinung, es genüge die Ausstellung Logischer" und „vernünftiger" Forderungen, um ihnen auch -um Siege zu verhelfen. Er unterschätzt cbenjo, wie es der wirtschaftliche Liberalismus sehr zu seinem Schoden immer getan hat, das irrationale Element der Wirtschaft, Lessen Vorhandensein in den letzten Jahrzehnten d immer deutlicher geworben ist. Wäre es nicht vorhanden, so wäre schon die Weltwirrschafwkonferenz von 1927, aus der ja auch eine^weitgehende allgemeine Jollerleichterung beschlosien und die Einführung von neuen Einfuhrverboten überhaupt untersagt wurde, zu ganz anderen praktischen Auswirkungen gekommen, und man hätte hiermit vielftstcht die Krise verhindert oder doch sehr stark gemildert. Es ist vorläufig noch nicht emzujchcn, weshalb etwaige Beschlüße der für 1903 geplanten Wirtschasrskonserenz im Sinne der Blmnberaschen Forderungen größere Aussicht aus praktische Verwirklichung haben sollten als die von 1927, die nachher nicht von allen Beteiligten ratifiziert wurden und deshalb in der Versenkung versch.vanden. Man war 1927 wirtscheftlich genau so klug, wie man es jetzt ist. Es ist ein Irrtum anzunehmen, die Völker hätten durch die Krise wirtschaftlich schärfer, logischer, vernünftiger denken gelernt. Eine Reihe von Maßnahmen, die zur Bekämpfung der frisst in jüngster Zeit getroffen wurden, und solche, die uns noch angekündigt sind, scheinen das Gegenteil zu beweisen. Der Fehler des Blmnbergichen Buckes liegt also darin, daß er an dem Irrationalen in der Wirtschaft vorbeigehn Von ganz anderen Gesichtspnulien geht Leo Haus Leiter an seine Arbeit heran. Ihm bedeutet Revolution der Weltwirtschaft Revolution der Einzelwirtschaften. Die "Nationalwirtschaft entsteht als Notwendigkeit aus diesen Umwälzungen. Wenn ne Leben empfangen soll, bedingt sie eine geistige Gegenrevolution. Heute ringt der Begriff Nationalwirtschaft um Verwirklichung. In ihr sieht Hansleiter ein Ziel. Es kann nur gegeben werden durch eine Wirtschaftsiührung. Nicht als bolschewistische Diktatur, die nur technologisch ist, nicht als ein Preduktions- und Absatzplan, sondern als organische Planmäßigkeit, als Ordmmgsbegrisf, als Ausdruck einer geistigen Bewegung: Produktion nicht um der Produktion willen, sondern Einsetzung des Menschen in den 'Mittelpunkt der Wirtschaft durch die Produktion. Man sieht aus diesen wenigen Sätzen, daß bei Hansloiter Las Irrationale" in der Wirtschaft eine große Nolle spielt, ja die entscheidende Rolle. Seine Begriffe, die er scheinbar aus einem sehr umfangreichen, in den ersten Teilen des Buches ausgebreitcrcn Zahlen- und Tatsach-emnaterial herleitct (es ist sehr interessant gruppiert mit» gibt so manchen neuen Gesichtspunkt). bedürfen dieses sackpich an Unterbaus gar nicht, sondern sie sind eifert» ichrlich e r ft entstanden und dann durch entprechendes Material „untermauert^ H. sieht n Deutschland die große Alternative „Zwangsautarkst oder schöpferische BimwnwirtschafG. Beides ist nur möglich im Nahmen eines ständischen Winschaftsausbaus, den H. fordert. Tie Definitionen des Ständestaates, die er gibt, hätten freilich etwas deutlicher sein dürfen. Jedenfalls ist das Hausleitersche Buch derjenigen Mrtschaftsliteralur zuzurechnen, die in mehr oder minder starken Abwandlungen den Ideen des „Tattreifes* nahekornmt. - Hermann Schäfer setzt als Leuinoftv bsr sein Buch die Ecmeinschastsgesinnung der „Meitzner-Iueend" von 1913. Es ist gut. cm diese Tinge nieder einmal erinnert zu werden; man wird dann nämlich klar darüber, wie groß die Distanz geworren ist. die uns von dieser Zeit honte bereits trennt. Blan geht wohl nicht fehl in der Annahme, wenn, man die Schäscrschen Anschauungen dem Ideenkreise zuordr.et, der im Jungdentschcn Orden gepflegt wird. Selbstverständlich spielt auch hier das irrationale Element in WirtschaftsamGauung und Wirtschaftsgesinnnng eine Nolle. Schwer fordert „die narärtiche Einteilung dos Wirftchustsvolkes, die von Wirtschaftsgebieten und in ihnen von den Wirtschaftszweigen und Wirrschastssränden ausgehen muß."" Dabo: steht die volkswirtschaftliche Bedeutung einer VoUsgruppe keineswegs in einem unmittelbaren Verhältnis zur Zahl ihrer Angehörigem Ein Vertretungsrecht dürfe daher niemals durch den Hinweis ans die verhältnismäßig gering? Zahl'der Angehörigen einer sozialen Schicht bestritten werden. Wichtig ist m wirtschaftlicher Hinsicht der Begriff des „Wirtfchaftsbstrgersch dem ^chäser allein das Wahlrecht für Wiikschafisstände zuerkennen will. Er echt jedenfalls im Gegensatz zu Hausleiter nicht vom bemssstöndischen, sondern von cirwrn w i r l s cha' c -5 ständischen E i n t e i l u n gs p r i n zi P aus, das er sehr irwressant definiert. Sonst bestehen aber betr-ächftiche Berührungspunkte mit^ den Hauslenerschcn Anschauungen. Sehr scharf wendet sich Schäfer gegen alle ertremen Anstauungen. Auch hier "ist also der Ausschließlickzkeitsanspruch in erfreulicher Weise vermieden worden. vr. ^.Ureck Zlurinis. Senkt m öllZ AnkwUl Die Zahl der jüdischen Handwerker in Deutschland ist beträchtlicher, als man gemeinhin glaubt- In allen Handwerlszveigen sind sie vertreten. Bon ihrer Leistungsfähigkeit gab noch im vorigen Jahr die große Werdesachu m Berlin ein oiudruck-oolles Bild. Ter „Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens E. B. zu Berlin", der insbesondere die Förderung des Handwerks unter den Inden am seine Fahne geschrieben lpt, gibt soeben ein Handbuch mit 2A i tg l rede rverzeichnis heraus. Das Buch zeigt die viefteftige Tätigkeit jüdischer Handwerker. Tcn; scknvcrbodrohtcn Handwerkerstand, besonders auch dom jüdischen, zu Helsen, ist unser aller Pflicht. . E.G.L. FÄW NröMMunmn Ter „Böttckche Beobachter^ verösientlicht in seiner Au-sgabe E8 vom 9. Acär.z das Faksimile eines an-geblickv:t Lriginalschreibens der Firma Herrnemn -rion. in dem die Firnia sich den Besuch von Sammlern der KPD. verbittet, da sie erst vor kurzem der KPD. einen namhaften Betrag sür ihre« WahlZonds zur Persügurrg gestellt Hab o. Die Firma ^ermann Dich teilt mit« daß der Brief gefälscht sei. In Essen urid anderen Orten des wcftfälischen Ju.dustrieb.'zirks zogen am 8. d. M. Nionschougrupoen in ^A.-Unisorm vor jüdische Gefchäjte und verleugren die sosvnigc Schließung. Die Polizeibehörden griffen sofort ein und steüttn die Nub-e wieder her, io daß jetzt der Geschäftsverkehr in diesem Bezirk seiner» normale:-. Gang nimmt. Wie wir bei Redakrionsfchlnß erfahren. Ziehen gegenwärtig ähilliche Gruppen durch die Groß-Berliner Straßen und rufen: Deutsche kaust nur beim Deutschen und nicht beim Juden! ‘ Wir ermatten, dcß auch in diesem ^Falle die Behörden mit der notwendigen Energie eingreifen werden. -

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