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Central-Verein-Zeitung · 1933-03-09 · 10 (9.3.1933) · p. Seite 79

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
10 (9.3.1933)
Date
1933-03-09
Page
Seite 79 (sequence 3)
Language
German
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74 Aum Veröst öes C. V. ka THÜLMgerr k MNö M Sonntag spät abends — der Rundfunk berichtet unaufhörlich Teilergebnisse der Wahlen, eingestreut Tagesnachrichicn —. da, eine Meldung, die lins aufhorchen läßt: „Das thüringische Ministerium des Innern macht folgende Mitteilung: Mit größter Empörung habe die thüringische Regierung davon Kenntnis genommen, daß in der ausländischen marxistischen Presse in der unerhörtesten Weise die nationalen Regierungen in Deutschland und die nationalen Parteien und Verbände durch Behauptungen verleumdet werden, es würden in Deutschland irgendwelche Pogrome vorbereitet. Tie nationalsozialistische thüringische Negierung brandmarkt ihrerseits diese unerhörten Beleidigungen des ganzen deutschen Volkes. Es sei für die thüringische Regierung eine Selbstverständlichkeit, daß sie den' Schutz sür Leben und Eigentum alles Fremdrassigen und Fremdstämmigen in Thüringen gewährleiste. Gerade unter der nationalen Regierung 'sei Ruhe und Sicherheit für jeden in Deutschland, der in Frieden und Anstand seinen Geschäften nachgeht, gesichert. Die thüringische Regierung sehe sich aber zum Schutze des deutschen Volkes, feiner Ehre und Zur Ausrechterhaltung - von Ruhe und Sicherheit veranlaßt, in Thüringen den E. D. ab Sonntag 12 Uhr - aufzulösen und zu verbieten. Gerade der Tätigkeit dieses Vereins fei es Zuznschreiben, daß das nationale Deutschland und die nationalen Führer sowie nationale Negierungen in einer unverantwortlichen talmudistischen, untung; Fränkischer Kurier (Nürnberg); Generalenzeiger sür Brnn und Umgebung: Germania (Berlin): Göttinger Zeitung: Hallesche Nachrichten; Hamburger 8 Uhr Abendblatt; Hamburger Frenldenblatt; Hamburger Neueste Nachrichten; Haynauer Tageblatt; Jenaische Zeitung; Kölner Lokal-Anzeiger; Kölner Tageblatt; Kölnische Dolkszcitung; Kölnische Zeitung: König Borger Allgemeine Zeitung; Köuigsberger Hartungiche Zeitung: König-berger Tageblatt; Liegnitzer Tageblatt; LüdenscheiderGeneral-'Anzeiger;Manchester Guardian; Mecklenburgische Tageszeitung (Güstrow i. Mecklb.); Münchener Neueste Naä)- richten; Münsterischer Anzeiger; Nachrichren für Grimma; Neuer Görlitzer Anzeiger: L>:rbausener General-Anzeiger; Oberschlcsisch? Volksstimme (Gleim; tz); Qöerschlesischer Wanderer (Eleiwitz); Lst>:utsä-e Morgenpost (Veulhen); Aus dem Inhalt: Haman und Bileam. Von Rabbiner Dr. Josef Lehmann.81 Jakob Wassermann zum 60. Geburtstag. Von Hugo Bieber * * 83 wahrhaftigen Weise herabgesetzt worderk seien. Beschlagnahmt wurden auch in Thüringen sämtliche Druckschriften und periodischen Zeitschriften dieses Vereins/ Die Meldung ist unerklärlich. In dem von dem Rundfunk verwendeten Wortlaut klafft zwischen dem ersten Teil, der von der Beschimpfung im Auslande spricht, und dem zweiten Teil, der den E. V. in Thüringen verbietet, eine logische Lücke. Die Montagpresie, insbesondere „Ter Angriff" und der „Völkische Beobachter", überbrücken sie. Sie schreiben, daß die Tätigkeit des E. V.. insbesondere im Auslande, das deutsche Ansehen und deutsche Würde herabgesetzt habe. Dadurch wird der Vorfall klarer, aber noch mehr unerklärlich. Tenn es wird auch der genauesten Untersuchung nicht gelingen, auch nur einen einzigen Fall nachzuweisen, in dem durch den E. V. Deutschlands Ansehen vor der Welt geschädigt worden sei. 'Der E. V. hat die Fragen des deutschen Judentums stets als innerdeutsche Angelegenheiten aufgefaßt. Das entspricht ebensosehr seinen ideologischen Voraussetzungen wie seiner praktischen Zielsetzung, die die Zukunft des deutschen Judentums in Deutschland und in der Verbindung mit der deutschen Volksgemeinschaft sieht. Selbstverständlich sieht die ganze Welt ohne unser Zutun die Lage des deutschen Judentums. Wir deutschen Juden haben nichts vor der Öffentlichkeit zu verbergen und wollen nichts vor ihr verbergen. Es liegt jedoch im Wesen der Presse, vor allen Dingen der großen ausländischen Ostpreußische Zeitung (Königsberg); Ostsee-Zeitung (Stettin); Pfälzische Dottszeitung (Kaiserslautern); Reckünghäuser Zeitung; Rheinisch-Westfälische Zeitung (Essen); Rhein- und Ruhr-Zeitung (Duisburg); Saale-Zeitung (Kissingen); Roteuburger Tageblatt; Schlesische Bolkszeitung (Breslau); Schlesische Zeitung (Breslau); Solinger Tageblatt; Spandauer Zeitung; Stadtanzeiger (Köln); Täglicher Anzeiger (Wuppertal-Barmen); Tilsiter Allgemeine Zeitung; Tremonia (Dortmund): Bogtländischer Anzeiger (Plauen i. V.); Volk (Jena); Vossische Zeitung; Weser-Zeitung (Bremen); Westfälischer Kurier (Hamm i. W.); Wiesbadener Tageblatt; Wiesbadener Zeitung; Wormser Zeitung: Württeinberger Zeitung (Stuttgart); Würzburger General-Anzeiger; Israelitisches Familienblatt (Hamburg); Jüdische Telegraphenagentur (IDA); Jüdische Rundschau. Solchen Tageszeitungen, die über die Durchsuchung Ln den Räumen der Hauptgeschäftsstelle des E. V. unrichtige Nach» richten veröffentlichten, wurden Berichtigungen laut § II des Pressegesetzes zugestellt» Nachrichtenpreffe, daß sie sich sehr selten nad) den Wünschen derer richtet, über dis sie Nachrichten bringt. Die Korrespondenten der großen ausländischen Zeitungen haben in den letzter? Jahren wiederholt bei der Beobachtung der deutschen Verhältnisse Vorgänge wahrnehmen müssen, die sich gegen eine Lsstimmte Gruppe deutscher Bürger richteten, aus dem hauptsächlichen Grunde, weil sie dem Judentum angehören. Das sieb ihnen auf, und darüber berichteten sie. Sie lasen die deutsche Presse, insbesondere die nationalsozialistische, und fanden darin zahlreiche Artikel, die in mehr oder weniger verhüllten Formen zu Gewalttätigkeiten gegen diese jüdischen Bürger aufforderten. Sie beobachteten das Straßenbild, sahen gelegentlich Erzesse gegen diese jüdischen Bürger und hörten Marschlieder singen, Broschürentitel ausschreien und Zeitungsüberschristen ausrusen, in denen schwere Beschimpfungen und Bedrohungen des deutschen Judentums enthalten waren. Auch das siel den Korrespondenten auf, und es war ihre Journalistenpslicht, darüber ihren Zeitungen zu berichten. Und nun machen gerade diejenigen Zeitungen^ die den ausländischen Berichterstattern die Unterlagen für ihre Nachrichten lieferten, dem deutschen Judentum den Vorwurf, es setze das deutsche Ansehen im Auslande herab. Und bedauerlicherweise hat sich die Regierung des Landes Thüringen dieser Beweisführung mit der besonderen Hervorhebung eines Verschuldens des E. B. an geschlossen. Wir fönnen vor aller Welt den Nachweis liefern, daß das Gegenteil der Voraussetzungen vortiegt, welche die thüringische Negierung zu ihrem Schritte veranlaßt haben. Immer dann, wenn eine Zuspitzung der deutschen innerpolitischen Verhältnisse zu Alarmnachrichten der Auslandspresse und daran anschließend zu Rückfragen von ausländischen Freunden und Organisationen beim C. V. führte, hat der E.V. geantwortet, daß es sich um vereinzelte Erzesie handele, daß die deutsche Lolksstimmung zwar mehr und mehr judenfeindlich würde, daß aber die Behörden des Reichs und der Länder ihre Machtmittel nach unserer Ueberzeugung stets auch für die Aufrechterhaltung von Ruhe und Sicherheit der deutschen Juden ein setzen; man habe in einem Kulturvolke wie dem deutschen balkanische oder osteuropäische Zustände nicht zu befürchten. So warnten wir auch in diesen Blättern davor, lediglich um der Sensation willen, im Auslände entstellte und dem deutschen Ansehen schädliche Ge» rüchte und Berichte zu verbreiten. Die nationalsozialistischen Regierungsstellen werden sicherlich bei der Durchsicht der Akten innerhalb ihrer Behörden hier und da die Ergeb»

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