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Central-Verein-Zeitung · 1933-03-02 · 9 (2.3.1933) · p. Seite 72

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
9 (2.3.1933)
Date
1933-03-02
Page
Seite 72 (sequence 4)
Language
German
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74 WWW Vizekanzler von Papen sprach am 21. Februar in größten Hörsaal der Berliner Uni-- versitzt über die geistige Revolution. Aus seiner Rede entnehmen mir folgende Sätze: „Heute erst wißen wir. worum wir im Krüge unbewußt gekainpst haben: um die Faustische Seele des deutschen Menschen .... Die nationale Bewegung hat die Macht ergriffen. Lnd die Führer der nationalen ^Bewegung sollten sich keiner Täuschung darüber hingeben, daß Macht nur der hält, wer sie aus dem Geiste heraus handhabt. Niemand streitet den links von uns stehenden Parteien Vaterlandsliebe und Bejahung des Volkstums ab . . . Wir wüsten uns wieder daran gewöhnen, zu Menschen aufzusehen, die etwas sind kraft Geist und Charakter, die wahr und treu sein sollen, die Herren sind, weil sie dienen formen,^uni) d:e nicht von sich reden, weil sie sicher in sich selbst ruhen; die nicht manifestieren, sondern Würde ausstrahlen. Und wer ist unter Ihnen, der bei diesen Worten nicht an den einzigen Mann denkt in Deutschland, der allen sichtbar diese Bedingungen erfüllt, an unseren Reichspräsidenten?...' * In der „Kölnischen Zeitung' Nr. 106 vom 23. Februar lesen wir in einem Aussatz ^National': - „Was bedeutet nationalst wenn man das Wort seiner propagandistischen Hülle entkleidet? National nenne ich die Tätigkeit, deren Sorge und Zweck ist, jedem Deutschen ohne Nnterfchied sein Vaterland so lieb und wert zu machen, daß er. wenn es in Gefahr ist, Cut und Blut ein setzt, um es zu verteidigen. National wirken heißt, dem Bürger und dEm Bauer, dem Arbeiter und Unternehmer, dem Katholiken wie dem Protestanten und dem Juden, dem Marxisten und dem Nationalisten, dem Preußen und dem Schwaben das Bewußtsein einpflanzen, daß das Vaterland der gemeinsame Wurzelboden ist. der allen Deutschen Halt und Kraft gibt, und daß es 'ein nationaler Frevel ist, sich politischem Zw'st hinzugeben. bevor dieser allen gemeine Wurzeldoden gegen jede Gefahr gefeit und gesichert ist. Dieses Dövußtsein zu wecken unb wie ein Evangelium die Ueberzeugung wachzuhalten, daß cs die'erste und vornehmste Pflicht aller Deutschen ist, in Verteidigung des Vaterlandes zu Schutz und Trutz zusammenzustehen, das eben ist nationale Regierungskunst. Ihr Ziel ist die allen politischen und wirtschaftlichen Gegensätzen übergeordnete Volksgemeinschaft . . . . . . Voraussetzung dieser nationalen Negierungskunst ist die Toleranz, die Achtung vor der Meinung des Volksgenosten auch dann, wenn ich sie sür falsch halte. John Stuart Mill lehrte, man dürfe die Meinung Andersdenkender schon deshalb nie gewaltsam unterdrücken. Werl es doch immerhin möglich'sei. daß sie die Wahrheit enthielte. Vom nationalen Blickpunkt «uZ gesehen, verbietet sich der Meinungszwana, weil sich durch Zwang nie und nimmer eine Dereinheitlickruna der Meinung erreichen läßt, weil vielmehr Zwang Gegendruck und Auflehnung bewirkt, somit die Bildung der patriotischen Volksgemeinschaft hindert. Toleranz ist daher eine nationale Tugend crftcr Drdnung, denn ohne Toleranz keine patriotische Volksgemeinschaft und ohne Cemeinschntsw'.llen zur Verteidigung des gemeinsamen Wurzelbodens kein wirksamer Schutz des Vaterlandes —'. Dolksgerneinschrst, Achtung vor der Meinung des anderen. Anerkennung der Vaterlandsliebe auch bei den Menschen, die politisch anderen Parteien angehören, das sind Ziele und Voraussetzungen, für die auch wir in unserem Streben nach innerem Frieden stets eingetreten sind. Ter „Stahlhel m' veröffentlicht in seiner Nummer vom 26. Februar, die die lUt'er'errrl „Gegen die Parteiherrschast' trägt, die Rede, die der zweite Bundesführer Düsterberg aus einer Führertagung des Landgaues Halle a. S. am 20. Februar gehalten har. In dieser Rede heißt es: „Ich stand vor wenigen Tagen an dem Grabmal eines gefallenen Hauptmannes und las die Worte, die der Verstorbene sich als Grabipruch gewünscht hat, sie lauten: Die Tat ist stumm! Gibt es ein besseres Wort für jenen Spferwd der zwei Millionen Gesallenen, die man heule in taufenden Versammlungen ansührr.-' Auch die Tat jener 12000 jüdischen Gefallenen, die zu den zwei Millionen bcuväjen Kriegsopferir gehören, war stumm. Aber ihr Blut floß sür das gleiche Vaterland, sür das die anderen Deutschen sielen. Daran möge der Stahlhelm denken, wenn er wirklich den .Dünst am ganzen Volke' ersüllcn will, wie die Ucbcrschrift dieser Rede hieß. In der jiidenfeindlichen Presse wird bei jed<r angeblich unnationalen oder gar antin.a:ion2!en Acußerung iiLendeincs Politikers, Wirll'cha^lleis oder Literaten gewohnheitsmäßig hinruokstnt: der .Lude ...... sagte', auch wenn der Betastende gar kein Jude Ist. Und wenn eine solche Aeußcrung im Auslände fälll. dann erscheint eine dicke Ueberschriit in Seitenbreite: „Der Irwe verlaust Deutschland an das Ausland.' Eine?wtiz aber wie die nachstehende finden wir in keinem nationalsozialistischen Blatt: Washington. 15. Februar. (United Preß.) Eine Erklärung gab der amerikanische Wirtschafter Bernard Baruch vor dem Senatsausschuß ab, der vom Senatsplenmn zur Untersuchung Über die Ursachen der Wcltwirtfchasiskrise eingesetzt worden ist. Darnch bezeichaete den Ausgleich des amerikanischen Staatshaushalts und die Aufrechterhaltung einer gesunden Währung als die unerläßlichen Vorbedingungen sür einen wirtschaftlichen Wiederaufstieg ... Für die jetzige weltwirtschastliche Lage macht er die in Versailles abgeschlossenen Friedens- Verträge verantwortlich, von denen Baruch erklärte, daß sie .^rnkerdem Druck der Kanonen diktiert worden sind'. Die Versailler Friedens- Verträge haben nachBaruchs Ansicht dieFrage der deutsch-oberschlejrjchen Grenze, des polnischen Korridors und die SaargedietsfragesowieeineReihe anderer Probleme ungelöst gclas. sen oder nur eine höchst unbefriedigende Lösung gebracht. Den Versailler Frieden machte Baruch in allererster Linie sür die umfangreichen Rüstungen der einzelnen Länder verantwortlick). Weiter müsse auch das Versailler Friedensvertragswerk sür das Entstehen der zahllosen Zollmauern und Handelsschranken in der Welt verantwortlich gemacht werden. EtlmMm ml lmömm Mm Wie Glockengeläute den Lärm der Straße durchdringt, so klingen durch die Mißklänge der Zeit auch Friedenstöne, die unser Herz treffen. Tie Ausführungen des katholischen Kirch-en» sürsten M. Kardinal Dr. Faulhaber üb-er das Alte Testament, über Völkerhaß und Rastenhaß, die in seinen „Rufende Stimmen in der Wüste der Gegenwart' jüngst an die Sesseurlichkcit gelangten, haben mit Recht auch rn jüdischen Kreisen starke Beachtung gesunden. Vor allem die eruswn und eindringlichen Worte, die der Kardinal Faulhaber über den ewigen Wert der Zehn Gebote und ihre Bedeutung, gerade auch in unserer durch soziale Nöte so schwer bedrängten Zeit, gesprochen hat, wüsten über den Kreis seiner Glaubensgemeinschaft hinaus tiefen Widerhall sinden. Die sittlichen Forderungen über die Reinheit des Lebens, über bas Recht der einzelnen Persönlichkeit, über die sittlichen Cruncklagen des Staatslebens und die menschlichen Beziehungen zwischen den Parteien und Völkern stehen aus so hohem Niveau und erhalten durch d:e Persönlichkeit dieses Kirchenfürsten so entscheidende Bedeutung, daß wir nur wünschen können, daß diese gesammelten Aufsätze weiteste Verbreitung sinden. Die Schrift Carl Heinrich C o r n i II8 über den israelitischen Prophetismus feiert ihre Auferstehung. Universitätsprofestor Tr. Lorenz Dürr (Draunsberg) veröfsentlicht in der Zeitschrift „Der katholische Gedanke" einen Aussatz: „Tie großen Propheten und der moderne Mensch'. Mit aller Entschiedenheit betont Dürr, daß das Alte Testament höchste religiöse Gegenwartswerte besitzt, und auch dem modernen Menschen für sein kompliziertes Geistes- und Seelenleben noch besonderes zu dreien hat. ganz abgesehen von seinem Qffenbarrmgswerk. Er spricht von den „unschätzbaren religiösen Werten' der Bücher der großen Propheten. Die Propheten seien keine historischen Versteinerungen, steine Museumsobjekte, sondern hockut zeitgemäß, da sie dem modernen Menschen nicht nur Probleme cmfgeb-n, sondern auch Lösungen sür seine religiösen Bodürsnijse und Röte mit geben. r triob durch dlo Firma .

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