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Central-Verein-Zeitung · 1933-03-02 · 9 (2.3.1933) · p. Seite 70

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
9 (2.3.1933)
Date
1933-03-02
Page
Seite 70 (sequence 2)
Language
German
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70 lichinachring derer, die die Bewegung gegen un8 mittelbar und unmittelbar fördern. zu beeinträchtigen. Die deutschen Inden, denen Vaterland und Religion höchste Werte bedeuten, haben niemals mit Gewalt oder FörLerling solcher das Geringste gemein gehabt. Ties stellen wir gerade in Liesen'Tagen, wo anonyme VerlLunlder uns schon jetzt für irgendwelche schändliche Aktionen gegen führende Persönlichkeiten festlcgen wollen, mit ernstestem Nachdruck vor aller Sesscntlich» keit fest. Unsere Freunde werden rrnd müssen Selbstdisziplin üben. Sie müssen Ruhe bewahren. Wer jetzt besonnen durch die Zeit geht, wer jetzt stets und ständig für den inneren Frieden sein Gewicht einsetzt, dient wahrhaft dem Vaterlands. Unser Judentum lehrt uns. Würde zu bewahren, Stolz Zu xrigrn, Kleinmut im Keime zu xritrrdrQLe^, dk»r Vaterland zu geben, was d:3 VaksÄarldeS ist. Das sind auch bis notwendigen deutschen Erfordernisse dieser schweren Tage. Bleiben wir uns so treu, so kämpfen wir am besten für Deutschlands Zukunft. 'T2Q0 P'ziH ^nrr^ cr-NtT: Der Landesverband Groß-Berlin des Cenkralvereins veranstaltete, am Sonntag zwei eindrucksvolle Kundgebungen „Für Heimat und Recht". Mehr als 500 Freunde des Central* Vereins füllten den großen Saal des Logenhauses in der Kleiststraße. Prediger Dr. Karl Rosenthal leitete die Kundgebung und wies in seiner Eröffnungsrede auf den Sinn der Stunde hin: den anderen die Gewißheit unferes guten Rechtes zu zeigen und uns selbst über dis Gefahr klar zu werden, die der Emanzipation der deutschen Juden droht. Dr. Bruno Weil, Stellvertreter des Dorfitzenden des Centralvereins, zeigte in seiner eindrucksvollen Ansprache die politische Entwicklung der letzten Wochen. Er warnte die deutschen Juden davor, auch nur einen Schritt von ihrem Rechte zurückzuweichen und etwa denen zu folgen, die glauben, daß die deutschen Inden als politische Minderheit in Deutschland Leben sollten. Wenn wir das täten, wäre der Emanzipationskampf unserer Väter vergebens, wäre die Arbeit des Centralvereins sinnlos ge* wesen. Er gedachte der Elaubensbrüder in den kleinen Städten und auf dem Lande, die der jndenfeindlichen Verhetzung, dem Terror und der Vereinsamung in viel stärkerem Maße aus* gesetzt sind als die jüdische Bevölkerung in der Großstadt. Der Jugend gab er die Gewißheit, daß der Kanrpf der älteren Generation der Zukunft der Jugend in Deutschland gelte, für deren trostlose Gegenwartslage sie außerordentliches Verständnis hätten. Wir lassen uns, so schloß er. durch die hereinbrechende Hochflut des Judenhasses von der Fortführung unseres giftigen Kampfes um Glaube und Heimat ebenso wenig abschrecken wie der Anwohner des Flusies, der trotz gelegentlicher lleberschrvemrnung immer wieder sein Land bebaut und neue Dämme ausbaut. Im Namen der C. V. - Jugendgememschast Groß-Berlin sprach Heinz Warschauer ausrüttelnde Worte. Die jüdische Jugend stehe heute vor noch zerschlageneren Zukunstsaussichten als die nichtjüdische Jugend; denn zu der ellgemeinen Arbeitslosigkeit trete noch der judensemdliche Wirtschaftsboykott. Trotzdem verzweifle die deutsch-jüdische Jugend nicht an ihrer deutschen Zukunft, sie glaube weiter an die deutsche Heimat. Bei jedem Schritt, den die Aelteren unternehmen, mögen sie bedenken, daß, wenn sie zurückweichen, die Jugend das derkorcre Terrain wieder zurückerobern müßte. Der Sinn der C. V.-Arbeit liegt nicht allein im Kampf für die Gegenwart, sondern mindestens ebenso in der Erhaltung der Rechte für die zukünftige Generation. Dom Willen der deutschen Juden zur deutm Bsriet schen Kultur, von ihrer Zugehörigkeit zum deutschen Volkstum, von ihrer tiefen, allein durch verstandesmaßige Kräfte nicht zu erfassenden Liebe zur deutschen Heimat sprach Dr. Margarete Edelheim. Sie erinnerte an die Kulturleistungen jüdischer Deutscher, die den Namen Deutschlands berühmt gernacht haben, und stellte sie einer Kulturanschammg gegenüber, die allein nach den angeblich „wisscnschastlich nicht anfechtbaren RasientheorierG die Menschen werten und ihre Leistung bejahen oder ablehnen will. In dieser Stunde, so sagte sie, gelte es, sich der Werte bewußt zu sein, die wir verlieren können, damit wir die Kraft haben, uns für ihre Erhaltung machtvoll einznsetzen. Wir lasten uns nicht entdeutschen und wir schöpfen aus der deutschen wie aus der jüdischen Wurzel unseres Seins die seelischen und geistigen Kräfte, um die Bedrohungen dieser Tage zu üöerstehen. Amtsgerichtsrat Dr. Fritz G o I d s ch m i b t warnte vor der Verletzung des Rechtes um des Rechtes willen. Er erinnerte an Kant, der in der Rechtsgefährdung die Gefährdung des ganzere Staates sah, und legte ebenso wie Tr. Rosenthal in seinem Schlußwort em warmes Bekenntnis zum deutschen Vater» lande ab. In gleich würdiger Form verlief die Kundgebung, die zu gleicher Stunde in den Nnionsfe st s a l e n sratrsand. Sie stand unter Leitung des Landesrvrbandsvorsttzenden Dr. Benno Glaserfelb; nach ihm sprachen Rabbiner Tr. Meier Hildesheimer. Margarete Fried. Dr. Hans Reichmann und Mols Rubinstein. Beide Kundgebungen zeigten, daß die deutschen Juden ohne Kleinmütigkeit in würdiger Stimmung die schweren Stunden durchleben, in denen Deutschland und mit allen Deutschen auch die deutschen Juden sich jetzt befinden. E'.^st 3 J ius Ü'J imlM \~3fi bWiiii’C*' tiLi«iQjKsszi)\J >ä£3>*J m * CVeUtiS^a» Freunde aus dem Lande und den großen Städten, die zum Landesverband Mitteldeutschland des C.V. gchoren, kamen am 19. Februar in Halle a. d. i-o. zusammen, nicht nur, um die im Mittelpunkt der Tagung stehenden Referate des iLhndikus Dr. Alsred Wiener über die politische Lago, des Landesverbandssyndikus Artur Schweriner über die C. V.-Arbeit in Mitteldeutschland un& des Vorsitzenden des Landesverbandes. Tr. Felix G o l d - mann, über die Arbeit des C.B. gegen den Boykott anzuhören. — sie wollten sich in ernstester Zeit a u s s P r e ch e n, sich um die Frage mühen, wie das Recht der deutschen Juden zu schützen sei. Das Wort Dr. Alfred Wieners: ,Zn diesen Tagen gehört unsere große seelsorgerische Aufgabe dem flachen Lande. Der C. V. wird alles tun, was in seiner Macht steht, um die Freunde auf dem Lande zu stützen und zu schützen", war das Leitmotiv der Ausführungen fast aller Redner aus den Städten. Der Leiter der Tagung, Dr. Felix Goldmann (Leipzig), legte besonderen Wert darauf, daß die Freunde aus dein Lande ausgiebig zu. Wart k a m en. Man merkte aus der Tagung nichts von Kleinnmt und Zaghaftigkeit. Als ein Freund aus einem p rovinzialsäch s ischen Landgebiet seine begeisternden Worte mit dorn Telegramm des Kommandeurs von Kiautschan: ,.Einstehe für Pflichterfüllung" beendete' und ein Kaufmann aus der Hochburg des thüringischen Judenhasses in leidenschaftlichen Worten' gegen die Gleichgültigkeit in den jüdischen Reihen und den Mangel an Opferwilligkeit .zu Felde zog und: „Ehre verloren, alles verloren; ich lürchte nicht um mein Lebens rief, da steigerte sich die Stimmung zu einem einzigen großen, ernsten, echten Bekenntnis für Deutschtum und Judentum. Aus den verschiedenen Ortsgruppen lag eine Reihe von Anträgen vor. In diesen Tagen, in denen der einzelne mehr als je zuvor Disziplin im Vertrauen auf die in Berlin und den Landesverbandssyndikaien geleistete Arbeit zeigen muh, war der Antrag Friedmann (Jena) notwendig und nützlich, daß Einsendungen an Zeitungen in politischen Fragen nur im Einverständnis mit der Geschäfrsleitung des Landesverbandes getätigt werden dürfen. Von dem Gedanken ausgehend, daß die Stärkung d e"r Organisation die beste Stär, kung der Kampfkraft bedeutet, beschloß die T-clegiertentagung, daß die Ortsgruppen ihren M i t g l i e d e r b e st a n d vom i. April 1933 spätestens bis zum 30. April 1933 melden müssen, und daß eine Werbeaktion in jeder Ortsgruppe des Landesverbandes vorzunehmen sei. Freudig begrüßt wurden Anträge der Damen Ury (Leipzig) und T u ch m a n n (Magdeburg), die F r e u e n a r b c i t des C. V, im Landesverband zu beleben. Während der Tagung zogen sich die zahlreich anwesenden Jugendlichen zu einer kurzen Sonderlagung zurück, um dann durch Dr. L i n d e in a n n (Leipzig) erklären zu lasten, daß die Bildung eines Landes-Jugendaus"

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