Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 8 (23.2.1933)
- Date
- 1933-02-23
- Page
- Seite 64 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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S4 Glauben stammt, Sittlichkeit und Recht, versinkt der Mensch in die Barbarei des wie Kunst und Wissenschaft hervorbringt, Despotismus. jP!tj0 ImKZ Oppenheimer: StüüL unö AaLronalismus Nun hat aber das Bestehende selbstverständlich seine Verteidiger, zumeist Gutgläubige: denn der Mensch i't so geartet — es ist das sozialpsychologische Hauptgesetz — daß er alles das für wahr und gut hält, was seiner Gruppe oder Klaye nützlich ist, und alles das für falsch und schlecht, was ihr schadet. Da nun Logik und Vernunft auf seiten der Gegner sind, so bleibt den Verteidigern nur übrig, Logik und Vernunft zu mißbrauchen oder ganz zu leugnen . . . Da nun die Logik gegenüber der Aufgabe, die heute „Ordnung" zu legitimieren, offenbar versagt, so tun die rabiatesten ihrer Verfechter den letzten^ möglichen Schritt. Sie wenden den Latz: „eredo quia absurdum“, der in seiner Berufung auf eine überirdische Instanz immerhin noch etwas Großartiges an sich hatte, weil er Resignation in Demut bedeutete — sie wenden den gleichen Satz frech auf die irdischen Dinge ohne die Berufung auf eine andere Instanz als ihren eigenen unverschämten Hochmut. Sie leugnen die Logik und Ethik überhaupt. Sie berufen sich nicht aus Gott, sondern auf die tierische Natur als die letzte Instanz überhaupt: sie berufen sich auf das „Blut". Sie wollen keine Gründe hören, wollen nicht mit Gründen die Wahrheit ergründen und ihre Handlungen b e gründen:-der Gegner, weil angeblich anderen Blutes, hat ja doch eine andere Logik als sie: er kann sie so wenig verstehen wie sie ihn. Er hat, wie schon einer der ersten Vertreter diewr gefährlichen Spielart, Houston Stuart Ehamberlain, zu sagen wagte, andere „plis de la pensee“. Soviel für die Theorie! Und daraus ergibt sich, daß auch in der Praxis nur das „Blut" entscheiden kann und soll, aber hier in dem furchtbarer^ Sinne, daß derjenige unrecht behält, denen Blut in dem Kampfe verrinnt, der auf Grund dieser unmenschlichen Aussauung aus der Strecke bleibt. * Damit hat sich der Kreis geschlossen: die Gewalt, die dielen Staat, diesen Kapitalismus und diesen Nationalismus geschaffen hat, beruft sich als letzte Instanz aus sich selbst. Es gibt kein Recht mehr, es gibt keine Menschlichkeit mehr, es gibt nur noch Gewalt, die die Macht erstrebt, um sich mit unmenschlichen Mitteln durchzusetzen. flus Ernst McheL: Dis politische ßront des Liberalismus unö der religiösen Machte in der Volks* unö Stastskrife Für unseren Fragenkreis gewinnt nun auch das Judentum, seine Politische Idee und Mission eine sehr gewichtige Bedeutung. Wenn ich hier als deutscher Katholik und unter religiös-politischem Aspekt vom Judentum spreche, so möchte ich von vornherein meine sehr begrenzte Zuständigkeit zugeben, aber doch auch zugleich betonen, daß ich nicht nur „von außen her" spreche, sondern als einer, den die Juden in zweifachem Sinn wesentlich etwas angehen: einmal als Genosien eines politischen Schicksals, als eine Gliedgruppe im aufgezeigten Schicksalsring von Volk und Staat mit ihrer ganzen Fragwürdigkeit, dann aber im besonderen als die geschichtlichen Träger einer die Zeiten und Völker überquerenden und sie je und je aufrüttelnden einzigartigen religiös-politischen Haltung. An deren Bestand aber hat der Katholik — und, wie ich glaube, der Christ überhaupt — ein zentrales Lebensinterene, das durch die gegenwärtige Politische Problematik seine besondere Spannung gewinnt . . . Nur ein Judentum, dessen Politik unter dem Anspruch der Herrschaft Gottes geschieht, nur ein im biblischen Glauben verwurzeltes Judentum*) also wird eine echte Mission im öffentlichen Leben unserer Geschichtsstunoe haben. Das bedeutet aber praktisch keinesfalls eine Rückkehr ms Ghetto, sondern eine Einordnung in die gesellschaftliche, volkliche Front an jeder *) Taz ich hier nicht der jüdischen „Orthodoxie" das Wort rede, mich überhaupt der Stellungnahme zu den innerjüdischw religiösen Richtungen enthalte, dürste wohl klar seür. Möglichen Stelle, jedoch unter dem einzigen überragenden Anspruch, darin gläubiggehorsames Volkstum zu leben und so als Sauerteig zu wirken: gegen Nationalismus und Staatsvergötzung. In diesem Sinne ist Israel als „Versuchsmenschheit Gottes" bezeichnet worden. Heutiges „Volk" als Schicksalsgemein-? schast einer gegensätzlich zerspaltenen Gesellschaft bedarf des jüdischen Volksteils , notwendigerweise, nicht als einer ' religiösen Gruppe im engeren Sinne, als! einer Konfession, sondern gerade in seiner j wesentlich religiös-politischen Da- [; seiuswrm. Damit aber steht das Judens tum in der politischen Situation Europas weiensmäßig und geschichtlich in eben jener volkspotirischen Kampfes- und Gestaltungszone der Gesellschaft, der unsere! bisherigen politischen Darlegungen galten. Denn der religiös-politische Anspruch aus! Volk Cortes ergeht an den Juden nicht nur als Glied des „jüdischen Volkes", sondern nimmt den Weg hindurch auch aus seine Gliedntuation inmitten der „fremden ° Völker", unter denen er Platz genommen hat. Unter dem echten Einfluß Israels haben die Völker ihr Eigenes nie verloren, sondern immer erst gewonnen. Aber dieser : Auftrag und Anspruch ergeht an den Juden im strengen Sinne des Wortes, und nur um ihn kann es für den deutschen Christen gegen den Antisemitismus einen r e st l o st e n Einsatz geben, nur mit ihm eine gemeinsame politische Position. Ms Rita Girschbsrg- - Neumeper: 3toUenif£}er und deutscher ßaschismus Nicht vom faschistischen System selbst droht dem Judentum als Gesamtheit die große Gefahr, sondern von der Frage, die in Deutschland von einzelnen sich faschistisch gebärdenden Gruppen aufgeworfen wird, ob die Juden überhaupt in den Staat mit hineingenommen werden sollen. Es ist kein Zufall, daß gerade sie dem Antisemitismus verfallen. Von dem materialistischen Rassenantisemitismus soll hier nicht gesprochen werden; er ist schon oft behandelt und widerlegt worden. Viel schwieriger, weil er mit schwer faßbaren und schillernden Begriffen arbeitet, ist der Antisemitismus, der auf „Volksseele" und „Volksgeist' ausbaut. Es verfallen den •JP Liui j VOuA LI ZG LÄM02G LOS OG,