Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 8 (23.2.1933)
- Date
- 1933-02-23
- Page
- Seite 63 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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ü Hf fiw ösm rrrusn *// *§nft l Statt eimt LZ^)rsc7-uNZ Das neue „7Norgen"-hcft erscheint als Londevnummer „Der Sfcat“. Wir Leben einige kurze Auszüge aus einer Anzahl seiner Beitrage wieder, die die Fülle der behandelten Probleme deutlich werden lassen. Wir Hessen damit bei allen für die Fragen der Zeit aufgeschlossenen Menschen den Wunsch zu wecken, in den Besitz gerade dieses überaus wichtigen Heftes zu gelangen. Wir lassen die Autoren für sich selbst sprechen. Jus Der A m?cysr: LemDs Irrös und örr -rutschr Eine Tatsache wird trotz ihrer enormen, entscheidenden Bedeutung viel zu wenig hervorgehoben: Wir sind alle Menschen und haben alle die gleichen menschlichen Freuden und Leiden, Sorgen und Hoffnungen. Wenn es sich um Weib und Kind, um Gesundheit und Krankheit, um Arbeitslosigkeit oder Stellung handelt, fühlen alle, Juden und Nichtjuden, durchaus gleich, und wenn sie darüber sprechen, verstehen sie sich, ohne daß irgend etwas zwischen ihnen stände. Auf einem breiten Unterbau gemeinsamer menschlicher Einstellung in den entscheidenden Fragen und Sorgen des Lebens entwickeln sich unsere Beziehungen zu unserer nichtjüdischen Umgebung, und auf diesem Fundament finden wir. uns immer. In anderer Beziehung freilich bilden die deutschen Juden im deutschen Bolle eine besondere Gruppe kraft ihrer Religion und besonders kraft des religiösen Gebotes, das die Mischehe verbietet, so daß nach dem Gesetze des Judentruns Juden im wesentlichen nur untereinander heiraten. Gegenüber diesem fehlenden connudium treten alle anderen Ursachen unserer Sonderart, insbesondere auch die aus der eigentümlichen Natur unserer Geschichte und unserer Schicksale fließenden, in den Hintergrund. Die deutschen Juden bewahren also im deutschen Bolle ihre besondere Art. Nur dann aber ist ein M e n s ch ganz, innerlich stark und eine Stühe auch für andere, wenn er feine Kraft aus den tiefsten Quellen seines Selbst schöpft und in den Tagen der Krisis zu seinen Vätern seine Zuflucht nehmen kann. Auch der deutsche Jude kann wahrhaft Deutscher sein, wenn er wahrhaft, mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele Jude ist. Diese Ueberzeugung. ist unser religiöser Glaube, sie und nur sie schafft , die echte Harmonie zwischen Deutschtum und Judentum im deutschen Juden. Jeder Jude kann sie belegen mit den eindringlichsten Tatsachen seiner äußeren und seiner inneren Erfahrung. HA Ueber diese tiefe Wahrheit sollen nicht viel Worte gemacht werden. Denn sie gehört zu jenen, von denen man am besten schweigt und die an Kraft verlieren,'' ja wehr man davon redet. Ilm so nachdrücklicher soll es ausgesprochen werden, daß der Jude seine jüdische Art nur unter Vernichtung seines Wesens und seines Wertes unterdrücken kann. Man muß sein tiefstes Selbst entweder bekennen oder verdrängen. Eine dritte Möglichkeit gibt es nicht. Wer es aber unterdrückt, steht als traurige Gestalt neben dem Juden wie neben dem Nichtjuden. Jene bekennen sich zu ihren Vätern. Sie sprechen immer aus, wie es ihnen im tiefsten ums Her; ist, und es spricht dann aus ihnen die Natur selbst. Er aber muß verheimlichen, er verkrampft sich innerlich und liegt in ewigem Kampf mit sich selber. In kritischen Stunden, in denen er Halt geben sollte, mutz er versagen. Tie Verdrängung seines jüdischen Anteils macht chn auch für den Staat untauglich. Zeugnis für die verheerenden Folgen der Unterdrückung des Judentunis im Juden liefern die Bekenntnisie und Leöenserinnenmgen von Juden, die diesen schweren Weg gegangen sind. Sie sind gewaltige Argumente gegen alle, die vom Juden die Aufgabe seiner Art verlangen. Ihre Forderung ist unsittlich. SoüMrrö Sslsmon: Der totale Staat Es in eine tragisch zu nennende Situation, daß im deutschen Reiche die bürgerliche Gesellschaft der Setbstvrdn'ung nicht fähig iit und von der Machtpolitik des Militär- und Beamtenftaates auf die Wirtschaft als autonomen Bereich abgedrängt wurde. Aber nicht nur die Erschütterung des Wirtschaftsliberalismus in der Kriegs¬ und Nachkriegszeit, sondern auch die ursprüngliche Bestimmung des deutschen Liberalismus als Kulturliberalismus muß heute hervorgehoben werden. Es besteht dauernd ein privater und intimer Bereich, in bem der geistige Mensch nicht Untertan, sondern Souverän ist. Gegenüber dem Zwang und Gesetz der staatlichen und wirtschaftlichen Welt richtet der Mensch ein Reich eigener Schöpfung in der C&w ggf Eis & kl&sXüs» SbU iiüj iiw it El £i U wlssJti? ti<sJuu;äaa wir Jisdsü vjMslkla sind P^r"-7Ll5 F’?”''7n f-""? p0 r’] r /1 pn /)co a f wf.' " y u y hms/:3sed! (P©slS€fse€kI'i©S2£® ES472, Esrilsi) Kultur auf. Staat und Wirtschaft können dem durchaus individuellen geistigen Leben gegenüber nur als Zensor und Mäzen fungieren. Alle Macht muß sich immer wieder auf den Geist berufen und ihre Rechtfertigung je nach dem kulturellen Stande des Volles haben. Wenn wir heute von Politisierung aller Gebiete sprechen, so bedeutet das: Ideen drängen zur Macht, aber nicht etwa, Ideen werden von der Obrigkeit erzeugt. In dem ständigen Prozeß zwischen Individuum und Staat erscheint der Geist als Berufungsinstanz und bestimmt ein Widerstandsrocht.- In den Kämpfen der Stände und Klagen wird der ewige Anspruch des Geistes laut gegen den totalen Anspruch der Macht. Die Einheit, welche die nationale Idee fordert, ist eine Einheit in der Mannigfaltigkeit der stammlichen wie kulturellen Sondergestaltungen. Egalisierung und Uniformierung aber, wie sie der Nationalismus gleichmäßig bei den verschiedenen Völkern verlangt, ist durchaus kulturfeindlich. Ranke hat in seiner Darstellung dev römischen Geschichte gesagt: „Niemand ist lediglich ein Bürger des Gemeinwesens, dem er angehört. Das Menschliche erhebt sich aus dem Nationalen und über dasselbe. Darauf beruht alle Religion, überdies aber auch alle Teilnahme an der Entwicklung des menschlichen Geschlechts." solange also Religion, in: Sinne des jüdischchristlichen Monotheismus, im Abendland eme Nolle spielt, ist die Erziehung und Verinnerlichung nicht einfach der staatlichen Obrigkeit überlassen. In diesem Sinne ist auch im Judentum Familie und Volk, Schule und Kultur von einem Gesetz bestimmt, dessen moralische Bedeutung für jede Ordnung darin besteht, daß Mensch und Geist letzthin srei und schöpferisch bleiben. Ohne diese Freiheit, die aus dem