Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 8 (23.2.1933)
- Date
- 1933-02-23
- Page
- Seite 62 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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ö2 1 eltungswasser Isiharife^eiithält n esselnde Meegen ^jCalk-, Magnesium» und andere Verbindungen), und JiartesWasser ist der größte Feind zarter, empfindlicher Haut. KAISER-BORAX nimmt - im Gegensatz zu gewöhnlichem Borax — jedem Wasser sofort die sdiäd* liehe Härte, macht es antiseptisch und adstringierend find so rum besten und billigsten Hautpflegemittel KAISER-BORAX Isl zu 20,40, SO Pf., parfümier# *u 45 und 90 P£ in allen Fachgeschäften zu haben. den Vorzug hat, der Wirklichkeit entnommen zu sem. Ein zehnjähriger Junge kommt nach Hause und erklärt seinem Vater, er wolle in einen Turnklub eintreten — es handelte sich um eine bekannte zionistische Einrichtung —, denn erstens wurde dort geturnt und gewandert, und zweitens ,ävären sie gegen die Liberalen". Auf Befragen erklärte der sonst sehr geweckte kleine Sextaner, daß er allerdings nicht wußte, was religiös-liberal sei, aber Turnen und Wandern täte er auf alle Fälle gern. — Das Beispiel schreckt und erweckt, denn auch der Vater des kleinen Gymnasiasten wußte als indifferenter Jude wenig oder nichts vom Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, ebensowenig von dem Jli (dem jüdischliberalen Jugendbund), von den Wanderlagern der deutsch-jüdischen und C.V.- Jugendgemeinschasten, von den Kameraden, den Werkleuten und so weiter. In unserer C.D.-Arbeit hat es von jeher, auch zu Zeiten des ersten Jünglingstums der jetzt voll berufstätigen Generation, zwei Anschauungen gegeben. Die einen wollten nur die neutralen Bünde, soweit sie nicht ausgesprochen jüdisch-völkisch waren, in ihrer autonomen Gestaltung fordern, die anderen waren eher für eigene Vortrupps. Wir wollen an dieser stelle nicht prüfen, welcher von beiden Wegen der richtigere ist. Tie Praxis gab die Antwort, daß beide Arten der Einflußnahme aus den Nachwuchs erfolgversprechend sind. Zu unserer Freude können wir feststellen, daß gerade in allerletzter Zeit in wichtigen Landesteilen die eigenen E.V.-Jugendgemeinschasten Gestalt gewonnen haben und die autonomen Jugendbewegungen, soweit sie sich dem E.V. liiert haben,, vorwärtsgekommen sind. In Berlin und Oberjchlcsien, im Rheinland, in Baden, in Pommern und in,Hamburg, überall zeigen die Jngendgemeinschasten Aufbau und Krastentialtung, und in Berlin beweist der Blick in eine Tageszeitung, daß die Jugend sich an Vortragsfolge und Versammlungs- Häufigkeit nicht hinter den übrigen Ortsgruppen zu verstecken braucht. Aber hiermit ist noch nicht alles getan.' Auch das Leben zwischen den Generationen muß gefördert werden. Es müßten unbedingt alle Ortsgruppen darangehen, mit der eigenen Jugend und mit der Jugend der neutralen jüdischen Verbände mehr zusammenzuarbeiten. Die Förderung des Nachwuchses sei für unsere nächste Epoche eine vordringliche Aufgabe. Studenten und Schüler ebenso wie junge Angestellte und Arbeiter sollen überall willkommen sein — ein Ziel, das im Landesverband Berlin durch die Schaffung eines eigenen Heimes bereits glücklich vorbereitet ist. Eine besonders stark gestaffelte Herabsetzung der Mitgliedsbeiträge für bestimmte Berufs- und Altersstufen liegt im Bereiche der Notwendigkeit und Möglichkeit. Hinzu muß die Einzelwerbung treten. Der Vater spreche mit dem Sohne, der Oukel mit dem Neffen. Und wenn diese Zeilen nur den Zweck haben sollten, in einigen Fällen den Anschluß des selbständig gewordenen Nachwuchses im Sinne der Familie an unseren Verein anzuregen und die Zwiesprache hierüber allerorten anzubahnen, io ist ihr Zweck erfüllt. Vergeben wir nicht, daß wir bevölkerungsstatistisch halb so viel Dreißigjährige unter uns haben als Sechzigjährige. Um so mehr müssen alle Kräfte zusammengesaßt werden. Aber auch das allein ist noch nicht ausreichend. Die mittlere Generation kann gerade dadurch geistig stark aktiviert werden, daß ne politisch, das heißt nicht parteipolitisch und nicht jüdisch-parteipolitisch, mit den Jüngeren zusammenarbeitet. Gerade die Jüngsten haben die Sehnsucht, Vortragsredner zu hören, die ihnen Politisches Fühlen und Denken übermitteln. Jugend von heute will stark gemacht werden im Kampf der Dialektik und in der „Kunst, recht zu behalten'. Das Alter will die Prominenz amVortragspult, die Jugend mehr den Widerklang! Wir dürfen unserer Jugend freimütig sagen, daß Politik nicht den Charakter verdirbt, und so. soll eine der wichtigsten Aufgaben der Schulung des Nachwuchses darin bestehen, die jungen Menschen politischhistorisch zu bilden, denn Dinen gibt nicht nur Macht, sondern auch Kraft im Sinne des Wortes eines deutschen und jüdischen S ta a tsrcch tslehrers: „Politik sei schöpferische Tat zur Gemein» sanftest." (Hit christlicher Leser unserer Zeitung Lus Sü-dein schlauschreibt uns: Neulich nbends sitzen meine Familie und ich am FamiLientiich und lauschen dem Konzert „Romantische Musik", das uns der Stuttgarter Sender ans Mannheim übermittelt. Wir spinne;; uns ganz ein in die Klänge und hören gerade — gegen 9.20 Uhr — die Ouvertüre zu der? „Hebriden" von Meudelssohn-BarLholdy. Da klingt lärmende Munk von der raste herauf. Vom Fackcl.zug der Nationalsozialisten- Mögen ne, wir lauschen trotzdem unseren Meloq dien weiter. Aber es wird lauter auf der Straße. Wir hören Rufe im Sprechchor. Dir schauen uns an und erschrecken. Wir hören den Nus.zum erstenmal so herzlos. brutal: ,^jubö — verrecke!" Zur Klärung: Wir sind keine ^nden. libzt. wir schauen uns an und sind erschüttert. Ter Schrei übertönt Mendelssohns Musik. Dir stellen ab. Mendelssohn? Da bemerkt einer von un§; „Felix Mendelssohn war doch der Enke! jenes großen jüdischen Philosophen der Aufklärung Moüs Mendelssohn, selbst also auch ein geborener Jude." Deutsche „Romantische Musik" wurde gespielt. Undenkbar scheint ein solches Konzert ohne Musik von dem jüdischen Mendelssohn und — unten grölen .Deutsche" junge Men-r scheu: „Juda — verrecke!" Wir schauen uns an und — schämen uns« Ter Zufall will cs, daß der Sender eine Stands vorher eine Aufführung brachte von Lesfing, von jenem Leftmg, der seinem Nathan die charakLeriüischeu Züge seines Freundes Moses Mendelssohn gab und in seiner Dichtung das Hohelied des wirklich freien, starken Menschen sang, das Lied von der gegenseitigen Duldung im Gefühl der großen, reinen Menschenliebe^ Und ich erinnere an das Wort Goethes, das et im Anschluß an dieses Werk Lesung schrieb^ das Wort, das der Wunsch aller Guten und wahrhaft Freien im deutschen Volke jetzt mehT als je sein müßte: „Möge das darin aus» gesprochene göttliche Duldung?- und SchemmgZ» ge füll l der Nation heilig und wert bleiben!" Und noch immer hören wir das baroarischS Geschrei von der Straße herauf: „Juda -*® verrecke!" An diesem Abend zeigte sich uns so erschütternd und be'chämend wie noch nie unseZ Deutschland von #x>ei Seiten. ^r^rpsf r. .3 c Ü üüü ö v: U