Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 8 (23.2.1933)
- Date
- 1933-02-23
- Page
- Seite 61 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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-1 von dr. Carl S M (LG WZZ WEM jüdische Handwerker" (Berlin), „Ter Schild" (Berlin), den „Anti-Anti" erneut gewürdigt und empfohlen. E. G. L. Lose Bisher Die nnansgesetzte starke Nachfrage nach dem „Anti-Anti" in jüdischen und nichtjüdischen Preisen und die ck-. ögtichkeit, vielfach einzelne Blätter oder Blättergruppen zu AuZklärungs- und Auskunftszwecken heranziehen zu können, haben Eentraloereiu und Philo- Berlag veranlaßt, Zusammenstellungen einzelner, zu einem größeren Gebiet gehöriger Blätter als Sonderdruck herauszubringeu. Bisher sind folgende Sonderdrucke des „Anti-Anti" erschienen: „Deutschtum der deutschen Juden", „Die Juden i n d e r Politik", ,.D i e I u d e n in der Wirtschaft", „D i e Juden im K r i e ge", „F ä l s ch u n g e n und Lüge n", „P ress e". Der Preis des Einzeldrucks beträgt 10 Pfennige. WON CMMMM'KiN LR Ein Kaufmann Georg Runge in Halle a. d. S., Große SLeinstraße 63, wandte sich eines Tages mir einem Eilbrief an den E. V. Er erklärte darin, daß er von einer poNwcken Propaganda stelle den Auftrag erhalten habe, alte Jnsl-ationsbriefmaikLN mit antisemitis6>7N Scklaawörtern zu Überdrucken. Diese überdrucklen Drie'marken sollten als Briefderschluß und zu Reklame- und Propagandaanzeigen Verwendung finden. Er betonte, daß diese Idee ihm vom Rcichspatcntamt geschützt fei und niemand anders außer ihm in der Lage und berechtigt sei, derartige Marken zu vertreiben. ,Lch gehe wohl nicht fehl iji der Annahme/ so laufet das Schreiben wcirer. ..daß Sie ein Jnlere"- daran haben, daß diese Provagandamarken nicht ausgesührt und nicht in den Verkehr kommen. Ich bin bereit, den vorliegenden Auftrag abzulehncn, wenn ich von Ihnen einen größeren bekomme. Dieser müßte auf mindeücns 8 Millionen >-tück lauten' usw. Selbstverständlich lehnte der Cenwalderein ein derartiges Ansinnen ab ^und stell.'e Strafantrag wegen verguckter ErpreNung. Das Aeichspostministerium erklärte auf Befragen, daß Vach ß 2 der Postordnung vom 20. Januar 1929 ungültige Briefmarken nicht auf den Außenseüen, auch nicht als Driefverschlußmarken befestigt werden dürfen. Am 51. Januar d. I. fand vor dem Schöffengericht Eharlouenburg die Hauptverhandlung gegen Runge stau, bei der neben dem nationalsozialistischen Landtagsabgeordneten H i n k - ler Dr. Alfred Hirfckderg dom E. D. als Leuge vernommen wurde. Der Angeklagte verteidigte sich mit der unwahrscheinlichen Behauptung, daß er bisher nicht Annsimn. sondern erst inwlge der Anzeige des E. D. dazu geworden sei. Der Staatsanwalt beantragte 9 Monate Gefängnis. Das Urteil lautete auf 3 Monate Gefängnis. 8. L. Von unseren Gegnern stammt die Forderung vom „Primat der Fünfunddreitzig- bis Vierzigjährigen" in der Politik. . . Wie so vieles aus dem Sprachschatz der völkischen Bewegung wurde auch diese Formel als Zauberspruch weit über den Kreis der nationalsozialistischen Intelligenz hinaus angenommen . . . und schließlich einseitig überschätzt. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, daß dieselben politischen Kreise, welche nicht genug über das verkalkte Aller spotten konnten, schließlich doch den General von Litzmann als über Achtzigjährigen präsentierten, nicht nur als Konzession gegenüber dem parlamentarischen System, sondern auch um zu zeigen, daß ein Nestor unter ihnen wäre. Uns Juden ist die Ehrfurcht vor dem Alter und der Generation vor uns eine Selbstverständlichkeit. „Vor einem grauen Haupte sollst du ausftehen." Und auch der Ehrist findet bei Lukas den gleichen Gedanken: „Zunehmen an Alter und Weisheit." Kein Geringerer als der vorige Chef der Neichsregierung. General von Schleicher, hat in seiner Reichskanzlerrede an alle davor gewarnt, die Jugend nur um chrer selbst willen zu loben. Jugendsrische Aktivität allein ist noch keine Erzielung von Erfolg. Tiefes alles vorausgeschickt, will ich — selbst ein Fünfunddreißigjähriger — darangehen, die Frage aufzuwersen, warum der E. V. dem Mannes- und Jünglingsnachwuchs (selbstverständlich auch dem Frauennachwuchs) größere Aufmerksamkeit als je zuvor schenken muß. Es geht nicht allein um die Jungmannschaft der Schüler, Studenten, der jüngeren Angestellten und Arbeiter, sondern um die Jahrgänge 1892 bis 1902, also um die, welche Sachwalter werden müssen, wenn morgen die alte Gründergarde nicht mehr sein wird. Man hat allen liberalen und demokratischen Bewegungen vorgeworfen, sie ließen die Jugend nicht in der Vordergrund kommen. Ten E. V. kann dieser Vorwurf nicht schlechthin treffen, denn er hat gerade in DZmlosMnski letzter Zeit oft dafür gesorgt, daß d!6 Lebensalter gleiches Recht erhalten sollen, und seine Funktionäre haben Verständnis für das Neue. In den meisten Ortsgruppen zeigen auch die mittleren Jahrgänge ihren Willen und die Möglichkeit zur Mitarbeit. Aber die Natur der Tinge bringt es mit sich, daß es für Ehrenämter keine Altersgrenze gibt. Zudem genügt in einer Reihe von Landesverbänden wohl die Qualität der mittleren Altersstufen, hingegen könnte die Mitgliederz a h l aus den verschiedensten Berussgruppen größer sein. Warum gilt dies besonders für die Jahrgänge, die im letztem Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts geboren sind? Tis erste Ursache ist klar nachweisbar. Dis Besten fehlen; sie deckt der Rasen des Kriegergrabes. Wir finden die Namen der Kriegsopfer im Kriegsgedenköuch des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten und nicht in unseren Mitgliederlisten. Unter den vielen anderen Motiven, welche den numerischen Krafftaktor der Kriegs- und Nachkriegsgeneration schwächen, sehen wir neben den Berusssorgen und der Abneigung vor dem Mitgliedsbeitrag, der doch sinngemäß nichts weiter ist als eine „Versicherung von Leben, Körper, Seele und Ehre", immer wieder eine Gleichgültigkeit weiter Kreise im deutsch-jüdischen Lager. Es ist notwendig, die politische Trägheit so mancher im Berufsleben stehender junger Juden zu kennzeichnen, um die Fragen der aktuellen Werbe Politik des E. V. unmittelbar in den Vordergrund zu rücken. In den verschiedensten Derussständen und geographischen Bezirken muß die Zellenbildung weiter sortschreiten. Tie Jnteren-elosen müssen auigerüttelt werden. Tie spontane geistige Wehrhaftigkeit kann — so muß gerade den Dreißig- bis Vierzigjährigen immer wieder eingehämmert werden — nur in der politischen Konzentration des C. V. erreicht werden. Unsere Gegner rühren die Trommeln, unsere Werber müssen das gleiche tun. Unsere Parole laute: Ter Berussverband oder gar der „Herrenklub en miniature" ist nicht der Lrt der Selbsthilfe: Hinein in den E. V.! —• So taute das Kennwort für jeden jungen selbstbewußten deutschen Juden vom eben erst niedergelasienen Anwalt bis zum Erpeoienten einer Exportfirma, vom jungen Arzt bis zum Geschäftsreisenden, der täglich am eigenen Leib verspürt, was Antisemitismus will und bedeutet. Aber nicht nur die selbständig gewordene Generation geht uns etwas an, sondern auch die Nachkommenschaft der jüngsten Vergangenheit, die Jugend von heute: Jede Bewegung — auch die der deutschjüdischen Selbstverteidigung — braucht eine Jungmannschaft und ein Noviziat. Die Jugend gibt in bewegten Zeiten immer dem Bündischen den Vorzug. Das gibt zu denken, denn selbst im losesten Vereinsleben braucht man einen eigenen und wesensverwandten Vortrupp, damit die Jugend nicht in des Wortes ursprünglichster Bedeutung „abwandert". Neulich hat sich in meinem nächsten Umkreis eine kleine Episode zugetragen, dig Landesverband Gross-Berlin des C. V. Zwei ECyndg]@feumgj©[nä Sonntag, den 26. Februar, vorm. \ V/A Uhr Itf ÜDDC' i r J L Redners Dr. Bruno Weil Dr. Margarete» Edelheim Amfsger.-Rc? Dr. Fritz Goldschmidt HöIflZ V/orSShGUeriCV.-Jugendgemeinsdiaft) JU Unionsfesfsäle, Greifswalder Strasse 221-222 Redner: Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer Margarete Fried Dr. Hans Reichmcnn Adolf Ruhinsfein (C.V.-Jugendgemeinsdiaft) Die Versammlungen sind nicht öffentlich. Eintritt nur für Mitglieder gegen Vorzeigung der Einladung. mssss