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Central-Verein-Zeitung · 1933-02-23 · 8 (23.2.1933) · p. Seite 58

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
8 (23.2.1933)
Date
1933-02-23
Page
Seite 58 (sequence 2)
Language
German
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5S In Fettdruck fugt er hinzu: ..Mütter, sorgt dafür, daß die jüdische Gefahr für eure armen Kinder aus dem Lande kommt." Das Reichsgericht hat wiederholt in Talmud-Prozessen dahin erkannt, daß die Behauptung, es gebe einen jüdischen Ritualmord, unsinnig sei. Aber selbst, wenn Tr. Leers mit der Rechtsprechung "des Reichsgerichts nicht vertraut ist, so hätte er, da er sich ja mit der Frage des Ritualmordes eingehend beschäftigt hat, auch die Gegenliteratur und die vielen Aeußerungen führender christlicher Wistenschastler lesen müssen, die ausdrücklich erklärt haben, daß es einen jüdischen Ritualrnord nicht gibt. Er hätte wißen müsien, daß selbst ausgesprochene Judengegner von diesem Vorwurf abgerückt sind, und daß dieselben Dlutbeschuldigungen von den Römern gegenüber den Christen, von den Chinesen gegen die europäischen Missionare, von den französischen Katholiken gegen die französischen Protestanten, kurz überall da erhoben worden sind, wo religiöse Minderheiten sich inmitten herrschender Anschauungen behaupten wollen. Er hätte des berühmten evangelischen Theologen Strack Werk „Das Blut im Glauben und Aberglauben der Menschen" und die Sammlungen päpstlicher Dullen lesen sollen, die sich gegen solche Wordbeschuldigungen zur Wehr setzten. Dr. von Leers, der in Jahrhunderte zurückliegenden Fällen herumwühlt, hätte bester die Bulle des Papstes Paul III. vom 14. Mai 1450 zitiert, in der es heißt: „Wir haben mißfällig vernommen, . daß seit einigen Jahren gewisie Herren als heißspornige und, wie man sagt, tödliche Feinde derselben Juden, von Haß und Neid, oder, was mehr wahrscheinlich scheint, von Habsucht verblendet, damit sie das Hab und Cut selbiger Hebräer mit einem gewisien Anstand sich anzueignen imstande feien, ihnen fälschlich andichten, daß sie kleine Kinder umbringen, deren Blut trinken und andere verschiedene und mannigfache ungeheuerliche Verbrechen begehen, welche sich namentlich gegen unseren besagten Glauben richten — und in solcher Weise bemüht find, die Gemüter der einfältigen Christen gegen sie aufzuhetzen, wodurch es geschieht, daß letztere häufig .nicht bloß rhres Halles und'Gutes, sondern sogar des Lebens in ungerechter Weise beraubt werden .. / oder jene Bulle des Papstes Innozenz!V. vom 25. September 1253, der die Verbreitung der Ritualmordbeschuldigung mit Erkom - munikation bedroht. Er hatte die Urkunde vom Juli 1236 lesen sollen, in der der Hohenstaufe Kaiser Friedrich II. „ein für allemal" verbietet, daß die Juden des Ritualmordes bezichtigt werden. Schließlich hatte er bei feinen Studien auch die Resolution des Oriental i st e n k o n g r e s s e s zu Rom vom Oktober 1899 finden müsien, die, auf Antrag des Kirchenrats Prostsior Kautzsch, einstimmig aussprach:, „Tie Beschuldigung, daß jemals durch irgendwelche, für Anhänger der jüdischen Religion geltende Vorschriften die Benutzung von Christenblut für ritu- - elle Zwecke gefordert oder auch nur angedeutet worden wäre, ist schlechthin unsinnig und des zu Ende gehenden Jahrhunderts unwürdig." Ein zweites wichtiges Moment zu seiner Titelforderung „Juden raus!" entnimm* Dr. von Leers den „Protokollen der Weisen von Zion". Er behauptet, diese „Protokolle" seien völlig zu Unrecht angezwcnelt und tatsächlich eine Zusammenstellung von Beschlüssen einer jüdischen Geheimkomerenz des Jahres 1897. Es ist unnötig, auf das längst als Fälschung gebrandmarkte und selbst von judenfeindlicher Seite als solche anerkannte Buch näher einzugehen. Genug davon, wir müsien aus diese Dinge, die beschämend für das ganze deutsche Volk sind, Hinweisen, weil wir es für unsere Pflicht halten. Wir sehen aber auch leider, wie wenig sich die fanatischen Judcnhaster um tat sä chliche Richtigstellungen kümmern, die wir treffen. II. Am 18. Februar d. I. schrieb der „Angriff": In Lübeck wurde der Jude und SPT-Führer Leber aus der Haft entlassen. Ter Jude Leber hätte zur Ermordung des Marinestumrmannes P.-G. Brüggemann aufgefordert. Bereits in der letzten Nummer der „E. V.-Zeitung" haben wir darauf hingewiesen, daß Leber nicht das geringste mit dem Judentum zu tun hat. Wozu wiederholt der „Angriff" diese Behauptung? Nur, um das Volk gegen die Juden aufzuwiegeln? Nach der gleichen Methode bezeichnet er die berüchtigten Skandalaffären der letzten Jahre, die mit Judenheit und Judentum auch nicht das geringste Zu tun haben, fortgesetzt als jüdisch. Karl Marx, der als Mardochai bezeichnet wird, soll sein Werk „Das Kapital" im Aufträge der internationalen jüdischen Freimaurerlogen angefertigt haben. Ein Unsinn, der dadurch, daß er immerfort wiederholt wird, nicht wahrer wird. So geht es mit allem. III. Kopfschüttelnd betrachten deutsche Juden jene Ausgeburten einer tollkühnen Phantasie, die sich bis in die letzten Tage hinein in nationalsozialistischen Blättern finden! Das Wirtschaftsgeschehen der letzten 14 Jahre soll vorwiegend jüdischem Einfluß entsprungen sein, jüdische Menschen sollen als Vampire des deutschen Volkes Kriegs-, Jnflations- und Deflationserscheinungen gefördert und ausgenutzt haben und schließlich auch an der Deutschland zerstörenden Wirtschaftskrise reich geworden sein. Ter „Angriff" gar führt die Erhöhung der Schmalzpreise, statt auf Zollerhöhungen, auf eine jüdische Hamster Parole zurück. Ter „Völkische Beobachter" nennt uns „Wanzen" und fordert unsere Vernichtung. Es lohne sich nicht, meinen viele Freunde, in diese Niederungen hinabzusteigen, jedes Wort der Auseinandersetzung sei überflüssig; denn wer so etwas schreibe, wisie, daß er nicht ernst genommen werde, wolle auch gar nicht ernst genommen werden. Man solle nicht Kraft und Geist an diese Elaborate verschwenden. So der selbstsichere Typ des kritischen, Welt-; erfahrenen deutschen Juden. j Drüben, bis weit in die Reihen : nationalsozialistischer Wählerschaft, das; gleiche Urteil. Bedauern und Beschwerden der bc?:tfcfjen Juden seien zwar verständlich, aber als Politisch erfahrene Menschen dürsten deutsche Bolksgenosien jüdischen Glaubens sich nicht erregen. Nichts werde | so heiß gegessen, wie es gekocht würde, und! man müsie zwischen überspitzten Phrasen , der Volksversammlung und den wirklichen l Zielen deutscher nationalsozialistischer ' Politik unterscheiden. Auch die Wanzen- ■ agitation werde abslauen, und deshalb sei kluge Zurückhaltung angebracht, nicht ' Protest. Wir können diesem Rat nicht ohne weiteres folgen. Immer noch glauben wir, daß nicht Ueberschwang und Unüberlegtheit Redakteuren und Agitatoren das Wort eingeben, sondern wir müsien hinter Ton und Richtung jeder Agitation Absicht und Systematik suchen. Daß vor Erreichung des politischen Zieles judengegnerische Propaganda getrieben wurde, um die Mafien znsammenzuhalten und ihnen den angeblichen Gegner zu symbolisieren, war uns bekannt. Daß auch nach Gewinnung der Macht in den Auslasiungen offizieller Organe, wie des „Angriffs" und des „Völkischen Beobachters"^ der judenfeindliche Ton forte und forl iissirno angeschlagen wird, muß uns stutzig! machen. Was soll jetzt noch die Wanzen-! Propaganda, wo man doch wißen müßte, welche Probleme wirklich zur Debatte stehen. Das deutsche Volk will Arbeit und Brot, und es wünscht Lösung der echten Probleme, zu denen die sogenannte Judenfrage wirklich nicht gehört. Wir können , uns mit der Zurückweisung jener im* 1 geheuerlichen und niedrigen Angriffe nicht j begnügen. Wir können nicht mit lässiger Handbewegung, wie es der frühere Reichsorganisationsleiter der NSDAP., Gregor Straffer, in einer Erklärung im „Fränkischen Kurier" kürzlich getan hat, Auslassungen nationalsozialistischer -Organe beiseite schieben, weil Niveau des „Stürmers" und die Person seines Herausgebers den Charakter der 'Angriffe von selber richten. Wir müsien bei Auslastungen politischer, wesentlicher, ja offiziell gewordener Organe, wie des „Völkischen Beobachters" und des „Angriffs", die Frage „Wem znm Nutzen?" stellen und die Gefahren auszeigen, die aus dem widerspruchslosen Gewährenlasten solcher ungehemmten Kampfmethoden entspringen. Heut ist es nicht mehr möglich, eine derartige Kampagne als gleichgültige Aeußerung irgendwelcher Journalisten oder Agitatoren abzuschütteln. Zündet der Funke und entsteht Unglück, dann werden jene Kreise von der Verantwortung nicht sreizusprechen sein, die das gehässige und unwahrhaftige Treiben kennen und es trotzdem gewahren lasten. Diese eindeutige Feststellung der Verantwortung ist wichtig.

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