Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 8 (23.2.1933)
- Date
- 1933-02-23
- Page
- Seite 57 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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KerN«, LZ. §ebeuae . LS pfrünig «wvN/CZy Sj^4/n?\> «O?<^ v’ yi v V V S •,'<3^ Allgemeine Zeifun$ des Sudenfums §r;U:2 und Schrift lei LrrnZ: DerUs W15, Emsre Skr. 42. Fernsprecher: J2 Olive 507-L Postscheckkonto: Berlin 3)4 72, Drnllonto: DrrsLnrr Barck, DrprsttenkL^e U DerliN'Dilmersdorf I, Ho^enzollernLenrrn leL. A-leinige An-eigenannehnrr: Bnnsneen.Sxp«dition Nndsl? Moffe. Berlin W100, cnö deren Filialen. Anzeigenpreise: VLI JUi für Lie 7§espaltens Zeile nsch NuLolf S£o*<# NorLrelZrUenrnesser Nr. 4, §ü2iirienanzrigen und Etellensrsuche (nicht EteHrnangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0,42 ää, die 62 mm dreitr BrUcune-rUe 3,50 ÄÄ, Ein in Luxemburg lebender deutscher Jude schreibt uns: Mt banger Sorge verfolgen die im Allsland wohnenden Deutschen die Entwicklung der inneren deutschen Verhältnisse. - Obwohl den Vorgängen in der Heimat räumlich mehr oder rveuiger entfernt, haben sie niemals den Zusammenhang mit ihrem Vaterland verloren, sind doch sehr viele, sei es durch ihren Beruf als Kaufmann, Ingenieur usw., oder durch Familienbande mit der Heimat verknüpft. Wir können es frei sagen, daß auch das Wohl und Wehe der meisten von uns, bim der zukünftigen Entwicklung der Tinge abhängt. Durch die Verfügung des Reichspräsidenten ist der Deutsche im Ausland erj mächtigt worden, durch den Stimmzettel auf die Geschicke des Heimatlandes einzu-! wirken. Ter Ausländsdeutsche steht seinem , Lande nicht interessenlos gegenüber, für ihn ist Deutschland immer noch die Heimat. Es ist hier nicht der Ort, für die einzelnen ' Parteien Propaganda zu machen. Zweck! dieser Zeilen ist lediglich, alle Auslands- « deutschen, und insbesondere die zahlreichen jüdischen Deutschen im Ausland, auszurusenzur Wahl. Alle diejenigen, die in der Nähe . derNeichsgrenze wohnen,haben nicht nur das Recht, sondern; and) die Pflicht, von diesem; Recht Gebrauch zu machen. Mit j dem Stimmzettel geben wir! ein Bekenntnis zumdeutschen Vaterlande ab. j Wie der Kampf auch ausgehen mag, i wir hoffen, daß unserem Deutschland jedes i Leid erspart bleiben möge. Es darf nicht | nur in Schuberts wunderbarem Wanderer : heißen: „Das Land, das deine Sprache : spricht, wo bist du?" Wir wollen wieder j froh werden und auf den gesunden Sinn! des Volkes vertrauen. Wir hoffen, daß j der Vers des Deutschlandliedes „Einigkeit l. und Recht und Freiheit" für alle Deutschen seine Geltung behält. In diesem Sinne fordern wir alle \\ liniere deutschen jüdischen Brüder und .! Schwestern im Auslände besonders zur |f Nahl auf! Neue Judenfeindes Hetze — MtuLlrasrölüge — Die „Protokolle" Dis „jüdische Harrrstsrps§o!e" und anöser Verdächtigungen Was sagen unsere Ireur-öe! I. L. H. Am Kursürstendamm und in der Tauentzienstraße in Berlin wird seit einigen Tagen eine Broschüre zum Verkauf ausgeruien: „Die Forderung Der Stunde: Juden raus!" Die Verordnung zum Schutze des deutschen Volkes vom 4. Februar bedroht periodische Druckschriften mitdem Verbot Mb schnitt 2, § 9, Nr. 6), „wenn in ihnen eine Religionsgemeinschaft des öffentlichen Rechts, ihre Einrichtungen, Gebräuche und Gegenstände ihrer religiösen Verehrung beschimpft oder böswillig verächtlich gemacht werden". Ter Sinn dieses Paragraphen geht eindeutig dahin, Religionsgesellschaften und ihre Einrichtungen, die an sich schon durch das Strafgesetzbuch (8 166) geschützt sind, aus dem politischen Tageskampf herauszuheben. Die Achtung vor der Religion soll auch von den Andersdenkenden heilig gehalten werden. Es kann nicht das Ziel des Gesetzgebers sein, diesen auch von uns bejahten Sinn der Notverordnung lediglich auf periodische Druckschriften zu beschränken. Es muß darum auf das äußerste befremden, daß ein bekanntes Mitglied der Nationalsozialistischen Partei, deren verantwortlicher Regierungsübernahme unmittelbar jene Notverordnung folgte, Dr. von Leers, eine Flugschrift verfaßt hat. die schwere Beschimpfungen nicht nur gegen das Judentum als angebliche politische Macht, sondern auch gegen die j ü d i sch e R e l i g i o n enthält. Wir sind die letzten, die nach einer Zensur für Druckschriften schreien. Aber wir halten es für unsere Pflicht, darauf hinzuweisen, daß Schriften wie diese, „Forderung der Stunde", Bürgerkriegs- und Pogromstimmung zu erregen geeignet sind, und daß ihre Verbreitung in diesen Tagen nicht nur für die Juden, sondern für die Gesamtheit des deutschen Volkes eine direkte Gefahr bedeutet. Auch wenn Herr Tr. von Leers in seinem Nachwort schreibt: ,IIicht, um den armen Juden Gewalt anzutun, sondern um einem herrschsüchtigen fremden Volk die Beeinflupungsmöglichkeit zu nehmen, nicht um Pogrome zu veranstalten, sondern um die landesschädlichen Ostjudenhinauszutrm, die übrigen Juden als Fremde politisch und wirtschaftlich ungefährlich zu machen, kämpft der Nationalsozialismus gegen Juda", schwächt er die Wirkung damit nicht ab. Dr. von Leers wird den Vorwurf, daß er das Judentum als Religionsgemeinschaft verletzt, wahrscheinlich als üble Nachrede zurückweisen. Wir können es ihm aber aus seiner eigenen Schrift Nachweisen. Er widmet ein große? Kapitek seiner Schrift angeblichen Talmudzitaten und dem angeblichen Ritualmordgebot. „Stundenlang, so schließt er sein Kapitel, könnte man noch Fälle jüdischer Ritualmorde aufsühreu. wo arme, unschuldige kleine Kinder von Judenteufeln geschlachtet und gemein zu Tode gequält worden sind." AUS DEM INHALT: Den Verantwortlichen zur Kenntnis! . . . . . Dr. Carl Dzialoszynski: Der Nachwuchs im C. V. . „Der Staat*V Sonderheft des „Morgen“ . . . Max Osbom: Das jüdische Museum in Berlin . , . Seite 59 . Seite 61 . Seite 63 v Seite 65.