Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 7 (16.2.1933)
- Date
- 1933-02-16
- Page
- Seite 53 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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deutschen C3:rvzyz':*.) Aber wir werden Lestschinlky fcdpiürten, ,X~3 niemals von cnwr rfolicrkcn entockchoucn jüdischen Wirt- Ichast, von einerin geschlossenen Orcrrzcu seines eigenen Bereiches cr?olg!c:r wirtschaftlichen Entwicklung des deutschen Iudcntnrns die lllebe sein kann.". Und :yi: iror^cn ich.:: rech: g-'öcn. „das; diese jädi'che Eigenart innner r.:;:: verblaß! und sich'?tt::g aödcm:. und das deutsche Iudcutun: in, sorlschrtitendem Waste aus den ^ersticchndcn Grenzen deines e'.z.'nen Bereiches in da.ch Innere des wirlschnlrlichcu Gcfamtgcl. ildcs des Staates cinbe;ogcu und cingeglttdert Wird". Lcsischinsky nch: die Gesahren für die Z u l u n f 1 d es d e n. L s ch e n Juden in der deutschen W i r i' ch 2 s t nicht nur in den A n t a r k i e b e ft 1 e b u n gen und dem extensiven und intensiven Ration a l i s m n s, sondern auch in der „D e - klassier n n 3 d n r ch die E n t w i cf I u n 3 des 31 ß a i * f c p :: 2 l i » m n Er behauptet deshalb, der Bern der jüdischen Krisis in der heutigen Eporbe bestehe nicht darin. „daß der jüdische indir-:dnalini'che Geist sich mir den kollektivistischen Tendenzen der hochkapttalistrschen Entwiulnngsp-nuse angeblich nicht befreunden mag". sondern ..daß bei dem Niederdruck; privatwirtschastlichcr LcLricbe durch bürgerliche Ziegicruttgen nicht nur die Grponcntcn der jüdischen individualistischen GcistcsrichLung, nicht nur die selbständigen jüdischen UnLerncstmer, sondern auch die jüdischen Lohnempfänger ans der verstaatlichLcu Wirtschaft hinaus-^estosten werden und zum staatlichen Apparat keinen Zugang finden". Dir werden bitter Bilanz nur bedinge zustimmen, und zwar aus verschiedenen Gründen. Es ist nicht die. politische Nationalisierung" allein, die die Juden aus den gewohnten Geleisen geworfen hat. Tiil ihr gehen Hand in Hand andere gleichartige strukturelle S3 q n b I u n 9 n der Wirtschaft, aus die in dieser Zeitung westrrach hingewiesen wurde. Leftschinsky zitiert selbst das Dort von Hans Ritschel, daß es eine freie Marktwirtschaft nicht mehr gibt, und verweist aus die zahlreichen Kartelle und Preisbindungen. Er sührt Autarkiebeftrebungen an und betont die „Tendenz der Selbstabsperrung, den Zurückstoßung und Aechtung des Fremdra^stgen". Er hat durchaus recht. in dieser Bewegung die „leibliche Schwester des büraerlicheu Sozialisierunasprozeyes" zu sehen. Ter Verfasser dieser Zeilen hat vor kurzem in dem Aussatz „Zurück zur Zunft?"' auf diese Widersprüche in unserer Wirtschaft hingewieseu. Es ist deshalb davon gesprochen worden, daß die deutschen Juden von der Wirtschaftskrise in dreifacher Weise betroffen worden sind: der Krise der Well- und der deutschen Wirtschaft. acher auch durch die Gefährdung der srezifi'ch jüdischen Interessen. die durch die Aus'chaleurg des Handels und die immer stärker werdenden kollektivistischen Bestrebungen bewnders berührt worden sind. Sehr gut wird diese Situation von Lestschinsky durch das von ihm angewandte Bild der „umgekehrten Kriscapyramide" gekennzeichnet. Tenn eine solche Pnrainide. ..in der die einzelnen sozialen Schichten nach Blaßgabe des Schadens, den die Krise ihnen pngesügt, übereinandergelagert wären", würde' für die nichtjüdische Bevölkerung in der untersten Schicht von der Arbeiterschaft b-ttctz! sein, in der zweitnächsten von den Angestellten, und in der höchsten von der städtischen Eroßrrurgeoisie: die jüdische Pyramide würde aber in der untersten Schicht die selbständigen Vermittler, in der zweiten die Angestellten, in der dritten die freien Berufe (bei den Richrfttten erst in der sechsten) und in der obersten ebenfalls die Großbourgeoisie answeisen. Es darf auch nickst die Ueberzeugung Platz greifen, wie sie aus den Behauptungen von Lestschinsky herausklingt. als ob der Staatskapitalismus oder andere Bestrebungen gebundener Wirtschaftsführung bewußt gegen die L. H. Tie Croßlogs des Ordens Bne Brich in Teut'chland bat in einer öftentlichen Feier, die an'. Abend des 11. Februar 1033 stalt'and. durch den Mund in res Präsidenten. Rabbiners Tr. Leo La eck, und des bekannten Historikers Professor Tr. Famos Elb 0 gen einen Bericht über das großartige Kultur- und Erziehungswerk erstattet, dar die :n ihr zusammengestchlosseuen deutschen Logen im Sino.e der Menschen- und Vaterland-stiebe und für die Verwirklichung des jüdischen Idealismus geleistet haben. Tie Feier gestaltete sich zu einer besonderen Bedeutung durch die Beröfseutlichung eines Wertes, betiteln „Zum 50jähr'gen Begehen des Lrdons Bne Brilh", das im Berlage von I. K a u s m a n n (Frankfurt a. Bstain) erschienen ist. In ihm findet sich eine großangelegte Arbeit von Alsred G 0 l d s ch m i d r, die jeden, der den Willen hat, sich ehrlich über das Weien der jüdischen Logen zu unterrichten, in eingehender Weise über" alles unterrichtet, was in den Logen in den Fahren ihres Taseins gestrebt und geleistet wurde. Namentlich die jüdischen und nich.ftüdi'chen Gegner der Logen sollten gerade ditte Arbeit besonders studieren. Sie enthalt nicht nur eine jüdsiche, sondern ebenso sehr ein deutsche Leistung. Aus anderem Gebiete zeichnet sich eine Studie von Tr. L ö w e n st a m m (Spandau) aus, welche die Soziologie der Logen behandelt. Wer für die Frage der gei\tig-philosophischon Begründung einer Gemeinstchaft besonderes Jntcresie aufdringt, sollte an dieser Studie nicht vorübergehen. Löwen ft ew.m behandelt ans führt ich die Frage des Führermms. Er begnügt sich nicht mit geringfügigen Andeutungen, sondern stellt das Problem des Führers innerhalb einer ständig schwächer werd enden Dt ittelschicht der bürgerlichen Gefellfch'.ft psychologisch in ein neues Licht, und zeigt somit nicht nur dem Soziologen, sondern auch allen, die eine Einführung in dieses moderne und schwierige Gebiet suchen, die Grundlagen, die zur Beurteilung eder Gruppe gerade in dieser Zeit notwendig ind. Auch hier wird der Wert der Logenarbeit äesgründig aufgcwiesen, und eine stelle des Vorwortes des Präsidenten der Loge. Tr. Vaeck, erscheint dem Leser besonders klar, wenn er dort erklärt: „Es ist ein besonderer Wert unserer Loge, daß sie Junge und Alte als gleiche, wie als Brüder, zueinander führt, so daß gleichsam der Vater seelisch ein Bruder des Sohnes wird. Heute mehr denn je verlangen Menschen, vor allem wieder wir Juden, danach. Wir begehren, bewußt oder unbewußt, nach einem Bereich des Vertrauens auf ein Gemeinsames und des Willens zu einem Gemeinsamen, des Vertrauens auch auf Menschen und des Willens zu Menschen, zu Menschen gleicher Jahre und gleicher Art. wie zu Menschen anderen Bezirks im Wesen und in Tagen. Wir begehren nach..einem Bereich, innerhalb dessen so manche Unsicherheit und Unftctheit, so. manche Empfindsamkeit und Verletstheit. wie Tage der Wandlung, sie so leicht zusügen. gemildert und schließlich überwunden werden können/ * Wenn auch das Wort .Lunstausstellung" etwas überheblich ist. so ist cs doch sthr lobenswert, daß die Berliner Logen de- Srdens Bne Lrith sich im Interesse der Kunst, bewnoers der jungen Künstler, beinüben. Tie Ausstcllnna. die sie sitzt zeigen, bringt eine kleine Auswahl ans dem schaßen lebender jüdischer Künstler, Pstalerei. Graphik und Skulvtur; erfreulich einiges van Rahe! 3 q 1 i t, Henoch L a r c z y n s k i. Richard E 0 l i n. Paula N e u - f e l d. Besonders zu enoLhnen sind die Farbenholzschnitte von Meta E 0 h n - £ c 11 b c 1 sowie die Plastiken Jacob P l e ß n er s, die zc-irgenössischü Führer des jüdischen Lebens darftellen. E. P. M MWMlMMg Ut WM$m MMmZmM M$t Mit Rücksicht auf die durch die politische Entwicklung der letzten Zeit geschaffene Lage trat die Reichsvertretung der jüdischen Landesverbände Deutschlands am 12. Februar d. I. irr Berlin unter dem Vorsitz des Präsidenten des Preußischen Landesverbandes jüdischer Ecmernden, Kammergerichtsrat Wolfs, zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen. In eingehenden Ausführungen wurde von den preußischen, bayerischen, badischen, sächsischen, hessischen, mecklenburgischen und hanseatischen Dcitgliedern des Gremiums die politische, wirtschaftliche und kulturelle Lage im Reiche deutschen Inden gerichtet seien. Denn au ch Juden,die ja heute in allen Lagern der deutschen Wirtschaft stehen, sind.an der Bildung dieser neuen Oraariisationsformeu der Wirtschaft mitbeteiligt. Es wäre zu wünschen, daß alle diejenigen — Juden und Nichtjuden —. die sich wirklich in diese komplizierten Gedankcugange vertiefen wollen, weil sie um die Zukunft der deutschen Volkswirtschaft besorgt sind, Bücher wie das von Jakob Lestschinsty lesen möchten. Rur so werden sie die Sorgen der d e u t s ch e n I u d e n, die selbstverständlich allgemeine deutsche Sorgen sein sollten, verstehen können. Aus diesem Buch können ne dann auch ersehen, wie stark die Arbeitslosigkeit unter den Juden zugenommen. wie rapide sich die Stenerlrast der jüdischen Bevölkerung vermindert hat. Allein in Berlin sind mindestens 23 Prozent aller jüdischen Erwerbstätigen ohne 2lrbcit. DaS L)ohtfahrtsamt der Jüdischen (Gemeinde zählt -40 000 Unterstützte: ein Viertel der gesäurten jüdischen Berliner Einwohrrerschast: Fürwahr ein trauriger Gegenberveis gegen die ewige Behauptung von dem „reichen Juden". Lestschinsky läßt die Frage der Znknnftsent- Wicklung ossen. Aber cs rvare falsch, die Hände auf Grund einer solchen Analyse in den c^choß zu legen. Es liegt an den Juden selbst, das Schicksal zu meistern. Hier Ber Srrpye- und CrkLlbungsgesahr hat sich das öftere Gurgeln mit Lhlorodont-MundAasser zum Schutze der Atmungsorgane bestens bewährt. Versuchen Cie es, — Flasche 1 Mk. — und Cie werden aus Überzeugung ständiger Verbraucher. muß das Wollen einsetzen. Die Untersuchungen Lestschinskys beweisen, wie stark sich die jüdische Jugend heute bereits zur Handarbeit drängt, wie sie sich ganz bewlißt umstellt, uni von unten anzufangen. Tie zahlreichen Antworten, die die Arbeitsgemeinschaft für Wirtschastsfragen aus den verschiedensten Berusszmeigen bisher erhalten hat, zeigen, daß durchaus nrcht alle Wirtschaftszweige sich von dem jüdischen Rstenschen emanzipieren können und wollen. Wie vor 120 Jahren, müssen auch heute die Juden selbst den Kamps ausnehmen: m politischer Hinsicht, indem sie den Boykott und die Zurücksetzung bekämpfen, in wirtschaftlicher, indem sie sich alle Wege zu neuer Betätigung erschließen. Ihr Ringen um die Selbstbehauptung in Deutschland ist ihr gutes Recht, wie das eines jeden anderen Bolksteils, ein Kampf zum Vesten des deutschen Vaterlandes.