Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 7 (16.2.1933)
- Date
- 1933-02-16
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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so gezeigt werden, damit sie sicht, wohin Politische Leidenschaft und Verhetzung führen. n. Bischof Dr. Gföllner in Linz hat einen Hirtenbrief veröffentlicht, der in einer großen Anzahl jüdischer Blätter stark getadelt wurde, weil er sich in einem Abschnitt ge^n das Judentum wendet. Auch wir halten die Ausdrucksweise des Hirtenbriefes für verfehlt. Aber in der Stiche hat Bischof Tr. Gföllner, wenn auch in starker llebertreibung, auf ein Gebiet aufmerksam gemacht, das schon häufig von Nichtjuden wie von Juden warnend, tadelnd und erklärend beleuchtet worden ist. Am erschöpfendsten ist Professor Dr. I. Heine mann (Breslau) in der Abhandlung „Vom jüdischen Geist, ein Dort an die Ehrlichen unter den Anklägern" (Philv-Vcrlag, Berlin) ans das Thema eingegangen. Heinemann stellt fest: Ter Borwurf, der Jude verschließe sich der Tatsache, daß in seiner Gemeinschaft die Zersetzung starken Boden gefunden hat, ist, soweit er sich gegen bewußte Juden richtete, völlig unberechtigt. Daß es Juden gibt, die sich zur Ueberlieserung und zürn Lebensintereffe des Judentums durch Zerstörung echter Kulturwerte in Widerspruch setzen, empfinden wir — so sagt Heinemonn — vielleicht noch schmerzlicher als unsere christlichen Mitbürger. Wohl aber verwahren wir uns dagegen, wenn Antisemiten durch unwahre Aufbauschungen genau begrenzter Tatbestände unser Ehrgefühl kränken und zugleich die Heilung empfindlich erschweren. Er zitiert einen Satz des Profesiors Rein hold Seeberg, des bekannten evangelischen Theologen, der in einer Arbeit über Antisemitismus, Judentum und Kirchenrecht nasführt: „Es steht keineswegs so, als wenn es nur Juden wären, die in dieser Richtung wirken. Es sind zahllose Christen und Germanen daran beteiligt. Ja, «ran kann noch mehr sagen: die Ideen, die vom Judentum so Beschickt propagiert werden, ind so gut wie niemals -von ihm produziert worden." Heinemann führt dann weiter aus, daß die Menschen, die zu solchem Vorwurf Anlaß geben, zwar aus dem Judentum hervorgegangen find, aber später alles Jüdische von sich geworfen haben. Einen Teil der Schuld an dieser Entwicklung tragen seiner Ansicht nach diejenigen Parteien, die auf ihre nationale — m Wirklichkeit nationalistische — Einstellung besonderen Wert legen und mit ihrer antifemirischen Gesinnung die Juden, die politisch national auf ihrem Boden stehen, bon Mtarbei! und Mitgliedschaft aus ihren Reihen ausschließen. Hätte Bischof Gföllner diese Gedankengänge näher geprüft, so hatte er sicherlich in seinen Ausführungen vieles vermieden, was nicht nur bei Juden berechtigten Anstoß erregen muß. III. Ter Leitartikel der letzten Nummer unserer Zeitung „Keine Abenteuer" erscheint dem „Völkischen Beobachter" vom 15. Februar 1933 verdächtig. Er versucht, aus ihm einen unzulässigen Angriff aus die Regierung herauszulesen. Zwar attestiert er uns zunächst, daß wir diesen „Angriff" in eine geschickte Verteidigung gekleidet hätten. Aber dabei sei uns ein Mißgeschick unterlaufen, und unsere wahre Gesinnung werde deutlich in dem Satz: „Wir waren auch in den Epochen Element einer abenteuerfreicn Ordnung, die uns im Gegensatz zu den herrschenden Gewalten sah." Hierin offenbaren sich nach Ansicht des „Völkischen Beobachters" die Juden als „Fermen! der Tekomposition", als begeisterte Revolutionäre. In diesem Zusammenhang wird wieder einmal der angeblich von jüdischer Seite geschriebene Sah „Tie Revolution ist der Stern Judas" zitiert, natürlich wieder ohne Quellenangabe. Eine solche wäre auch gar nicht möglich; denn dieser Satz ist, wie langbekannt, eine Erfindung und Fälschung. Der „Völkische Beobachter" verzichtet dafür aber auf Abdruck des Satzes, der sich in unserem Aufsatz an den zitierten Satz anschließt und ihn erklärt: „Was^vir wollten, war dann eine stärkere Untermauerung der Ordnung durch Einbeziehung aller ordnungsbewußten Kräfte in den Staat." Wir erinnern uns, daß die Nationalsozialisten ihre Heranziehung zur Verantwortung am Staat in erster Linie damit begründeten, daß sie sich-als die ausbauwillige Bewegung bezeichneten. Weshalb Aufbauwille und Einbeziehung in den Staat auf der einen Seite „Ferment der Tekomposition" sein soll, aus der anderen Seite Staatsrettung, wird der völkische Beobachter" erst noch beweisen muffen. Bis dahin können wir in seinem Kommentar lediglich einen Haßausbruch gegen den Juden und ZigZLmer Entgleisung im Rundfunk — Tcv C. V. beschwert sich Am Abend des 13. und an: Morgen des "14. Februar wurde im Rundfunk eine polizeiliche Fahndung nach zwei Mördern aus C. V. und gegen die deutschen Juden sehen/ der jeder Unterlage entbehrt. IV. I „Judenlump vergießt deutsches Arbeiterolm!" So lesen wir mit großen Buchstaben im nationalsozialistischen ^Westdeutschen Beobachter" vom 2. Februar d. I. die Nachricht, der berüchtigte jüdische Reichstagsabgeordnete Leber der SPD. sei verhaftet worden, weil er in geradezu bestialischer Weise einen Nationalsozialisten aus offener Straße erstochen habe. Wir stellen fest: Herr L e b e r i st E l s ä s s e r, h a t d i e k a t holt s ch e T o rf s chu l e in Bie sh e im besucht und hat mit dem Judentu m w ed er mit telb a r noch unmittelbar auch nur das allergeringste zu tun. Wieso wird hier aber in w aufreizender Weise das Judentum mir einem Mann in Verbindung gebracht, der nach keiner Richtung bin in Beziehung zu ihm steht? Im übrigen ist der Sachverhalt, der uns nichts angeht, von den Beteiligten vollkommen anders dargelegt, als ihn der „Westdeutsche Beobachter" bringt. Entscheidend für uns bleibt aber die Tatsache, daß wieder mal ein von judengegnerischer Seite schwer beschuldigter Mann in der Oesfentlichkeit zum Juden gestempelt wird, um die Instinkte der Massen gegen die Juden Zu erhitzen. V. Furchtbare Zustände haben sich in Deutschland entwickelt. Mord und Totschlag sind an der Tagesordnung und kein Ende ist abzusehen, wenn nicht endlich die Bestrebungen zum inneren Frieden, die wir in diesen Blättern seit Jahren verfolgen, in die Wahrheit umgesetzt werden. Solange solche Verfälschungen von Tatbeständen, für die wir oben Beispiele angeführt haben und die wir täglich in der 'Tagesprepe lesen, nicht energisch bekämpft werden, wird der Brudermord in Deutsch-- land nicht aushören. Es gibt keine lllegierung, auch wenn ihre leitenden Männer den Juden unfreundlich gegenüberstehen, die Verleumdung und Hetze dulden kann» Denn es geht auch bei den scheinbar belanglosen Einzelfällen um tiefste Fragen menschlicher Gesinnung, es geht auch bei ihnen letzten Endes um die Existenz des ganzen Volkes. der GrenMark durchgegeben mit der Charakterisierung, die mutmaßlichen Tater seien nach ihrem Aeußern Juden oder Zigeuner. Ter Landesverband Groß- Berlin des Centralvereins wandte sich sofort beschwerdeführend an die Leitung des Rundfunks. Tort wurde die Angehörigkeit derartiger Rundfunkmittoitungen zugegeben und sofort da- J'ür gesorgt, daß dieser Zusatz bei der dritten Durchgabe nicht mehr gemacht werde. Tie Verantwortung für den Vorfall trage die Kriminalpolizei, die diese Notizen durchgibt. Auf Beschwerde bei der Kriminalpolizei wurde festgestellt, daß die Meldung durch polizeilichen Funkspruch der Landeskrnnina (Polizei Grenzmark aus Schneidemühl nach Berlin gelangt sei. Es. wurde auch dort sofort Vorsorge getroffen, um eine Wiederholung des peinlichen Vorgangs zu verhindern. /Innfk^A \J i/iy ©s gesii© C3ÄS&® UeSEx rmiss zzlz?Ia Mß? OZMLÄMM JCSGÜGBl rMEÄÄZ LMÄ! Kr £«258 S?J}8ü! Spsnös! LLl Posisc&ecli&enls 30412, EsrHn