Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 7 (16.2.1933)
- Date
- 1933-02-16
- Page
- Seite 49 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Serlln, 1S. Jebeuar 1CS3 XII. ^ahrssRg » Nr» 7 €lnj*!ru!CJc«c 20 Pfcanlg ESSZtät . ..!) IfM fl tl VmT^ SV> *> ftffö ^vlWVws> {(vv’v/ *Cr i«/vi^Ojj^'^OvVvvfv ML-IW-AMW. BierieliLÄrscrdonnernent 2,25 NM. (Zuzügl. Bestellgeld). ^L-}\* v-'jH&jy v>v^s>i» ■' .^ZWlDNAMBÄ Allgemeine Zei/un$ des Judentums;3®@ öu--» LWWM^ZZ Derlaa und CLrifUeivmg: Berlin W15, Csifec Str-42. Fernsprecher: J2 Olir>a 5074. .:. Poftschrckkonlo: Berlin 3C4 72. .:. Vanttonw: Dresdner D-rU, Depositenkasse SS, BerUN'Wilmrr-dorf!, Hrhrnzollerndarnm 196. Alleiniar Anzeigera^nahirre: Annoncen-Exper-Uon Rudolf Moffe. Berlin W 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0L9 für die 7ge^ltene Zeile nach Rudolf Mosses Kormalzeilenrnesser Rr. 4, Familienanzeigen und L'ellengcsuche (nicht LtellenangeLole) für Mitglieder des Lentralrerrins 0,43 J2*H, die 62 run breite Retlamezeile 3,60 JiJU 4 , c/>- * , j Es ist eine ergenkünillche Erscheinung unserer Zeit, daß Ereignisse immer gewaltig sein müssen, wenn sie die Welt und alle Herzen bewegen sollen. Das gilt von Freude.und Schmerz, das ist der Maßstab für die Bewertung jedes Geschehens. Der Einzelfall, die Hinwegraffung durch Not und Tod rührt nur noch an die äußeren Sinne, ein großes Unglück ober läßt die getrennten Menschenscharen wieder inne werden, daß unser irdischer Ursprung gemeinsam ist, daß wir Brüder find. Wenn einer in der Sekunde hinweggenommen wird oder die Zeitung den Heimgang eines Bekannten meldet, dann reicht das bedauernde Ach nicht weit, und die Teilnahme ebbt schnell ob und klingt bald kaum noch nach. Warum das alles so geworden ist und viele in Gefühllosigkeit erstarren, werde hier nicht ausgesprochen, aber im gemeinsam großen Kummer um Ncunkirchen darf man doch bekunden: Es ist wohltuend, es ist Hoffnung gebend, daß ein im Mitempfinden um dis unschuldigen Friedensopfer von Neunkirchen ungeteiltes Deutschland und die ganze Welt sich in Ehrfurcht an den Bahren der teuren Toten, der aus dem Leben Gerissenen von Neunkirchen verneigt. Wir wissen nicht, ob sich unter den Toten dort auch Juden befinden. Der Tod fragt nicht nach Bekenntnis und Stamm, und wir beklagen jeden, der dort zu Grabs gehen mußte, wie einen Verwandten und Freund. Unschuldiges Sterben ist uns Israeliten geschichtlich und gegenwärtig nicht fremd, und wenn sich die Frage wirklich nochmals erheben sollte, welche Gemeinschaft im Lauf und Wandel der Zeiten auf diesem Wege schwerste Opfer gebracht hat, dann kllngt das Trauerlied der Juden und der deutschen Juden ergreifend und schwer. ' Wir alle leisten ungemahnt in harter Verkümmerung unseres wirtschaftlichen Ringens, mit den anderen wetteifernd, Beistand und Hilfe und wissen, daß jeder unserer Freunde, daß auch unsere Arbeitslosen, selbst die leidenden Greise und schon unsere Kinder spenden und geben werden. Das Helfen ist die jüdische Tradition, und selbst unsere politischen Gegner haben noch nie abgestriiten, daß der Israelit aus vollem Herzen und in Demut die Wohltätigkeit übt. Geben macht nicht ärmer und führt diejenigen zusammen, die sich in Verkennung anderen.Wertes und im Unmut des Geschickes noch nicht verstehen. Möchten^ die teuren Toten von Neunkirchen nicht ungesegnet vermißt werden. Keime und sprieße als Frucht dieses Leides ein alle adelndes und verklärendes Bewußtsein vom Wert jeder. Menschenseele und von der Aufgabe des wahrhaft Gottcsfürchtigen, die rätselhaften Prüfungen der Vorsehung zu ertragen, aber dem irdischen Leid vorzubeugen, solange es noch Zeit ist. Die Stummgewordenen rufen uns das Wort unserer Heiligen Schrift entgegen: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!" (3. Buch Mose, Kap. 19, Vers 18.) Dieses Wort aus der Lehre des Judentums hat schon vielfach die Welt beeinflußt: es wird wieder Zeit, daß es aufs neue verstanden und beherzigt werde. Schlaft wohl, ihr edlen Dahingegangenen, habt Dank, mitfühlende Menschen! Pr. Martin Salomonskij Unser Recht auf Arbeit — Ein Hirz tenbrief — „JuDenlumP" Tie Not der ungeheuren Anzahl jüdischer Erwerbsloser, die nach Ansicht sachverständiger Greife verhältnismäßig die Zahl der nichtjüdischen Erwerbslosen noch übersteigt, hat einer großen Reihe jüdischer Srganhatlonen Anbaß gegeben, in einem Rundschreiben am Schlüsse des vergangenen Jahres aus eine Broschüre der Vereinigten Zentrale für jüdische Arbeitsnachweise in Deutschland: „Unser Recht auf Arbeit" hinzuweiftn. In ihr sind die Tragödie des jüdischen Arbeitsuchenden, der Umsang und die schlimmen Folgen dev jüdischen Arbeitslosigkeit eingehend behandelt. Deshalb haben eine Reihe jüdischer Verbände das Büchlein weiter verbreitet und gebeten, mit Rat und Tat dafür Sorge zu tragen, daß jüdische Erwerbslose wieder unmittelbar in das Wirtschaftsleben eingereiht werden. Wan sollte annehmen, daß dieser Ausruf von jedem gebilligt werden muß, der ein Jmeresse daran hat, die Erwerbslosigkeit zu mildern, Menschen in den Arbeitsprozeß einzu selten. Statt desien wagt der natwuatwzialistische Karlsruber „Führer" in Binem Beiblatt „Ter Arbeiter im Betrieb' diesen Ausruf als e:n schamloses Angreisen aus die Arbeitsstätte der deutschen 'Arbeitnehmer zu bezeichnen! Tie deutschen Arbeitnehmer sollen brotlos gemacht werden! Tiefe Behauptung tft völlig aus der Luft gegriffen! Ter Aufruf enthält weder mittelbar noch unmittelbar auch nur den geringsten Hinweis, daß etwa Nlchtjüdische Arbeitnehmer aus ihren Arbeitsstellen entlaßen rverden sollen, um Juden Plast zu machen? Es ist wieder einmal ein krasies Beispiel daft'ir, wie eine Zeitung, die sich als „deutsches Blatt" ausgibt, der Wahrheit ins Gesicht schlägt, nur weil der Ruf nach Arbeit von Juden erhoben wird! Solche Tinge müssen der Sesseuttichkeit wieder und wieder Aus dem Inhalt: Blutiger Terror in Viersen und Eisleben •••••••«• Seite 5( Dr. Kurt Zielenriger: Das Wirt« schaftliche Schicksal «les deutschen Judentums c c t t « t Seite 51;