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Central-Verein-Zeitung · 1933-02-09 · 6 (9.2.1933) · p. Seite 46

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
6 (9.2.1933)
Date
1933-02-09
Page
Seite 46 (sequence 6)
Language
German
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4ö baren. Schon in seiner ersten Schrift (von 1850)' lagt er: .Mß das geschichtliche Elends der Inden und die räuberische Roheit der christlichgermanischen Gewalthaber den Söhnen Israels diese Macht selbst in die Hände geführt haben, braucht hier nicht erst erörtert zu werden/ Nun, scharfer kann man dar nicht gut ausdrücken." Hm so fataler die GescnnthalLung zum Judentum bei Wagner . . . Chamberlain, der Antisemit, der in seiner Wagner-Biographie eine Anzahl (gar nicht zur Sache gehörender) antisemitischer Stimmen bringt, verallgemeinert zu Unrecht, wenn er schreibt: „Der Verderb des Blutes und der demoralisierende Einstich des Judentums, das sind also nach Wagner die tiefsten Ursachen unseres Verfalls/ Nein: der Antisemitismus Zst'beL Wagner eine bedauerliche Seitenlinie, aus Ressentiment und Unsicherheit geboren, die mit seiner wahren und Lieferen Weltanschauung nichts zu Lun hat und die sich durch jene Einschränkung „schlecht 'gleich jüdisch" von selbst ad absurdum führt. Schlimm ist nur die Gedankerwerwirrung bei Chamberlain, der das gleiche weiß und doch Antisemit bleibt. Er bekennt, daß Wagner den Verkehr und die Freundschaft mit Juden nicht gemieden habe, und „daß diese ganze Hetze gegen Wagner nur bei den schlechteren Elementen des eigentlichen Zndentums Unterstützung fand und in Wahrheit nichts anderes als eine Verschwörung der Talentlosen und M i L t elmäßigen — „jeglicher Konfession" — gegen das Genie war/ (Sperrungen vom Verfasser.) Was hat das dann noch mit den Juden zu Lun? Warum verunglimpft man sie, wenn man die Mittelmäßigen meint? Warum ist Chamberlain so feige und stellt das nicht fest? Warum macht er sich des Verbrechens der lieblosen Verurteilung von solchen, die er gar nicht verurteilen will, schuldig? Nun, weil es sehr, sehr menschelte ... bei ihm wie Lei Wagner. Wir glauben aber, daß dieser geradezu klassische Fall uns wieder einmal die jurchtbare kulturelle Gefahr zeigt, in der wir schweben, wenn weiterhin — entgegen der besseren Ueberzeugung! — jüdisch gleich schlecht gesetzt wird. Sagen wir uns alle gründlich davon los, aber so gründlich, daß dieser weltgeschichtliche Schandfleck, dem auch ein Genie wie Wagner zum Llpfer siel, aus dem Sinnen und Tun der Menschen verschwindet... Schcirmat GLto Saumgarten 75 Jahre alt Sür-Uch einte die ttssloaifis SMt den <se= Heimen Konsistorialrat D. Iw. h. c. O 11 d Baum» garten aus Anlaß fernes 7ö. Gcburtelagos. Uwer den Gratulanten darf aber auch die jüdische Gemeinschaft nicht fehlen, für deren BAanae sich Vanw.garterr seit Jabrcn in aller Le'-entlichkest und mit aller Qsfcnheil eimetzt. Ja, Laumgarwn ist dieses Eintreten für die Juden schon oft zum Dorwnrf gemacht worden. ^Jn der schwersten Form geschah dies, als der _ Tljafrnoe dazu anser'eben war, bei einem Bach-uest in Klei die Festoredigt zu halten. Damals verteilen die na: io me l \ o 3 i a I i s: i; chen Studenten am Abend des 4. und ain Morgen des 5. Sttober 1930 vor der Nikolaikirche ein Flugblatt, das die Ileber'christ enthielt: „Wer ist Gehnmrat Baumgarten?'' und d:e Fraoe alw beantwortete: „Gehcimrat Banmgartcn ist ein Landesverräter, . . . ein Aoilo'cinii. denn er arbeitet seit geraumer Jell ln engster Verbindung mit dem .Ccntralverein deutscher Staatsbürger jüdi'chen Glaubens^ gegen die chlulinchchande" des Antisemitismus, d. h. er kämpft mit Fremd stä'.nmigen gegen Teutschblütige, die sick für die Befreiung nn'eres Belkes von der jüdischen Weichest einseben, ... ein Pazifist, . . . ein Verräter am Nationalismus/ Tie Behauptung von der engen Verbindung mit dem C. D. ist zwar säl'chlich ausgestellt, aber Baumgarten gehört seit Jahren ZU den besten Mitstreitern im Verein zur slbwehr des An'.i'emiüsm.ns und sucht in Wort und Schrift falsche Beschuldigungen der Judengegner zu widerlegen. Snne Veröffentlichungen auf diesem Gebiete sind lesenswerte Abhandlungen, die niemals^-— so auch in seiner „Lebensgeschichte" und in der Lchrift „Kreuz ny:.d Hakenkreuz" — ein kritisches Wort über Inden fehlen lassen, aber da? Schimpfliche des Judenhaß,es als undeutsch und unchristlich dauernd verwerfen und auszeigen. Seine Bcmrworiung des 19i4 eingeorachten Antrages des 'elbgeordneten Ean-l für die staatliche Unterstützung leistungsschwacher ^r,nagogengemeinden. sein Wort der Abwehr an? Anlaß der Vorgänge am Knr-ürstendamm 1931 nnd sein jüngstes Eintreten für die verzapungsmaßigen Rechte im Falle Prosestor Eohn (Breslau) zeigen ihn immer in erster Linie aus der Seite derer, die den Juden gerecht werden. So danken wir ihm und wünschen ibm, die Besinnung des Volkes, dem er mit dem Herzblut angeh ört, zu erleben. Br. P-> K. Georg Hirschfelö 5n seinem 60. Geburtstage am 11. Februar. Es ist üblich geworden, beim Namen Georg Hirsch selds an die Anfänge des zweiundzwanzigjährigen Berliner Kausmannssobn.es, der an drei Kausmannsjahre philosovoisch-literarische Studien in München und Berlin fügte, zu erinnern: wie Drahm 1556 sein Drama „T i e Dlütter" mit großem Erfolg herausbrachte. Cerhart Hauvkmann ihn „den einzigen ernstlichen Mitstrebenden' nannte, Theodor Fontane seine Novelle „Ter B e r g s e e" lobte. Man machte cs Georg Hickchseld später gleichsam zum Vorwurf, daß er sich nicht auf der Linie seines ErstlingsknZ9v»ekoS: Livcdon.ÜsrrLLrrur» EZ8 erfolgeals naturalistischer Miliendramariker, der in „A g n e s Jordan' (1898) eine ungbückliche Ehe in jüdischer Familiendichtigkeit eindrucksam ge» staliete und svater ZU Dienstboten-, Künstler- und Lustspielmotiven sortschritt, weiterentwickelte, son» dein eigene Wege ging, seiner angeborenen Inner» lichkcit gehorchte. Hirschfeld, der das erschütternde Wort sprach: „Lächelt nichts ich bitsi euch. Ihr könnt nidw crmcuen, was für ein Unglück es ist, jell: jung zu sein", war ja eine von Cesübl. von der Sehnsucht her bestimmte, eine seelische Natur» die zusammen mit seiner ästhetischen Kultur und sorgfältigen Klugheit nicht im Materialismus hängcnoleibcn konnte. Er entwickelle _ sich aus dem Naturalismus zu einer idealistisch durchdachten Menschlichkeit und gab dieser seiner eigenen Lebens- und Weltdeutung, besonders nachdem er sei: 1503 nach München, zuerst nach Dachau, dann Großhadern, ch berge siedelt war, stets einen, sinnvollen und durchsühlien Ausdrucks Die ständigen Dl eaterniedcrlagcn führten ihn immer mehr dem Roman zu. Seine erzählerischen Werke, unter denen nch ans wirtschaftlichem Zwang auch reine Untcrba'.tungsbücher befinden, haben in ibren besten Leistungen, wie dem Eberoman ,.D c r Kamps der weißen und der roten Zi 0 s e", dem „M ä d ch e n von Sille*, der „Bel 0 wschcn E ck e", dem „Mann im M 0 r g e n d ä m m c r' nicht nur geistige Haltung, sondern auch echte dichterische Kraft. Die „E. V.» Zeitung' brachte erst vor kurzem seine Erzählung „Ter kleine CrasM Banns Zlartin Illster. Fusirzrat ffe'kx UlakorvLe Tiefe Trauer ist es, Felix Makower einen Nachruf schreiben zu müssen. Aber auch tiefe. Freude ist es. Tenn wenige Menschen gibt es, wie ihn, angesichts derer die Mahnung: von Toten sprich nur Gutes! so ihren Sinn verliert. Wer wollte anderes von diesem Toten reden als Gutes! Auch ein Gegner könnte es nicht. Die Aufgaben feines Vaters Hermann Makower fortsetzend, wirkte er seit Jahrzehnten im Kuratorium des von jenem gegründeten Waisenhauses der Berliner Jüdischen Gemeinde und des Mädchenerziehungsheimes: er war (1SK)4) einer der Mitbegründer des die Gemeinden und Or- ^ETefTor^b (eure 8 d k'4.a La^s» «2 u Haö# 6 L a ij LilS '<as 3 il l** a '4 I Es erwarte? Sie da% EINZIGE JÜDISCHE I EIumer*?pzchaf? osj Friedhof V/eißensee | F]ER^i*uLö, Lothringemtrc3e 16, I E6 V/eiSer.ree 1767. Schriftliche und tele* I graph.Aufträgewerden prompfausgefuhrt; | Auio-Ausrütitxng | Töpfer "”“1 j U- LCvini Direkt ab Fabrik! KiuuiuShs!, ] Cosch3, tfatral- \ ' ", \ tsitg.^skoration, S, -■ ... . f LScifiise.früber . ir.?c:sa, Pc!:tär« v~“' trrSielfabrik.Bcriin, AIt-KsabjtC5, fabrikffsb., Tel: C9. Ttö.rgart.9561. Vertreter:esc^ierfcicdiicfi. AuSo- 4 Ö.C.J. a L U .'-USb» 2 IC’Mi und tasrüslssg lilf il:Ic"o.i!a Berlin SO 33 KSpentcker Strasse 151. Oberbaum F8 2164. MZ fl [fi,pr",!nr/Qfti Tö?ffr* i.. b.Je fett» rr.elstcr trrr'1 Mitglied des Jüd. Handwerkeryereins tstll ) Berlin 1757, ViinlsrleI^Isfir.24. Telefon: B 7 Pallas 3297. _ | Herren -u 1 | Fensfcrreinrrjtxng | Ilornllic? L Oo. Inh. E. Klon o wer (Mitglied de? Jüdi^cben Handwerker verein?). Esrlla W 8, H-tcrsir. 47,43 Tel.: A2. r.ora Hio rJ;rTnr!Orl Ua» Li Li \l$ Li il RCXOTMITZ C. m. b. K. H E5, SellsrsfrasES 2? Telefon: U 6. 649} 1 Steuerberatung, Bücher*ähren jf Installationen ] IliTci AiM3, Ing.-Eero. ü:U-, wUl-?-: ReV!.-s. Kuu.- hU~lM.Zzl:izhl-Y.r1o.$-‘if:' rmUL: r^G23-ü.V/asäeran!a». C‘. :g.4, t/'ic.'str. 1. Eism.204 flidiaeS Mayer Frankfurt a. L1ainv Im ßacbsenlager I,L 2*ur persönliche Erledigung. Auch auswärts. Msi: ÜKJ’i©-;;E'ri . 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