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Central-Verein-Zeitung · 1933-02-09 · 6 (9.2.1933) · p. Seite 44

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
6 (9.2.1933)
Date
1933-02-09
Page
Seite 44 (sequence 4)
Language
German
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44 gut besuchten Veranstaltung stand' ein Politisches Referat Dr. Holländers, das von den Zuhörern mit besonders großem Interesse ausgenommen wurde. Eine gut besuchte Jugendversammlung am Vorabend, bei der Dr. Wolfgang S. Matzdorss vorn Reichsjugcndausfchuß sprach, und Badische Tagung ’ Anker ungemein starker Beteiligung fand cm 5. Februar die Tagung des Landcsverbandcs Laden des C e n t r a l v e r e i n s in Karlsruhe statt. 26 Ortsgruppen und Propagandaorte waren vertreten. Die führenden Ortsgruppen, wie Karlsruhe, Mannheim, Freiburg, Bruchsals und Ludere. hatten mehrere Vertreter entsandt. Besonders dankbar empfunden wurde der Besuch aus kleinen und kleinsten Ortschaften, in denen nur wenige jüdische Familien loben. Die Tatsache dieser ungewöhnlich starken Anteilnahme beweist, da st das badische Judentum von Weinheim bis Konstanz die Zeichen der Zeit erkannt hat. Wohltuend wirkt, mit welcher Ruhe und mit welcher im unerschütterlichen Heimatgcsühl wurzelnden Festigkeit die Versammlung die jüngsten umwälzenden politischen Ereigni'ge in der ReichshauPtstadt ausnahm. Man ist kampsbercit, aber das Vertrauen aus die gute und gerechte Sache ist so grast, daß Verzagtheit euch nicht einen Augenblick auskam. An der Tagung nahmen Haupivorstandsmitglieder des C V. Dr. Jacob M a r r, Ehrenvorsitzender des Landesverbandes, Dr. Paul Homburger, rrnd Tr. Moritz Strauß, sämtlich in Karlsruhe, teil. - Der Lande so e rba ud svorsttzend e, Rechtsonwalt Hugo Stein (Karlsruhe), gab einen Tätigkeitsbericht, der bewies, mit welchem .Eifer sich der Landesverband der Nöte der sein Jugendreserat am Schluß der Telegiertentagung zeugen von dem großen Interesse, das der Landesverband der Jugendarbeit entgegenbringt. Mit der deutschjüdisch eist Jugend, arbeit in Pommern geht es bergauf. Sechs Jugendgruppen sind bereits entstanden. Ein in Bildung begriffener Landcsjugendausschuß soll den werteren Ausbau fördern. badischen Juden in' Klein- und Großstadt und auch auf dem flachen Lande angenommen hat. Besondere Anerkennung verdient die planmäßige, weitgreifende Aufklärungsarbeit, die der Landesverband durch Versendung der Monarsausgabe der „C. V.-Zeitung", zahlreicher Broschüren, des Weißbuches und wipenschastlicher Werke geleistet hat. Syndikus Tr. Alfred Wiener (Berlin) gab einen Rückblick über die politische Lage, über die geleistete und geplante Arbeit der Zentrale, eine Arbeit, die ruhig und überlegt lveiiergesührt werden mime und sicher dazu führen werde, beyerenZeitcn eine Sasse zu bahnen. Eine mehrstündige Aussprache setzte ein, aus der besonders die Anreguugen, aber auch fruchtbringende Kritiken von Tr. Jacob Marx (Karlsruhe), Tr. Rosenthal (Mannheim) und Tr. Hamburger (Karlsruhe) hervorgehoben seien. Tr. H o m b u r g e r berichtete über die erfreulichen Fortschritte der E. V. -Jugendarbeit in Karlsruhe und N! a u n - heim. In beiden Orten sind an Zahl stattliche Jugendgruppen am Werke, die in wichtiger Kleinarbeit ihr Wipen um den C. V., die Aufklärungsarbeit, das deutsche Judentum mehren. Bemerkenswert war dis Feststellung ans der Astissprache, an wie vielen Orten gute Beziehungen zu den christlichen Mitbürgern bestehen. Ihre Pflege und Verbreiterung und ebenso die beabsichtigte Veranstaltung verschiedener Aussprachen mit der christlichen Umwelt wurden als besonders nützlich begrüßt und beschlossen. AngestelltekundgeSjuKg m Frankfurt a. Fl - Mit Rücksicht auf die völlig veränderte soziologische Struktur der deutschen Judenheit ver- «mstaltete die Ortsgruppe Franksurt eine Kundgebung „Jüdische Angestellte und Wirtschasts- Iwt", um die Möglichkeit zu geben, die Problems des jüdischen Angestellten in aller Oesfentlichkeit zu diskutieren. Am 23. Januar versammelten sich im großen Saale der Frankfurt-Loge mehr als 150 Personen, die durch ihre lebhafte Aufmerksamkeit und Teilnahme an der Tiskussion ihre innere Beteiligung bewiesen. Nach der Eröffnung des Abends durch Syndikus Tr. M. Marx sprach einleitend Syndikus Tr. Ernst Plaut (Essen) über „D i e geistige Krise des deutschen Juden". Er zeigte die allgemeine Lage auf, der sich die Juden heute gegenübersehen. Seit der Emanzipation waren es der individualistisch handelnde Liberalismus, die Einstellung auf das mit der Vernunft zu Begreifende und Aufzubauende, aus denen die Juden ihre Kräfte geschöpft haben. Die Umstellung auf die neuen Bedingungen nun sind wohl den meisten Inden, nicht aber dem Juden als solchen! schwierig; zur Aeberwindung der Unstimmigkeit, die heute zwischen seinem inneren Sewordensein und den Strönumgen seiner Umwelt besteht, muß er alles daransetzen, in das neue Leben seines deutschen Volkes hiueinzuwachsen. Hierauf behandelte Ernst Holzer (Frankfurt a. M.) die wirtschaftliche Seite des gleichen Problems. In seinem Dortrag „Die wirtschaftliche Lage des jüdischen Angestellten" gab er zuerst einen Abriß über die Entwicklung der Wirtschaft — dieser Wirtschaft, die unser aller Leben unter ihre .Gesetze zwingt, unter welche geistigen Irinzrpien auch immer man das seine gestellt habe. Durch die großen internationalen Wirtschafts- Hemmnisse hat sich für jeden einzelnen der Lebens raum verengt. Besonders die Juden haben unter dieser Veränderung zu leiden, weil sie dem meistbetrossenen, dem Mittelstand angehören. Wie im geistigen und politischen, so dränge vor allem heute auch im wirtschaftlichen Leben alles zu einer Lösung durch koüeriivisttschon Zusammenschluß; die selbständigen Kleinbetriebe machen Großkonzernen mit einer vermehrten Angestelltenschaft Platz; so wird der Jude heute zwangsläufig aus seiner bisherigen Position hinaus- und in die Reihe der Angestelltenschaft hineinaetrieben. Um sich mit dieser Gegebenheit abzufinden, ergeben sich zwei Forderungen: eigene innere Umstellung aus das kollektivistische Denken, auf ein Denken aus der Gruppe heraus, mit der man schicksalhaft verbunden ist; und die Vorurteilslosigkeit gegenüber der neuen sozialen Lage der Juden. Nicht nur der einzelne, — auch die Orgauisarionen muffen umlernen und einer jüdischen huiuanitas sich öffnen; den Menschen nach seinem inneren Wert, nicht aber nach seiner sozialen Lage zu werten. Gerade die abhängige und vom Antisemitismus bedrohte Lage der jüdischen Angestelltenschaft verpflichtet die jüdische Allgemeinheit, ihr ihren besonderen Schutz angedeihen zu lasten. So ergibt sich also die dritte Forderung: Kampf ums Recht. Im ausrechten Bewußtsein ihrer neuen Lage sollten jüdische Angestellte innerhalb aller dafür maßgeblichen Stellen nach innen und im Verein mit ihnen nach außen diesen Kampf ums Recht führen: in Erkenntnis ihrer historischen-Ausgaben, . Abschließend sprach Redakteur S. .Schach» nowitz über die besondere Lage des orthodox-m Juden, der als Angestellter mit der Eiir* Haltung des Sabbats noch vermehrten Schwierigkeiten begegne. Diesen drei mit großem Jntereste aufgenommenen Vorträgen folgte eine eifervolle Aussprache, die sich im wesentlichen mit dem Holzaschen Referat auscinandersetzte. Mit besonderer Betonung wurde anerkannt, wie dankenswert es war, daß der E. D. die Erörterung dieser Fragenkomplexe ermöglicht und sich bereit erklärt habe, den Schutz der in ihrem wirtschaftlichen Sein bedrohten jüdischen Angestelltenschaft zu einer seiner wesentlichen Ausgaben zu machen. Edith Falk. Der Solöat zu öen Solöaten Unsere Zuversicht, daß der Rcichsbund jüdischer Frontsoldaten seine Aufklärungsarbeit vor den alten Kameraden erfolgreich fortsetzen werde, hat sich durchaus bewahrheitet, Tr. Ludwig Freund hat in dcn letzten Wochen wieder Veranstaltungen, so in Bruchsal, Bad Dürkheim, Kaiserslautern, Landau, abgehalten, die überall wirkungsvoll verliefen und in der Ortspreste einen schönen Widerhall fanden. Wir freuen uns dieses Erfolges. Ter Centralverein wird auch weiterhin diesen Zweig der Aufklärungsarbeit sehr gern moralisch und finanziell fördern. Herr Lübecks ermZfrmktL . aus ImZEs In regelmäßigen Zeitabständen bringen die deutschen Sender eine Reportage aus Amerika über die Fragen, die dort die öffentliche Meinung beschäftigen. Tie letzte Veranstaltung dieser Art enthielt eine Neuerung, von der zu wünschen ist, daß sie inzwischen wieder überholt ist: Ein Herr Lüdecke sprach nach dem regelmäßigen Referenten über den Begeisterungsraumei der Deutschamerikaner über die Reichskanzlerschast Hitlers und berichtote besonders hämisch von einer geschmacklosen Pressemeldung, die da besagte, daß zahlreiche deutsche Juden bereits ihre Koster packten, um Deutschland zu verlassen. . Herr Lüdecke, so genial, daß für ihn das Mikrophon ein Fernsehapparat ist, der über den Ozean himregreicht, und ihm gestattet, amerikanische Tatarennachrichten zu bestätigen, kann das deutsche Judentum nicht beschimpfen. Er kennt es auch nicht mehr, weil er während des letzten Jahrzehnts im wesentlicken außerhalb Deutschlands geweilt und im Auslande für den deutschen Nationalsozialismus geworben Hai. Ihm, dem reisenden Weltanschauungsagentcn. ist der Begriff des Kosferpackens selbstverständlich vertraut. Die deutschen Juden hingegen, bodenständig und heimatverwurzelt, Pflegen ihre deutschpoliti scheu Anschauungen nicht als Exportartikel anfzufassen, für die sie außerhalb der deutschen Grenzen eine Fördererschaft suchen. Sie haben aus nationalem Stolz, aus nationaler Würde niemals vor den Ohren der Welt einen Menschenkreis innerhalb des deutschen Volkes verächtlich machen wollen, auch wenn es sich um ihre Politischen Gegner handelte. Es kann mit Recht gezweifeli werden, ob Herr Lüdecke den Geschmack und Takt seiner Hörer getroffen hat. Ter Aether jedenfalls wehrte sich: die Üeberttagung war schlecht.. lüde**, "

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