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Central-Verein-Zeitung · 1933-02-02 · 5 (2.2.1933) · p. Seite 34

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
5 (2.2.1933)
Date
1933-02-02
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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24 die Verbundenheit des Herrn Reichspräsidenten mit allen Teilen des deutschen Volkes keinen Angriff aus die verfasfungsrnämgen Rechte von Teilen der deutschen Volksgemeinschaft dulden werden. Die nerre Reichsregierung wird bald merken, daß sie ganz andere und schwierigere Fragen zu lösen hat als die sogenannte Judensragel III. Ernst und besorgt blicken die deutschen Juden in die Zukunft. Es hat keinen Sinn, sich über die Gefahren hinwegzutäuschen, die darin liegen, daß die führenden Männer einer Partei, die den Kampf gegen die Juden auf ihre Fahne geschrieben hat, nun die deutsche Politik beherrschen. Auch in dieser Zeit werden die deutschen Juden ihre Ruhe nicht verlieren, die ihnen das Bewußtsein untrennbarer Verbundenheit mit allem wirklich Deutschen gibt. Weniaer denn je werden sie ihre innere Haltung zu Deutschland von äußeren Anarin'en, die sie als unberechtigt empfinden, deemflussen lassen. Viel zu Lies ist in ihneu das Bewußtsein verwurzelt, was für sie der deunche Lebensraum bedeutet. Dieses Bewußtsein, und nicht zuletzt die Tatsache ihrer Leistungen für Deutschland, geben den deutschen Juden heute Kraft und Halt. Ihr Kampf um Recht und Ehre wird getragen von einem gesteigerten jüdischen Verantwortungsgefühl, das heute jeder einzelne empfinden und betätigen muß. In dieser Gesinnung wigen sich die deutschen Juden nach wie vor einig mit der über- . wiegenden Mehrheit des deutschen Volkes. Sie vertrauen auf den endlichen Sieg der Wahrheit und der Vernunft. Der Eentralverein wird von seinem Kampf um das Recht der deutschen Juden nicht ablassen. Wichtiger, Qber auch großer denn je, sind heute seine Aufgaben. Er steht in einer Reihe mit den Manen des deutschen Volkes, die im Bewußtsein einer guten Sache für innere Freiheit, äußere Unabhängigkeit und das soziale Wohl aller Teile des deutschen Volkes kämpfen. Er wird seine Anstrengungen gegen alle Versuche der Entrechtung auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet mit allen Kräften fortsetzen. Nur aufrechtes Bekenntnis zu unserem wahren Wesen, unbedingte Mannhaftigkeit und stärkster Nachdruck in der Selbstbehauptung dessen, was wirklich deutsch und wirklich jüdisch ist, wird dem heute lebenden Geschlecht der deutschen Juden Anspruch geben, vor der Geschichte zu bestehen. Möge diese Entscheidungsstunde für die deutsche Judenheit ein würdiges Geschlecht finden. Ludwig Holländer. r <1 A. H. In den Stunden, die zwischen dem Rücktritt des Kabinetts Schleicher und der Ernennung Adolf Hitlers zum deutschen Reichskanzler lagen, hielten der Verwaltungs- und der Arbeitsausschuß des C.V. Sitzungen ab. Tie Schwere der^Ersignillo und die Bedeutsamkeit der Erttschllsse, die in ihrem Zusammenhangs zu sagen waren, erhöhten den Ernst der Erörterungen. Tie finanziellen Voraussetzungen unserer Arbeit pruste der Verwaltungsaus schuß unter seinem stellvertretenden Vorsitzenden, Dr. Erich M a g n n s. Bedeutet schon in einem kaufmännischen Unternehmen Tabelle und Zahlenreihe mehr als nüchterne Berechnungsgrundlage, weil wirtschaftliche Schicksale und Menschenschicksale, politischer Ausstieg und Krise, Modeströmung und -urnkehr dem kenntnisreichen Betrachter in knappster Zusammenfassung ' deutlich werden — um wieviel mehr erst bei einer weltanschaulich untergründeten Organisation' Hier reden Zissern und Zahlen von Einsatzbereitschaft, von Spferfrcndrgkeit und Zukunstswillen, von menschlicher Verknüpfung zwischen Führer und Gefolgschaft. Krischen den Verantwortlichen und der: Vertrauenden. Aber auch negativ zeigt sich daß immer noch weite Kreise des deutscher! Judentums in einer Lässigkeit beharren, die vor der Instanz der Geschichte als strafwürdig durch die Ercignisie gerade der letzten Tage erwiesen worden ist. Tie für die Verwaltung des Vereins verantwortlichen Männer und Frauen faßten Beschlüße, die nach Leiden Seiten hin wertvolle Grundlagen für Weiterarbeit und neuen Aufbau bilden können. Als unbedingt erforderlich wurde festgestellt, daß auch in den von Juden nur dünn besiedelten Gebieten die notwendige Auftlärungs- und Verständigungsarbeit unbedingt sichergestellt werden muß. Tie Zusammensetzung des DerwalLungsausschusses. in dem vorwiegend Freunds ans dem Reiche Mitwirken, wird sich auch unter diesem Gesichtspunkte als nützlich erweisen. Ter Arbeitsausschuß tagte unter dem Verciusvorsitzenden Justizrat Tr. Brodnitz am 29. Januar vom frühen Vormittag bis in die späten Abendstunden. Nur wenige Freunde, die Krankheit hemmte, waren der Sitzung serngebücben. So erhielt dieser für die Leitung des Dernns maßgebende Kreis die Möglichkeit, Eindrücke und Forderungen aus ollen Teilen des Reiches kennenzulernen und damit die Gesamtheit der Politischen, wirtschaftlichen, geistigen Lage des deutschen Judentums in ihrer Verknüpfung mit der deutschen Umwelt zur Grundlage der Arbeit zu machen. Tie Einleitung gab Tirektor Dr. Ludwig Holländer mit einem r, H«v rvss er bsfchAssl Verorörumg LLee örr veeUökgung öe? össsnMchen S samten. vom,4. August Artikel 1. Fch schwere Treue öec Verfassung, Gehorsam öen Gesehen uni gewissenhafte Erfüllung meiner AmtspsüchLen. Rrkchsverfassung: Artikel 1HH. Alle Deutschen sinS vsr Sem Gesetze gleich. Artikel 12$. ALsStaatödürLerohneUnLerschieösinS nachMaßgareöseGefeHeurtt ent>prsL)enö ltzrsrHeföhlgungun-khrenLelftuRZeszuöenLssrnUlchst „e LffE-rnM5-la5sn. AlleAusnLhmsösftiAMMLrnVerSsa'beMgt «Mnsftsiheit» D!e rmgeftorte RsU§!sRsWr??rz rslrö Lurch vesfauMg grrsahrkslstst unö sieht mUi sisaLllchsm Schuh. cwgC'Tjieinefi Staatsgesetze bleiden hiervon unberührt» Eeneralreferat. In prägnanter Kürze fügte er Tatsachen und Arbeitsbericht zu lebendiger Ein. heit. Erörterungen über taktische Fragen wurden in ihren prinzipiellen Zusamnunhang gestellt. Politische, organisatorische und kulturelle Fragen, wirtschastspolitische und Rechlsange. legenhciten und Probleme der Jugendarbeit. Fast die gesamte A u s sp rache,, in deren Verlauf auch über die Festigung und den Ausbau der Beziehung zwischen R. j. F. und C. 33., die naturgemäß zusammengehören, gesprochen wurde, griff auf die Ausführungen Holländers zurück. Je nach Temperament und Intellekt fielen die Beitrage zur Diskussion positiver oder negativer, optimistischer oder skeptischer aus. Ein Grundton aber wurde durch alle Verschiedenheiten hindurch innner wieder vernehmlich: die Gewißheit, daß Sic* bincttsstürze keine Erschütterung unserer Arbeit. Erfolge von Parteien keine Zerreißung unserer Bindung au die deutsche Umwelt bedeuten. Mit besonderer Aufmerksamkeit naben der Arbeitsausschuß noch in später Abendstunde Referate über die Boykottfrage entgegen, die von unserem Rechtsanwalt Tr. Rudolf Callmann und dem Leiter der Rechtsschutzabteilung des C. V., Rechtsanwalt Dr. Hans Lazarus, gehalten wurden. Nur ausgewählte prinzipielle Gebiets dieses ausgedehnten Fragenkreises kamen zum Vortrag. Aber hinter ihnen wurde die ungeheuere Fülle der Arbeit - sichtbar, die zäh und opfervoll Jahre hindurch r geführt und erfolgreich unterbaut wurde. Was an Willen, Bewußtsein und Zielsetzung am 29. Januar im Arbeitsausschuß des Central. Vereins deutlich wurde, wird in hundertfach erneuerter Weise überall dort wirksam werden, wo jüdische Menschen, hoffnungsvoll oder zweifelnd, sich einer schweren Gegenwart gegenüber sehen und das sichernde Gefühl brauchen, in einen großen Kreis von Menschen, in eine starke Organisation eingereiht zu sein, für die Recht, * Leben. Ehre unzerstörbare Grundpfeiler ihres Seins, unwandelbare Zielpunkte ihrer Arbeit sind. Art <*. -7*•. < <? Das Referat des verstorbenen Professors Sobernheim im Auswärtigen Amt, die Behandlung der das Ausland angehenden jüdischen Fragen, wird als selbständige Stelle im Auswärtigen Amt nicht wieder beseht werden. Dagegen ist vom Rcichsaußemnimster der .Direktor des Seminars für orientalische Sprachen, Profegor Tr. Eugen Mittwoch, als ehrenamtlicher Berater des Ministeriums bestellt worden. Mittwoch, der seit Jahren in jüdischer Arbeit sieht und auch das Auslands- Judentum aus Reisen gut kennt, ist ein wissenschaftlich anerkannter Gelehrter, dessen letzte Arbeiten aus dem Gebiete der sabäischcn Inschriften eine richtunggebende Bereicherung der Orientalistik bedeuten. Wir glauben, daß seine ruhige, abgeklärte Art. Tinge und Menschen zu ■ sehen und zu behandeln, ihn sür den Posten im Auswärtigen Amt besonders geeignet machen. Wir wünschen unserem treuen Mitglieds von i Herzerr Glück und Erfolg auf feinem wichtigen Posten, den er zu Nutzen des Dakerlandes segensreich verwalten möge. Auf dem jüdischen Friedhof in Große n - L i n d e n bei Gießen wurden von fünf Gräbern die Denkmäler hernbgeskürzk und zum Teil zertrümmert. Die Täter konnten bisher noch nicht ermittelt werden,

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