Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1933-01-26 · 4 (26.1.1933) · p. Seite 28

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
4 (26.1.1933)
Date
1933-01-26
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2277379-2277993-2277997--07760-2288695
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Berlin Kiusliche Veranstaltungen Im Hause eines christlichen Freundes. der im Kreise seiner Bekannten eine Aussprache über den Talmud wünschte, sprach Rabbiner Dr. Löwen stamm (Spandau) in einem Kursus von vier Abenden über „W a s i st der % a 1 m u bV Tie Borträge lösten ein so starkes Interesse aus, daß der Gastgeber einen neuen Kurs für ein gründlicheres Studium zu orgavisieren beabsichtigt. Im Hause unseres altbewährten Haupt- Vorstandsmitgliedes Profepor Sch neider (Berlin-Friedenau) sprach das Mitglied des Lan- .desverbandsausschunes Groß-Berlin Tr. Karl Rosenthal „Don deutscher Not und wahrer Dolk § geme inschast" vor einer nichtjüdischen Hörerschaft. Auch hier trug eine lebhafte Aussprache zur Klärung der vielmnstrittenen.chZudensrage* bei. — Tie Tezembernummer der Monaisausgabe der .,C. P.-Zeitung^ wird neben der Broschüre „Wir deutschen Juden* täglich in den Haushaltungen westlicher Stadtviertel von Groß- Berlin verteilt. Aus der Arbeit der C. V.-3ugendgemeinschaft Die C. V. - Iu gend gemeins chast, die seit etwa zwei Jahren in Groß-Berlin weniger in der Oesstntiichkeit, dafür aber intensiver in den Schichten junger Menschen arbeitet, die für eine Mitgliedschaft in Frage kommen, sieht von Zeit zu Zeit eine Notwendigkeit darin, auch andere Kreise aus ihre Arbeit Berliner Miioüsder! [Wofür sollen v/ir Ihr Geld ausgeben? Für unnötige Mahnungen oder für die Arbeit? JJeb erweisen Sie uns, bitte, Ihren Beitrag! Lassen Sie uns doch nicht mahnen! C. V. Landesverband Gross-Berlin Postscheckkonto Berlin 115 501« aufmerksam zu. machen, bzw. den Wert ihrer geleisteten Aroeit auf die Probe zu stellen. Sie macht es einmal dadurch, daß sie ganze ch r i st! i ch e Gruppen zu sich bittet und mit diesen zusammen Klärungs-, d. h. Aufklärungsetrbeit zu leisten versucht, und ein anderes Mal tritt sie mit Proben ihrer Arbeit vor eine größere Mische Leffentlichkeit. . Die Monate Januar und Februar sind in reichstem Maße für beide Arten der Leistungs- Prüfung von der E. V.-Jugendgemeinschaft ausersehen worden. Neferentenaustausch zwischen tbr und nichtjüdischen Organisationen, Aufklärungsabende mit den Themen: „Deutsches Bo lk s tum* und „A n t i f e m i 11 §m u S* find bestens vorbereitet und werden hoffentlich wie einige bereits vorangegangene dazu beitragen, die Kenntnis von Juden und Nichtjuden such in Jugendkreisen zu erweitern. - Am 22. Januar 1933 hatten dieIüngeren- Gr u ppen der C.D.-Jugendgemeinschaft Eltern und Freunde in die Johaun-Georg-Säle in Halensee zu einer Matinee eingeladcn. Einige hundert Menschen waren dem Ruf befolgt und anerkannten durch reichen Beifall die Arbeit der Elf- und Vierzehnjährigen, aus deren verschiedensten Gebieten sie Proben sahen. Als bemerkenswert sei hervorgehoben, vatz ein aufgesührtes Werbestück und einige Sprcchchöre von den jungen Tarstellern selbst verfaßt waren. Am 23.,Januar veranstaltet eine Aeitere N-Gruppe der C.V.-Jugendgemeinschast In Derlin-Lichtenberg eine ähnlich aufgezogene Wrrbekundgebu^. mit der auch sie Aufmerksamkeit für ihre Arbeit in den Kreisen der Alteren Eenerutüni finden will. SWSl! von Lm Es standen letzthin und oft genug schon in früherer Zeit in diesen Blattern Aussätze gegen die völkische Beschuldigung, der Verderb unserer zeitgenössischen Literatur wären die Juden. Ich wundere mich darüber, daß man bei der Abwehr so hirnloser Anklagen den Hauptgesichtspunkt aus der Acht gelassen, daß keiner den historischen Standpunkt genommen hat. Was läßt sich z. B. gegen unseren Journalismus sagen, wenn gesagt werden soll, er sei verdorben, und zwar , durch die Juden? Läßt sich enoa das folgende sagen? ..Biele vier neu offenbar das Schlechte, sie stoßen in die Posaune für das Brot, unkn in voller Schande des Gefühls, daß sie das Heilige entweihen, streichen sie das Geld ein. das die Betörten ihnen znwerstn. Tiefe feigen und feilen Seelen führen das große Wort und tun gar laut und wichtig, stellen sich auch wohl zuweilen. als seien sie die Auserwählten, um di? Zeitgenossen zu bilden und zurcchtzuweisen. Ohne Geist und Bildung umfließt dieser schmutzige Strom die Zeit. Nichts hat die alte Kraft und den alten Verstand mehr ans der Welt gejagt, nichts die Leerheit. Pinselei und Mattigkeit des Geschlechts mehr gefördert, nichts die Weiber mehr verdorben als das elende Geschmeiß. Tiefe sind es. welche ich die Betrüger nannte." Das kann man sagen, und das ist gesagt worden, aber — angenommen, es träfe aus unsere Presse zu — sind damit im besonderen die jüdischen Schreiber getrosten? Biele dürften glauben, so Hartes, wie in den angeführten Sätzen, ließe sich doch wohl nur gegen die jüdischen Schreiber sagen. In der Tat enthalten diese Sätze das allerhärtest Sagbare. Aber sie rühren her von nuferem, großen Patrioten Ernst Moritz Arndt (stehen in feinem „Geist der Zeit", Leipzig, Mar Hesse. I. S. 46). sind aus dem Jahre IM und nicht gegen jüdisch? Journalisten gerichtet, die es damals noch gar nicht gab. Ich wollte nur ein Beispiel bringen. Tie Geschichte der Literatur ist voll von ähnlichen Anklagen, die heute ausschließlich aus die jüdischen Schreiber geworfen werden. Aber wo lernt man aus der Geschichte; wozu eigentlich sieht man hinein in die Geschichte? Bei uns sind viele überzeugt davon, daß die Juden machen, was unserem deutschen Volk nicht gefallen darf; und den Verbreitern solcher Ueberzeugung gefällt nichts, wovon sie wissen, es rührt von jüdischen Schreibern her; und auch, was ihnen wohlgefiel, che pw wußten, daß jüdisch; Schreiber die Urheber seien, gefällt ihrer lieberzeugung nicht mehr. Wie viel wert ist solch? Ueberzeugung und solch-e Anklage? So viel wie der Judenhaß. Es geht mit den übrigen Vorwürfen gegen die Juden nicht anders. Man muß geschichtlich sehr unwissend fein, wenn man nicht weiß: ohne daß Juden beteiligt waren, hat die Gesellschaft schon oft in den gleich großen Nöten und Aengsten gelebt wie heute; selbst wirklich faul und verdorben waren die größten Reiche ohne jegliche Schuld und Beihilfe der Juden. Und ist nicht eigentlich taub, wer überhören kann, daß die Nationalsozialistische Partei anderen po!> tischen Parteien aufs Haar genau die gleichen Vorwürfe macht wie Len Juden? Nur Laß sie dazu sagt, die nichtjüdischen Volksgenossen dieser Parteien seien von den Juden verführt. Wo das nicht angängig, wie z. B. gegenüber den Teutschnationalen. bleiben die Vorwürfe dieselben Vorwürfe, ohne das; der Name Jude mit genannt wird. Abei es entsteht förmlich eine Verlegenheit; etwas ist nicht in Ordnung. In Ordnung wäre alles, wenn sich tatsächlich ganz allein nur Len Juden die entsetzlichen Vorwürfe machen ließen. Können, müssen diese auch gegen andere Mensche erhoben werden, so dürste am Ende —- — —. Nein, auf diesen Verdacht gerät kein Nationalsozialist, daß die Eigenschaften der Juden menschlich seien oder, mit Eonstantin Brunner zu reden, daß an den Juden der allgemein menschliche Egoismus gehaßt wird, den man an sich selbst nicht für Egoist rn u §. sondern für Bst oral erklärt, und daß der Iudenhaß jedes originalen Zuges ermangele, wodurch er von M en s ch e nh a ß unterscheidbarsein würde. Zum Glück aber ist auch Teutschland nicht derdäämg. daß cs ein ganz und gar nationalsczialisti'ches Teutschland werden könnte. Hitlers geheime und immer sichtlicher zutage tretende Angst vor dem, was er erstrebt^ ist sehr berechtigt. Er erstrebt, ohne es zu wissen, das lentmögliche Unglück und die Zersetzung Deutschlands. Tas schönere Teutschland erwacht und besinnt sich, noch bevor der unschöne Hitler erwacht zu der Besinnung, daß man sich auf die Tauer nicht ungestraft aller Waisen bedienen kann; der Nationalsozialismus undu viele und immer mehr Gegner, bis die von dieser Karikatur des Deutschtums ber drohenden Gefahren besiegt sind und Teutschland wieder ein Ordnnngs- und Rechtsstaat für alle Bürger sein wn) damit auch die frühere Weltgeltung wieder erlangen wird. r ' 1' ’kt In dem flctr.cn Städtchen Wahn, unweit von Köln, wurde seit längerer Zeit die einzige dort lebende jüd siche Familie von Nationalsozialisten bedroht, vermlgt und beschimpft. Als eines Abends wiederum Nationalsozialisten an dem bans des Metzgers vorüberzogeu und antisemitische Trohrufe ame-stießen, setzte sich der Schn der Metzgermmilie zur Wehr und brachte ^dem Anführer der nalirnalfozialistischerr E-etzer Schläge mit einem Hausfchlüpel best T es halb hatte sich der Metzgersst-Hu kürzlich vor dem cin.stichen Schöffengericht zu verantworten. In der Verhandlung wurde die Leidensgeschtchte d-er jüdischen Familie ausführlich dargestellt. Während der Staatsanwalt gegen den Angeklagten eine Geldstrase^ron 5(f Reichsmark beantragt hatte, gab das bericht dem Antrag des Verteidigers auf Freispruch statt, weil der Angeklagte in Notwehr gebandelt habe. —Id— t (] Daz ist die Titelseite der neuesten antisemitischen Brosthure für die Massen, die die NSDAP, fcerausgibt. Die Schrift üt eine der verlogensten, ater auch eine der aufreizendsten, die in den letzten Jahren erschienen sind. Dem Judentum *rird darin die Verantwortung 7ucreschoben, die ^SDAP. aus der Fi'innig, des. Reiches ausgeschlossen zu haben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.